Monatsarchiv für Juni 2010

test_logoInzwischen ist das fast ein gewohntes Bild. Die Stiftung Warentest prüfte 21 Sonnenschutzmittel für Kinder mit dem hohen Lichtschutzfaktor 30 und stellt wieder einmal fest: Billiger ist nicht schlechter. Im Gegenteil. Einige der günstigsten Cremes bekamen die höchsten Rankings, einige der teuersten mussten sich mit den hinteren Plätzen zufrieden geben.

Genauso wichtig allerdings die Warnung der Redaktion, den Lichtschutzfaktor nicht allzu “wörtlich”  zu nehmen, die Sonnenschutzmittel reichlich aufzutragen und in regelmäßigen Abständen zu wiederholen.

Tatsächlich wird der Lichtschutzfaktor berechnet auf einer Basis, die angesichts der üblichen Eincreme-Praktiken völlig unrealistisch ist: 2 Milligramm pro Quadratzentimeter (2 mg/cm²). Kaum jemand verwendet eine ganze Packung bei einem Nachmittag am Strand.  Trägt man aber nur, wie das normalerweise geschieht, etwa ein Viertel dieser Menge auf, dann wird aus einem LSF 30-50 plötzlich nur ein LSF von 3-4 – und damit genau der Schutzfaktor, der auch bei einem kontrollierten Vorbräunen im Solarium erreicht wird.

Die Gefahr dabei:
Menschen, die von der Kosmetik-Werbung “gelernt” haben, dass z.B. der Lichtschutzfaktor 30 die sogenannte Eigenschutzzeit – die Zeit, die ich ohne Sonnenbrand ungeschützt an der Sonne verbringen kann – um das Dreissigfache erhöht, holen sich einen Sonnenbrand im Vertrauen auf dieses Schutzversprechen, da sie sich viel zu lange den Sonnenstrahlen aussetzen (s. dazu diesen Beitrag).Für Kinder gilt das ganz besonders, weil Sonnenbrände in der Kindheit eines der bedeutendsten Risikofaktoren für einen Hautkrebs im Erwachsenenalter darstellen.

Repräsentative Studien zeigen daher regelmäßig, dass sich pro Ferien-Saison etwa 40 Prozent der Bevölkerung und bis zu 60 Prozent der Jugendlichen mindestens einen, oft mehrere Sonnenbrände zuziehen.

So kommt es denn auch zu dem paradox erscheinenden Ergebnis, dass die eifrigsten Sonnenschutz-Anwender ein höheres Hautkrebs-Risiko tragen als die “Schutz-Muffel”.

Eine vorgebräunte Haut und ein informierter, angstfreier Umgang mit der Sonne am Strand wie auf dem Balkon ist daher die beste Methode, gleichzeitig die Wohlfühl- und die zahllosen Gesundheitswirkungen der Sonne und des Sonnenschein-Vitamins D  zu geniessen und – durchaus auch mit Hilfe der kostengünstigen Sonnencremes in richtiger Dosierung zur rechten Zeit -  Schäden für die Haut zu vermeiden.

Quelle: Stiftung Warentest

Sonnen-Lust und Sonnenschutz - Konflikt oder gesunde Allianz?

Sonnen-Lust und Sonnenschutz - Konflikt oder gesunde Allianz?

Macht Deine Sonnen-Creme Dich dick, alt und depressiv?” titelt der Daily Mirror, führende britische Boulevard-Zeitung, zum Sommeranfang und zählt die Gesundheitsschäden auf, die durch die Angst vor den Sonnenstrahlen entstehen.

Jahrzehnte lange Panik-Kampagnen der Kosmetik-Industrie mit Hilfe von Dermatologen-Verbänden und Krebs-Organsationen haben den Menschen die Sonne in einem Umfang ausgetrieben, der inzwischen so etwas wie einen gesundheitlichen Notstand produziert. Dieser Notstand hat viele Facetten, am bedeutendsten aber ist sicher der epidemische Mangel an Vitamin D, dem Sonnenschein-Vitamin.

Immer mehr wissenschaftliche Studien aus vielen Ländern warnen, dass der Vitamin D-Mangel in den vergangenen Jahren in dem Maße zugenommen hat, wie die Menschen im täglichen Leben gelernt haben, die Sonne zu meiden oder sich durch immer höhere Schutzfaktoren abzuschirmen. Moderne Lebensstile tun ein übriges.

