Monatsarchiv für Mai 2010

Nicht nur der gefährliche “schwarze” Hautkrebs, das Melanom, sondern auch der mit Abstand häufigste, aber relativ harmlose “weisse” Hautkrebs, das Basaliom, entsteht nicht durch regelmäßigen Aufenthalt an der Sonne.

Kann der ständige, berufliche Aufenthalt an der Sonne die beiden Formen des “weissen” Hautkrebs, den Basalzellenkrebs (Basaliom) und den Plattenepithelkarzinom (Spinaliom), hervorrufen? Sind diese beiden Hautkrebsarten daher als Berufskrankheiten anzusehen?” So die Frage,  der ein Forscher-Team von den beiden Universitäten Dresden und Heidelberg nachging.

Sie analysierten 25 Studien zu diesem Thema und kamen dabei zu dem Ergebnis, dass es zwar einen Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und dem selteneren Spinaliom geben könnte, nicht aber zwischen dem beruflichen Aufenthalt an der Sonne und dem verbreiteten Basaliom.

Quelle: PubCrawler

Studie:  Jochen Schmitt, Thomas Diepgen, Andrea Bauer, Berufliche Exposition gegenüber natürlicher UV-Strahlung und nicht-melanozytärer Hautkrebs – ein systematischer Review zur Frage einer neuen Berufskrankheit, Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Volume 8 Issue 4, Pages 250 – 264

asthmaVitamin D verbessert die Lungenfunktion,  reduziert die Anfälligkeit für Asthma-Attacken und unterstützt die Cortisol-Therapie.

Eine Forschergruppe an der Universtität von Colorado in Denver, USA,  hatte bei 54 erwachsenen Nichtrauchern aller Altersgruppen, die unter Asthma litten, einen durchschnittlichen Vitamin D-Spiegel von 28 ng/ml (70 nmol/L) gemessen. Die Patienten mit höheren Vitamin D-Werten schnitten bei einem Lungenfunktionstest deutlich besser ab: Je zusätzlichem Nanogramm an Vitamin D verbesserte sich die Lungenfunktion um 22,7 Messeinheiten Atemkapazität (Einsekundenkapazität, FEV1).

Allergische Reaktionen auf  Umwelteinflüsse war bei den Patienten mit Vitamin D-Mangel (<30 ng/ml) so stark erhöht, dass das Atemvolumen bei entsprechenden Reizungen auf fast die Hälfte zurückging im Vergleich zu Patienten mit ausreichender Vitamin D-Versorgung.

In einem Kommentar zu Studie erläutert Prof. Michael F. Holick: “Die Studie bestätigt frühere Beobachtungen, dass Vitamin D die Lungenfunktionen stärkt. Darüber hinaus aber wissen wir, dass Glucocorticoide Vitamin D vernichten und so bei Asthma-Patienten leicht ein Vitamin D-Defizit hervorrufen. Dieses Defizit wiederum hemmt die Lungenfunktion und verschlimmert so die Krankheit.”

Die Autoren empfehlen daher eine bessere Versorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin als Teil und zur Unterstützung der üblichen Asthma-Therapien.

Vitamin D-Defizit steigert Gefahr von Asthma-Anfällen auch bei Kindern

Eine ebenfalls in diesen Tagen erschienene Studie belegt den Zusammenhang von Vitamin D-Mangel und Asthma bei Kindern, vor allem aber mit akuten Asthma-Anfällen und Klinik-Einweisungen. Über einen Zeitraum von vier Jahren hatten Forscher verschiedener US-Universitäten 1024 Kinder mit Asthma  und ihren Vitamin D-Spiegel beobachtet.  Die Wahrscheinlichkeit einer Klinik-Einweisung oder Notfall-Aufnahme lag bei den Kindern mit unzureichenden Vitamin D-Werten (<30 ng/ml) um 50 Prozent höher als die ihrer ausreichend versorgten Altersgenossen.

Quelle: PubMed

Studien:
E. Rand Sutherland et al.,  Vitamin D Levels, Lung Function, and Steroid Response in Adult AsthmaAmerican Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, Vol 181. pp. 699-704, (2010)

John M. Brehm et al., Serum vitamin D levels and severe asthma exacerbations in the Childhood Asthma Management Program study, Journal of Allergy and Clinical Immunology, vorab online publiziert 08.Juni 2010

Darauf haben manche lange gewartet! Nach Dutzenden von Versuchen mit äusserst schütteren Ergebnissen kommt jetzt eine großangelegte Studie mit der Botschaft:  Solarien verursachen “schwarzen” Hautkrebs, und zwar je öfter und je länger desto mehr.

