cancer-society-ad.jpgSelbstmord per Sonnenstrahlen!?

Meine Schwester tötete sich aus Versehen. Sie starb an Hautkrebs!” (“My sister accidentally killed herself. She died of skin cancer” – Abbildung vergrößern durch Klick auf das Bild)

Eine junge Frau trauert um ihre tote Schwester und drückt ihr Bild verzweifelt an die Brust. Mit diesem Foto als Aufmacher startete jüngst die US-Krebsgesellschaft American Cancer Society eine gigantische Anzeigen-Kampagne gegen Solarien und für Rundum-Sonnenschutz.

Das Foto war eine Lüge, die junge Frau ein Model. Schlimmer noch, die Kampagne wurde finanziert von der Kosmetik-Industrie, genauer: vom Sonnencreme-Produzenten Neutrogena, Tochtergesellschaft des Kosmetik-Multis Johnson & Johnson, der sich von der Panikmache in Sachen UV-Strahlung ein gutes Sommer-Geschäft versprach. Das “Wall Street Journal” titelte dazu: “Sun Shines On Funding of Cancer-Prevention Ad” (“Die Sonne scheint auf die Finanzierung der Anzeigen zur Krebs-Vorsorge”).

Als der Schwindel aufflog, ging eine Welle der Empörung durch den US-Blätterwald. Vor allem amerikanische Dermatologen und Wissenschaftler protestierten und sahen ihre Bemühungen um eine ausgewogene Aufklärung der Bevölkerung über Nutzen und Gefahren der Sonnen- und UV-Strahlen für die menschliche Gesundheit diskreditiert.

Prof. Marianne Berwick von der University of New Mexico, eine der international renommiertesten Epidemologen auf dem Forschungsgebiet UV-Strahlen und Hautkrebs, kritisierte die unsinnige Gleichsetzung von “weissem” und “schwarzem” (Melanom) Hautkrebs. Schon 2005 hatte ihre Forschergruppe herausgefunden, dass mehr Besonnungszeit bei einer Melanom-Diagnose die Überlebenschancen erhöht und nicht senkt.

Dr. Barry Kramer, stellvertretender Direktor für Gesundheit und Prävention am National Institutes of Health dazu in der New York Times:

Es gibt recht sichere Hinweise darauf, dass Sonnenschutzmitttel gegen den `weisse´ Hautkrebs schützt – aber nicht gegen das Melanom. Darauf aber zielt die Botschaft in der Werbung. In Wahrheit gibt es keinerlei verläßliche Belege dafür, dass Sonnenschutz-Cremes Todesfälle (durch “schwarzen” Hautkrebs) verhindern“.

Tatsächlich haben Studien nachgewiesen, dass der Gebrauch von Sonnenschutzmitteln das Melanom-Risiko sogar erhöhen können, da sich die Anwender in falscher Sicherheit wiegen.

Quelle: New York Times

Bericht über die Kampagne der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) hier

Keine Kommentare zu “"Lies, damn lies…" US-Krebsgesellschaft mit gesponserter Kampagne in der Kritik”

  1. [...] Leben – oder besser: am schrecklichen Tod – als ihre Kollegen in den USA (wir berichteten: “Lies, damn lies….”) operieren in diesen Tagen die PR-Manager der Australian Medical Association (AMA): Sie nutzen den [...]

  2. [...] Kollegen der australischen Krebsgesellschaft, die American Cancer Society,  hatte mit einer ähnlichen Kampagne und etwas mehr Skrupeln weniger Glück: In ihren TV-Spots und Videos beweinte eine hübsche junge Frau den Hautkrebs-Tod ihrer Schwester [...]

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