Da die Medien oft unkritisch die Anti-Sonnen-Kampagnen einschliesslich noch der zweifelhaftesten Behautpungen ungeprüft übernehmen, kommt es zu einer eher paradoxen Erscheinung am Rande: Von den negativen Gesundheitsfolgen dieser Kampagnen sind die gebildeteren Schichten, als Zeitungsleser und an Gesundheitsinformationen interessiert, stärker betroffen als die übrige Bevölkerung. Auch die Politik reagiert ähnlich paradox mit bürokratischer Hektik, wie derzeit bei der sogenannten “Solarienverordnung”.

Doch ganz allmählich, durch hunderte wissenschaftlicher Studien und ihre langsame Verbreitung in einem größeren Publikum, setzt sich die Erkenntnis durch, dass das besinnungslose Trommeln gegen Sonne und Solarium und für immer wirksamere Sonnenschutz-Mittel und chemische Bräunung nicht der Gesundheit hilft sondern schadet – und das gleich mehrfach:

  1. Studien haben nachgewiesen, dass die Nutzung von Sonnenschutzmitteln nicht, wie angeblich beabsichtigt, vor Hautkrebs schützt, sondern in vielen Fällen genau das Gegenteil bewirkt: Das Melanom-Risiko steigt! (Jüngste Beispiele von vielen hier)
  2. Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor verhindern praktisch vollständig die Bildung von Vitamin D über die Haut und befördern so den Vitamin D-Mangel. Ein steter Anstieg chronischer Erkrankungen wie Osteoporose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen etc. sind die Folge.
  3. Die so hoch gepeitschte Sonnen-Angst und die panische Fixierung auf die Abwehr von UV-Strahlen macht einen vernünftigen,  für die Gesundheit notwendigen, positiven Umgang mit der natürlichen und künstlichen Sonne unmöglich. Statt gesunden Genuss der “guten” Sonne und dem ganz natürliches Ausweichen vor der “bösen” Sonne, fördern die vereinigten Industrie- und Dermatologen-Kampagnen den einseitigen Verzicht auf die lebensnotwendige aber kostenlose Sonnen-Gesundheit zugunsten der teuren und profitablen Sonnen-Killer.

Der Erfolg dieser Kampagnen aber trägt bereits den Keim ihres Mißerfolgs in sich.

Den Dermatologen hat ihre millionen-schwere Öffentlichkeitsarbeit, die vor eingenartigen statistischen Manipulationen nicht zurückschreckte,  die Honorar-Milliarden eines flächendeckenden Hautkrebs-Screenings beschert. Deren medizinischer Sinn aber wird inzwischen von Ärzten und Wissenschaftlern selbst in Zweifel gezogen. (“Gesetzliches Hautkrebsscreening vor dem Aus?“)

Die Kosmetik-Industrie hat zunehmend mit den Zweifeln an der Glaubwürdigkeit ihrer donnernden Sonnenschutz- und Selbstbräuner-Kampagnen zu kämpfen, je weiter sich die Informationen über die lebenswichtige Bedeutung von Vitamin D und die mangelnde Schutzwirkung gegen den Hautkrebs ausbreiten.  Um kreative Lösungen nie verlegen werden jetzt Selbstbräunungs-Cremes und Sprays mit Vitamin D-Zusatz auf den Markt geworfen – doppelter Gewinn mit angeblich modischer Bräune plus gesundem Vitamin D. Das aber liefert die Sonne kostenlos in sehr viel effizienterer Kombination bei vernünftigem Gebrauch.

Panik-Reaktion der Panik-Macher?

Schwer zu verstehen, warum es so schwierig sein soll,  Sonnengenuss und Sonnenschutz in sinnvoller Balance darzustellen und durchzusetzen. Dem Wohlbefinden und der Gesundheit dient beides – im Teamwork statt beim Catch-As-Catch-Can.

So wanderten die Ahnen (in der Mitte der Nordpol)

So wanderten die Ahnen (in der Mitte der Nordpol)

Sonnenbräune ist ein raffinierter Trick der Evolution. Ohne die unterschiedliche Fähigkeit zur Bräunung und damit zur Anpassung an die unterschiedlich und wechselnd  intensiven Sonnenstrahlen hätte der Mensch die Jahrtausende dauernde Wanderungen von der Wiege der Menschheit in Afrika nach Osten und Norden nicht überlebt. Dabei geht es nicht um den Schutz vor Sonnenbrand und Hautkrebs, wie bisher angenommen. Beides ist kein Hindernis für die Fortpflanzung. Sondern es geht dabei um die ausbalancierte Versorgung mit Vitamin D einerseits und Folsäure andererseits.