Schon die medienwirksame Einordnung der Solarien als “definitiv krebserregend” durch die IARC vor knapp einem Jahr stand auf äusserst schwachen wissenschaftlichen Füssen: Nur vier von 19 Studien hatten in einer Meta-Studie überhaupt statistisch relevante Ergebnisse in dieser Richtung erbracht – und hatten dabei zum Teil wichtige andere Faktoren außer Acht gelassen.

Dennoch erschreckten IARC, WHO und Medien die Menschen mit der Aussage, das Melanom-Risiko steige bei Solarium-Gebrauch vor dem 35. Lebensjahr um 75 Prozent. Dass damit das tatsächliche , absolute Risiko immer noch deutlich unter 0,1 Prozent lag, die Steigerung also winzig ausfiel, blieb wohlweislich unerwähnt.

Zudem geriet die einseitige Auswahl der Studien und andere methodische Probleme sehr schnell unter Beschuss von internationalen Experten.  Die Absicht hinter den Ergebnisformulierungen der Studien-Autoren war nur allzu deutlich.

Das gilt nun auch verstärkt für die jetzt vorgelegte Studie, die einst von einem der Geldgeber mit dem Auftrag auf die Reise geschickt wurde “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können” (Übers. durch die Red.).

Das Forschungsprojekt aus dem mittleren Westen der USA, dem Bundesstaat Minnesota, mit 2,268 Teilnehmern versucht seit 2004 einen Zusammenhang von künstlicher Besonnung und “schwarzem” Hautkrebs, dem Melanom, herzustellen. Basis ist eine umfangreiche schriftliche und telefonische Befragung über das Verhalten an der Sonne, über die Nutzung von künstlicher Besonnung und über die Art der Besonnungsgeräte  rückwirkend bis in die 80ger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Das Ergebnis: Bei Menschen, die irgendwann einmal eine Sonnenbank genutzt hatten, erhöhte sich, laut Studie, das Risiko, an einem Melanom zu erkranken, um 74 Prozent. Bei häufiger und längerer Nutzung sogar um das Dreifache.

Allerdings war es dabei gleichgültig, wann die Person mit der Solarium-Nutzung begonnen hatte. Damit widersprechen die Ergebnisse den bisherigen Annahmen, dass besonders die Solarium-Nutzung durch Jugendliche das Krebsrisiko erhöht.

Erst bei der genauen Analyse der veröffentlichten Daten findet man in dieser Studie Ergebnisse, die in der Zusammenfassung und Diskussion durch die Autoren tunlichst in einen Nebensatz verdrängt werden.

So stellt sich heraus (wie ähnlich auch in früheren Studien), dass Menschen mit regelmäßigem oder berufsbedingtem Aufenthalt an der Sonne weniger häufig an einem Melanom erkranken, als Menschen, die sich selten an der Sonne aufhalten. Mehr Sonne – weniger “schwarzer” Hautkrebs!

Interessant und ebenfalls in der Auswertung unerwähnt:  Regelmäßige und intensive Nutzung von Sonnenschutzmitteln führt nicht zu weniger sondern zu erheblich mehr Melanom-Fällen (auch darüber haben wir kürzlich berichtet).

Hier bestätigen sich denn auch die Zweifel an der “Neutralität” dieser Studie, ebenso wie bei der medienwirksamen Formulierung der Zusammenfassung. Dort wird mit “relativen” statt mit “absoluten” Risiken gearbeitet. Was das heisst und wie sich das auswirkt, lässt sich am besten am Beispiel erläutern.

Der Glaube an die Statistik, die man ….

Nehmen wir an, das Risiko, bei einem Spaziergang auf einem städtischen Bürgersteig von einem fallenden Dachziegel getroffen zu werden, sei 0,002 Prozent. Heisst: bei 100.000 Spaziergängen kommt es zu zwei Ziegeltreffern.

Nun findet eine wissenschaftliche Studie heraus, dass schon bei Windstärke 5 sich das Dachziegel-Unfallrisiko um erschreckende 75 Prozent erhöht.

Am nächsten Tag liest man in BILD:  “Tod vom Dach! Bei leichtem Wind 75 Prozent mehr Füßgänger tödlich getroffen.”

Politiker fordern schärfere Dachkontrollen und Meisterbriefe für jeden Dachdecker. Die Leute trauen sich jenseit von Windstärke 4 nicht mehr aus dem Haus – mit unabsehbaren Folgen für Wirtschaft und Volksgesundheit.

Und in Wirklichkeit?

Selbst wenn die Ergebnisse der Studie korrekt sind, wird bei höheren Windstärken aus einem minimalsten Risiko von 0,002 Prozent ein fast ebenso minimales Risiko von 0,0035 Prozent.

