Monatsarchiv für Februar 2008

Sonnenflecken und RevolutionenSeit Menschengedenken haben Forscher, Philosophen und Poeten über den Einfluss der Sonne auf die menschlichen Geschicke spekuliert. In den 20ger Jahren des vorigen Jahrhunderts glaubte der russische Astronom A.L. Tschijewsky einen direkten Zusammenhang zwischen den periodisch in Abständen von 11 Jahren wiederkehrenden Sonnenflecken und Turbulenzen, wie etwa Revolutionen, in der Geschichte der Menschheit über drei Jahrtausende entdeckt zu haben.

Mit den modernen biometrischen und statistischen Methoden machte sich jetzt der slowakische Statistiker M. Mikulecky an die Überprüfung dieser These. Und siehe da, bei der Analyse von Geschichts-Daten und der Erscheinung von Sonnenflecken aus einigen tausend Jahren fand er in der Tat:
Revolutionen fielen überwiegend mit dem Höhepunkt der Sonnen-Aktivitäten zusammen, während kulturelle und wirtschaftliche Blütezeiten auf die Perioden geringer Sonnen-Eruptionen beschränkt waren.

Quelle: PubCrawler

Studie: M. Mikuleck, Solar activity, revolutions and cultural prime in the history of mankind, Neuro endocrinology letters (Schweden), Dezember 2007 ;28(6):749-56.

Ohr Hörschaden Vitamin DMit zunehmendem Alter nimmt auch das Hörvermögen ab. Dass dieser Verlust auch mit dem “Sonnenschein-Vitamin” D3 und mit der Fähigkeit der “Verarbeitung” von Vitamin D im Ohr zusammenhängen könnte, hat jetzt eine finnische Forschergruppe bei Maus-Experimenten nachgewiesen.

Mäuse (sog. Knock-Out Mäuse) mit einem defekten Vitamin D-Rezeptor verloren ihre Hörfähigkeit wesentlich schneller als “normale” Mäuse, derKO-Maus Alterungsprozess bestimmter, für das Hören wichtiger Zellen verlief rascher.

Ob und in welchem Umfang dieser Prozess, das heißt die schnellere Abnahme der Hörfähigkeit bei Vitamin D-Mangel, auf Menschen übertragbar ist, bleibt natürlich eine offene Frage.

J. Zou et al., Progressive Hearing Loss in Mice with a Mutated Vitamin D Receptor Gene, Audiology & Neurotology, 7. Februar 2008 ;13(4):219-230

aad.jpgKosmetikfirmen in den USA können sich ein “Gütesiegel” mit dem AAD-Logo für ihre Sonnenschutz-Produkte von der American Academy of Dermatology (AAD), des US-Dermatologenverbands, gegen Zahlung von 10.000 Dollar für den Antrag und weitere 10.000 Dollar pro Produkt kaufen. Die Produkte müssen den allgemeinen Bestimmungen der FDA (Food and Drug Administration) genügen. Eine eigene Qualitätsprüfung ist mit diesem verbandsoffiziellen Siegel nicht verbunden.

Erst durch die heftigen Proteste von 60 Mitgliedern des Verbands, die eine Diskussion dieser Praktiken gestern beim diesjährigen Dermatologen-Kongreß erzwangen, wurde die Öffentlichkeit auf diesen Skandal aufmerksam. Schon in den 90ger Jahren hatte ein ähnlicher Vorfall das Ansehen des US-Ärzteverbandes, der American Medical Association, beschädigt.

In den USA, wie in einigen anderen Ländern, haben die Dermatologen-Verbände traditionell ein sehr enges Verhältnis zur Kosmetik-Industrie, die sich auch bei der Finanzierung von Anti-Solarien-Kampagnen engagiert.

Quelle: Newswire

Sonnen in der Freizeit im Freien oder im Solarium senkt das Risiko von Blutkrebs, der die Lymphknoten befällt (non-Hodgkin’s Lymphoma, NHL). Eine Meta-Studie, Zusammenfassung von 10 Originalstudien, der Universität Sydney, Australien, kommt jetzt zu diesem Schluß.

