Es ist bemerkenswert: Negative Nachrichten über Solarien scheinen manche Redaktionen zu ungeahnten poetischen Höhenflügen zu inspirieren. So auch die schlichte Nachricht, dass Sonnenbänke nun endgültig von der Wissenschaftsagentur der WHO, der IARC, in die Kategorie “krebserregend” eingestuft wurden.

Phantasievolle Vergleiche

Phantasievolle Vergleiche

Die Sonne selbst ist da der künstlichen Sonne um Jahre voraus, sie tauchte schon 1992 in der Liste der “Krebserreger” auf.

Nachdem BILD, wie so oft, den Weg gewiesen hatte mit einer Überschrift wie: “Solarium gefährlicher als Zigaretten“, folgten andere mit phatasievollen Steigerungen bis hin zu Vergleichen mit Arsen und Senfgas. Dass diese Vergleiche sachlicher Blödsinn sind, fiel offensichtlich den dichtenden Redakteuren nicht auf. Recherche ist anstrengend und zeitraubend, und wer in den Medien hat heutzutage noch die Kraft und die Muße dazu.

Diese publizistischen Kraftakte veranlassen nun doch die ansonsten eher schweigsamen Solarienverbände, zumindest die schlichtesten Fakten wieder ins Gedächtnis zurückzurufen. So schreiben die beiden deutschen Branchenverbände Photomed und SLS in einer Stellungnahme unter dem Titel “Zurück zur Sachlichkeit“:

photomed-logo-neu“Mit der Einstufung der Solarien in die höchste Gefahrenstufe für das Melanom durch die Internationale Wissenschafts-Agentur der WHO (IARC) ist eine Welle fehlinformierter wie fehlinformierender Meldungen durch die deutschen Medien geschwappt. Wir möchten zur Versachlichung der Diskussion einige Informationen beisteuern:

  1. Die UV-Strahlen der Sonne sind bereits vor vielen Jahren in die Liste (Kategorie 1) der potentiell krebserzeugenden Substanzen/Strahlungen aufgenommen worden. Neu ist lediglich die Aufnahme der Solarien in diese Liste.Über den Grad der Gefährdung ist damit nichts ausgesagt. Es käme sicher keinem Journalisten in den Sinn, den Sonnenschein an einem heiteren Sommertag mit einem feindlichen Seftgas-Angriff gleichzusetzen. Das aber ist in einigen Meldungen über die Einstufung der Solarien in die Kategorie 1 geschehen.
  2. Die IARC-Einstufung von Sonne und Solarien als “karzinogen” (krebserzeugend) ist in der wissenschaftlichen Debatte heftig umstritten. Eine Reihe der angesehendsten, internationalen UV- und Vitamin D-Forscher haben öffentlich und scharf Front gemacht gegen die Schlussfolgerungen der IARC Review-Studie von 2006 und den Report von Ende 2008, auf denen die jetzige Einstufung beruht. Die eigentliche Begründung steht noch aus und ist erst für die nächsten Monaten angekündigt….
  3. In der Tat gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass moderates, kontrolliertes Sonnen im Freien wie auf der Sonnenbank zur Entstehung von Melanoma beiträgt.
  4. Es gibt dagegen eine Vielzahl von Studien, die nachweisen, dass regelmäßiges, moderates Sonnen die Haut vor dem Melanom schützt, also eine eher präventive als auslösende Wirkung hat.
  5. Studien belegen darüber hinaus, dass Sonnen und dadurch die Bildung von ausreichendem Vitamin D-Serum in Blut die Chance erheblich erhöht, ein Melanom zu überleben.
  6. Es kann vermutet werden, dass übermäßiges Sonnen in längeren Abständen (typisch: Sonnenbrand am Beginn der Ferien) die Bildung von Melanoma fördert – insbesondere bei Sonnenbränden im Kindesalter. Für die regelmäßige, kontrollierte Besonnung im Solarium gilt das nicht……
  7. Regelmäßige, moderate Besonnung im Freien oder im Solarium führt zu einem gleichmäßigen, gesunden Vitamin D-Spiegel im Blut. Eine ausreichende Vitamin D-Versorgung reguliert die Zellteilung und schützt vor vielen Krebsarten – einschließlich dem Melanom!
  8. Regelmäßige, moderate Besonnung im Freien oder im Solarium heilt, oder schützt vor, chronischen Erkrankungen, darunter Osteoporose, Osteomalazie und Muskelschwäche, Autoimmunerkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose und TB, Herz- und Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, Nerven- und psychische Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz oder Depressionen. Diese Wirkungen des “Sonnenschein-Vitamins” sind zum großen Teil in der wissenschaftlichen Diskussion nicht oder kaum noch umstritten.
  9. In den meisten Ländern der Welt erhalten die Menschen eher zu wenig als zuviel Sonne – vor allem in den Industrieländern mit ihren “sonnenfernen” Lebens- und Arbeitsstilen. Für Deutschland hat das Robert-Koch-Institut, Berlin, eine Unterversorgung von knapp 60 Prozent der Bevölkerung festgestellt – bei einigen Rsikiogruppen und im Winter liegt diese Defizit bei über 80 Prozent.