In anderen Worten: Viel Wind um (fast) nichts!

So auch hier

Ähnliche Zweifel und eine ganze Reihe zusätzlicher Einwände können auch für die Minnesota-Studie geltend gemacht werden. Nur einige davon sollen hier kurz erwähnt werden:

  1. Die Studie ist entstanden aus einem größeren Studienprojekt mit dem klaren Auftrag, “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können.” So einer der Geldgeber, das National Cancer Institute. Das Endurteil war damit bereits in den Studienansatz “eingebaut”.
  2. Mit diesem Auftrag wurden nach den schriftlichen Interviews Telefongespräche geführt, zur Hälfte mit Menschen, die inzwischen an einem Melanom erkrankt waren.  Bei “richtiger” Befragung neigen derart Betroffene dazu ihre Erinnerung an frühere Sonnenbank-Nutzung und Zeiten den Bedingungen anzupassen,  zumal wenn ihnen die Sonnenbank als “Schuldiger” für ihren Zustand vorab suggeriert worden war.
  3. Die Studie beschränkt sich auf den Staat Minnesota. Ausgerechnet dieser Staat zeichnet sich aus durch einen weit überproportionalen Anteil an Menschen nordeuropäischer Herkunft. Der besonders gefährdete Hauttyp 1 ist daher hier sehr viel häufiger vertreten als im Rest der Bevölkerung.
  4. Erinnerungen an so unwichtige Ereignisse wie das Sonnenbaden im Freien oder im Sonnenstudio, oder gar deren Länge und Häufigkeit, sind nach 20 Jahren und mehr eher zufällig. Dass darüber hinaus auch noch der Gerätetyp aus z.B. dem Jahr 1990 korrekt erinnert wird, ist unwahrscheinlich. Auf solchen Erinnerungen aber basiert diese Studie.
  5. Statistiken der Verbände zur Solarium-Nutzung im Staat Minnesota weisen einen Anteil von 10 Prozent an der Bevölkerung insgesamt aus. Die Studie aber entdeckte einen Anteil von 62 Prozent Solariennutzer bei der vom Melanom betroffenen Gruppe und 51 Prozent in der zufällig ausgewählten Vergleichsgruppe. Eine derartige Differenz, selbst bei ungenauen Daten, ist bei einer repräsentativen Auswahl ausgeschlossen. Hier wurde also vermutlich “vorselektiert”.
  6. Wenn es richtig ist (wie die Studie ausweist), dass regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne das Melanom-Risiko eher senkt als steigert, die UV-Strahlen der Sonne sich aber nicht bzw. nur in der Zusammensetzung, von den UV-Strahlen des Solariums unterscheiden, ist die Risiko-Steigerung gerade bei regelmäßiger Sonnenbank-Nutzung nicht schlüssig erklärbar. Zwei Ergebnisse der gleichen Studie widersprechen sich also unmittelbar an dieser Stelle.
  7. In der Studie selbst, vor allem aber in dem jetzt anlaufenden Medien-Echo wird durchgängig mit “relativen” statt “absoluten” Risiken argumentiert. Unser Beispiel oben zeigt, wieviel dramatischer sich die Ergebnisse auf diese Weise darstellen lassen. Tatsächlich liegt das absolute Risiko, an einem Melanom zu erkranken in den USA bei weniger als  o,3 Prozent – und unterscheidet sich nach anderen Studie kaum zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern von Solarien. Da die Studie nur Menschen bis zum Alter von 59 Jahren einbezieht, das Melanom aber eine typische Alterskrankheit ist, liegt folglich das absolute Risiko einer Melanom-Erkrankung in den untersuchten Altersgruppen noch sehr viel niedriger als im Durchschnitt der gesamten Bevölkerung.
  8. In der Melanom-Gruppe befinden sich mehr als dreimal so viele Menschen mit vielen oder sehr vielen Muttermalen wie in der Vergleichsgruppe und immerhin ein Viertel mehr Menschen mit mehr als 5 schweren Sonnenbränden im Freien. Beides, Anzahl der Muttermale und Sonnenbrände, sind typische Risikofaktoren für ein Melanom. Mit Solarium haben sie nichts zu tun!
  9. Obwohl in der Studie viele andere Melanom-Risiken genannt und ausgeschlossen werden, bleiben die erstaunlichen Daten zu einem Zusammenhang von Sonnenschutzmitteln und Melanom unberücksichtigt. Dabei erhöht sich, laut Daten der Studie selbst, das Melanom-Risiko durch Sonnenschutz-Gebrauch um ganze 35 Prozent.

