Monatsarchiv für Januar 2010

sonnenlichtSonnenlicht ist unerlässlich, Sonnen ist gesund. Essen und atmen auch.  Fressen und Hyperventilieren ist ungesund.  Bruzzeln unter UV-Strahlen am Strand, auf dem Balkon oder auf der Sonnenbank auch! Krass Über- oder Untergewichtige sterben früher.  Immer wieder Sonnenverbrannte und entschlossene Sonnenmuffel und Stubenhocker auch.

Einfache Fakten, die eigentlich einfach zu erklären sein sollten: Das Richtige, das Notwendige und das Natürliche tun – in vernünftigem Maß und in angemessener Dosis.

Das Thema Sonne, UV-Strahlen und Gesundheit (ganz zu schweigen vom Thema Solarien) ist aber in den vergangenen Jahrzehnten durch unermüdliches Werfen von Nebelkerzen interessierter oder auch nur kurzsichtiger oder einseitiger Sonnen-Warner derart verschleiert, dass es schon der Anstrengung sachkundiger Experten und vieler Seiten mit Fakten und Argumenten bedarf, hier etwas (Sonnen-)Licht ins Dunkle zu bringen.

vitaminD-sonnenhormonEinen wichtigen Beitrag dazu liefert das Buch von Thomas Klein: “Sonnenlicht, das größte Gesundheitsgeheimnis. Sonnenmangel und seine schwerwiegenden Folgen“. Es erscheint in diesen Tagen im Hygeia-Verlag www.hygeia.de. Eigentlich eine völlig überarbeitete und aktualisierte Neuauflage einer früheren Schrift das Autors. Fast wie ein Katalog der erstaunlichen Heilwirkungen der Sonne liest sich das mehr als 400 Seiten dicke Buch,  gespickt mit Fakten, Zusammenhängen und wissenschaftlichen Nachweisen aus der inzwischen viele tausend Studien umfassenden Bibliothek zur Sonne, ihren UV-Strahlen und ihrem “Sonnenschein-Vitamin D”.

Zusammen mit den jeweils mit ganz eigenen Schwerpunkten geschriebenen Büchern von Prof. Dr. Jörg Spitz (“Vitamin D. Das Sonnenhormon für unsere Gesundheit und der Schlüssel zur Prävention“) und Dr. Nicolai Worm (“Heilkraft D – Wie das Sonnenvitamin vor Herzinfarkt, Krebs und anderen Zivilisationskrankheiten schützt“) vervollständigt es die Reihe der gründlich recherchierten und gleichzeitig für jedermann lesbaren Bücher zur “Vitamin D-Revolution”, an deren Anfang in Deutschland das Buch des Vitamin D-Papstes Prof. Michael F. Holick (“Schützendes Sonnenlicht“) stand.

heilkraft-sonneWährend es Prof. Spitz vor allem um die Vorbeugung der chronischen und Zivilisationskrankheiten geht und die Sonne dabei erst im Laufe seiner jahrelangen Recherche zur Hauptdarstellerin geworden war,  konzentriert sich das Buch von Dr. Nicolai Worm von der ersten bis zu letzten Seite auf das “Sonnenschein-Vitamin D”  und seine jahrelang verkannte und verleugnete “Heilkraft”.

Keiner dieser drei Autoren kommt als Gesundheitsapostel mit eindimensionalen Heilsversprechen daher, alle drei sind der wissenschaftlichen Redlichkeit und professionellen Skepsis gegen einseitige Kurzschlüsse verpflichtet.  Bei der Schrift von Prof. Holick hatte das ohnehin niemand anzuzweifeln gewagt.

Während in den USA bereits eine Art Vitamin D-Hype schon wieder Gefahr läuft, über das Ziel hinaus zu schiessen,  wird hier ein betont sachlicher Ton gepflegt: Überzeugen – auch die eingefleischten Vertreter ritualisierter Sonnenwarnungen – nicht rhetorisch überwältigen.

