Monatsarchiv für September 2009

Im polnischen Unterhaus geht die (künstliche) Sonne unter. Die Verwaltung hat das Solarium im Abgeordneten-Hotel abgebaut und versteigert. Die Abgeordneten wurden bei dieser Nachricht blass – und werden es nun wohl auch bleiben.

Gerüchten zufolge hatte der Abgerodnete der radikalen Bauernpartei “Samoobrona” (Selbstverteidigung), Andrzej Lepper, den Kauf des Solariums in die Wege geleitet , um als Ex-Agrarminister bei seiner auf den Feldern in der Sonne arbeitenden Kernwählerschicht authentisch rüberzukommen.

Nach Angaben der Sejm-Verwaltung ersteigerte ein Unternehmer das Solarium.

Besser soll es den vierbeinigen Lieblingen von Frauchen und Herrchen ergehen, wenn es nach diesem Angebot im Internet geht:

Hund, Du hast es besser!

Hund, Du hast es besser!

Solarien für das Wohlgefühl und die Gesundheit von Pferden sind ja durchaus Standard.  Weniger bekannt die Möglichkeit, auch Hunde selbst im skchlimmsten Herbst-Schmuddelwetter bei Laune zu halten – mit dem Hunde-Solarium.  Der Hersteller garantiert den Erfolg gegen den Winter-Blues von Zwergpinscher bis Pitbull.

Quellen: Rooster 24 und Paradise Image

Herbst- und Wintersonne reichen nicht aus

Herbst- und Wintersonne reichen nicht aus

Der positive Einfluss des Vitamin D auf die Gesundheit und vor allem auf die Prävention vieler “Volkskrankheiten” kann sich nur unzureichend entfalten, wenn der Vitamin D-Spiegel im Blut zwischen Sommer und Winter sehr stark schwankt. Dabei spielt dann die relative Höhe des Vitamin D-Spiegels keine entscheidende Rolle:
Nur ein gleichmäßig hoher Serum-Spiegel im Blut über alle Jahreszeiten garantiert die schützenden und heilenden Wirkungen des “Sonnenschein-Vitamins”.

Mit diesem Ergebnis einer Untersuchung  über den Einfluss von Vitamin D auf Vorbeugung und Entwicklung von Prostata- und Bauchspeicheldrüsen-Krebs in nördlichen Ländern weist der bekannte kanadische Vitamin D-Forscher Reinhold Vieth nach, dass die optimale Versorgung mit Vitamin D allein nicht wirkungsvoll ist, wenn die Versorgung im Laufe des Jahres stark schwankt.

Das ist vor allem beim Übergang vom Sommer zum “Vitamin D-Winter”  (bei uns von etwa Mitte Oktober bis Ende März) der Fall, wenn die Vitamin D “bremsenden” und verstärkenden Enzyme in den Zellen noch im “Sommer-Modus” arbeiten, also eher die Vitamin D-Synthese bremsen, die Sonne aber bereits ihre Kraft verloren hat, das “Sonnenschein-Vitamin” in hohen Dosen über die Haut zu produzieren.

Prof. Vieth sieht die Möglichkeit, die Übergänge vom Sommer zum “Vitamin D-Winter” mit der Einnahme relativ hoher Dosen an Vitamin D3 zu überbrücken. Ebenso problemlos aber lässt sich auch eine gleichbleibende Vitamin D-Versorgung über die Jahreszeiten hinweg auf natürlichere Weise durch mäßige aber regelmäßige UVB-Bestrahlung im Solarium sicherstellen. (Über die Vitamin D-Produktion per Sonnenbank s. hier, hier, hier, hier und hier)

Quelle: Vitamin D Coucil (John Cannell)

Studie: R. Vieth,  How to optimize vitamin D supplementation to prevent cancer, based on cellular adaptation and hydroxylase enzymology, Anticancer Research, 2009 Sep;29(9):3675-84

grippeAls erste regierungsoffizielle Gesundheitsorganisation hat jetzt die  Public Health Agency of Canada (PHAC) den Einsatz von Vitamin D zur Eindämmung der Schweine-Grippe erwogen. Ursprünglich sollte in einer dreijährigen Prüfungsphase die Wirkung des “Sonnenschein-Vitamins” auf die saisonalen Grippewellen untersucht werden. Die drohende Pandemie hat diese Überlegungen nun wesentlich beschleunigt.

