Monatsarchiv für Oktober 2009

Prof. Dr. Heike Bischoff-Ferrari

Prof. Heike Bischoff-Ferrari

Prof. Michael F. Holick

Prof. Michael F. Holick

Zwei der führenden Köpfe in der internationalen Vitamin D-Forschung , Profs. Heike Bishoff-Ferrari, Zürich, und Michael F. Holick, Boston, werden morgen, 06. Oktober, mit dem alle vier Jahre verliehenen DSM Nutrition Award ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet im Rahmen des 19th International Congress of Nutrition in Bangkok, Thailand, statt.

In der Begründung für die Preisverleihung heisst es über Prof.  Bischoff-Ferrari, 42: “Bereits in dieser frühen Phase ihrer Karriere hat sie die kritische Rolle des Vitamin D für Muskelkraft und Knochengesundheit bei der Vorbeugung von Stürzen und Knochenbrüchen bewiesen und damit die Anforderungen an eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium für die wachsende Gruppe (der Älteren in der Gesellschaft) neu definiert.”

Prof. Michael F. Holick erhält den Preis für “seinen lebenslangen Beitrag zum Verständnis der Vitamin D-Bildung in der Haut…

Quelle: DSM Nutrition Award – Pressemeldung

Ältere Menschen mit ausreichender Vitamin D-Versorgung schneiden bei verschiedenen Intelligenz- und Reaktionstest etwa doppelt so gut ab wie Ältere mit einem Vitamin D-Defizit.

Das stellten Forscher aus Frankreich und der Schweiz in einer Serie von Tests fest mit 752 Frauen jenseits der 75 Jahre. Faktoren, die ansonsten die geistige Fitness der Älteren negativ beeinflussen, wurden dabei ausgeschlossen.

In allen bis auf einen Test schnitten die Teilnehmer mit einem Vitamin D-Spiegel über 10 ng/mL deutlich besser ab als die Gruppe mit einem Serum-Spiegel unter 10 ng/mL.  Vergleichsweise häufig waren geistige Behinderungen in der Gruppe mit Vitamin D-Mangel.

Auf Dauer körperlich leistungsfähiger

Dass das “Sonnenschein-Vitamin” nicht nur bei den Jungen sondern auch bei den Älteren die physischen Stärke, Leistungsfähigkeit und Geschicklichkeit stärkt, haben in letzter Zeit eine Reihe von Studien bewiesen. Ein Beispiel unter vielen:

Ältere Menschen mit ausreichender Vitamin D-Versorgung (30 ng/ml und mehr) schneiden bei Fitness-Tests je nach Übung mehr als doppelt so gut ab wie ihre Altergegenossen mit Vitamin D-Defiziten (weniger als 10ng/ml).

Vielleicht noch bedeutsamer: Der Abbau der körperlichen Fitness mit fortschreitendem Alter geschieht über den Beobachtungszeitraum von 3 Jahren mehr als doppelt so schnell bei Menschen mit einem Defizit an Sonnenschein-Vitamin im Vergleich zu Gleichaltrigen mit ausreichend Vitamin D.

So das Ergebnis einer holländischen Vergleichsstudie mit 1.234 Männern und Frauen über 65 Jahre und einer Langzeitstudie mit kanpp 1.000 Teilnehmern.

Quelle: PubMed

Studien:

C. Annweiler et al., Association of vitamin D deficiency with cognitive impairment in older women. Cross-sectional study, Neurology 2010, 74:27-32,  online vorab publiziert, 30.  September 2009

Ilse S. Wicherts et al., Vitamin D Status Predicts Physical Performance and Its Decline in Older Persons, The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 92(6):2058–2065

Aeltere-am-Strand-iStockJedes Jahr – und mit zunehmender Tendenz – erleiden ein Drittel aller Menschen über 65 Jahren einen Sturz und in 6 Prozent der Fälle führt das zu einem Knochenbruch. In einer ständig älter werdenden Gesellschaft wird daher die Verhinderung von Fallen und Brüchen zu einer immer bedeutenderen Aufgabe.

