Geburt und Neugeborene bei Vitamin D-MangelTrotz rasch anwachsender Informationen über Sonne und Vitamin D in der Schwangerschaft ist die Verunsicherung der schwangeren Frauen – vor allem angesichts der dermatologischen Angstkampagnen – nach wie vor groß.

Schwangere gehören zu den “Problemgruppen” in der Bevölkerung mit überdurchschnittlichem Vitamin D-Mangel bei gesteigertem Vitamin D-Bedarf.  Schon unter “normalen” Bedingungen erreichen Frauen, laut Nationaler Verzehrsstudie von 2008, zu 91 Prozent nicht die empfohlenen Ernährungs-Richtwerte für die notwendige Vitamin D-Aufnahme. Die möglichen Folgen sowohl für die Geburt als auch für die Neugeborenen sind gravierend. Nirgendwo richten die Aufrufe  zum “totalen Sonnenschutz” mehr Schaden und Leiden an als gerade hier.

In einer Podiumsveranstaltung der Universität Hohenheim (Vitamin D-Mangel in Deutschland – ein Grund zur Sorge?) mit einem halben Dutzend hochkarätiger Experten gab es über die Dramatik der schleichenden Vitamin D-Mangel-”Pandemie”  keine abweichende Meinung. Prof. Berthold Kletzko, Pädiater am Universitätsklinikum München, nutzte gar sein Schlusswort für einen Appell an die verantwortlichen Organisationen und Politiker, dem Problem mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Ähnlich der dringende Aufruf von zwei der bekanntesten pädiatrischen Vitamin D-Forscher vom UCL Institute of Child Health and Centre for Paediatric Epidemiology and Biostatistics in London, Elina Hyppönen und Barbara Boucher zu einem “unified approach in National policy“  bei der Vermeidung von Vitamin D-Mangel in der Schwangerschaft, der in der August-Ausgabe des British Journal of Nutrition erschienen ist.

Zwei weitere Studien aus den vergangenen Wochen belegen diese Dringlichkeit:

Eine der häufigsten Geburtskomplikationen ist die Präeklampsie, eine Kombination verschiedener Symptome, vor allem Bluthochdruck und Ödembildung. Vitamin D-Mangel spielt dabei eine wichtige Rolle.  Forscher vom Massachusetts General Hospital in Boston, USA, untersuchten 51 Fälle von Präeklampsie bei ansonsten gesunden Frauen und verglichen die Vitamin D-Werte in der Mitte der Schwangerschaft mit denen von 304 Frauen mit unauffälligen Geburten.

Frauen mit einem Vitamin D-Spiegel von 50 nmol/L oder weniger litten vier Mal häufiger an einer schweren Präeklampsien als Schwangere mit normalen Werten von 75 nmol/L oder mehr. Nach Ausschluss verschiedener anderer Faktoren stieg das Risko einer Präeklampsie für Frauen mit Vitamin D-Mangel um mehr als das Fünffache.

Ein holländische Studie vom Institute of Health Sciences mit 3730 Schwangeren aus der Region Amsterdam belegt die Folgen eines Vitamin D-Mangels während der Schwangerschaft für die Neugeborenen: Niedrigeres Geburtsgewicht (im Durchschnitt -115 Gramm) sowie ein deutlich mehr als doppelt so hohes Risiko einer unterdurchschnittlichen Größe und eines verzögerten Wachstums.

Ein Teil der Neugeborenen konnten allerdings diese Start-Defizite durch schnelleres Wachstum und Gewichtszunahme im ersten Lebensjahr wieder “wettmachen”.

Anders als erwartet spielte die ethnische Herkunft keine wesentliche Rolle beim Auftreten des Vitamin D-Mangels und seiner negativen Folgen.

Besonders gefährdet sind Schwangere bei einer Grippe-Epidemie, der üblichen saisonalen Influenza wie auch bei neue auftretenden Erkrankungen etwa der “Schweinegrippe” (H1N1). Die schützende Rolle des Sonnenschein-Vitamins D bei Virus- oder bakteriellen Infektionen ist inzwischen wissenschaftlich gut belegt.

Daher sollten, besonders während der Grippe-Saison aber auch darüber hinaus, schwangere Frauen ihren Vitamin D-Spiegel im Blut auf 40 bis zu 80 ng/ml halten – entweder durch zusätzlich eingenommene mehrere tausend Internationale Einheiten (IE) pro Tag oder durch den Aufenthalt an der Sonne. Dieser Aufenthalt an der Sonne ist für 99 Prozent der Bevölkerung immer dann sowohl ausreichend als auch sicher, wenn der Schatten, den der Körper wirft, kleiner ist als die Körpergröße (Übers. die Red.).”
So der Rat zweier prominenter Experten, William B. Grant, SUNARC,und John J. Cannell, The Vitamin D Coucil, in einem Kommentar in der September-Ausgabe der Zeitschrift Critical Care Medicine.

Quelle: Diverse

Studien:
E. Hyppönen, B.J. Boucher, Avoidance of vitamin D deficiency in pregnancy in the United Kingdom: the case for a unified approach in National policy, British Journal of Nutrition, 2010 Aug;104(3):309-14

Arthur M. Baker et al., A Nested Case-Control Study of Midgestation Vitamin D Deficiency and Risk of Severe Preeclampsia , Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 18. August 2010, online vorab veröffentlicht

E.R. Leffelaar et al., Maternal early pregnancy vitamin D status in relation to fetal and neonatal growth: results of the multi-ethnic Amsterdam Born Children and their Development cohort, British Journal of Nutrition. 2010 Jul;104(1):108-17

Christopher J. Robinson et al., Plasma 25-hydroxyvitamin D levels in early-onset severe preeclampsia, American Journal of Obstetrics & Gynecology, Vol. 203/4, 366.e1-366.e6, October 2010

3 Kommentare zu “Noch einmal im Fokus: Schwangerschaft, Geburt und Sonnenschein-Vitamin”

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