Eine klaffende Ernährungslücke bei Vitamin D

Eine klaffende Ernährungslücke bei Vitamin D - Die nationale Verzehrsstudie

Die Deutschen sind mit Vitaminen und Mineralien gut versorgt. Eine drastische Ausnahme von dieser Norm bildet das Vitamin D. 91 Prozent der Frauen und 82 Prozent der Männer nehmen nicht genug Vitamin D über die Nahrung auf. Problemgruppen mit den größten Defiziten: Die Jungen und die Alten.

Diese Daten aus der “Nationalen Verzehrsstudie” wurden jetzt – neben ebenso alarmierenden Daten aus anderen Ländern – auf einer Konferenz des Max Rubner Instituts in Karlsruhe mit Experten aus aller Welt vorgestellt.

Damit war schon zu Beginn der Konferenz die Ausgangsfragen im Titel der Konferenz beantwortet: “Vitamin D and Folic Acid: Critical Micronutrients?

Für die ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist allerdings weniger die Ernährung als vielmehr – bis zu 90 Prozent – die UVB-Strahlen der Sonne oder aus dem Solarium verantwortlich.

Aber auch unter Berücksichtigung der Vitamin D-Synthese über die Haut bleibt die Situation kritisch. Dr. Birte Hinzpeter vom Robert-Koch-Institut in Berlin referierte über die Mangelsituation in Deutschland mit den weitreichenden Folgen vor allem für eine Reihe von chronischen Erkrankungen: Im Winter leiden weit über 60 Prozent der Erwachsenen Deutschen an einer Unterversorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin”. “Spitzenreiter” mit über 80 Prozent: die 11-17jährigen Jugendlichen.
Gerade dieser Problemgruppe wurde erst im Juli dieses Jahres der Gang ins Solarium verboten (die Solarienverbände hatten für eine Altersgrenze von 16 Jahren plädiert), wo ein kontrollierter Ausgleich des Sonnenmangels problemlos möglich und, bei verantwortlicher Handhabe, Hautschäden oder gar Sonnenbrände ausgeschlossen wären.

Diese Daten führen auch die üblichen Angstkampagnen interessierter Organisationen ad absurdum, die – immer noch im Blick auf ein Deutschland im frühen 20. Jahrhundert – von einem Anteil Jugendlicher an lebenslager Sonnenbestrahlung von 80 Prozent schwadronieren. Die Jugendkultur des 21. Jahrhunderts hat völlig andere Konsequenzen, die eigentlich völlig andere gesundheitspolitischen Folgerungen mit einem Schwerpunkt auf der Prävention chronischer und “Volkskrankheiten” erforderten.

Entscheidender Grund für den Vitamin D Mangel sind denn auch, laut RKI, weniger Aufenthalt an der Sonne durch Spielen und Sport, Überbewicht und Migrationshintergrund.

Auch der Blick auf spezifische Gesundheitswirkungen von Vitamin D und Vitamin D-Mangel unterstrich die kritische Situation ebenso wie die Bedeutung einer Gegensteuerung.
Beispiel: Herz-Kreislauf- Erkrankungen.

Prof. Robert Scragg aus Neuseeland, einer der renommiertesten Forscher zu diesem Themenbereich,  fasste die eindeutigen Ergebnisse vor allem der jüngsten Studien aus dem Jahr 2007/8 zusammen (wir hatten darüber hier, hier, hier und hier berichtet): Eindeutiger Zusammenhang von niedrigem Vitamin D-Spiegel im Blut, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterberate. Dringend erforderlich seien jetzt “Interventionsstudien” zur Bestätigung dieser Ergebnisse.  Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache. Ein vorbeugender Schutz durch ausreichendes “Sonnenschein-Vitamin” hätte weitreichende Auswirkungen auf das Gesundheitssystem.

Den Stand der Forschung zum Einfluss von Vitamin D auf Zellteilung und Zelltod (Apoptose) und damit auf die Enwicklung der unterschiedlichen Krebsarten im menschlichen Körper fasste Dr. Jakob Lineisen vom Helmhotz-Zentrum in München zusammen.

Die zahlreichen, überwiegend epidemologischen Studien vor allem zu Brust-, Prostata- und Darmkrebs zeigten zwar in der Mehrheit einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und Krebs, ein abschließendes Urteil aber könne noch nicht gefällt werden.

Es gibt überzeugende Belege aus Interventions-Studien, dass viele oder gar die meisten Erwachsenen in den USA und Europa von zusätzlichen Gaben von Vitmain D profitieren würden durch die Vermeidung von Stürzen und Knochenbrüchen,” so die zürcher Wissenschaftlerin Prof. Heike Bischoff-Ferrari. Um die Grenze von wünschenswerten 75 nmol/L Vitamin D-Serum im Blut zu erreichen, sei eine Dosis von 700 bis 1.000 IE pro Tag notwendig, bei Übergewichtigen und Menschen mit starkem Vitamin D-Mangel allerdings deutlich mehr.

Die Sonne oder die Sonnenbank als Vitamin D-Lieferanten standen in dieser Konferenz, in der es um Ernährung und Nahrungsergänzung ging, nicht auf der Tagesordnung. Dennoch lassen sich aus den vorgetragenen Daten nicht nur die Dringlichkeit des Problems “Vitamin D-Mangel” schliessen, sondern auch die Notwendigkeit, in dieser wichtigen Frage für die Gesundheit breiter Bevölkerungsteile und die Prävention chronischer Krankheiten alle verfügbaren Mittel zur Beseitung des Mangels vorurteilsfrei einzubeziehen.

Quelle: Max Rubner Institut

Link zur “Nationalen Verzehrsstudie” (Teil 2)

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