Monatsarchiv für September 2010

Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Aufenthalt an der Sonne und dem Zucker-Stoffwechsel.

Forscher am berühmten Karolinska Institut in Stockholm und er Universtität Lund untersuchten die Daten von fast 20.000  Frauen aller Altersgruppen, repräsentativ für die südschwedischen Bevölkerung, die bereits in den Jahren 1990-1992 zu ihren Gewohnheiten im Umgang mit der Sonne befragt worden waren. Diese Befragung wurde zehn Jahre später noch einmal wiederholt.

Bei Frauen, die sich häufig an der Sonne aufhielten oder gewohnheitsmäßig Sonnenbäder nahmen,  stellte ich in dieser Zeit zu einem Drittel seltener eine Diabetes mellitus ein, als bei den Frauen, die eher den Aufenthalt an der Sonne vermieden. Wie auch schon bei ähnlichen Studien spielte auch hier Übergewicht eine mitentscheidende Rolle.

Schlussfolgerung der Autoren: “Unsere Studie stützt die Vermutung, dass Sonnenlicht eine wichtige Rolle beim Glukose-Stoffwechsel spielt.”

Sonnenschein-Vitamin D verlängert das Leben von Diabetikern

Eine weitere soeben veröffentlichte Langzeitstudie untersuchte die Auswirkungen des Vitamin D-Mangels auf die Entwicklung der Symptome bei Diabetes 2 und auf die Rate der Todesfälle generell und aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Über maximal 23 Jahre verfolgten Wissenschaftler von verschiedenen _Forschungsinstituten in Dänemark den Krankheitsverlauf von 289 Patienten mit Diabetes 2. Die untersten 10 Prozent der Probanden wurden als “schwer defizitär” definiert und  lagen bei Werten von <13.9 nmol/l.
68 Prozent der Teilnehmer starben im Untersuchungszeitraum.

Das Risiko, an einer beliebigen Folgekrankheit zu sterben, war für die Gruppe der Patienten mit einem schweren Vitamin D-Defizit doppelt so hoch (196 bzw. 203 Prozent) wie bei den Patienten mit normalem oder optimalem Vitamin D-Wert. Ebenso hoch das der Unterschied beim Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

Über Studien mit ähnlichem Ergebnis hatten wir bereits hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet

Quelle: PubCrawler

Studien:
P.G. Lindquist et al., Are active sun exposure habits related to lowering risk of type 2 diabetes mellitus in women, a prospective cohort study?,  Diabetes Research and Clinical Practice, Oktober 2010 ;90(1):109-14.

Christel Joergensen et al., Vitamin D Levels and Mortality in Type 2 Diabetes, Diabetes Care, vol. 33/10, Oktober 2010

Bald "Solarienfreie Zone"?

Bald "solarienfreie Zone"?

Yes we can! dachte sich der Essener Stadtrat und kopierte die in USA von Präsident Obama kürzlich eingeführte “Solariensteuer” als “Vergnügungssteuer”.

Die Abstimmung im Stadtrat war knapp: 41 der anwesenden 78 Mitglieder stimmten für die Vorlage, 37 dagegen. Da es sich um die erste Steuer dieser Art in NRW handelt, benötigt die Stadt zuerst die Zustimmung vom Innen- und vom Finanzministerium. Der Sprecher der Stadt schätzt, dass die Steuer frühestens im Februar nächsten Jahres in Kraft treten wird.

Was die betroffenen Bürger über diesen Schildbürgerstreich denken, lässt sich in den Kommentaren zu der Meldung auf dem WAZ-Portal “Der Westen” besichtigen. Der NRW-Innnenminister hat denn auch schon Bedenken signalisiert.

Die Stellungnahme des Photomed-Verbands zur Essener Sondersteuer auf Solarien:

“Die Stadt Essen will das Sonnen besteuern – Sondersteuer für Solarien in Rechtfertigungsnöten
Besonders erfinderisch bei der Suche nach Einnahmequellen zum Stopfen der Löcher im Stadtsäckel erweisen sich die Politiker der Stadt Essen. Neben anderen merkwürdigen Bagatellsteuern hat der Rat der Stadt jetzt eine “Vergnügungssteuer” auf Solarien verabschiedet.

Jedes kommerziell betriebene Solarium soll ab kommendem Jahr mit 20 Euro pro Monat belegt werden. Ein Sonnenstudio mit 10 Geräten müsste also 2.400 Euro pro Jahr zusätzlich zu den üblichen Steuern und Abgaben an die Stadt abführen. Die Stadt erhofft sich Einnahmen von 150.000 Euro pro Jahr aus dieser “Vergnügungssteuer”.