Das jedenfalls behaupten  Wissenschaftler von der Penn State University, USA.  Dass mit dem Verlust der Behaarung bei unseren Urahnen das Melanin, der Stoff aus dem die dunklen Pigmente sind, eine schützende Rolle vor zu viel tropischer Sonne spielte, ist seit langem bekannt.  Dass hierfür aber der Schutz vor Hautkrebs entscheidend war, wird jetzt von der Gruppe um die Anthropologin Nina Jablonski bestritten. Vielmehr sei die flexible Pigmentierung eine nowendige genetische Ausstattung gewesen, um die feine Balance zwischen zwei lebenswichtigen Mikro-Nährstoffen, dem Vitamin D und der Folsäure zu garantieren.

Vitamin D wird durch die UVB-Strahlen der Sonne im Körper gebildet und ist notwendig für die Steuerung etlicher Funktionen im menschlichen Körper, wie die Zellteilung oder die Immunregulierung. Dagegen wird Folsäure, Vitamin B9 – vor allem in der Schwangerschaft für das schnelle Zellwachstum von Bedeutung – durch UVB-Strahlung und Hitze zerstört.

Zu wenig UBV führt, vereinfacht gesagt, zu Vitamin D-Mangel mit katastrophalen Gesundheitsfolgen.  Zu viel UVB dagegen führt zu einem Mangel an Folsäure, mit den negativen Folgen für Zellwachstum, Blutbildung und Schwangerschaft. In anderen Worten: Die Fortpflanzung der menschlichen Rasse hing ab von genau der richtigen Wirkung und Dosierung der UV-Strahlen.

Das Melanin, die Hautbräunung, übernahm hier die Funktion des Schiedsrichters. Je mehr Sonne und damit UV-Strahlen, desto dunkler die Haut, je weniger und schräger einfallend die Sonnenstrahlen, desto heller und damit empfänglicher die Haut.

Damit aber war nur ein Problem gelöst: Die Menschen ganz im Süden waren dunkel, schützten ihre Folsäuren-”Bestände” und bildeten dennoch ausreichend Vitamin D. Die Menschen ganz im Norden waren hellhäutig und sonnenempfindlich, um überhaupt genügend Vitamin D in der Haut entwickeln zu können; Folsäure war nicht ihr Problem. Die Anpassung in den mittleren Breiten aber, dazu gehört auch Deutschland, blieb damit ungelöst. Hier wechselten sich Phasen intensiver UVB-Strahlung mit Phasen geringster Strahlung ab, was sich zu einer tödlichen Kombination von Vitamin D-Mangel und Mangel an Folsäure hätte entwickeln können.

Dagegen “erfand” die Natur den Bräunungsprozess. Die Lösung des Problems: Die Bräunung. Diese Fähigkeit wurde den Menschen in den mittleren Breiten genetisch “einprogrammiert” und garantierte das Überleben. Wie das Chamäleon wechselten die Menschen in den mittleren Breiten ihre Hautfarbe “opportunistisch”, heisst: wie der Körper es jeweils zum optimalen Funktionieren brauchte. Ein bisschen Sonnenempfindlichkeit für die Vitamin D-Bildung, ein bisschen Hautpigmentierung zum Schutz der Folsäure – je nach Situation, zum Beispiel je nach Saison.

Je besser diese Anpassung funktionierte, desto gesunder war der Mensch.

Die Natur war erst mit ihrer Weisheit am Ende, als der Mensch zwei Gewohnheiten entwickelte: Mobilität und Mode! Was Prof. Jablonski als “die Verschwörung der Moderne” bezeichnet.

Mobilität führte dazu, dass – im Vergleich zur Evolution “blitzschnell” – dunkelhäutige Menschen aus dem Süden in die sonnenarmen Länder des Nordens reisten und dort blieben, und umgekehrt. Die einen entwickelten Krankheiten durch den Vitamin D-Mangel – die magere Sonne des Nordens reichte nicht aus, die Melanin-Schutzschilde der dunkeln Haut zu durchdringen. Die anderen “verbrannten” und die ungeschützte DNA degenerierte zum Hautkrebs. Alle Einwanderungsländer, egal ob im Süden oder Norden haben dieses besondere Gesundheitsproblem der Zugereisten.

