Vitamin D-Mangel und Hüftbruch50 Prozent der alten Menschen in der Schweiz, die einen Hüftbruch erlitten und zuvor zu Hause gelebt hatten wiesen einen deutlichen Vitamin D-Mangel auf. Bei Hüftbruchpatienten aus Alters- oder Pflegeheimen lag dieser Prozentsatz noch höher: nämlich bei 72 beziehungsweise 76 Prozent. Nur vier Prozent der eingewiesenen Patienten verfügten über einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel (75 nmol/l).

Diese Daten von 222 Patientinnen und Patienten präsentierte jetzt ein Team am Universitätsspital Zürich unter Leitung der international renommierten Forscherin Prof. Heike A. Bischoff-Ferrrari.

Unsere Untersuchung ergab, dass die im Blut der Patienten gemessenen Vitamin-Spiegel generell etwa fünfzig Prozent unterhalb der Marke lagen, welche die Patienten eigentlich haben müssten, wenn sie die vorgeschriebene Menge an Vitamin D erhalten würden“, so Bischoff-Ferrari.

Dass Vitamin D für starke Knochen wichtig ist, sind sich viele nicht bewusst. Doch Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium und Phosphat (wie das Kalzium ein wichtiger Bestandteil der Knochen) im Darm und den Einbau von Kalzium in die Knochen. Zudem stärkt Vitamin D die Muskulatur und wirkt damit Stürzen entgegen.

Vitamin D kommt in der Nahrung nur sehr beschränkt vor. Es wird im Körper selbst hergestellt – vorausgesetzt, die Haut wird täglich etwa 20 Minuten der UV-Strahlung der Sonne ausgesetzt. Allerdings ist die Sonne keine verlässliche Quelle, da bei älteren Personen die hauteigene Vitamin-D-Produktion unter Sonnenbestrahlung vierfach abnimmt (im Umkehrschluss: Der “Sonnen-Bedarf” bei älteren Menschen ist um ein Vierfaches höher als bei jüngeren). Zudem können im Winter in Europa junge und ältere Menschen nicht ausreichend Vitamin D produzieren, da die Sonnenintensität nicht ausreicht.

Die Forscher schlagen daher eine systematische Nahrungsergänzung mit Vitamin D vor. Kalzium dagegen sei wirkungslos oder gar schädlich:

Wir konnten keinen schützenden Effekt von Kalzium auf das Hüftfrakturrisiko finden. Im Gegenteil, es gibt Hinweise, dass Kalziumtabletten das Risiko für eine Hüftfraktur sogar erhöhen“, so Bischoff-Ferrari.

Auch eine im Dezember erschienene Studie aus Australien (University of Western Australia, Perth) stellt fest, dass eine langfristige Wirkung auf die Knochendichte und -stabilität älterer Menschen nur durch Vitamin D-Ergänzungen, nicht aber allein durch Kalzium zu erreichen ist

Die Vitamin D-Lücke mit künstlicher Besonnung (Solarium) zu überbrücken, wird im Bericht der Wissenschaftler aus der Schweiz und Australien (noch) nicht diskutiert.

Quelle: idw

Studien:
Bischoff-Ferrari H.A., Can U., Staehelin H.B., Platz A., Henschkowski J., Michel B.A., Dawson-Hughes B., Theiler R., Severe Vitamin D Deficiency in Swiss Hip Fracture Patients, Bone, Online-Publikation vorab, 28. November 2007.

Bischoff-Ferrari H.A., et al., Calcium Intake and Risk of Hip Fracture in Men and Women: A Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies and Randomized Controlled Trials, American Journal of Clinical Nutrition, Online-Publikation vorab, 7. Dezember 2007.

Kun Zhu et al.,  Effects of calcium and vitamin D supplementation on hip bone mineral density and calcium-related analytes in elderly ambulatory Australian women: a 5-year randomized controlled trial, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, online vorab publiziert, 18. Dezember 2007

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