Trotz solcher und anderer Einwände bleiben die Ergebnisse der Studie bedenklich, im wahrsten Sinne des Wortes.  Andererseits sagt eine Studie mit Erinnerungsdaten aus der Vergangenheit – über die gesamte Entwicklungsgeschichte der künstlichen Besonnung hinweg – sehr wenig über die aktuelle tatsächliche oder vermeintliche Gefährdung durch moderne Solarien oder über künftige Entwicklungen.

Mit den Rahmenbedingungen durch Normen, Gesetz und Verordnungen, wenn sie realistisch ausgestaltet und angemessen kontrolliert werden, ist für die Zukunft eine Gefährdung so gut wie auszuschließen – falls es denn in der Vergangenheit eine gegeben haben sollte.

Quellen:  Science Daily/HighWire/SmartTan

Studie:  DeAnn Lazovich et al., Indoor Tanning and Risk of Melanoma: A Case-Control Study in an Highly Exposed Population, Cancer Epidemology, Biomarkers & Prevention,  online vorab publiziert, 26. Mai 2010

Schlank und fit mit Sonne

Schlank und fit mit Sonne

Selbst dort , wo in Ländern der westlichen Welt die Sonne rund ums Jahr scheint, leiden immer mehr Jugendliche aufgrund der modernen “städtischen” Lebensweise unter erheblichem Mangel an “Sonnenschein-Vitamin”.  Das hat Auswirkungen auch auf ihre körperliche Fitness.

In den südlichen Staaten der USA wurden in einer Studie der Universität von Georgia die Vitamin D-Werte von schwarzen und weissen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren gemessen und mit den Daten ihrer physischen Fitness sowie der Herzleistung verglichen.

56,4 Prozent der Jugendlichen erreichten nicht den Normalwert von 75 nmol/L. Im Winter lag dieser Wert noch einmal deutlich höher. Am stärksten betroffen waren die schwarzen Jugendlichen.

Die Jugendlichen mit Vitamin D-Mangel waren in der Regel erheblich dicker und ihr Fettanteil im Vergleich zur Muskelmasse wesentlich höher. Ihre besser Vitamin-D-versorgten Altersgenossen dagegen waren sportlich aktiver, fitter und mit belastbarerem Herz-Kreislauf-System.

Für das sehr viel weiter nördlich gelegene Deutschland dürften diese Ergebnisse eher noch erheblich drastischen ausfallen. Jugendliche sind inzwischen eine der beiden “Risiko-Gruppen” wenn es um die Versorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin D ” geht.  Die intensiven, gegen jedes Sonnen gerade von Jugendlichen und vor allem gegen die künstliche Sonne gerichteten Kampagnen erscheinen vor diesem Hintergrund ebenso problematisch wie die Verbote im “Solariengesetz” von 2009 und in der derzeit vorbereiteten “Solarienverordnung”.

Champion durch Vitamin D?

Sonnenschein Vitamin für die Champions

Sonnenschein Vitamin für die Champions

Passend zu diesem Thema erzählt der Vitamin D-Forscher und Direktor des Vitamin D Councils, Prof. John Jacob Cannell, eine ebenso unglaubliche wie anregende Geschichte in seinem Newsletter:

Das Eishockey-Team der Metropole Chicago, die Chicago Blackhawks, spielten über Jahre in den unteren Regionen der National Hockey League (NHL). Bis ihr Trainer auf die Idee kam, den Vitamin D-Spiegel seiner Spieler zu testen. Das Ergebnis war katatsprophal, praktisch alle Spieler hatten Vitamin D-Werte deutlich unterhalb der optimalen Werte.

Nach einer rigorosen “Vitamin D-Kur” über 15 Monate (5.00 IE täglich) gewann das Team im vergangenen Jahr das Finale der NHL Western Conference, steht dort auch in diesem Jahr wieder an der Spitze und in den Stanley Cup Finals.

Quelle:  Science Daily

Studien:
Yanbin Dong et al.,  Low 25-Hydroxyvitamin D Levels in Adolescents: Race, Season, Adiposity, Physical Activity, and FitnessPediatrics, vorab online 03. Mai 2010

JJ Cannell  Hollis BW, Sorenson MB, Taft TN, Anderson JJ.  Athletic performance and vitamin D. Med Sci Sports Exerc. , 2009;41(5):1102-10.

Menschen mit einem Mangel an Vitamin D erkranken um 40 Prozent häufiger an Diabetes 2 als ihre optimal versorgten Zeitgenossen.

In einer von verschiedenen US-Stiftungen für Gesundheitsforschung geförderten Untersuchung haben Forscher von der Tufts Universität in Boston, USA,  Daten von 1.700 Teilnehmern an der großen Framingham Offspring  Studie im Verlauf von sieben Jahren ausgewertet. In dieser Zeit erkrankten 133 Teilnehmer an Diabetes 2.