Die Ergebnisse dieser Studien legen den Schluß nahe, dass ….ein Muster wiederholten Sonnens am effektivsten ist beim Schutz vor NHL,” so die Leiterin der Forschungsgruppe, Prof. Anne Kricker in der Fachzeitschrift International Journal of Cancer.

Insgesamt knapp 20.000 Teilnehmer wurden in den 10 Studien untersucht.

Als “Sonnen in der Freizeit” definierten die Forscher die Anzahl von Stunden, die ein Proband an Feiertage im Freien verbracht hatte. Vor allem Sonnenesposition im Alter zwischen 18 und 40 Jahren sowie in den 10 Jahren vor dem Ausbruch der Krankheit erwies sich als besonders effektiv.

Quelle: PubMed, Reuters Health

Studie: A. Kricker et al., Personal sun exposure and risk of non Hodgkin lymphoma: a pooled analysis from the Interlymph Consortium, International Journal of Cancer, Januar 2008 ;122(1):144-54

BrustkrebsEin deutsche Studie auf breiter Grundlage bestätigt frühere Erkenntnisse (wir berichtete z.B. hier, hier, hier und hier), dass das “Sonnenschein Vitamin” (gemessen als Serum 25(OH)D) das Risiko von Frauen jenseits der Menopause erheblich senkt, an Brustkrebs zu erkranken. Je höher der Vitamin D-Spiegel im Blut, desto stärker sinkt das Brustkrebs-Risiko um bis zu knapp 70 %.

Die Heidelberger und Hamburger Forscher nutzten die Daten aus Interviews mit ca. 2.800 Frauen im Alter zwischen 50 und 74 Jahren.

Die Studie wurde von der Deutschen Krebshilfe unterstützt.

Quelle: PubMed

Studie: Jenny Chang-Claude et al, Serum 25-hydroxyvitamin D and risk of post-menopausal breast cancer—results of a large case–control study, Carcinogenesis, 2008 29(1):93-99

Clare Oliver in Anti-Solarium-KampagneDie Angst-Kampagne der Australian Cancer Society und der Australian Medical Association (AMA), die den Krebstod der Clare Oliver im australischen Bundesstaat Victoria für ihre PR-Zwecke ausbeutete, trägt “Früchte” (wir hatten darüber berichtet). Eine Folgeserie von grauenerregenden Fernsehspots hat vor allem bei jungen Mädchen im Staat Victoria eine Panik ausgelöst. Die Hautkliniken des Staates sind auf Wochen ausgebucht, weil junge Frauen ihre Haut auf Anzeichen von Hautkrebs untersuchen lassen wollen. Die Geschäfte in privaten sogenannten Hautkrebs-Kliniken brummen trotz Warnungen von Experten in den Universitätskliniken des Landes vor falschen Diagnosen und überflüssigen Behandlungen.

Video-Kampagne gegen SolariumDie Regierung des Staates Victoria hatte nach dem Tod von Clare Oliver in aller Eile ein Gesetz verabschieden lassen, das von Sonnenstudios eine Lizensierung mit weitgehenden Auflagen verlangt. Wer sich nicht lizensiert oder die Auflagen nicht erfüllt, kann mit einer Strafe in Höhe von fast 1 Million australischer Dollar rechnen.

Der Einsatz von TV-Spots und vor allem von Videos in den weltweiten Video-Portalen im Internet, wie etwa YouTube (Suche unter “Solarium”) wird seit einiger Zeit nicht nur von den australischen sondern auch von US- und europäischen Krebs-Organisationen aggressiv genutzt. Beispiele hier und hier.

beckham-traegt-nackte-victoria.jpgDass Anti-Sonnen- und -Solarien-Kampagnen auch das soziale Image fördern können, beweist der umtriebige New Yorker Mode-Designer Marc Jacobs mit der splitternackten, gut gebräunten Victoria Beckham auf weissem T-Shirt (s. Foto) und dem Slogan: “Protect The Skin You’re In“. Erster Shirt-Träger ist Ehemann David Beckham.

Quelle: news.com.au/Berichte in australischen Tageszeitungen/dpa

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