Monatsarchiv für August 2008

Die Stiftung Warntest untersuchte 12 Sonnenschutzmittel für Kinder mit Lichtschutzfaktor 30.

Zwei waren mangelhaft und wurden vom Hersteller inzwischen zurückgezogen. Ein “sehr gut” gab es diesmal nicht, dafür aber schaffte die Hälfte der getesteten Präparate ein “gut“.

Wie so oft bei Kosmetika: Preis und Qualität gehen weit auseinander. Die beiden teuersten von den noch am Markt verbliebenen Mittel bekamen die schlechtesten Noten, das billigste verfehlte nur knapp die Spitzenposition.

Quelle: test – tabellarischer Überblick hier

Mangel an "Sonnenschein-Vitamin" hat gravierende Folgen

Mangel an "Sonnenschein-Vitamin" hat gravierende Folgen

Sonnenmangel und in der Folge ein Mangel an “Sonnenschein Vitamin” D3 äußert sich in so vielen verschiedenen Krankheits-Symptomen, dass Fehldiagnosen fast die Regel sind.

Die renommierte, internationale Fachzeitschrift “British Medical Journal” widmete sich jetzt in ihrer “Lesson of the Week” (Lektion der Woche) und in einem begleitenden Editorial diesem immer noch unterschätzten Problem in einer Fallstudie:

Eine 53jährige pakistanische Frau mit Wohnort in England war vor zwei Jahren an Brustkrebs opereirt worden. Sie suchte seitdem regelmäßig ihren behandelnden Arzt auf und klagte über Knochen- und Muskel-Schmerzen am ganzen Körper. Da der Arzt diese Symptome als Folge der Krebserkrankung diagnostizierte, erhielt die Frau die üblichen Medikamente. Die Schmerzen aber verschlimmerten sich und die Ärzte rieten zu einer Chemotherapie.

Vorher jedoch fuhr die Frau für sechs Wochen zu ihren Verwandten nach Pakistan. Bei ihrer Rückkehr waren sämtliche Symptome der Krankheit verschwunden, es wurde keine Spur von Metastasen im Körper gefunden.

Die Symptome jedoch kehrten zurück nach einem weiteren Winter in England. Jetzt erst wurde der Vitamin D-Mangel als Ursache erkannt und behandelt. Die Frau gilt als geheilt.

Michael F. Holick, Professor am Boston University Medical Center, und zweifellos der welteit bekannteste Vitamin D-Forscher, weist in seinem Kommentar zu diesem Fall auf die “schleichende” Form des Vitamin D-Mangels hin, der sich erst spät zum Beispiel in akuten Erkrankungen wie Osteomalzie  (Knochenweiche), Autoimmun-Erkrankungen, Infektionen oder psychischen Erkrankungen bemerkbar mache und oft zu Fehldiagnosen führe. “Vitamin D hat so viele gesundheitliche Vorteile, weil praktisch alle Körperzellen über Vitamin D-Rezeptoren verfügen“.

Menschen in unseren Breitengraden, so Holick, neigten zu Vitamin D-Mangel durch zu wenig Aufenthalt an der Sonne und hätten dadurch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und viele Krebs-Erkrankungen.

Quelle: Simon H S Pearce et al., Unrecognised severe vitamin D deficiency, BMJ  2008;336:1371-1374

Foto: Wikimedia/Khalid Mahmood

Ein geradezu klassischer Coup ist der australischen Krebsgesellschaft (Australian Cancer Society) und der Australian Medical Association (AMA) gegen die Besonnungsbranche gelungen durch die gnadenlose Media-Ausbeutung eines tragischen Hautkrebs-Todes.

Wir hatten hier und hier über diesen Fall berichtet: Die 26jährige Claire Oliver war von riesigem Medien-Rummel über Wochen begleitet in einem australischen Krankenhaus am “schwarzen Hautkrebs” (Melanom) gestorben.

Hier eines der PR-Videos produziert für die Anti-Solarium-Kampagne:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=a0ZRuZ513uE&hl=en&fs=1]

Dieses PR-Spiel mit dem Tod eines jungen Menschen hatte nun nicht nur kurzfristigen Erfolg – die Regierung beeilte sich, ein Anti-Solarien-Gesetz zu verabschieden und die privaten Hautkliniken im australischen Bundesstaat Victoria waren über Wochen von hysterischen Mädchen ausgebucht – sondern hat auch langfristig deutliche Spuren im öffentlichen Bewusstsein hinterlassen:

Eine repräsentative Umfragestudie kommt jetzt zu dem Ergebnis, dass fast doppelt so viele West-Australier  Solarien für die Entstehung von “schwarzem” Hautkrebs verantwortlich machen wie noch  bei der gleichen Umfrage ein Jahr zuvor.

Den Teilnehmern war im Interview eine Liste von 16 Faktoren vorgelegt worden, die möglicherweise Melanom-Bildung begünstigen. Die Befragten konnten dann für jeden dieser Faktoren angeben,  wie sehr das Melanom-Risiko ihrer Meinung nach erhöht würde (stark erhöht, leicht erhöht, neutral, leicht gesenkt, stark gesenkt).  Bei 15 Faktoren blieben die Werte zwischen beiden Umfragen gleich. Lediglich bei “Faktor Solarium” schnellte der Wert für “stark erhöht” von 40 auf 72 Prozent nach oben.

Die Autoren der Studie führen das Ergebnis eindeutig auf die Kampagne mit der sterbenden Claire Oliver zurück und kommen zu dem Fazit, dass “die Reaktionen des Publikums auf Claires Geschichte … und andere sehr persönliche Geschichten beweisen, in welchem Unfang solche Dramen das öffenltiche Bewusstsein für Gesundheitsprobleme erhöht und öffentliche Unterstützung schafft für Veränderungen in der Gesetzgebung und für staatliche Eingriffe.

