Monatsarchiv für Mai 2008

Künstliche Besonnung in der Schwangerschaft verhindert Osteoporose beim Kind

Frauen, deren letzte Schwangerschaftsmonate in den Winter oder das Frühjahr fallen, sollten regelmäßig künstliches Sonnenlicht nutzen, um Ihre Babies vor Osteoporose zu schützen.

Das raten Mediziner am englischen Royal Lancaster Infirmary nachdem sie in einer Studie mit 17.000 Frauen festgestellt hatten, dass Kinder von Müttern, die in den letzten drei Monaten ihrer Schwangerschaft – vor allem im Sommer – ausreichend Sonnenstrahlen abbekommen hatten, als Erwachsene zu 40 Prozent weniger an Osteoporose, Knochenschwund, erkrankten.

Dr Marwan Bukhari, einer der Autoren der Studie: “In unserem Land bekommt man nur zwischen Mai und September genügend Sonnenlicht für ausreichend Vitamin D. Schwangere Frauen sollten daher neben nahrungsergänzendem Vitamin D in dieser Zeit viel “gute” Sonne bekommen – am besten in Nordafrika oder am südlichen Mittelmeer.”

Da die meisten Frauen aber nun einmal nicht in der Lage seien, für drei Monate ans Mittelmeer zu reisen, wenn der Geburtstermin zwischen Ende September und Anfang Mai liege, sei das künstliche Sonnenlicht eben der sinnvollste Ersatz.

Selbst ältere Patienten jenseits von 50 Jahren litten zu 20-40 Prozent seltener an Osteoporose, wenn die letzten Schwangerschaftsmonate ihrer Mütter in den Sommer fielen, so die bei der British Society for Rheumatology eingereichte Studie.

(Allein im letzten halben Jahr sind mehrere Studien zu diesem Thema zum gleichen Ergebnis gekommen – wir berichteten hier und hier)

Quelle: The Sunday Times (“Sun lamps help unborn babies beat osteoporosis”)

Eine weitere Studie, dieses Mal aus Australien, bestätigt den weit verbreiteten Mangel an Vitamin D bei schwangeren Frauen mit den negativen Folgen für die Neugeborenen:
Studie: L. Bowyer et al., Vitamin D, parathyroid hormone and calcium levels in pregnant women and their neonates. Clinical Endocrinology (Oxf). 20. Juni 2008 (vorab online)

Ein umfassender Überblick zu diesem Thema:

Studie: Reinhold Vieth et al., Vitamin D: A Growing Perspective, Critical Reviews in Clinical Laboratory Sciences,Volume 45, 4. July 2008 , 339 – 414

Es gibt reichlich wissenschaftliche Belege dafür, dass Vitamin D eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung des Gehirns und bei seinen Funktionen spielt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine zusammenfassende Studie der verfügbaren Literatur zum Thema Vitamin D, Gehirn und menschliches Verhalten. Die Autoren weisen zwar auf die noch vorhandenen Lücken in der Forschung hin, fühlen sich aber berechtigt, eine bessere Vitamin D-Versorgung vor allem von Problemgruppen wie Kleinkindern, älteren Menschen und Farbigen zu fordern.

Quelle: Science Daily

Studie: Joyce C. McCann, Bruce N. Ames, Is there convincing biological or behavioral evidence linking vitamin D deficiency to brain dysfunction? The FASEB Journal. 2008;22:982-1001

Eine umfassende Übersicht über den Stand der Wissenschaft zu diesem Thema ist ebenfalls soeben erschienen:

J.S. Buell, B. Dawson-Hughes, Vitamin D and neurocognitive dysfunction: Preventing “D”ecline? Molecular aspects of medicine 2008 May 13. [Epub ahead of print]


Stellen Sie sich ein Nahrungsmittel vor, das hilft bei der Vorsorge vor Krebskrankheiten, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tuberkulose, das Knochen stabil macht und vor Autoimmun-Krankheiten wie Multipler Sklerose , rheumatischer Arthritis und Diabetes im Jugendalter schützt.” So beginnt ein Artikel in der berühmten Washington Post über die Wirkungen des “Sonnenschein-Vitamins” D.