Schlimmer aber war die Entwicklung von Moden. Die Mode-Diktate  und gesellschaftlichen oder religiösen Regeln pfuschten der Natur ins Handwerk, seien es Ganzkörper-Verhüllungen oder Ballermann-Schickeria.

Die jüngste Variante dieses modischen Pfuschs haben uns ausgerechnet die Dermatologen, oder doch einige von ihnen, eingebrockt. Seit mehr als 40 Jahren predigen sie unentwegt gegen die weise Balance der Natur aus Exposition und Schutz. Sonnenbräune, der Ausdruck dieser gelungenen Balance, ist ihnen ein Graus. “Blass is beautiful” ihr Credo. Die Sonne ist der böse Feind, und da ihnen das niemand abnimmt (der gesunde Menschenverstand, das gesunde Menschengefühl, die Erfahrung von Jahrhunderten und seit vielen Jahren auch die Wissenschaft sagen etwas anderes), haben sie einen Ersatzfeind ausgemacht, den sie wie den Sack prügeln, wenn sie den Esel meinen: Das Solarium.

Alles Humbug, meinen die Forscher aus Pennsylvania. O-Ton Prof. Nina Jablonski: “Hautbräunung hat sich viele Male an verschiedenen Stellen der Welt zu verschiedenen Zeiten entwickelt, um die Menschen vor den schädlichen Wirkungen der UV-Strahlen zu schützen.” Ohne die Vitamin D-Bildung über die Haut zu verhindern.

Quelle: Eurekalert/Science Daily

Studie: Nina G. Jablonski. George Chaplin, Human skin pigmentation as an adaptation to
UV radiation
, PNAS, Colloquium paper, 2010

Drei Studien aus sehr verschiedenen Instituten in verschiedenen Ländern kommen zur gleichen Zeit zum gleichen Ergebnis: Es gibt einen deutlichen Zusammenhang von Vitamin D-Mangel mit Rheuma bzw. rheumatischer Arthritis.

Alle drei Studien wurden jetzt vorgestellt beim Kongress der Europäischen Liga gegen Rheuma (EULAR) in Rom.

In einer britischen Studie diagnostizierten die Forscher bei knapp 60 Prozent der Rheuma-Patienten einen Vitamin D-Mangel.

Ein Team an der Universität von Verona hatte 1.191 Patienten mit rheumatischer Arthritis auf ihre Vitamin D-Werte getestet und fand eine Unterversorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin bei 80 Prozent der Teilnehmer ohne Einnahme zusätzlicher Vitamin D-Pillen. Aber selbst die Teilnehmer, die 800 IE täglich zu sich nahmen erreichten zu 60 Prozent den optimalen Vitamin D-Spiegel im Blut nicht.

Eine dritte Studie bestätigt diese Befunde. Nur 29 Prozent der Patienten mit rheumatischer Arthritis und Osteoporose erreichten auch nur “befriedigende” Vitamin D-Werte.

Quelle: iWire News

EULAR Kongress-Seite:  www.eular.org

Gwyneth Paltrow fürchtet sich nicht mehr vor der Sonne

Gwyneth Paltrow fürchtet sich nicht mehr vor der Sonne

Gwyneth Paltrow, Hollywood-Star  und Oscar-Gewinnerin mit dem Film “Shakespeare in Love“, erfuhr auf die harte Tour, was Sonnen-Entzug und Vitamin D-Mangel bedeuten kann. Wie sie in Ihrem Newsletter GOOP berichtet, erlitt sie vor einiger Zeit völlig unvermutet einen Bruch des Schienbein-Plateaus, der operiert werden musste. Bei der Messung der Knochendichte stellte der Orthopäde eine Osteopenie fest, die Vorstufe des Knochenschwunds, der Osteoporose.

Als Ursache wurde ein extrem niedriger Vitamin D-Spiegel festgestellt. Der Star hatte die ständigen düsteren Warnungen vor den gefährlichen Sonnenstrahlen allzu ernst genommen und die Sonne gemieden, soweit sie konnte.