Dass sich eine solche Bagatellsteuer jemals für die Stadt rechnen könnte, ist wenig wahrscheinlich:

  • Die erwarteten Einnahmen von 150.000 Euro machen bei einer Schuldenlast von 2,9 Mrd. Euro etwa 0,005 Prozent aus bei der Schuldentilgung. Tatsache ist aber, dass nicht einmal ein Bruchteil davon wirklich zur Verfügung stehen wird, denn:
  • Die erwartete Summe aus dieser Sondersteuer wird zu wesentlichen Teilen durch den dafür notwendigen Verwaltungsaufwand aufgezehrt werden.
  • Ene “Vergnügungssteuer” kann nur auf den “Verbrauch” nicht auf die Geräte erhoben werden. Hier wird sicher ein juristisches Nachspiel folgen. Die notwendige Erhebung der Geräteanzahl ist darüber hinaus von der Kooperation der Solarienbetreiber abhängig.
  • Kein Sonnenstudiobesitzer ist gezwungen, den städtischen Beamten die Zählung der Geräte im Studio zu gestatten.
  • Von den etwa 50 Sonnenstudios in Essen und von den darüber hinaus in Fitnessstudios, Hotels, Saunen, Schwimmbädern und ähnlichen Einrichtungen betriebenen Solarien werden derzeit viele, wenn nicht die meisten, an der Grenze der Rentabilität betrieben oder sind gar Zuschussbetriebe. Die städtische Abgabe wird viele Betreiber dazu bringen, die Geräte abzuschalten. Die erzielbaren Einnahmen werden dadurch voraussichtlich mehr als halbiert – ein “Vergnügen” ist diese Steuer dann nicht einmal mehr für den Stadtkämmerer.
  • Gleichzeitig bedeutet dieser Solarienschwund einen massiven Personalabbau vor allem in den betroffenen Sonnenstudios – und wiederum Steuereinbußen, wenn auch nicht direkt auf kommunaler Ebene, und zusätzliche Sozial- und Versorgungsleistungen.

Folglich wird diese “Solariensteuer” neben Verwaltungsmühen und juristischem Ärger der Stadt voraussichtlich auch noch ein finanzielles Defizit bescheren.

Nun mag der Griff in die Taschen von Klein- und Kleinstbetrieben ja noch bei der offensichtlich verzweifelten Finanzlage der Stadt verständlich sein. Die dazu nachgereichten Begründungen aber sind so absurd, dass die notwendige Zustimmung des Innenministers bezweifelt werden muss:

Wie der Stadtkämmerer in einer Sendung des WDR ausführte, soll die Steuer,wenn schon nicht der Mittelbeschaffung so zumindest dem Gesundheitsschutz der Bürger dienen.
Da Solarien laut WHO krebserregend seien, so der Kämmerer, müsste die Stadt auf diesem Wege die Anzahl der Solarien und damit die Bedrohung der Essener Bürger durch künstliche Sonnenstrahlen so klein wie möglich halten. Den Widerspruch zu den vorgelegten Einnahmezahlen scheint der Beamte nicht bemerkt zu haben.

Diese Begründung ist doppelt falsch und beruht auf unzureichenden Informationen in der Essener Stadtverwaltung:

  • Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass die moderate und kontrollierte Nutzung von Solarien gesundheitsschädlich sein könnte. Schädlich ist lediglich der Missbrauch, was ja für viele “Vergnügen” gilt.
    In Qualitäts-Sonnenstudios, wie sie etwa vom Branchenverband Photomed gefordert und gefördert werden, und mit modernen, normgerechten Geräten kann es einen solchen Missbrauch nicht geben.
  • Es gibt aber jährlich tausende von wissenschaftlichen Studien, die die positiven Gesundheitswirkungen der im Solarium verabreichten UV-Strahlen belegen. Vor allem – aber keineswegs nur – durch die Bildung des lebenswichtigen Vitamin D, des Sonnenschein-Hormons, über die UVB-Strahlen auf der Haut, wird einigen der verbreitetsten chronischen Krankheiten wie Osteoporose, Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Depression, vielen Krebsarten und Autoimmunerkrankungen vorgebeugt.
  • Die WHO, auf die sich der Kämmerer bezieht, hat selbst eine Studie in Auftrag gegeben, die das Verhältnis von möglichen Schäden zum erzielbaren Nutzen der UV-Strahlen (gemessen in entgangenen Lebensjahren) auf 1 : 2.000 bezifferte.
    D
    anach dient die neue “Vergüngungssteuer” nicht dem Gesundheitsschutz der Essener Bürger sondern im Gegenteil, sie beraubt viele Bürger einer Möglichkeit, sich gesundheitswirksam im Solarium zu “vergnügen”.
  • Die zitierte Einordnung der Solarien als krebserregend durch die WHO, dessen wissenschaftliche Begründung von vielen Experten kritisiert wird, sagt in Wirklichkeit nichts aus über das Ausmaß der vermuteten Krebserregung. Das Solarium steht in dieser WHO-Liste zusammen etwa mit Rotwein und gesalzenem Fisch – und der Natursonne, die dort schon einigermaßen unbemerkt seit vielen Jahren aufgelistet ist.