Im Gespräch mit Wissenschaftlern und Vertretern der US-Gesundheitsorganisationen wie den National Institutes of Health und dem National Cancer Institute referiert die Zeitung die wichtigsten Effekte einer ausreichenden Vitamin D-Versorgung und zitiert Studien und internationalen Konferenzen aus jüngster Zeit (die auch in unserem Weblog vorgestellt wurden – ein Beispiel) bei denen vor allem die erstaunlichen Effekte des Vitamins – das eigentlich ein Hormon ist – bei der Bekämpfung von Brust- Darm-, Prostata- und Lungen-Krebs vorgestellt wurden – neben der zentralen Rolle für die Knochenbildung und -stabilität in allen Altersgruppen.

20 Minuten Sonnenstrahlen oder 400 Glas Milch?

Der einfachste Weg zum Vitamin D, so meint auch die Washington Post, ist der Aufenthalte an der Sonne (oder auf der Sonnenbank). Nur 20 Minuten an der Sommer-Sonne ohne Sonnencreme “produziert” 20.000 IU (Internationale Einheiten) Vitamin D. Das Entspricht etwa 400 Gläsern mit Milch.

Und während eine zu hohe Dosis des Vitamins in Pillenform zu Vergiftungen führen könne, sei das bei der UV-Bestrahlung nicht möglich.

Quelle: Washington Post

Sonne im Park

Willkommen beim Photomed-Kongress - Dr. Norbert Schmid-Keiner

(Wie immer: Ein Klick auf die Fotos ruft das Bild in Originalgröße auf. Das Kongress-Video, s.u., kann auch in höherer Auflösung hier heruntergeladen werden.)

Die Sonne hatte die Botschaft verstanden und spielte mit beim 2. Europäischen Fachkongress Solarien und Besonnung. Alles was Rang und Namen hat in der Solarienbranche hatte sich im Europaparkt in Rust zum Jahresevent rund und Sonne und Besonnung versammelt.

Im noblen Colosseo mit leicht antikem Flair ging es denn auch im ersten Teil des Programms um die “böse” und die “gute” Sonne und um die Entscheidung für eine von beiden.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=kmompaD6VLI]
Neuorientierung auf die Trendsetter!

Das Sonnenstudio der Zukunft - Bernhard HeinzlmaierDie Botschaft des Trendforschers Bernhard Heinzlmaier hätte nicht eindeutiger ausfallen können:
In seinem Vortrag zum “Sonnenstudio der Zukunft” geißelte er ebenso witzig wie zielsicher alles, was auch nur von weitem an Turbo-Bräune und Deko-Palmen seligen Angedenkens erinnerte. Mit Hilfe von sogenannten Sinus-Milieus, Typen sozialer Lebenswelten und sozialer Schichten, demonstrierte er den gebannt zuhörenden Studio-Betreibern die Notwenigkeit, ihre Denke, Kommunikation und Stilsprache einer Klientel anzupassen, die, so Heinzlmaier, bisher eher selten den Weg in die Sonnenstudios gefunden Gespannte Aufmerksamkeithätte und die alles Schrille und Übertriebene verabscheue: Die besser ausgebildeten und besser betuchten mittleren und Trendsetter-Schichten von der “bürgerlichen Mitte” bis zu den “Modernen Performern” und den “Experimentalisten“.

Diese neuen Meinungsführer setzten auf drei Trends, denen das Studio der Zukunft gerecht werden müsste:

  • Sicherheit durch nachprüfbare Qualität,
  • Gesundheit und individuelle Gesundheisförderung (Heinzlmaier: ” Die große Differenzierung der Schichten und Lebenswelten in Deutschland spielt sich gerade über die Gesundheitsfrage ab“),
  • klar erkennbarer Produktnutzen,

und das in einer stilsicheren, eher zurückhaltenden aber bildhaften Ansprache.

Sein Rat an die Branche: Setzen Sie auf diese neuen Zielgruppen und damit auf die Trendsetter, die anderen werden schon folgen!

Ohne die Initiative Sanftes Sonnen einiger Betreiber zertifizierter Studios beim Namen zu nennen, hatte Heinzlmaier zielgenau deren Programm beschrieben. Und lieferte nicht nur damit dem nächsten Redner eine Steilvorlage.

