Sonnenschutz mit Köpfchen

Sonnenschutz besser mit Köpfchen!

Wie in jedem Jahr schwappt auch in diesem Frühjahr mit den ersten wirklich sonnig-warmen Tagen die Welle der Sonnen-Warnungen durch die Medien. Dabei hat sich eine Art hysterischer Folklore eingebürgert, die gelegentlich kuriose, manchmal auch gefährlich falsche Blüten treibt.

Zu den Standards dieser Folklore zählt – nachdem zunächst die schrecklichen Folgen sommerlichen Sonnens in grellen Farben geschildert werden – die Mahnung, sich immer und überall durch Eincremen mit Sonnenschutzmitteln mit Lichtschutzfaktor (LSF) 20-50 zu schützen – mit dem Versprechen, dadurch die Eigenschutzzeit um das 20-50fache zu erhöhen und das Gespenst des “schwarzen” Hautkrebs zu vertreiben.

Diese, auch von einigen Dermatologen gern genommenen, Warnungen und Versprechungen sind durch den wissenschaftlichen Nachweis  des Gegenteils offensichtlich nicht im mindesten zu erschüttern.

Schützen Sonnenschutzmitel wirklich vor Hautkrebs?…

Seit vielen Jahren gibt es immer wieder gut dokumentierte Studien, die belegen, dass der Anteil der Melanom-Erkrankungen bei Menschen mit regelmäßigem Sonnenschutz-Gebrauch gleich hoch oder gar höher liegt als bei Sonnenschutz-Muffeln – eine soeben erschienene Studie, die eigentlich die Gefährlichkeit von Solarien belegen will, beweist eher “versehentlich” auch die Melanom-fördernde Wirkung rigorosen Sonnencremens. Falsches Eincremen und falsches Sicherheitsgefühl werden dafür in der Regel verantwortlich gemacht. Konsequenzen in der Medien-Berichterstattung hat das bisher nicht.

Vielleicht ändert sich das, wenn es nicht mehr um das “ferne” Melanom sondern um den unmittelbar schmerzlich erlebten Sonnenbrand geht.  In anderen Worten wenn sich herausstellt, dass das Eincremen mit Sonnenschutzmitteln nicht zu weniger, sondern  sogar zu mehr Sonnenbränden führen kann.

Diesen Nachweis tritt jetzt eine Studie der dänischen Krebsgesellschaft an, die 3.499 Teilnehmer im Alter von 15–59 Jahren nach ihrem Verhalten an der Sonne, nach dem Gebrauch von Sonnenschutzmitteln und nach der Zahl der  Sonnenbrände befragte.

Im Durchschnitt der Befragten hatten 35 Prozent  in den vergangenen 12 Monaten mindestens einen Sonnenbrand erlitten. Bei den Jüngeren lag die Quote mehr als vier Mal so hoch wie bei  den Älteren.

Überraschender aber:  Die Quote der Sonnenbrände lag in der Gruppe der Sonnencreme-Nutzer höher als in der Gruppe der Nicht-Nutzer.

Bei denen, die bewusst ein Sonnenbad nahmen, kam es mit oder ohne Sonnenschutzmittel gleich häufig zu einem Sonnenbrand.  Bei denen, die sich eher zufällig an der Sonne aufhielten, kam es öfter zu einem Sonnenbrand in der Gruppe der Sonnencreme-Nutzer als in der Gruppe der Nicht-Nutzer.

Zwei Drittel der Befragten, die einen Sonnenbrand meldeten, hatten sich mit Sonnenscreme eingerieben, um die Eigenschutzzeit für den Aufenthalt an der Sonne entsprechend zu verlängern – eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellte.

Die Autoren schliessen aus ihren Ergebnissen, dass sich künftige Kampagnen zur Vermeidung von Sonnenbränden

  • vor allem an junge Leute wenden,
  • vom Gebrauch der Sonnencremes zur Verlängerung von Sonnenbädern abraten und
  • generell eher Bekleidung und Schatten als Sonnenschutz empfehlen sollten.