Nach Ausschluss aller anderen bekannten Auslöser für eine Diabetes-Erkrankung zeigte sich, dass die Teilnehmer im oberen Drittel der Vitamin D-Versorgung zu 40 Prozent seltener an Diabetes 2 erkrankt waren als die Teilnehmer im unteren Drittel.  Die Autoren fassen ihre Ergebnisse in dem Rat zusammen:
Eine wichtige Strategie zur Vorbeugung und Verhinderung von Diabetes ist das Erreichen und Erhalten optimaler Vitamin D-Werte.

Diese und ähnliche Ergebnisse kommentiert der bekannte deutsche Vitamin D-Forscher, Prof. Armin Zittermann vom Herzzentrum Bad Oeynhausen, in der Zeitschrift Diabetes Ratgeber . Sein Tipp:
Dreimal in der Woche in der Mittagszeit 15 bis 20 Minuten an die Sonne – das reicht. In den Mittagsstunden ist der UV-B-Anteil  am höchsten. Vormittags oder Nachmittags müssten Sie länger Sonne tanken, um vergleichbar viel Vitamin D zu bilden. Das ist auch deshalb ungünstig, weil dann der Anteil der UV-A-Strahlen größer ist, die die Haut schädigen, aber für die Vitamin-D-Produktion nichts bringen. Wichtig: Die Sonne sollte mindestens ein Viertel der Körperoberfläche erreichen. Das heißt: Hose und Ärmel hochkrempeln.”

Quelle: Science Daily/Diabetes Ratgeber

Studie:  Enju Liu et al.,   Predicted 25-hydroxyvitamin D score and incident type 2 diabetes in the Framingham Offspring Study, American  Journal of  Clinical  Nutrition,  online vorab 14. April 14, 2010

Vitamin D-Mangel schmerzt

Vitamin D-Mangel schmerzt

Vitamin D-Mangel erhöht das Risiko von allgemeinen Gelenk- und Muskelschmerzen um 50 Prozent bei Männern zwischen 40 und 79  Jahren.

Experten von einem Dutzend europäischer Universitäten haben 3.075 Männer nach ihren Lebensgewohnheiten und chronischen Schmerzen befragt, in klinischen Untersuchungen getestet und die Vitamin D-Werte im Blut erhoben. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt: “schmerzfrei”,  “spezifische Schmerzen” und “chronische, allgemeine Schmerzen”, und ihr Vitamin D-Spiegel als “normal” (>/=15 ng/ml) oder “zu niedrig” (<15nm/ml) bewertet.

Beide “Schmerz”-Gruppen wiesen einen deutlich geringeren Vitamin D-Wert auf.  Auch nach Berücksichtigung  von anderen Faktoren wie körperliche Bewegung, Alkohol, Rauchen oder Übergewicht blieb es dabei: Ein zu niedriger Vitamin D-Spiegel führte in jedem Fall zu einem größeren Schmerz-Risiko.

Über den Zusammenhang von Sonne, UV-Licht, Vitamin D  und Schmerz haben wir bereits in der Vergangenheit immer wieder (hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier) berichtet.

Quelle: HighWire

Studie:  John McBeth et al.,  Musculoskeletal pain is associated with very low levels of vitamin D in men: results from the European Male Ageing StudyAnnals of Rheumatic Diseases,  online vorab publiziert 24. Mai.2010

Sonnenschutz mit Köpfchen

Sonnenschutz besser mit Köpfchen!

Wie in jedem Jahr schwappt auch in diesem Frühjahr mit den ersten wirklich sonnig-warmen Tagen die Welle der Sonnen-Warnungen durch die Medien. Dabei hat sich eine Art hysterischer Folklore eingebürgert, die gelegentlich kuriose, manchmal auch gefährlich falsche Blüten treibt.

Zu den Standards dieser Folklore zählt – nachdem zunächst die schrecklichen Folgen sommerlichen Sonnens in grellen Farben geschildert werden – die Mahnung, sich immer und überall durch Eincremen mit Sonnenschutzmitteln mit Lichtschutzfaktor (LSF) 20-50 zu schützen – mit dem Versprechen, dadurch die Eigenschutzzeit um das 20-50fache zu erhöhen und das Gespenst des “schwarzen” Hautkrebs zu vertreiben.

Diese, auch von einigen Dermatologen gern genommenen, Warnungen und Versprechungen sind durch den wissenschaftlichen Nachweis  des Gegenteils offensichtlich nicht im mindesten zu erschüttern.