Hat die Stadt Essen möglicherweise schon über die Besteuerung der Sonnenbäder an sich, einschließlich derer am Baggersee und auf dem Balkon, nachgedacht? Die Einnahmen wären um ein Vielfaches höher, der Gesundheitseffekt größer (da das Sonnen im Freien nicht moderat und kontrolliert erfolgt) – der politische und Verwaltungs-Ärger ebenfalls.

Die Stadt Essen leistet sich hier einen umgekehrten Schildbürgerstreich: Sie versucht nicht, die Sonne mit Eimern ins Rathaus zu holen sondern die (künstliche) Sonne mit dem Steuerbüttel aus dem Rathaus und der Stadt zu vertreiben. Schon die Schildbürger waren bei diesem Versuch wenig erfolgreich.”

spray on tan

Aufgesprüht: Die "bessere" Bräune? Foto Flickr/riz94107

Dass wissenschaftliche Studien nicht selten mit einem “Erkenntnisziel” und nicht “ergebnisoffen” durchgeführt werden, ist bekannt. Nicht immer aber wird das so deutlich wie in der jüngsten Pressekampagne in den USA, mit der wissenschaftliche Studien zum Einsatz von Selbstbräunern “vermarktet” werden. Selbstbräuner als Alternative zu, und Entwöhnungsvehikel für, Sonne und Solarium.

Ein Schwerpunktheft der renommierten Fachzeitschrift “Archives of Dermatology” lässt schon im Editorial keinen Zweifel am “Erkenntnisinteresse” aufkommen. Überschrift (Übers. d. Red.):
“Absichtliches Bräunen – Da ist mehr als ein Hammer notwendig, um das Verhalten zu ändern” (gemeint ist das Bräunen am Strand und im Solarium).

Die erste der beiden Studien zu diesem Thema im Heft gibt sich denn auch alle Mühe, den Effekt von “Aufklärung” (sprich: aufwändige Multi-Media-Kampagne für Selbstbräuner) über Selbstbräuner vs. Sonne und Solarien nachzuweisen:

Die Studie unter Leitung von Dr. Sherry L. Pagoto an der University of Massachusetts Medical School, Worcester, USA, begleitete einen Werbefeldzug für Selbstbräuner und meldet wissenschaftlich gestützen Vollzug:
Für die Studie wurden 250 Frauen beim Sonnen am Strand rekrutiert. Die Hälfte von ihnen wurden dann in einem Zelt am Strand von “Trainern” mit multimedialem “Informationsmaterial” und heftigem Zuspruch traktiert. Inhalt: Selbstbräuner sind gut, Sonne und vor allem Solarien sind lebensgefährlich.

Ihnen wurden zur Abschreckung UV-Tiefenphotographien von besonnter Haut mit deutlich markierten Sonnenschäden gezeigt, kostenlose Selbstbräuner und Sonnencremes wurden großzügig verteilt und die Probandinnen in den Gebrauch eingewiesen.

Die Gruppe der 125 nicht traktierten Frauen erhielten nur allgemein kosmetische Produkte ohne direkte Verbindung zu Sonnenschutz oder Selbstbräuner.

Über den Erfolg dieser Prozedur (“Gehirnwäsche” wäre sicher ein zu drastischer Ausdruck) berichten die Forscher mit spürbarem Stolz:
Bei der Befragung nach zwei Monaten hatten die bearbeiteten Teilnehmerinnen gegenüber den Frauen in der Kontrollgruppe den Verbrauch von Selbstbräunern deutlich gesteigert, ihren Aufenthalt an der Sonne spürbarer eingeschränkt, seltener einen Sonnenbrand erlitten und trugen häufiger schützende Kleidung.

Nach einem Jahr allerdings fielen die Kontrollen schon weit weniger erfreulich aus für die Selbstbräuner-Advokaten. Zwar bestand immer noch ein leichter Unterschied zwischen beiden Gruppen beim Sonnen im Freien oder im Solarium und auch beim Gebrauch von Selbstbräunern. Aber ausgerechnet bei den Sonnenbränden war ein Unterscheid nicht mehr auszumachen.  Die Autoren der Studie verhehlen ihre Enttäuschung darüber nicht.

