Achtung Sonnen - Broschuere“Achtung Sonne!” lautet der diesjährige Kampagnen-Slogan der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Bei der heutigen Pressekonferenz im noblen hamburgischen Steigenberger Hotel ging es, wie in den Jahren zuvor, um die Hautkrebs-Prävention und um das “Wie-sag-ich`s-meinem-Kind” im wahrsten Sinne des Wortes.

Die neue Kampagne zielt denn auch vor allem auf die jungen Mütter, die Ihren Kleinkindern bereits die Gefahren der Sonne unauslöschlich in die noch formbaren Gehirne einpflanzen sollen. Unterstützt von gut gemachten und informativen Broschüren und einer sonnengelben Wüstenkappe mit Sonnenwarnung: Achtung Sonne! Entlehnt dem ebenso bekannten wie wirkungsvollen “Achtung vor dem bissigen Hund“.

Dr. Eva Kalbheim, Pressesprecherin der DKH, unterstrich in Ihrer Einleitung wohlweislich, dass man den Menschen nicht den Spaß an der Sonne verderben wolle. Wohlweislich, weil dann in den Vorträgen der Drs. Breibart und Greinert das gesamte Folterarsenal an Hautkrebs-Statisktiken und sehr selektiv zitierten Studien keinen Zweifel mehr zuliess: Die Sonne meiden ist das einzig wirksame Mittel gegen den Hautkrebs, wobei im Interesse der großen Zahl auch die “weissen”, zu praktisch 100% heilbaren Hautkrebsarten, in die Graphiken mit eingebaut wurden (Die offiziellen Krebssstatistiken weisen aus gutem Grund diese Krebsarten weder in Deutschland noch sonst irgendwo aus).

Wer also erwartet hatte, dass nach Kanada, Australien und anderen Ländern sich auch bei uns so etwas wie ein leiser Paradigemenwechsel in der Sonnen-Diskussion anbahnen könnte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Wenn inzwischen weltweit die Antwort auf die Fragen nach Gesundheit und Sonne beantwortet wird mit einem ausgewogenen: “Vernünftiger Umgang mit (natürlichen und künstlichen) Sonnenstrahlen!” fällt den ADP-Protagonisten nach wie vor dazu nichts anderes ein als: “Sonne vermeiden um jeden Preis!”

Und dass dieser Preis hoch ist, das wird beharrlich ignoriert, hunderte von Studien aller Methodenrichtungen allein über die verheerenden Vitamin D-Defizite durch ein “zu wenig” an Sonne – vor allem im Vitamin D-Winter – wird mit kuriosen Argumenten schnell vom Tisch gewischt. Die Kosten der Hautkrebs-Behandlung (von Dr. Breitbart auf stolze 3 Mrd. Euro geschätzt) werden nicht etwa den durch Sonnen- und Vitamin D-Mangel entstandenen Gesundheitskosten gegenübergestellt (nach Berechnungen von Harvard-Wissenschaftlern in USA allein ca. 56 Mrd. Dollar)  – das würde das “Sonnenbild” der ADP halt auf den Kopf stellen (über eine eben erst veröffentlichte, von der WHO initiierte Studie dazu haben wir berichtet).

Und natürlich nahmen die Attacken auf den Lieblingsfeind der ADP, die Solarien, den breitesten Raum ein. Da half auch nícht der Hinweis auf die Proportionen: Geschätzte 1,6 Fälle von Sonnenbrand pro Jahr im Sonnenstudio auf 1.000 Menschen (Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren) stehen mehr als 800 Fälle/Jahr von Sonnenbrand vor allem in den Ferien gegenüber. Die notwendige Einsicht, dass unvernünftiger Umgang mit der Sonne und mit UV-Strahlen von niemandem gewollt, geschweige denn betrieben wird, bleibt im Interesse publikumswirksamer Feindbilder ungesagt, ebenso wie die Tatsache, dass die undifferenzierten Angstkampagnen den Sonnen-Missbrauch über die Jahre eher bestärkt als vermindert haben. Statt einer Bündelung aller Kräfte für eine “Vernunft-Kampagne” werden – anders übrigens als in manchen anderen europäischen Ländern – alte Gräben zäh verteidigt, zum Schaden der Volksgesundheit.

Geprüftes SonnenstudioAllerdings verwiesen die Gastgeber doch mit verhaltenem Lob auf die Zertifizierung der Sonnenstudios, scheuten dann allerdings davor zurück, das Kind beim richtigen Namen zu nennen: “Geprüftes Sonnenstudio”.

Einen beachtlichen Erfolg dagegen konnten DKH und ADP mit der neuen Regelung eines weltweit bisher einzigartigen flächendeckenden Hautkrebs-Screenings (kostenfrei ab 35 Jahren mit zweijährigen Wiederholungen) vorweisen, ein fünfjähriger Feldvesuch, von dem sich die Experten Erfolge in der Sekundär-Prävention sowohl des “weissen” als vor allem aber des “schwarzen” Hautkrebs versprechen.

Skeptiker auf der Solarien-Seite allerdings ahnen schon jetzt, dass in den ADP-Kampagnen der kommenden Jahre dann die unvermeidlich steil angestiegenen Zahlen gemeldeter Hautkrebserkrankungen wieder der (nur in den Angstträumen von ADP-Adepten exisitierenden) ständig steigenden Solariennutzung angelastet wird. Aber vielleicht haben ja die beiden Kontrahenten bis dahin ihre Hausaufgaben gemacht (hie Zertifizierung der Studio-Mehrheit, dort Aggressionsabbau) und die Kampagne 2009 dient dann dem gemeinsamen “Vernunft-Ziel”.

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