Schützen Sonnenschutzmitel wirklich vor Hautkrebs?…

Seit vielen Jahren gibt es immer wieder gut dokumentierte Studien, die belegen, dass der Anteil der Melanom-Erkrankungen bei Menschen mit regelmäßigem Sonnenschutz-Gebrauch gleich hoch oder gar höher liegt als bei Sonnenschutz-Muffeln – eine soeben erschienene Studie, die eigentlich die Gefährlichkeit von Solarien belegen will, beweist eher “versehentlich” auch die Melanom-fördernde Wirkung rigorosen Sonnencremens. Falsches Eincremen und falsches Sicherheitsgefühl werden dafür in der Regel verantwortlich gemacht. Konsequenzen in der Medien-Berichterstattung hat das bisher nicht.

Vielleicht ändert sich das, wenn es nicht mehr um das “ferne” Melanom sondern um den unmittelbar schmerzlich erlebten Sonnenbrand geht.  In anderen Worten wenn sich herausstellt, dass das Eincremen mit Sonnenschutzmitteln nicht zu weniger, sondern  sogar zu mehr Sonnenbränden führen kann.

Diesen Nachweis tritt jetzt eine Studie der dänischen Krebsgesellschaft an, die 3.499 Teilnehmer im Alter von 15–59 Jahren nach ihrem Verhalten an der Sonne, nach dem Gebrauch von Sonnenschutzmitteln und nach der Zahl der  Sonnenbrände befragte.

Im Durchschnitt der Befragten hatten 35 Prozent  in den vergangenen 12 Monaten mindestens einen Sonnenbrand erlitten. Bei den Jüngeren lag die Quote mehr als vier Mal so hoch wie bei  den Älteren.

Überraschender aber:  Die Quote der Sonnenbrände lag in der Gruppe der Sonnencreme-Nutzer höher als in der Gruppe der Nicht-Nutzer.

Bei denen, die bewusst ein Sonnenbad nahmen, kam es mit oder ohne Sonnenschutzmittel gleich häufig zu einem Sonnenbrand.  Bei denen, die sich eher zufällig an der Sonne aufhielten, kam es öfter zu einem Sonnenbrand in der Gruppe der Sonnencreme-Nutzer als in der Gruppe der Nicht-Nutzer.

Zwei Drittel der Befragten, die einen Sonnenbrand meldeten, hatten sich mit Sonnenscreme eingerieben, um die Eigenschutzzeit für den Aufenthalt an der Sonne entsprechend zu verlängern – eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellte.

Die Autoren schliessen aus ihren Ergebnissen, dass sich künftige Kampagnen zur Vermeidung von Sonnenbränden

  • vor allem an junge Leute wenden,
  • vom Gebrauch der Sonnencremes zur Verlängerung von Sonnenbädern abraten und
  • generell eher Bekleidung und Schatten als Sonnenschutz empfehlen sollten.

Die Studie unterstreicht damit drastisch, wie häufig und vor allem unberechenbar das Sonnen im Freien zu Sonnenbrand und damit verbunden zu Hautschädigungen führen kann – im Gegensatz zum kontrollierten Sonnen und Vorbräunen im (Qualitäts-) Sonnenstudio.

Hinzu kommt, dass das propagierte Eincremen jederzeit und überall

  • nicht nur zu falschen Erwartungen, falschem Verhalten und dadurch zu fatalen Konsequenzen wie Verbrennungen und Hautschäden führt,
  • sondern gleichzeitig auch die Bildung des lebenswichtigen Vitamin D in der Haut verhindert.

… und wer schützt unsere Haut vor den Sonnenschutzmitteln?

Dass  Sonnenschutzmittel selbst als “chemische Coctails” gefährliche Stoffe enthalten, die ihrerseits (Haut-)Krebs fördern, ist immer mal wieder in Testberichten dokumentiert worden (zuletzt in der Zeitschrift ÖkoTest vom Mai 2010, die allerdings sehr viel freundlicher urteilt). Aber dass selbst offiziell (z.B. von der US-Food and Drug Adminsitration) verbotene Substanzen Jahrzehnte lang in weit verbreiteten Cremes überdauerten, ist kaum ins öffentliche Bewusstsein gedrungen.

Jetzt hat die US-Verbraucherorganisation Environmental Working Group (EWG) 500 Sonnenschutz-Produkte daraufhin untersucht und nur 39, also ganz 8 Prozent, als unbedenklich klassifiziert. Der Report kann hier heruntergeladen werden
http://www.ewg.org/2010sunscreen

Auch die enragiertesten Solariengegner sollten bei kommenden Kampagnen mit ihren Hinweisen auf die rettenden Sonnencremes vorsichtiger sein. Dem Verbraucherschutz ist das Verwirrspiel zwischen Böcken und Gärtnern sicher nicht zuträglich.