Die Einordnung der UV-Strahlen der Sonne oder der Sonnenbank in die höchste Risiko-Kategorie für Krebs kann zu zusätzlichen, für die Gesundheitsvorsorge der Menschen katastrophalen Verhaltensänderungen im Verhältnis zu Sonne und Besonnung führen. Das hätte weit reichende negative Konsequenzen für die Prävention chronischer Krankheiten. Diese Aktion der IARC könnte die Gesundheitssysteme der Länder Milliardenbeträge kosten – ganz abgesehen von den unnötigen Leiden chronisch kranker Menschen.

In bis zu tausend wissenschaftliche Studien jährlich aus renommierten internationalen Forschungseinrichtungen werden seit Jahren die positiven Gesundheitswirkungen der UV-Strahlen von Sonne und künstlicher Besonnung nachgewiesen. Es wäre an der Zeit, neben den gesundheitsgefährdenden Wirkungen (Stichwort: Hautkrebs) übermäßiger UV-Bestrahlung die – ebenfalls durch eine von der WHO initiierte Studie eindrucksvoll belegt – um ein Vielfaches bedeutenderen positiven Wirkungen mäßiger und regelmäßiger Besonnung zur Kenntnis zu nehmen und damit einen vernünftigen, für die physische und psychische Gesundheit der Bevölkerung zunehmend wichtigen Beitrag zum richtigen Umgang mit Sonne und Solarium beizutragen.”

esalogositejpgDie European Sunlight Association (ESA) schreibt in einer Pressemeldung:

“….Da Sonnenbänke das gleiche UV-Licht produzieren wie die Sonne, kann auch unmäßiges Sonnen und Solarien-Missbrauch genau so wie der übermäßige Aufenthalt an der Sonne mit bestimmten Hautkrebsarten in Verbindung gebracht werden.

In der gleichen IARC-Kategorie befinden sich zum Beispiel Rotwein und gesalzener Fisch. Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Konsucm von Rotwein und anderen alkohohaltigen Getränken ein höheres Krebsrisiko mit sich bringt als das Bräunen der Haut.

Es ist nun aber völlig unverantwortlich, die Nutzung der Sonnenbank mit dem tödlichen Senfgas oder Arsen zu vergleichen, wie das leider einige Medien getan haben….”

Ist in diesem aufgeheizten Meinungsklima eine ausgewogene Berichterstattung noch möglich? Ist die Abhängigkeit der Medien von den “schlechten Nachrichten” tatsächlich so groß, dass eine “schlechte” Nachricht hundert mal so viel Platz in der Berichterstattung erhält als hundert “gute” Nachrichten. Beim Thema Sonne und Solarien scheint das Verhältnis eher noch ungünstiger zu sein. Eine an sich wenig bemerkenswert Meldung wie die IARC-Einstufung der Solarien kann schlagartig den ständigen Strom positiver Nachrichten über die erstaunlichen Entdeckungen immer neuer Gesundheitswirkungen etwa von UV-Stahlen und Vitamin D mühelos verdrängen.

Die Kosten trägt am Ende die Gesundheit und das Wohlbefinden der gesamten Bevölkerung.

Ein Kommentar zu “IARC: Halbe Wahrheiten und bewusstes Missverstehen”

  1. [...] Nehme man, so Grant weiter, diese getrennte Betrachtung vor, ergäben sich keine kausalen Zusammenhänge zwischen Solariennutzung und Hautkrebsrisiko. Über die kritische Beurteilung der IARC-Ergebnisse durch führende internationale Wissenschaftler hatten wir hier, hier und hier berichtet. Eine kritische Einschätzung der IARC-Kategorisierung von Sonne und Solarien finde Sie hier. [...]

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