DNA ConnectionÜber eine Milliarde Menschen leiden nach Schätzungen von Gesundheitsbehörden weltweit an einem Vitamin D-Mangel. Die Folgen für viele weitverbreitete chronische Krankheiten sind erst in jüngster Zeit erforscht worden. Vor allem in westlichen Ländern wird der Mangel an regelmäßiger Sonnenexposition vor allem aufgrund der seit mehr als einer Generation andauernden Kampagnen von Dermatologen und Krebsorganisationen für diesen Zustand verantwortlich gemacht.

Dass für diesen Mangel auch genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten, haben jetzt Wissenschaftler aus 60 europäischen und amerikanischen Forschungsinstituten in einer Genom-weiten Bestandsaufnahme herausgefunden.

Die Mitarbeiter in dem Projekt mit dem “sprechenden” Namen SUNLIGHT (Study of Underlying Genetic Determinants of Vitamin D and Highly Related Traits) stiessen beim Durchforsten der menschlichen Gene von 34.000 Menschen europäischer Herkunft aus 15 verschiedenen Datenbanken (Kohorten) auf vier Genvarianten, die offensichtlich in einem Zusammenhang mit der unterschiedlichen Vitamin D-Versorgung  stehen.

Je nach der Ausstattung mit diesen drei Genen bzw. ihren Varianten hatten die Teilnehmer der Untersuchung ein bis zu 250 Prozent erhöhtes Risiko, das Ziel eines angemessenen Vitamin D-Spiegels im But von 75 nmol/L zu verfehlen.

Theoretisch könnte mit dieser Erkenntnis die Aufnahme von Vitamin D, vor allem die Synthese über die Haut durch die UV-B-Strahlen der Sonne oder im Solarium, für jeden Menschen individuell gestaltet werden. Denn immer noch gibt es nur “Faustregeln” für die Versorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin durch die natürliche und künstliche Sonne, durch Ernährung und/oder Nahrungsegänzung (Vitamin D-Pillen).

Praktisch allerdings erklären diese Genvarianten das “pandemische” Auftreten des Vitamin D-Mangels weltweit nur zu einem geringen Teil. Auch über die Auswirkungen auf die Risiken bei den vielen  “Volkskrankeiten”, die durch den Vitamin D-Mangel  bedingt oder verstärkt werden, ist damit noch wenig gesagt.

Das Sonnenlicht (UV-B) sei zwar nach wie vor die entscheidende Quelle für Vitamin D, so eine der Studienleiterinnen, Elina Hypponen vom University College London Institute of Child Health, London, aber: “Wenn wir die geographischen Unterschiede im Vorkommen von Vitamin D-Mangel betrachten, stimmen die Ergebnisse nicht immer mit unseren Erwartungen auf der Basis der Sonnen-Intensität überein. Unsere Studie legt nun die Vermutung nahe, dass diese Abweichungen durch genetische Faktoren bestimmt werden.”

Die Studie sei nur ein Betirag im notwendigen Kampf gegen den Vitamin D-Mangel, kommentiert Prof. Dr. Roger Bouillon von der Katholieke Universiteit Leuven in Belgien.  “Wir benötigen zusätzliche Studien, um die der Pandemie des Vitamin-D-Mangels zugrunde liegenden Mechanismen zu erklären, und vor allem benötigen wir eine Strategie, um diese ernsthafte weltweite Mangelerkrankung zu beseitigen.”

Quelle: Reuters Health

Studie:  T.J. Wang et al., Common genetic determinants of vitamin D insufficiency: a genome-wide association study. Lancet , 2010; 375, online vorab veröffentlich 10. Juni.2010

Kommentar: Roger Bouillon, Genetic and environmental determinants of vitamin D status, Lancet, im gleichen Heft

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