Jetzt schreibt sie in ihr Online-Tagebuch:
Meine Ärzte in New York … verschrieben mir Vitamin D und gaben mir den Rat, etwas Zeit an der Sonne zu verbringen. Ich hatte doch große Zweifel, ob das sicher war. Immerhin war mir viele Jahre lang gesagt worden, ich sollte mich von den gefährlichen Strahlen der Sonne fernhalten. Da war ich doch ziemlich durcheinander. Immerhin sind wir alle ja gut geschult in dem Glauben, dass der übermäßige Aufenthalt an der Sonne gefährlich ist.” (Übersetzung d. Red.)

Sie holte sich Rat bei einem New Yorker Spezialisten, Dr. Frank Lipman, der ihr die Gefahren des Vitamin D-Mangels und die  heilende Wirkung des Sonnenscheins  und die Vorteile erklärte – wie sie es ausdrückt – “ein paar Sommer-Sonnenstrahlen einzufangen.

Sie bat Dr. Lipman um ein paar Ratschläge für die Leser Ihres Newsletters zum vernünftigen Umgang mit der Sonne.  Lipman tat ihr den Gefallen und fasst am Ende zusammen:
Und die beste Art und Weise, optimale Vitamin D Werte zu erreichen, ist das  moderate, kluge und begrenzte Sonnenbad ohne Sonnenschutzmittel.

Gwyneth Paltrow zumindest hat mit ihren Knochen und mit ihrem Vitamin D-Spiegel nach eigener Aussage keine Probleme mehr. Die nächste Oscar-Party kann kommen!

Quelle: Hollywood.com/GOOP.com

Patienten mit ausreichenden Vitamin D-Werten haben nach der Diagnose eines Darmkrebses  eine wesentlich bessere Chance, den Krebs zu überleben als Patienten mit einem Vitamin D-Mangel.

Wer sonnt lebt länger!” unter diesem etwas saloppen Slogan hatten wir in der Vergangenheit bereits eine Reihe von Studien zusammengefasst, die eine höhere Lebsenserwartung bei Menschen mit ausreichender Vitamin D-Versorgung (>32 ng/ml bzw. 75 nmol/l) belegen, vor allem auch angesichts Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei bestimmten Krebsarten (dazu hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier).  Umstritten ist die lebensverängernde Wirkung des Sonnenschein-Vitamins beim Darmkrebs.

Beim diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology berichtete jetzt ein Forscher-Team vom renommierten Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York, von einer langjährigen Untersuchung über den Zusammenhang des Vitamin D-Status bei der Diagnose eines Darmkrebs und die langfristige Überlebenschance .

Dazu konnten sie auf das im Institut zum Zeitpunkt der Diagnose archivierte Blutserum von 250 Patienten mit Darm- und Rektal-Krebs im fortgeschrittenen Stadium und auf die Behandlungsunterlagen zum Abgleich zurückgreifen.  Das Ergebnis war eindeutig:

Unter Berücksichtigung der eingesetzten Therapien und anderer Daten zum Gesundheitszustand der Patienten waren die Überlebenschance der Probanden mit Vitamin D-Werten unter 30 ng/ml um 150 Prozent geringer als die der Patienten mit normalem oder optimalem (>40 ng/ml) Vitamin D-Spiegel.

Bemerkenswert auch, dass von den 250 Teilnehmern in der untersuchten Gruppe der Darmkrebspatienten nur ganze 7 Personen zum Zeitpunkt der Diagnose einen Wert von über 40 ng/ml aufwiesen. 83 Prozent der Patienten dagegen litten unter einem Vitamin D-Mangel.  Ein Hinweis darauf, dass auch bei der Entstehung des Krebses bereits die unzureichende Vitamin D-Versorgung eine Rolle gespielt haben könnte.

Quelle: NewsWise

Studie: K. M. Wesa et al., Vitamin D levels and survival in colorectal cancer (CRC), Abstract 3615, Journal of Clinical Oncology, 2010 ASCO Annual Meeting Proceedings, Vol 28, No 15_suppl (May 20 Supplement), 2010: 3615

Foto: fotolia

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Viele Frauen leiden nach der Geburt an Stimmungsschwankungen, Trauergefühlen bis hin zur Depression. Die Wirkung von Vitamin D bei psychischen Störungen ist vielfach belegt. Die Frage lag also nahe nach einem Zusammenhang von Vitamin D-Mangel und “Baby Blues” oder der schwereren Form,  der “Postpartalen Depression”.

