Über die Diagnose gab es keine Meinungsverschiedenheiten beim 1. Hohenheimer Ernährungsgespräch, bei der richtigen Reaktion auf den epidemischen Vitamin D-Mangel allerdings schwankten die Diskutanten zwischen Appell und Skepsis.

Prof. Dr. Hans K. Biesalski

Prof. Dr. Hans K. Biesalski

Geladen hatte das Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaften der Universität Hohenheim. Als Gastgeber setzte ihr Direktor, Prof. Hans K. Biesalski, den Ton mit einer Tour d`Horizon der neuesten Forschungen über Vitamin D und seine weitreichenden Gesundheitswirkungen. Vor allem die Älteren, aber auch die Jugendlichen, und da vor allem die Kinder aus “Hartz IV-Elternhäusern” seien besonders gefährdet. Der moderne Lebensstil mit überwiegenden Tätigkeiten in geschlossenen Räumen, Fehlernährung und Übergewicht verschärften das Problem. Die Deutschen nähmen, laut der jüngsten Verzehrstudie, nur etwa ein Drittel der notwendigen Vitamin D-Menge mit der Nahrung auf.

Die Werte (beim Vitamn D-Spiegel) in der deutschen Bevölkerung sind generell zu gering, vor allem im Winter,” so Dr. Birte Hintzpeter vom Robert-Koch-Institut in Berlin (Berichte über die RKI-Studie zu Vitamin D in Deutschland hier und hier).

57 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen wiesen einenVitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/l auf, als Grenze zur Unterversorgung inzwischen allgemein akzeptiert.  Bei den über 65-jährigen Frauen waren es 75 Prozent. Von den 3- bis 17-jährigen Teilnehmern des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys hatten 62 Prozent der Jungen und 64 Prozent der Mädchen einen Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/l.

Generelle Empfehlungen aber wollte sie, im Gegensatz zu den Kollegen auf dem Podium (noch) nicht geben, dazu sei es noch zu früh, der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang noch zu unklar. Eine extremer Vitamin D-Mangel (< 12,5nmol/L) sei in Deutschland drüber hinaus eher selten und Mangel bzw. Unterversorgung führe halt nicht zwangsläufig zu Krankheiten.

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Prof. Dr. Jörg Spitz

Ganz anders Prof. Dr. Jörg Spitz von der Gesellschaft für Medizinische Information und Prävention, der mit aktuellen Forschungsergebnissen seine Position untermauerte: Bei den immer wahrscheinlicher werdenden  präventiven und therapeutischen Wirkungen des Vitamin D könne eine verantwortungsvolle Präventionspolitik nicht auf noch die letzte Sicherheit warten.

Vitamin D bewirke eine Unterdrückung des Tumorwachstums und eine Stärkung des Immunsystems, das  schon im Mutterleib geprägt werde. Ein Vitamin D Mangel zu dieser Zeit führe in späteren Jahren zu überschießenden Abwehrreaktionen und vermehrten Allergien.Andererseits rege Vitamin D die Produktion von körpereigenen Antibiotika an zur Abwehr von Tuberkulosebakterien wie auch gegen Grippeviren.
Schliesslich schütze Vitamin D die Nervenzellen vor Erkrankungen.  Ein Mangel werde mit der Entstehung der Multiplen Sklerose (MS), der Schizophrenie, dem Morbus Parkinson und der Depression in Verbindung gebracht.
Vernünftiges Sonnen und Nahrungsergänzung, beides sei daher das Gebot der Stunde.

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Dr. Armin Zittermann

Dem schloss sich Prof. Dr. Armin Zittermann an und forderte Politik, Fachgesellschaften und Ärzte gleichermaßen auf, Handlungskonsequenzen aus den vorliegenden Forschungen zu ziehen und – vor allem gewendet an die Dermatologen – die Einseitigkeit bei der Bekämpfung der UV-Bestrahlung durch Sonne und Solarium aufzugeben und die weit größere Bedeutung der “guten” Sonne für viele “Volkskrankheiten” zu berücksichtigen. Negative Folgen der Supplementierung mit Vitamin D sei darüber hinaus nur bei massiven Überdosierungen zu befürchten.

Keine Kommentare zu “Experten einig: Unterversorgung beim Sonnenschein-Vitamin D”

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