Die zweite Studie, von Beginn an weniger “parteilich” angelegt und von bekannten WissenschaftlerInnen wie Prof. Vilma E. Cokkinides von der American Cancer Society, Atlanta, oder Prof. Martin A. Weinstock von der Brown University, Rhode Island, USA, geleitet ist noch weit weniger hilfreich für die Sache der Selbstbräuner-Promotoren.

Die Forscher befragten per Telefon 1.600 Jugendliche im Alter von 11 bis18 Jahren und deren Eltern nach ihre Gewohnheiten beim Aufenthalt an der Sonne, ihrem Selbstbräuner-Gebrauch, nach der Zahl der Sonnenbrände im vergangenen Jahr und nach ihrer Solariennutzung. Das erstaunliche und für die Dermatologen deprimierende Ergebnis:

Die Studie ergab zwar, dass fast 11 Prozent der Younsters Selbstbräuner nutzten. Aber gegen alle Erwartung waren das dieselben Leute, die auch am häufigsten ein Solarium nutzten (2,5 mal häufiger als Nicht-Nutzer von Selbstbräunern) und sich vor allem sehr viel häufiger am Strand einen Sonnenbrand zuzogen (5 oder mehr Sonnenbrände pro Sommer). Auf den Einsatz von Sonnenschutzmitteln hatte der Gebrauch von Selbstbräunern keinen Einfluss.

Bescheiden dann auch die Schlussfolgerung. Prof. Cokkinides: “Wenn jemand rasch  gut aussehen will für die Abschlussfeier, dann könnten Selbstbräuner hilfreich sein und den Einsatz von Solarium oder von längerem Aufenthalt am Strand verhindern.”

Quelle: PubMed, Eurekalert, Science Daily

Studien:
Sherry L. Pagoto et. al., A Beach Randomized Trial of a Skin Cancer Prevention Intervention Promoting Sunless Tanning, Archives of  Dermatology, 2010;146(9):979-984.

Vilma E. Cokkinides et al., Use of Sunless Tanning Products Among US Adolescents Aged 11 to 18 Years, Archives of Dermatology, 2010;146(9):987-992

Editorial:  June K. Robinson, Joel Hillhouse, Rob Turrisi, Intentional Tanning – More Than One Hammer Needed to Change Behavior, Arch Dermatol. 2010;146(9):1029-1030

Die Video- und DVD-Shops in den USA sind in der Krise. Das Internet sitzt ihnen im Nacken. Vor allem die großen Ketten schließen reihenweise ihre Verleih-Geschäfte.

Wie so oft sind die unabhängigen Händler und Verleiher kreativer und flexibler: Schon 3.500 dieser Shops bieten inzwischen als Zusatzleistung zum Video-Verleih die Besonnung auf einer Sonnenbank an.

Laut Branchenverband ist das, zusammen mit dem Verkauf von Solarkosmetik, ein sehr gutes Geschäft. Video-Verleih und Sonnenbad ergänzen und verstärken sich wechselseitig. Ein Video-Verleiher mit etwa sechs Kabinen bestreitet 40 Prozent seines Umsatzes mit der Besonnung, so der Verband. Gleichzeitig wird durch die Doppelbedienung Personal effektiver eingesetzt.

Quelle: Reuters

Internationale Krebsgesellschaften tasten sich seit einiger Zeit an die Konsequenzen aus der Fülle wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Notwendigkeit von Sonnenstrahlen für die Gesundheit der Menschen heran (wir haben darüber verschiedentlich berichtet).

In unserem Nachbarland Holland hat das jetzt zu einer dastischen Kehrtwende in den Empfehlungen der Niederländischen Krebsgesellschaft geführt. Die jetzt publizierte Position des Verbands empfiehlt die tägliche Dosis Sonne (UV-Strahlen) mindestens auf Kopf und Hände.

Die neue Empfehlung basiert auf den Ergebnissen einer Arbeitsgruppe ‚Signalling Committee Cancer’, die überprüfte, ob die seit 1994 geltende Empfehlung, sich zwischen 12 und 15 Uhr nicht der Sonne auszusetzen und ihre Haut im Freien immer mit Sonnencreme zu schützen, im Lichte der neuesten wissenschaftlichen Studien und Veröffentlichungen immer noch aufrecht erhalten werden könnte. Das konnte sie nicht.