Ein Forschertam an der University of South Carolina, USA, ging dieser Frage nach bei knapp 100 Frauen, die nach der Geburt wegen unterschiedlich gravierender depressiver Verstimmungen in Behandlung waren. Nach einem  gängigen Depressionstest (Edinburgh Postpartum Depression Scale, EPDS) wurden in sieben  Besuchen monatlich der Vitamin D-Spiegel gemessen und mit dem Grad der depressiven Verstimmung abgeglichen.

Es zeigte sich, dass sich der Grad der Erkrankung mit dem Ausmaß des Vitamin D-Mangels veränderte. Je größer der Mangel, desto schwerer im Durchschnitt die Depression.

Allerdings weisen die Autoren selbst darauf hin, dass für eine sichere Schlussfolgerung breiter angelegt und methodisch präzisere Studien notwendig wären.

Quelle: PubMed

Studie: Pamela K. Murphy et al., An Exploratory Study of Postpartum Depression and Vitamin D, Journal of the American Psychiatric Nurses Assiciation, Vol. 16, No. 3, 170-177 (2010)

GeldübergabeDie Sonne und ihr “Sonnenschein-Vitamin D” haben keine Lobby. Die Pharma-Industrie sehr wohl! Hier: die Impfstoff-Hersteller – ausgestattet mit gut gepolsterten Budgets. Das ist nicht neu und so ist es auch nicht verwunderlich, dass seit einem halben Jahrhundert vor der Sonne gewarnt und über die Gesundheitswirkungen des Vitamin D geschwiegen wurde – nicht nur in den Medien sondern auch in Teilen des Wissenschaftsbetriebs.

Wie das funktioniert zeigt jetzt ein Lehrstück, dessen ganz reales “Drehbuch” soeben im British Medical Journal von zwei Redakteuren veröffentlicht wurde. Der Plot ist schnell erzählt:

Mit den ersten Fälle von Schweinegrippe (H1N1) schaltete sich die Weltgesundheitorganisation (WHO) in die anlaufende Diskussion um eine mögliche “Pandemie” ein. Das ist ihre Aufgabe.
Wissenschaftliche Gutachter wurden benannt, die die Entwicklung beobachten und die Organisation rechtzeitig über die Gefahren und die notwendigen Schritte beraten sollten.

Wie bekannt, wurde schließlich vor genau einem Jahr weltweit eine Warnung der höchsten Stufe, die Warnung vor einer bevorstehenden Pandemie, ausgesprochen.  Dr Margaret Chan,Generaldirektorin der WHO damals:  “In Übereinstimmung mit den Verfahrensvorschriften der Internationalen Gesundheitsregeln habe ich mich beraten lassen von einem eigens dafür eingesetzten wissenschaftlichen Notfall-Kommitee. In Anbetracht der vorhandener Erkenntnisse und der Bewertung dieser Experten sind die wissenschaftlichen Kriterien für eine Pandemie erfüllt.”  (Übersetzung d. Red.)

Die Regierungen der Welt und ihre Gesundheitsbehörden platzierten vorsorglich riesige Impfstoff-Aufträge  für flächendeckende Impfaktionen bei den beiden Welt-Pharmafirmen, die als Lieferanten infrage kamen. Geschätzte 18 Milliarden wurden ausgegeben, der Impfstoff wurde geliefert – aber niemals gebraucht. Der angekündigte Tsunamie “Schweingrippe” entpuppte sich als leises Plätschern im jährlichen Grippe-Zyklus.

Nicht nur die düpierten und gerupften Regierungen rieben sich verwundert die Augen und stellten schüchterne Fragen an die WHO, sondern in einigen Teilen der Welt, so auch in England, machten sich “investigative Journlisten” an die Arbeit. Das Ergebnis liegt jetzt vor:

Die angeblich neutralen wissenschaftlichen Gutachter hatten bei ihren Empfehlungen sehr wohl eigene Interessen im Kopf: Sie waren von eben den Pharmafirmen bezahlt worden, die durch die Pandemie-Warnung der WHO zu den Milliarden-Aufträgen kamen!

In der Tat liest sich der Bericht im British Medical Journal wie der Thriller eines phantasiebegabten Krimi-Autors.

Nun ist es in der medizinischen Forschung durchaus üblich, dass die Forschungsgelder von Pharmafirmen zur Verfügung gestellt werden. Und natürlich besteht dabei ein gewisses Risiko, dass schon die Fragestellung und die Forschungsmethode dadurch beeinflusst wird. Aber die wissenschaftliche Ethik verlangt in solchenFällen die Offenlegung dieser Interessen, so dass sich jeder kritisch damit beschäftigen und dieses Wissen bei der Bewertung der Ergebnisse berücksichtigen kann. Dass das bei weitem nicht immer geschieht, steht auf einem anderen Blatt.