Welches Ausmaß die öffentliche Anteilnahme beim Tod der jungen Frau angenommen hatte, läßt sich aus diesem Video, einer Ode auf das Schicksal von Clare Oliver, ablesen:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=giuaqDMaq9Y&hl=en&fs=1]

Die amerikanischen Kollegen der australischen Krebsgesellschaft, die American Cancer Society, hatten mit einer ähnlichen Kampagne und etwas mehr Skrupeln weniger Glück: In ihren TV-Spots und Videos beweinte eine hübsche junge Frau den Hautkrebs-Tod ihrer Schwester und gab dafür den Solarien die Schuld. Nach heftigen öffentlichen Protesten musste der Verband die Kampagne abbrechen – die junge Frau war eine angeheuerte Schaupielerin und die tote Schwester hatte nie existiert!

Quelle: The Medical Journal of Australia

Dicke brauchen mehr Sonne

Dicke brauchen mehr Sonne

Stärker als Nomalgewichtige leiden dicke Menschen vor allem im sogenannten Vitamin D-Winter (bei uns zwischen Mitte Oktober und März) an einem akuten Vitamin D-Defizit mit seinen möglicherweise gravierenden gesundheitlichen Folgen.

Forscher am Kantonsspital St. Gallen untersuchten 248 Übergewichtige beiderlei Geschlechts (Body Mass Index: 30.1- 68.9) und überprüften die Schwankungen des Vitamin D-Serums im Blut (25-hydroxyvitamin D3) im Wechsel der Jahreszeiten.

Wie auch frühere Studien schon gezeigt hatten,  war der Vitamin D-Spiegel je niedriger desto höher der BMI und die gemessene Fettmasse war.  Erstaunlicher schon die Schwankungen zwischen Sommer und Winter.  Im Winter wiesen 91,2 Prozent der Studienteilnehmer ein Vitamin D-Defizit (kleiner als 50 nmol/L) auf im Gegensatz zu nur 24,3 Prozent im Sommer, eine Steigerung immerhin um das 3,8fache.

Ohnehin eine Risikogruppe für Vitamin D-Mangel sollten Übergewichtige sich vor allem im “Vitamin D-Winter” durch Vitamin D-reiche Ernährung (Milch, fetter Fisch, Pilze), Besonnung im Solarium oder Nahrungsergänzungsmittel vor den gefährlichen Folgen eines extremen Vitamin D-Defizits schützen.

Studie: Barbara Ernst et al., Seasonal Variation in the Deficiency of 25-Hydroxyvitamin D(3) in Mildly to Extremely Obese Subjects, Obesity Surgery, 2008 Jul 29. vorab online

Foto: flickr/schurkehans

Diese zunächst etwas befremdlich anmutende Botschaft ist in Wirklichkeit nicht neu, wird aber in diesen Tagen wieder von einigen wissenschaftlichen Studien eindrucksvoll bestätigt:

Unsere Haut muss sich ständig gegen Millionen von unterschiedlichsten  Mikro-Organismen – nützlichen wie schädlichen – und Schadstoffen zur Wehr setzen.  Sie tut das unter anderem mit Hilfe des “eingebauten” Immunsystems aus so genannten antimikrobiellen Peptiden (AMP) und bildet so eine “Durchlässigkeits-Schranke” gegen alle schädlichen Einflüsse aus der Umwelt.

Forscher haben jetzt entdeckt, dass die Stärke dieser Schranke ganz wesentlich beeinflusst wird, durch die Sonnenstrahlen auf der Haut, und zwar durch die UVB-Strahlen, die ja auch für den Sonnenbrand verantwortlich sind.

Fast gleichzeitig erschienen jetzt zwei Studien – eine an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und eine an der Yonsei Universität in Korea -  die nachweisen, dass bei Besonnung deutlich unterhalb der Sonnenbrand-Grenze (ca. 0,5 MED – ein MED entspricht der Strahlung, die erste Rötungen der Haut hervorrufen können) die Immunkräfte der Haut, die antimikrobiellen Peptide, angeregt und die Abwehr-Barriere gestärkt wird.

In anderen Worten: Die UV-Strahlen helfen der Haut, ihre Schutzfunktion besser zu erfüllen und verhindern Entzündungen und unterschiedliche Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Rosacea und Schuppenflechte.

Der Grund für diese Wirkung der Sonne ist einmal mehr die Bedeutung von Vitamin D – durch UV-Strahlen in der Haut selbst gebildet – bei der Immunsteuerung.  Vitamin D reguliert die Produktion der für die Haut “zuständigen” antimikrobiellen Peptide (z.B. Cathelicidin) und verhindert, dass die Immunreaktion der Haut nicht aus dem Ruder läuft und sich gegen die eigenen Gewebezellen richtet.

Fazit: Gesunde Haut braucht Sonne! In vernünftigen Maßen!

Studien:
J. Schauber, R.L. Gallo. The vitamin D pathway: a new target for control of the skins immune response?, Experimental Dermatology, August 2008; 17(8):633-9. online vorab publiziert.

Seung P Hong et al., Biopositive Effects of Low-Dose UVB on Epidermis: Coordinate Upregulation of Antimicrobial Peptides and Permeability Barrier Reinforcement, Journal of Investigative Dermatology, advance online publication 26 June 2008.

Tissa R. Hata, Administration of oral vitamin D induces cathelicidin
production in atopic individuals,
Journal of Allergy and Clinical Immunology, Volume 122/4, Oktober 2008

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