The_VitaminD_SolutionFür den April dieses Jahres ist ein neues Buch von Prof. Holick angekündigt: The Vitamin D Solution (zunächst in Englisch, sicher aber bald auch in deutscher Version erhältlich).  Wieder geht es um die natürlichen Heilkräfte der Sonne und darum, wie man diese Kräfte durch gerigfügige Änderungen in der Lebensführung optimal nutzt für sehr viel mehr Gesundheit und Wohlbefinden.

Mit einem “Dreischritt” gibt der “Altmeister” der Vitamin D-Forschung ganz lebensnahe, praktische Anleitungen für ein gesunderes Leben mit und durch Sonnenstrahlen, natürliche und künstliche, Ernährung und Nahrungsergänzung.

Zwar scheinen alle diese Versuche, den Stand der Wissenschaft zu Sonne, Besonnung und Vitamin D auf lesbare Weise unters Volk zu bringen,  im Moment noch wenig an der Folklore in den meisten Medien zu ändern von der krank machenden “bösen” Sonne (ganz zu schweigen von den total “bösen” Solarien), aber irgendwann werden Bücher wie diese und die  mehr als 1.000 Studien allein aus dem vergangenen Jahr zum Thema Sonne, UV-Strahlen und Vitamin D mit ganz überwiegend positiven oder gar sensationellen Ergebnissen auch die “veröffentlichte” Meinung in Sachen “böse” vs. “gute” Sonne besser ausbalancieren.

Holick hat dafür im Interview (Englisch) ein paar probate Ratschläge parat:

The Vitamin D Solution

Die Bücher:

Thomas Klein
Sonnenlicht das größte Gesundheitsgeheimnis -
Sonnenmangel und seine schwerwiegenden Folgen

Taschenbuch, 464 Seiten, 18,80 €
2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2010
ISBN 978-3-939865-02-5
Im Internet

Prof.. Dr. Jörg Spitz
Vitamin D -
Das Sonnenhormon für unsere Gesundheit und der Schlüssel zur Prävention

Gesellschaft für medizinische Information und Prävention 2008
Taschenbuch 240 Seiten, € 17,45
ISBN 978-3-00-026656-0
Bei Amazon

Dr. Nicolai Worm
Heilkraft D -
Wie das Sonnenvitamin vor Herzinfarkt, Krebs und anderen Zivilisationskrankheiten schützt

Systemed Verlag GmbH 2009
T
aschenbuch,  192 Seiten, € 15,95
ISBN 978-3-927372-47-4
Bei Amazon

junger-mann-in-der-sonneMännliche Hormone (Androgene) richten sich nach der Sonne.  Männer mit einem normalen Vitamin D-Spiegel im Blut von mindestens 30 ng/l haben deutlich höhere Testosteron-Werte (insbesondere an nicht gebundenem, verfügbarem und daher wirksamen Testosteron) als Männer mit niedrigeren Vitamin D-Werten (20-29 oder gar <20 ng/l).
Diese Werte sind – genau wie die Vitamin D-Werte – von der Sonneneinstrahlung abhängig. Ende März – am Ende des “Vitamin D-Winters” -  ist der Testosteron-Spiegel am niedrigsten, Ende August am höchsten. Flapsig gesprochen: Je höher die Sonne steigt, desto männlicher der Mann!

Ganz so drücken es zwar die Forscher an der Medizinischen Universität Graz nicht aus, die diesen Zusammenhang untersucht haben und jetzt die Ergebnisse in der Fachzeitschrift “Clinical Endocrinology” veröffentlichten.  Ihre Untersuchungen von 2299 Männern über einen  Zeitraum von vier Jahren bestätigen aber einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der  Versorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin D”, saisonalen Einflüssen und der Höhe des wirksamen männlichen Hormon-Pegels.

Da 80-90 Prozent des “Sonnenschein-Vitamins”  durch die UV-Strahlen der Sonne oder im Solarium über die haut im Körper selbst gebildet wird, reicht die Ernährung für eine ausreichende Versorgung nich annnähernd.  “Das UVB-Licht ist und bleibt der wichtigste Lieferant, wer zu wenig in der Sonne ist, muss Vitamin D zusätzlich einnehmen“, so der Leiter der Forschungsgruppe, Dr. Winfried März vom Synlab Medizinischen Versorgungszentrum Heidelberg, im Interview mit pte.