Die WHO hat das nicht für nötig gehalten. Und befragt nach diesem Verstoß gegen die eigentlich selbstverständliche Transparenz, fallen die Antworten zunehmend kurioser aus.

Damit bringt sich eine Weltgesundheitsorganisation selbst in den Verdacht, auch an anderen Stellen wenig “transparent” zu handeln, zu urteilen und zu empfehlen. Über Jahrzehnte hinweg etwa hat die WHO und jüngst ihr Wissenschaftsinstitut IARC in die einseitigen Warnungen von nationalen Gesundheitsorganisationen, Kosmetik- und Pharmafirmen eingestimmt, vor Sonne und UV-Strahlen gewarnt und die zahllosen neuen, wissenschaftlichen Entdeckungen rund um das “Sonnenschein-Vitamin” weitgehend ignoriert. Auch als Vitamin D in seiner immunregulierenden Eigenschaft als ein Mittel zur Vorbeugung bei der Schweinegrippe ins Spiel kam, war von der WHO dazu nichts zu hören.

Auch der Europäische Rat hat in einem (vorläufigen) Bericht heftige Kritik an den WHO-Praktiken in dieser Sache geäussert (“The handling of the H1N1 pandemic: more transparency needed). Die endgültige Fassung soll in diesen Tagen veröffentlicht werden.

Die Sonne hat keine Lobby, das Sonnenschein-Vitamin auch nicht: Weil es nichts kostet, bringt es nichts. Merkwürdige Logik in Zeiten der Krise  im Gesundheitswesen.

Quelle: British Medical Journal.

Bericht der beiden Redakteure im aktuellen Heft: WHO and the pandemic flu “conspiracies (WHO und die Gruppe-Pandemie “Verschwörung”). Dort auch ein Video zum Thema

EditorialConflicts of interest and pandemic flu” im gleichen Heft

Nachtrag im August 2010

Inzwischen hat die WHO, vermutlich unter dem Druck der öffentlichen Meinung,  die Namen der Experten in Sachen “Schweinegrippe-Pandemie” veröffentlicht, die auch von der Pharmaindustrie Geld erhalten haben. Allerdings beruhen diese Angaben auf den Selbsterklärungen der Betroffenen, müssen also keineswegs vollständig sein.  Andererseits  bedeutet ein solcher Interessenskonflikt nicht notwendig, dass hier das Urteil der Experten durch die Zahlungen beeinflusst wurden:

  • Arnold Monto, Professor aus den Vereinigten Staaten, Finanzen von allen wichtigen Impfstoff-Herstellern: GSK, Novartis, Roche, Baxter, Sanofi Pasteur. Insbesondere wurde ihm von Sanofi Pasteur Geld für die Entwicklung von Grippeimpfungen bewilligt.
  • Nancy Cox arbeitet für die US Centers for Disease Control erhielt Gelder von der International Federation of Pharmaceutical Manufacturers and Associations (IFPMA), um an Impfstoffen arbeiten zu können.
  • John Wood arbeitet für das britische National Institute for Biological Standards and Control (NIBSC). Das Institut erhielt Finanzmittel von Sanofi Pasteur, Novartis und verschiedenen anderen Firmen an, die sich mit der Forschung an Grippeimpfungen beschäftigen.
  • Maria Zambon, Professorin am UK Health Protection Agency Centre for Infection. Sie erhielt Geld von Sanofi, Novartis, CSL, Baxter und GSK.
  • Neil Ferguson, Professor mit Zahlungen von Roche und GSK Biologicals.

Quelle bei der WHO: http://www.who.int/ihr/emerg_comm_members_2009/en/index.html

Je mehr und intensiver die Sonne in den letzten Monaten der Schwangerschaft scheint, umso geringer die Gefahr eines Schwangerschafts-Hochdrucks und einer Geburtskomplikaktion (Präeklampsie). Das ist das Ergebnis einer Studie an der australischen Universität von Sidney mit 424,732 schwangeren Frauen.