Die Studie unterstreicht damit drastisch, wie häufig und vor allem unberechenbar das Sonnen im Freien zu Sonnenbrand und damit verbunden zu Hautschädigungen führen kann – im Gegensatz zum kontrollierten Sonnen und Vorbräunen im (Qualitäts-) Sonnenstudio.

Hinzu kommt, dass das propagierte Eincremen jederzeit und überall

  • nicht nur zu falschen Erwartungen, falschem Verhalten und dadurch zu fatalen Konsequenzen wie Verbrennungen und Hautschäden führt,
  • sondern gleichzeitig auch die Bildung des lebenswichtigen Vitamin D in der Haut verhindert.

… und wer schützt unsere Haut vor den Sonnenschutzmitteln?

Dass  Sonnenschutzmittel selbst als “chemische Coctails” gefährliche Stoffe enthalten, die ihrerseits (Haut-)Krebs fördern, ist immer mal wieder in Testberichten dokumentiert worden (zuletzt in der Zeitschrift ÖkoTest vom Mai 2010, die allerdings sehr viel freundlicher urteilt). Aber dass selbst offiziell (z.B. von der US-Food and Drug Adminsitration) verbotene Substanzen Jahrzehnte lang in weit verbreiteten Cremes überdauerten, ist kaum ins öffentliche Bewusstsein gedrungen.

Jetzt hat die US-Verbraucherorganisation Environmental Working Group (EWG) 500 Sonnenschutz-Produkte daraufhin untersucht und nur 39, also ganz 8 Prozent, als unbedenklich klassifiziert. Der Report kann hier heruntergeladen werden
http://www.ewg.org/2010sunscreen

Auch die enragiertesten Solariengegner sollten bei kommenden Kampagnen mit ihren Hinweisen auf die rettenden Sonnencremes vorsichtiger sein. Dem Verbraucherschutz ist das Verwirrspiel zwischen Böcken und Gärtnern sicher nicht zuträglich.

Dabei ist die Botschaft doch so einfach und absolut konsensfähig:  Sonne genießen, solange es dem Körper und der Psyche nützt, die Sonne meiden, bevor zuviel des Guten ins Böse umschlägt. Das Chamäleon hat es uns doch vorgemacht …

Quelle:  Newswise/Environmental Working Group

Studie:  Brian Køster et al.,  Prevalence of sunburn and sun-related behaviour in the Danish population: A cross-sectional studyScandinavian Journal of Public Health, online vorab 19. Mai 2010

7 Kommentare zu “Sonnenbrand trotz Sonnenschutz”

  1. Sonnensegelam 27.05.2010 um 12:36

    Mit einem textilen Sonnenschutz wie Sonnensegel oder Markise lässt ein Sonnenbrand sehr gut vermeiden. Ein attraktives Sonnensegel aus hochwertigem Markisenstoff schützt Sie sicher vor schädlichen UV-Strahlen.

  2. [...] Interessant und ebenfalls in der Auswertung unerwähnt:  Regelmäßige und intensive Nutzung von Sonnenschutzmitteln führt nicht zu weniger sondern zu erheblich mehr Melanom-Fällen (auch darüber haben wir kürzlich berichtet). [...]

  3. [...] Studien haben nachgewiesen, dass die Nutzung von Sonnenschutzmitteln nicht, wie angeblich beabsichtigt, vor Hautkrebs schützt, sondern in vielen Fällen genau das Gegenteil bewirkt: Das Melanom-Risiko steigt! (Jüngste Beispiele von vielen hier) [...]

  4. [...] im Vertrauen auf dieses Schutzversprechen, da sie sich viel zu lange den Sonnenstrahlen aussetzen (s. dazu diesen Beitrag).Für Kinder gilt das ganz besonders, weil Sonnenbrände in der Kindheit eines der bedeutendsten [...]

  5. Sonnenschutzam 28.11.2010 um 14:22

    Wie mein Vorredner das schon sagte, ein textiler Schutz ist immer noch das Wirkungsvollste!

  6. [...] einige dieser Studien haben wir hier, hier, hier und hier [...]

  7. [...] Nach ein paar Minuten Googeln habe ich diesen Artikel endeckt: Link [...]

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