Dabei ist die Botschaft doch so einfach und absolut konsensfähig:  Sonne genießen, solange es dem Körper und der Psyche nützt, die Sonne meiden, bevor zuviel des Guten ins Böse umschlägt. Das Chamäleon hat es uns doch vorgemacht …

Quelle:  Newswise/Environmental Working Group

Studie:  Brian Køster et al.,  Prevalence of sunburn and sun-related behaviour in the Danish population: A cross-sectional studyScandinavian Journal of Public Health, online vorab 19. Mai 2010

Wo die Sonne weniger scheint haben die Menschen häufiger Kopfschmerzen und Migräne. Auch wenn die Sonne tiefer steht – im Herbst und Winter – schmerzt der Kopf öfter.

Dass  Sonne und Vitamin D vor allem Knochen- und Muskelschmerzen, aber auch unspezifische Schmerzen (Fibromyalgie) lindern können, ist in den vergangenen Jahren vielfach wissenschaftlich belegt worden.

Ein Neurologen-Team an der indischen Medizinischen Universität von Gujarat widmete sich jetzt der Frage, ob sich diese Erkenntnisse auch auf die verbreiteten Formen von Kopfschmerz
und vor allem auf die Migräne übertragen ließe.  Sie verglichen die Häufigkeit und Intensität von Kopfschmerzen und Migräne zwischen nördlichen, sonnenarmen, und südlichen, sonnigen Ländern.

Mit eindeutigem Ergebnis: Nordländer leiden sehr viel häufiger an Kopfschmerzen als die Bewohner der Gegenden näher am Äquator. Je mehr Sonne, desto schmerzfreier der Kopf.
Das Gleiche galt in derselben Region für den Unterschied zwischen den sonnenarmen und den sonnigen Jahreszeiten.

Die  Wissenschaftler vermuten, dass die Verbindung zwischen Sonnenmangel und Kopfschmerzen auf das Sonnenschein-Vitamin D3 zurückgeht. 90 Prozent des Vitamin D3 wird durch die UVB-Strahlen der Sonne oder im Solarium in der Haut gebildet. Als ein Indiz für ihre Vermutung verweisen die Forscher auf die große Zahl von Vitamin D-Rezeptoren, den „Türöffnern“ zum Inneren der Zellen, an dem Teil des Gehirns (Hypothalamus),  der für Kopfschmerz und Migräne „verantwortlich“ ist.

Quelle: PubMed

Studie:  S. Prakash et al., The prevalence of headache may be related with the latitude: a possible role of Vitamin D insufficiency? Journal of Headache and Pain, Mai 2010, online vorab publiziert

depressionÄltere Menschen mit einem Vitamin D-Mangel entwickeln eher eine Depression als andere. Das betrifft vor allem Frauen.

Ein Forschungsteam um Prof. Luigi Ferrucci vom National Institute on Aging in Baltimore, USA, beobachteten über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren insgesamt 531 Frauen und 423 Männer im Rahmen der inCHIANTI-Studie, um herauszufinden, ob deren Vitamin D-Status in einem Zusammenhang mit einer Depression bzw. mit der Entwicklung einer Depression stünde.

Zu Beginn der Studie wiesen 72 Prozent der Menschen, die schon an Depressionen litten, einen Vitamin D-Mangel auf (<50 nmol/L). Von den nicht depressivenTeilnehmern waren es nur 60 Prozent.

Entscheidender aber: Die Teilnehmer mit einem Vitamin D Mangel entwickelten im Laufe der Jahre sehr viel häufiger eine Depression, gemessen an einem stadardisierten Depressions-Test,  als die Teilnehmer mit normalem Vitamin D-Spiegel. Bei den Frauen war dieses Verhältnis besonders ausgeprägt. Doppelt so häufig als die Mitglieder der Gruppe mit normalen Vitamin-Werten erkrankten die Frauen mit Vitamin D-Mangel an Depression und depressiven Verstimmungen. Bei den Männern lag das Verhältnis wesentlich niedriger.

Das sei zwar noch kein ausreichender Beweis dafür, dass der Vitamin D-Mange ein oder gar der Grund für die Depression sei, so Prof. Ferrucci, aber “die Bekämpfung eines Vitamin D-Defizits wird vermutlich in Zukunft ein wesentlicher Teil der Therapie sein zur Vermeidung einer depressiven Entwicklung bei älteren Menschen mit all den negativen Folgen für die Gesundheit. Ausserdem wird die Normalisierung des Vitamin D-Spiegels auch zu jeder Depressions-Therapie vor allem bei den Älteren gehören“.