Vor allem im Winter könne künstliches Sonnenlicht in Solarien das fehlende Sonnenlicht  ersetzen. “Die nötige Menge ist nicht einmal besonders hoch. Eine Exposition von 15 bis 20 Minuten reicht dafür aus“, so der Mediziner abschließend.

Quelle:  ScienceDaily/pte

Studie: E. Wehr, S.  Pilz, B.O. Boehm , W. März, B. Obermayer-Pietsch, Association of vitamin D status with serum androgen levels in menClinical Endocrinology 29. Dezember 2009

Menschen mit einer ausreichenden Vitamin D-Versorgung verringern ihr Darmkrebs-Risiko um die Hälfte im Vergleich zu Menschen mit Vitamin D-Mangel. So das Ergebnis einer großen europäischen Studie mit einer halben Million Teilnehmern in 10 europäischen Ländern.

Forscher vom Imperial College, London, und der International Agency for Cancer Research (IARC) hatten in den Jahre 1992-1998 im Rahmen der  European Prospective Investigation into Cancer study (EPIC) umfangreiche Daten zu Ernährung und Lebensführung abgefragt und Blutwerte erhoben. In den folgenden Jahren waren 1.248 Menschen aus dieser Gruppe an Darmkrebs erkrankt und wurden in dieser Studie mit ebenso vielen gesunden Probanden verglichen.

Das Ergebnis bestätigt frühere epidemologische Studien, über die wir hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtete haben.

Diese große und sorgfältig durchgeführte Studie ist ein überzeugender Beleg für die Bedeutung des Vitamin D für den Schutz vor Darmkrebs…. Wir wissen, wie wichtig es ist, darauf zu achten, genügend Sonnenlicht zu bekommen – ohne die Haut zu schädigen -  um den Vitamin D-Spiegel im Blut hoch zu halten (Übers. d.Red),” so der Leiter der Studie am Imperial College,  Prof. Elio Riboli.

Einen Zusammenhang zwischen der Verminderung des Darmkrebs-Risikos und Vitamin D-reicher Ernährung konnten die Forscher nicht finden. Das Sonnenlicht sei offensichtlich sehr viel bedeutender für die Vitamin D-Versorgung als die Ernährung.

Eine Entdeckung von großer Bedeutung machten die Forscher sozusagen nebenbei: Vitamin A, Retinol, das etwa in Lebertran vorkommt, bremst die positive Wirkung von Vitamin D oder macht sie gar ganz zunichte. Diese Erkenntnis erklärt möglicherweise auch die widersprüchlichen Ergebnisse frühere Studien, je nachdem ob diese Studien in nordlichen Lädern mit hohem Lebertran-Konsum oder in südlichen Landern durchgeführt wurde. Die Fogeln dieser Entdeckung für die Therapie vieler chronischer Erkrankungen ist noch garnicht abzusehen.

Kleine Ironie am Rande: Die gleiche Organisation, die IARC, die Solarien erst kürzlich und die Sonne bereits 1992 als krebserregend eingestuft und damit eine Flut negativer Schlagzeilen über die künstliche Besonnung produziert hatte, betont jetzt mit der Veröffenltichung der spektakulären Bedeutung des “Sonnenschein-Vitamins” z. B. für den Darmkrebs die wichtige Rolle der Sonne bei der Vorbeugung und Heilung dieser Krebsart (und vemutlich vieler anderer bösartiger Tumore).

Quelle: Pressemeldung Imperial College

Studie:  Jenab et al.,  Association between pre-diagnostic circulating vitamin D concentration and risk of colorectal cancer in European populations: a nested case-control study, British Medical Journal 2010;340:b5500 (21. Januar 2010) – PDF

sonnen-tshirt-muetze

Keine Angst vor der Mittagssonne

Dass die Warnungen und die Angstkampagnen einiger Dermatologenverbände mit verantwortlich sind für den “epidemischen” Vitamin D-Mangel in der Bevölkerung mit seine Folgen für die chronischen Volkskrankheiten, ist inzwischen verbreitete Einsicht in medizinischen wie in Laienkreisen.  Nun aber zeigt eine Studie in einer Art Laborversuch,  dass selbst die Menschen, die diesem Unsinn trotzen und sich gelassen aber wohldosiert auch im Sommer der Mittagssonne aussetzen, zwar eine ausreichende, nicht aber eine optimale Vitamin D-Versorgung erreichen.