In einer umfassenden Meta-Analyse von Daten aus acht repräsentativen Studien mit über 2.400 Teilnehmern kommen schweizerische Forscher um Prof. Dr. Heike Bischoff-Ferrari jetzt zu dem Ergebnis, dass eine tägliche Gabe von mindestens 700 bis 1.000 internationalen Einheiten (IU) Vitamin D die Gefahr des Fallens mit den bekannten oft tödlichen Folgen um fast 20 Prozent senken kann. Eine geringere Dosis sei dagegen wirkungslos.

Gerade ältere Menschen, die aufgrund von Gebrechen sich nur noch selten im Freien und an der Sonne bewegen und seltener noch die Gelegenheit haben, eine Sonnenbank zu benutzen, sind in besonderem Maße den gefährlichen Folgen eines Vitamin D-Mangels mit Knochenschwund, häufigem Fallen und oft tödlich endenden Knochenbrüchen ausgesetzt, werden aber auch eher als jüngere Menschen Opfer von Infektions- und Autoimmunkrankheiten als Folge mangelnden “Sonnenschein-Vitamins”.

Neben der Behandlung durch Vitamin D-Zugaben wird in eineigen europäischen Ländern daher auch über Mittel und Wege nachgedacht,  älteren Menschen einen einfacheren Zugang zu Besonnungsgeräten zu ermöglichen.

Quelle: ScienceDaily

Studie:  Heike Bischoff-Ferrari et al.,  Fall prevention with supplemental and active forms of vitamin D: a meta-analysis of randomised controlled trials. Archives of Internal Medicine, British Medical Journal, online vorab 03. Oktober, 339:b3692

Sonnenbank-Nutzer sind besser informiert - und besser drauf!

Sonnenbank-Nutzer sind besser informiert - und besser drauf!

Junge Leute, die gut informiert sind über Gefahren und Nutzen der UV-Strahlen, gehen häufiger in ein Sonnenstudio als die weniger gut Informierten.

Mit einer Art spürbarem Entsetzen haben jetzt Wissenschaftler der Wake Forest Universität in den USA dieses offenbar unerwartete Ergebnis ihrer eigenen Forschung zur Kenntnis genommen.  Offenbar, so die Forscher, liessen sich die Menschen eher von ihrer Überzeugung leiten, dass sie durch die Sonnenbank-Nutzung vitaler und attraktiver würden und sich insgesamt wohler fühlten.

Ihre nicht so ganz wissenschaftliche Schlussfolgerung: Um die Menschen von der Sonnenbank fernzuhalten, müsse man in  Anti-Solarien-Kampagnen diese Motivation aufnehmen und nutzen, um chemische Bräunungsmittel (“sunless tanning”) zu empfehlen. Auf die Idee, dass Wohlgefühl und Vitalität ihre Gründe in den positiven Gesundheits- und Stimmungseffekten der Sonnenstrahlen oder ihrer “Stellvertreter” auf der Sonnenbank haben könnten, scheint ihnen garnicht gekommen zu sein.

Genau diese positiven Effekte aber haben bereits früher anderen Forschern den Verdacht nahegelegt, Sonnenstrahlen und Sonnenbank könnten süchtig machen. Erst bei näherem Hinsehen kam dann die Erkenntnis, dass hier die Motivation schlicht das verbesserte Köpergefühl war und z.B. das Verschwinden chronischer Schmerzen und nicht eine wie auch immer ausgelöste Sucht.

(Kuriosität am Rande: Forscherkollegen an der gleichen Universität hatten erst kürzlich in einer Studie die lindernde und heilende Wirkung der Sonnenbank bei chronischen Schmerzen bestätigt).

Erst vor wenigen Monaten hatte auch eine deutsche Studie festgestellt, dass gründliche Information über die UV-Strahlen von Sonne und Solarium den Besuch von (gut geführten) Sonnenstudios eher fördert als verhindert.
Kurios auch hier: Die Studie war im Auftrag einer Organisation gefertigt worden, die in in regelmäßigen öffentlichen Äusserungen Menschen von der Verderblichkeit der künstlichen Besonnung überzeugen möchte.

Quelle: PubMed

Studie:  Leslie K Dennis et al.,  Tanning behaviour among young frequent tanners is related to attitudes and not lack of knowledge about the dangers, Health Education Journal, Vol. 68, No. 3, 232-243 (2009)

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