Depression durch Vitamin D-Mangel verhindert Heilung anderer chronischer Krankheiten

In einer anderen Übersichts-Studie unterstreichen die Autoren um Prof. Penckhofer von der Loyola Universität,  Chicago, dass eine durch den Mangel an Sonnenschein-Vitamin entstandene oder vertiefte Depression auch der Therapie anderer, gleichzeitig auftretender chronischer Krankheiten im Wege stehen könnte.

Sie fassen zusammenen: “Die wirkungsvolle Diagnose und Behandlung von Vitamin D-Mangel bei Patienten mit Depressionen oder depressiven Verstimmungen ist eine einfache und kostengünstige Therapie, die die Langzeit-Gesundheit und die Lebensqualität der Patienten wesentlich verbessern könnte.”

Psychose-ähnliche Symptome treten seltener auf

Eine schwedische Studie unterstreicht in diesen Tagen die Breite der positiven Wirkungen von ausreichender vitamin D-Versorgung bei psychischen Störungen.

Eine schwedische Studie mit 33 623 Teilnehmerinnen, die beim Beginn der Studie 1991/92  30-49 Jahre alt waren, untersuchte über eine Zeitraum von mehr als 10 Jahren das Auftreten von Psychosen und ähnlichen Symptomen im Zusammenhang mit dem Anteil von Vitamin D-reicher Ernährung (z.B. fetter Fisch) und den Vitamin D-Werten im Blut.

Bei dem Viertel der Teilnehmerinnen mit dem höchsten Vitamin D-Spiegel halbierte sich fast das Auftreten Psychose-ähnlicher Erscheinungen gegenüber dem Viertel mit den niedrigsten Werten.

Quelle: Reuters Health/PubCrawler

Studien:
Luigi Ferrucci et al., Serum 25-Hydroxyvitamin D and Depressive Symptoms in Older Women and Men, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism,  vorab online, 05. Mai 2010

S. Penckofer et al.,  Vitamin D and depression: where is all the sunshine? Issues in Mental Health Nurs.,  Juni 2010 ;31(6):385-93.

Maria Hedelin et al., Dietary intake of fish, omega-3, omega-6 polyunsaturated fatty acids and vitamin D and the prevalence of psychotic-like symptoms in a cohort of 33 000 women from the general population, BMC Psychiatry 2010, 10:38, vorab online 26 May 2010

Mehr Kraft

Mehr Kraft

Vitamin D-Mangel ist nicht auf die sonnenarmen Länder beschränkt. Selbst in einem Land wie Indien ist der Mangel weit verbreitet, auch bei den jüngeren Bewohnern.

Während sich zahlreiche Studien international mit den Folgen des Vitamin D-Mangels auf die körperliche und geistige Fitness älterer Menschen beschäftigen (wir berichteten hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), sind Daten für Jüngere wesentlich seltener (einige Beispiele hier und hier).

In einer plazebo-kontrollierten Studie mit 40 jüngeren indischen Männern und Frauen (Durchschnittsalter 31,5 Jahre) kamen jetzt Forscher vom All India Institute of Medical Sciences in Neu Dehli zu den gleichen Ergebnissen wie die Studien mit älteren Probanden:

Eine Aufstockung des Vitamin D-Spiegels im Blut der Teilnehmer durch hohe wöchentliche, später monatliche Gaben von Vitamin D3 (Cholecalciferol) und Klazium erhöhte die physische Leistungsfähigkeit in den verschiedensten Bewegungsformen und beim Atemvolumen  erheblich gegenüber der Placebo-Gruppe.

Durch die wöchentliche Gabe von 60.000 IE konnte der Vitmain D-Spiegel im Blut innerhalb von nur zwei Moanten fast vervierfacht werden. Danach allerdings war trotz der hohen Vitamin D-Zufuhr kaum noch ein Zuwachs zu verzeichnen. Über einen längeren Zeitraum (insgesamt 6 Moante) liess sich mit der Menge von 60.000 IE pro Monat der Vitamin D-Spiegel nicht einmal auf dem einmal erreichten Stand halten. Er fiel wieder unter den angestrebten, optimalen Wert von 75 nmol/L.

Ob ein langsamerer Aufbau der Vitamin D-Versorgung und/oder die Steigerung der Vitamin D-Werte durch UV-Licht eine gleichmäßigeres Ergebnis über längere Dauer bewirkt hätte, wurde hier nicht untersucht.

Quelle: PubCrawler

Studie:  R. Gupta et al.,  Effect of cholecalciferol and calcium supplementation on muscle strength and energy metabolism in vitamin D deficient Asian Indians: A randomized controlled trial Clinical Endocrinology (Oxf). 23. April 2010, online vorab veröffentlicht.

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