Photobiologen am englischen Manchester Academic Health Science Centre liessen 120 Stadtbewohner im Alter zwischen 20 und 60 Jahren im Winter – also ohne “störenden” Einfluss der Sonne – im Labor mit UV-Licht bestrahlen, das so exakt wie möglich den Sonnenstrahlen im englischen Sommer zur Mittagszeit nachgebildet war.  Die Probanden waren mit Shorts und T-Shirt bekleidet, und damit war etwa ein Drittel der Hautoberfläche den Strahlen ausgesetzt.  Die Strahlendosis entsprach 1,3 SED (Standard Erythema Dose), also weniger als der Hälfte einer Bestrahlung, die zu ersten Rötungen der Haut führt (MED).

Nach drei Bestrahlungen pro Woche über sechs Wochen wurden  bei 90 Prozent der Teilnehmer zwar ein Stand von über 20 ng/ml Vitamin D,  25 (OH)D,  gemessen, die Untergrenze des “Normalen”, aber nur 26 Prozent der Teilnehmer erreichten den als “optimal” definierten Stand von 32 ng/ml.

In anderen  Worten: Bei einer Besonnung um die Mittagszeit im Sommer von etwa 13 Minuten auf 35 Prozent der Hautoberfläche wird bei typischen Mitteleuropäern in ausreichendem, aber nicht in bestmöglichem Maße Vitamin D3 im Körper gebildet. Da viele der positiven Gesundheitswirkungen des “Sonnenschein-Vitamins” dosisabhängig sind,  weisen diese Ergebnisse auf eher “mehr” – wohldosiert eingesetzte – als auf “weniger” Sonne hin, selbst im Sommer.

Quelle:  PubCrawler

Studie: L.E. Rhodes et al.,  Recommended Summer Sunlight Exposure Levels Can Produce Sufficient (>/=20 ng ml(-1)) but Not the Proposed Optimal (>/=32 ng ml(-1)) 25(OH)D Levels at UK Latitudes, Journal of  Investigative  Dermatology, 14. Januar 2010 (vorab online)

Dunkle Haut im Nachteil

Dunkle Haut im Nachteil - Foto: iStockphoto

Wer sonnt lebt länger! Eine Unterversorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D3 führt zum früheren Herztod. Oder genauer: Das Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben liegt für Menschen mit einem drastischen Vitamin-D-Mangel um volle 40 Prozent höher als bei Menschen mit optimaler Vitamin D-Versorgung.

Ein Forschergruppe am University of Rochester Medical Center untersuchte 15.000 gesunde, erwachsene Amerikaner auf ihren Vitamin D-Spiegel und die Anzahl der Todesfälle durch Herzerkrankungen. Dabei berücksichtigten die Forscher auch Faktoren wie Übergewicht, Rauchen und bestimmte Proteine.

Besonders bemerkenswert vor allem ein Ergebnis: Dunkelhäutige Teilnehmer hatten ein um 38 Prozent höheres Risiko, an einer Herzattacke zu sterben als weisse Probanden. Der Grund: Die pigmentierte Haut hindert die Vitamin D-Synthese in der Haut durch die UVB-Strahlen der Sonne oder im Solarium. Je mehr sich dann der Vitamin D-Spiegel der beiden Hauttypen-Gruppen in der Studie anglich, desto geringer wurde auch der Risiko-Unterschied bei den Herzerkrankungen.

Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass sich durch die sehr einfache Veränderung des Vitamin D-Status der Menschen (durch Besonnung im Freien und im Solarium sowie durch Supplementierung, d.Red.)  das Risiko einer Herzkrankheit deutlich reduzieren liesse, ” so der Leiter der Studiengruppe, Prof. Kevin Fiscella.

Quelle: EurekAlert/University of Rochester

Studie: Kevin Fiscella, Peter Franks, Vitamin D, Race, and Cardiovascular Mortality: Findings From a National US Sample,  Annals of Family Medicine 8:11-18 (2010) – PDF