Jedes Jahr werden in westlichen Ländern, so auch in der Bundesrepublik, viele Millionen Euro investiert in Öffentlichkeitskampagnen, die  – gelegentlich mit mit statistischen Taschenspielertricks und fragwürdigen Dramatisierungen – vor Sonne und Solarium als Ursachen für den Hautkrebs warnen.

Untersuchungen der Wirkungen solcher Angst-Kampagnen kommen regelmäßig zu bemerkenswerten Ergebnissen: Immer mehr Menschen glauben den Aussagen über einen Zusammenhang von Solarium und Hautkrebs,  immer weniger Menschen aber handeln in letzter Zeit danach – sobald die akuten Panikattacken wie in diesem Fall abgeklungen sind. (Hier eine solche Studie als Beispiel unter vielen)

Eine australische Studie hat jetzt sogar eine deutliche Trendwende in der Beurteilung der Informationen aus diesen Kampagnen festgestellt. Eine ständig wachsende Zahl von Befragten (derzeit etwa 30%) sind inzwischen der Meinung, dass die Warnungen zu weit gegangen sind und zu einem Vitamin D-Mangel führen könnten, der für die Gesundheit weit bedrohlicher sei als das angedrohte Hautkrebsrisiko.

Die Kluft zwischen Hautkrebsangst und positiver Einstellung zu Sonne und Besonnung konstatiert auch eine deutsche Studie des Forschungszentrums Jülich, die in Kürze veröffentlicht werden soll. Danach “wussten” fast alle Befragte über die möglichen Gesundheitsschäden der UV-Bestrahlung bescheid, maßen dem auch durchaus große Bedeutung bei, schienen sich aber in der Einschützung der eigenen Gefährdung sowie der positiven Bewertung von Sonne und Besonnung davon wenig beeindrucken zu lassen.

Nutzen- und Risikowahrnehmung sind hier voneinander unabhängig“,  heisst es in der Studie.

Die Folgerung der Autoren, weniger auf rationale Aufklärung über die Gefahren von zu viel Sonne zu setzen – in der Sprache der Forscher:  “Der Versuch, die Risikobewertung zu beeinflussen scheint über den Pfad von Risikowissen nicht sonderlich erfolgversprechend zu sein” -  und eher emationale Abschreckungsmechanismen zum Abbau der positiven Sonnen-Neigung der Bevölkerung einzusetzen, scheint nach den Resultaten ähnlicher Versuche in der Vergangenheit und in anderen Ländern wenig überzeugend.

Eine den Verbraucher ernst nehmende, ausgewogene Informationspolitik mit präzisen Angaben über die positiven Gesundheitswirkungen der Sonnenstrahlen einerseits und den Gefahren eines “Sonnen-Missbrauchs” andererseits, hätte wohl sehr viel mehr Chancen, statt reflexartiger Gedächtnisleistungen bei gezielten Abfragen zur “bösen” Sonne tatsächliche Verhaltensänderungen durch Einsicht in nachweisbare und im Alltag nachvollziehbare Tatsachen zu produzieren.

Studien:
Philippa H. Youl et al., Vitamin D and sun protection: The impact of mixed public health messages in Australia, International Journal of Cancer,
Volume 124 Issue 8, Pages 1963 – 1970

Franziska Börner et al., UV-Risikowahrnehmung: Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage in Deutschland, unveröffentlichtes Manuskript.

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  2. Kroatien News und Reiseberichteam 11.05.2009 um 12:49

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  3. [...] ähnliche Studien hatten wir vor kurzem [...]

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