Staatliche Regulierung der Solarien - Dr. Karl-Eugen HuthmacherDie staatliche Regulierung aller Solarien kommt

Der Vertreter der Bundesregierung, der Leiter der Strahlenschutzabteilung im Bundesumweltministerium, Dr. Karl Eugen Huthmacher, nahm den Ball dankbar auf. Mit einer freundlichen Geste in Richtung zertifizierter Studios im allgemeinen und der Initiative Sanftes Sonnen im besonderen ließ Dr. Huthmacher aber keinen Zweifel an der Entschlossenheit seines Ministeriums, die wichtigsten Kriterien des Runden Tisch Solarien (RTS) für alle Studios durchzusetzen – und die 0,3W/m² auch für Altgeräte ohnehin.

Noch nicht alle scheinen das Problem richtig verstanden zu haben!” und in Richtung der versammelten Studio-Betreiber: “Die gesetzlichen Regeln gelten immer und für alle. Die Sicherheit der UV-Bestrahlung muss von allen gewährleistet werden.”

Bei der Frage nach den Übergangsfristen gab er sich zwar konziliant, verwies aber auf die verstrichene Zeit seit Einführung der Zertifizierung. Trotz de Feststellung: “es bewegt sich etwas, die Branche ist im Aufbruch!” sei nach der jahrelangen Hinhaltetaktik der Branche der Eingriff des Gesetzgebers unvermeidlich geworden.

Fragen zum Solarien-Gesetz und zu SolarkosmetikAuch in den Detailfragen, wie etwa der Beratungsqualität und er Zulässigkeit von SB-Studios oder bei dem geforderten Unbedenklichkeitsnachweis für Solarkosmetika bezog der Regierungsvertreter klare Positionen:

  • Kein Betrieb von Solarien ohne qualifizierte Beratung von Erstnutzern,
  • keine Solarkosmetik vor der Besonnung ohne Unbedenklichkeitsnachweis.

Zu dem zweiten Punkt dann noch eine Klarstellung in der anschliessenden Fragerunde, die kein Ende nehmen wollte und den Zeitplan des Kongresses zu sprengen drohte:
Auch in zertifizierten Studios kann alle Solarkosmetik verkauft werden, es muss aber von ihrem Gebrauch vor der Besonnung abgeraten werden – bis die Bescheinigung vorliegt.

Auf die Frage, warum hier wieder einmal nur die Solarien, nicht aber der Verkauf anderswo von ähnlichen Solarkosmetika auf`s Korn genommen würde, hatte Dr. Huthmacher nur ein freundlich verständnisvolles Schulterzucken, mit dem ein “selbst schuld” zumindest angedeutet wurde.

Der Weg sei vorgezeichnet, die Erfolgsvoraussetzungen für die Zukunft seien die vom Vorredner skizzierten: Der Ministerialbeamte als Trendforscher.

Sonne, Vitamin D und sanftes Sonnen - Prof. Dr. Jörg ReichrathDie Wissenschaft auf Seiten der (sanften) Sonne

Auf solidem wissenschaftlichen Boden aber mit gleicher Richtung dann das Wort aus der Forschung: Prof. Dr. Jörg Reichrath referierte, was manchem im Saal revolutionär vorkam, was aber Lesern des Photomed-Weblog und der Photomed-News sehr vertraut klang:
Sanftes Sonnen” ist nicht nur der Stil der Zukunft sondern auch ein besonders effizientes Gesundheitskonzept. Solarium und Gesundheit können ein harmonisches Paar sein oder zumindest werden.

[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=-5qwEY0tBKM]Der weltweit renommierte Forscher mit dem fast schüchternen Gestus versuchte, die komplexen Zusammenhänge einem aufmerksamen Publikum verständlich zu machen: Die Wiederentdeckung der “heilenden Sonne”.

Sanftes Sonnen und Vitamin D - Die Botschaft kommt anSein Vortrag galt vor allem den erstaunlichen Erkenntnissen aus neuerer Zeit über die Gesundheitswirkungen des “Sonnenschein-Vitamins“, Vitamin D. Moderate, auf die individuellen Voraussetzungen abgestimmte Besonnung könne ein probates Mittel zur Bekämpfung des weitverbreiteten Vitamin D-Mangels sein, bekräftigte Reichrath auch auf dem “roten Photomed-Sofa” beim Video-Interview (die vollständigen Vorträge und Interviews von Prof. Jörg Reichrath, Dr. Karl-Eugen Huthmacher und Bernhard Heinzlmaier können auf DVD beim Photomed-Verband bestellt werden).