Bereits im Jahr 2006 hatte eine Studie (wir haben hierhier und hier berichtet) aufsehen erregt, die den “Vitamin D-Winter” (die Jahreszeit, in der die Sonne nicht in der Lage ist, Vitamin D in der Haut der Menschen zu bilden – bei uns die Zeit von Ende Oktober bis März) als wesentliche Ursache für den Ausbruch der Grippewellen im Spätwinter belegen konnte.

In den USA allein sind bisher schon 36 Kinder an der Schweinegrippe gestorben (CDC) und – wenn die Forschungsergebnisse über den Zusammenhang von “Vitamin D-Winter” und Infektionskrankeiten zutrifft – der Höhepunkt der Schweinegrippe ist erst gegen Ende des “Vitamin D-Winters”, von Januar-Februar bis März-April, zu erwarten.

PHAC wird diese Strategie jetzt auch auf  das H1N1-Virus anwenden, um schwerwiegenden Folgen der Infektion vorzubeugen, ” so die offizielle Verlautbarung der Public Health Agency. Es häufen sich nach ihren Angaben die Hinweise darauf, dass Vitamin D die Entwicklung antibakterieller Substanzen fördert und dass diese eine ganze Reihe von Infektionen einschließlich der Influenzaviren verhindere.

Quelle: NutraIngredients USA

PHAC-Website: www.phac-aspc.gc.ca

Frauen, die häufiger als drei mal pro Jahr eine  Sonnenbank benutzen, verringern ihr Risiko, an einem Gebärmutter-Krebs zu erkranken, um 50 Prozent im Vergleich zu Frauen, die nie oder selten ein Solarium benutzen.  Sonnenbaden im Sommer führt immerhin noch zu einer Risiko-Senkung um etwa 20 Prozent.

So das Ergebnis einer Langzeitstudie mit fast  30.000 Teilnehmerinnen über 15 Jahre hinweg.  Die Forscher am Institute of Clinical Sciences der Universität Lund in Schweden hatten mit dieser Studie den Zusammenhang von Sonne, UV-Strahlen und Gebährmutterkrebs untersucht.

Der Gebärmutterkrebs ist die vierthäufigste Krebsart bei Frauen und die häufgste der weiblichen Geschlechtsorgane mit etwa 12.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland.

Wissenschaftliche Erkenntnisse wie diese (und hunderte ähnlicher Studie über die positiven Gesundheitswirkungen der Sonnenstrahlen) werden in der derzeit wieder hoch schwappenden Diskussion um gesetzliche Regulierungen von Solarien völlig ausgeblendet – eine Diskussion, bei der sich die meisten Medien ohne Gegenwehr dermatologische Scheuklappen aufsetzen lassen.

In einer Pressekonferenz der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) vor einigen Tagen wurde die längst wissenschaftlich gesicherte Bedeutung der UV-Strahlen und des “Sonnenschein-Vitamins” D – zu etwa 90 Prozent “Produkt” dieser Strahlen -  für die Prävention und Therapie vieler “Volkskrankheiten” wie Osteoporose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs völlig ausgeblendet.

Mehr noch, die Protagonisten dieser Inszenierung forderten auch ein Verbot aller Aussagen über diese positiven Wirkungen der UV-Strahlen in Zusammenhang mit der künstlichen Besonnung auf der Sonnenbank. Ziel dabei ist der Druck auf die Autoren der kommenden Ausführungsverordnung zum “Solariengesetz”, das seit Anfang August in Kraft ist und die Nutzung von Solarien durch Jugendliche unter 18 Jahre verbietet.

Bei derartig aggressiven Versuchen, eigene standespolitische Interessen durchzusetzen ohne Rücksicht auf die fatalen Auswirkungen solcher Verbote für die Gesundheit der Bevölkerung, bleibt nur die Hoffnung auf die Weisheit und Belesenheit der Verordnungsgeber.

Quelle: ScienceDaily

Studie:  E. Epstein , P.G. Lindqvist, B. Geppert , H. Olsson,  A population-based cohort study on sun habits and endometrial cancer, British Journal of  Cancer, 2009 Aug 4;101(3):537-40

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