Die Rate der Hochdruck-Erkrankungen war im Herbst mit 7,3 Prozent am niedrigsten und Anfang des Frühlings – unmittelbar nach Ende des “Vitamin D-Winters” -  mit 8,9 Prozent am höchsten. Während die Sonnenintensität auch zum Zeitpunkt der Empfängnis bei Präeklampsie eine Rolle zu spielen scheint gilt das nicht, laut Studie, für den Buthochdruck der Schwangeren. Hier erwiesen sich nur die letzten Monate vor der Geburt als entscheidend.

Quelle: PubCrawler

Studie: C.S. Algert et al., Seasonal variation in pregnancy hypertension is correlated with sunlight intensity, American Journal of Obstetrics and Gynecology,27. Mai 2010 (online vorab publiziert)

DNA ConnectionÜber eine Milliarde Menschen leiden nach Schätzungen von Gesundheitsbehörden weltweit an einem Vitamin D-Mangel. Die Folgen für viele weitverbreitete chronische Krankheiten sind erst in jüngster Zeit erforscht worden. Vor allem in westlichen Ländern wird der Mangel an regelmäßiger Sonnenexposition vor allem aufgrund der seit mehr als einer Generation andauernden Kampagnen von Dermatologen und Krebsorganisationen für diesen Zustand verantwortlich gemacht.

Dass für diesen Mangel auch genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten, haben jetzt Wissenschaftler aus 60 europäischen und amerikanischen Forschungsinstituten in einer Genom-weiten Bestandsaufnahme herausgefunden.

Die Mitarbeiter in dem Projekt mit dem “sprechenden” Namen SUNLIGHT (Study of Underlying Genetic Determinants of Vitamin D and Highly Related Traits) stiessen beim Durchforsten der menschlichen Gene von 34.000 Menschen europäischer Herkunft aus 15 verschiedenen Datenbanken (Kohorten) auf vier Genvarianten, die offensichtlich in einem Zusammenhang mit der unterschiedlichen Vitamin D-Versorgung  stehen.

Je nach der Ausstattung mit diesen drei Genen bzw. ihren Varianten hatten die Teilnehmer der Untersuchung ein bis zu 250 Prozent erhöhtes Risiko, das Ziel eines angemessenen Vitamin D-Spiegels im But von 75 nmol/L zu verfehlen.

Theoretisch könnte mit dieser Erkenntnis die Aufnahme von Vitamin D, vor allem die Synthese über die Haut durch die UV-B-Strahlen der Sonne oder im Solarium, für jeden Menschen individuell gestaltet werden. Denn immer noch gibt es nur “Faustregeln” für die Versorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin durch die natürliche und künstliche Sonne, durch Ernährung und/oder Nahrungsegänzung (Vitamin D-Pillen).

Praktisch allerdings erklären diese Genvarianten das “pandemische” Auftreten des Vitamin D-Mangels weltweit nur zu einem geringen Teil. Auch über die Auswirkungen auf die Risiken bei den vielen  “Volkskrankeiten”, die durch den Vitamin D-Mangel  bedingt oder verstärkt werden, ist damit noch wenig gesagt.

Das Sonnenlicht (UV-B) sei zwar nach wie vor die entscheidende Quelle für Vitamin D, so eine der Studienleiterinnen, Elina Hypponen vom University College London Institute of Child Health, London, aber: “Wenn wir die geographischen Unterschiede im Vorkommen von Vitamin D-Mangel betrachten, stimmen die Ergebnisse nicht immer mit unseren Erwartungen auf der Basis der Sonnen-Intensität überein. Unsere Studie legt nun die Vermutung nahe, dass diese Abweichungen durch genetische Faktoren bestimmt werden.”

Die Studie sei nur ein Betirag im notwendigen Kampf gegen den Vitamin D-Mangel, kommentiert Prof. Dr. Roger Bouillon von der Katholieke Universiteit Leuven in Belgien.  “Wir benötigen zusätzliche Studien, um die der Pandemie des Vitamin-D-Mangels zugrunde liegenden Mechanismen zu erklären, und vor allem benötigen wir eine Strategie, um diese ernsthafte weltweite Mangelerkrankung zu beseitigen.”

Quelle: Reuters Health

Studie:  T.J. Wang et al., Common genetic determinants of vitamin D insufficiency: a genome-wide association study. Lancet , 2010; 375, online vorab veröffentlich 10. Juni.2010

Kommentar: Roger Bouillon, Genetic and environmental determinants of vitamin D status, Lancet, im gleichen Heft