Prof. Reichrath erläuterte ausführlich den für das Sonnenverhalten entscheidenden Unterschied bei der Entstehung des relativ harmlosen „weissen“ zum gefährlicheren „schwarzen“ Hautkrebs. Der „weisse“ Hautkrebs entstehe vor allem im Alter nach langanhaltender, andauernder Sonnenbestrahlung. Der „schwarze“ Hautkrebs dagegen werde begünstigt durch abrupte, starke UV-Bestrahlung mit Sonnenbränden vor allem im Kindesalter, während sich hier eine andauernde, mäßige UV-Bestrahlung gerade umgekehrt, nämlich als langfristiger Schutz vor dem „schwarzen“ Hautkrebs auswirke.

Sanftes Sonnen als wichtiger Auslöser der Vitaemin D-Synthese sei inzwischen als Vorsorge gegen Krebs, Osteoporose, Multiple Sklerose, Diabetes, Tuberkulose und wohl auch verschiedene psychische Erkrankungen solide belegt. Er warnte allerdings vor pauschalen Aussagen. Zu viel Sonne oder zu wenig Sonne, das könne immer nur individuell entschieden werden.

Sicher sei allerdings, dass die gelegentlich hysterischen Warnungen vor der Sonne zu weit gegangen seien. Auch in Deutschland habe deshalb bei Gesundheitsorganisationen und auch bei den Dermatologen ein Umdenken eingesetzt

Reichrath:”Man kann sich auf zwei verschiedene Arten schädigen: Durch zuviel UV und durch zu wenig UV.” Im Moment sei der Schaden durch zu wenig UV-Bestrahlung und Vitamin D-Defizit sicher größer als der mögliche Schaden durch zuviel Sonne.

Die Wissenschaft hat hier längst die Richtung gewiesen. Nun muss nur noch die Praxis auf breiter Front folgen.

Öffentlichkeitsarbeit für Sonnenstudios - Michael MärzheuserTipps und Tricks für die Studio-Praxis

Die Praxis kam denn auch im Folgeprogramm ausgiebig zu ihrem Recht.

Die schwierige Öffentlichkeits- und Pressearbeit zwischen globalen Imageproblemen und lokaler Kontaktpflege schilderte mit vielen Tipps für die Arbeit vor Ort der Münchener PR-Profi Michael Märzheuser.

Marketing mit kleinem Budget - Stefanie GriesbaumNoch ein Stück näher an der Studio-Praxis: Der Workshop “Werbung mit kleinem Budget” mit der branchen-erfahrenen Moderatorin Stefanie Griesbaum.

Der rechte Umgang mit dem Kunden war dann Gegenstand gleich mehrerer Vorträge und Workshops, in denen – nicht immer unwidersprochen – eine Fülle von praktischen Hinweisen und Verhaltenstipps geliefert wurden.

Und dann durfte auch noch gelacht werden, und zwar lautstark und anhaltend: Bärbel Hinz-Käfer übte mit den Teilnehmern ansteckende Fröhlichkeit. Nich nur “Sex sells” sondern auch “Smile sells“.

Heiterkeit und Zuversicht für dei Solarienbranche - Joachim BullermannNach der dann folgenden, markerschütternden Heiterkeit beim atemberaubenden Vortrag des Motivations-Oldies Joachim Bullermann zu urteilen hat die Branche – allen Unkenrufen zum Trotz – den kollektiven Depri längst hinter sich gelassen und ist im brüderlichen Schulterschluss der Qualitäts-Studios auf dem Weg zur Sanften Sonne und zur Freiheit von Überlebensangst.

(Videos und Tonaufzeichnungen aller Vorträge und der Interviews mit Dr. Huthmacher, Prof. Reichrath,
Bernhard Heinzlmaier
können beim Photomed-Verband gegen eine geringe Gebühr bestellt werden).

Der nächste Photomed-Kongress 2009, der
3. Europäische Fachkongress Solarien und Besonnung
findet am 09. Mai 2009 in Berlin statt.

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