Die neue Empfehlung ist jetzt eine radikale Umkehr der alten Position, die über die Jahre in der aufwändigen “SunSmart“-Kampagne verbreitet wurde. Die jetzt veröffentlichte Erklärung gibt den Rat: „Regelmäßige Sonnenbestrahlung von Kopf, Händen und Unterarmen für eine Dauer von 15 bis 30 Minuten am frühen Nachmittag (zwischen 12 und 15 Uhr) ist für die Menschen in den Niederlanden ratsam, um den Knochenmetabolismus aufrechtzuerhalten, und trägt möglicherweise auch dazu bei, verschiedene Krebsarten zu vermeiden.

Aber: „Intensive Sonnenbäder über längere Zeit sind nicht ratsam.“ Eine kluge, mäßige Sonnenbestrahlung ist die neue Botschaft der Niederländischen Krebsgesellschaft an die Öffentlichkeit.

Quelle: Sunlight Research Forum

Die Zusammenfassung des Berichts der Niederländischen Krebsgesellschaft in englischer Sprache ist einzusehen unter:
www.sunlightresearchforum.eu

In einer gleichzeitig ironisch-witzigen und informativen Sendung nahm kürzlich der Sender 3sat die überzogenen Warnungen der Dermatologen auf die Schippe. Hier das Video zur Sendung:

Zu den am weitesten verbreiteten Gesundheitsproblemen in den Industrieländern gehören die überhöhten Werte bei den Blutfetten und Triglyceriden und vor allem das ungünstige Verhältnis von den “guten” (HDL) zu den “bösen” (LDL) Fetten.  Diese Werte werden positiv beeinflusst durch die ausreichende oder gar optimale Versorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D.

Forscher an der Universität von Tromsø, Norwegen, hatten in einer Querschnitt-Studie mit 10.000 und einer Langzeit-Studie mit 2.000 Teilnehmern diesen Zusammenhang untersucht und kamen – zumindest bei den Nichtrauchern – zu eindeutigen Ergebnissen. Bei den Teilnehmern mit dem höheren Vitamin D-Spiegel im Blut lagen die HDL-Werte um 6 Prozent höher, die Triglycerid-Werte um 18 Prozent niedriges als bei den Probanden im unteren Viertel der Vitamin D-Werte.

In der Langzeitstudie über 14 Jahre von 1994/95 bis 2008 bestätigte sich diese Tendenz vor allem bei den Triglyceriden.

Da überhöhte Blutfett- und Triglycerid-Werte zu Thrombosen und Arteriosklerose und damit zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können, bestätigt sich in diesen Studien einmal mehr die große Bedeutung der Sonne und des Sonnenschein-Vitamins bei der Vorbeugung und Bekämpfung der chronischen und Volkskrankheiten.

Quelle: Eurekalert

Studie:  R. Jorde et al., High serum 25-hydroxyvitamin D concentrations are associated with a favorable serum lipid profile, European Journal of Clinical Nutrition, vorab online 8 September 2010.

Sonnenschein hilft gegen Brustkrebs

Frauen zur Sonne!

Das Brustkrebsrisiko für Frauen könnte schon mit einer relativ geringen Verbesserung der Vitamin D-Versorgung durch mehr Sonne, Nahrungsergänzung oder Solarium um 27 Prozent gesenkt werden.

Das Sonnenschein-Vitamin reguliert, wie die Forschung der vergangenen Jahre gezeigt hat, die Zellteilung und verhindert das Wachstum entarteter Zellen.  Dass diese Wirkung auch im Zellgewebe der Brust wirkt, zeigt das Vorhandensein sogenannter Vitamin D-Rezeptoren, den “Empfangschefs” oder “Schleusern” für das wirksame Vitamin D in das Innere der Zellen, an den Zellen der weiblichen Brust.

Eine französische Studie mit 636 an Brustkrebs erkrankten und 1.272 gesunden Teilnehmerinnen kommt zu dem Ergebnis, dass die Frauen im oberen Drittel der Vitamin D-Werte im Blut ihr Brustkrebsrisiko gegenüber den Frauen im unteren Drittel um gut ein Viertel senken.

Diese Wirkung trat vor allem ein bei Frauen vor der Menopause und nimmt danach deutlich ab. In anderen Worten: Gerade bei den Jüngeren ist die schützende Wirkung des Sonnenschein-Vitamins besonders groß.

Ob der Vitamin D-Spiegel im Blut  am wirkungsvollsten durch den Aufenthalt an der Sonne (normalerweise in unseren Breiten für 80-90 Prozent der Versorgung “zuständig”)  oder, etwa im “Vitamin D-Winter”, im Solarium oder durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erreicht wird, dazu äussern sich die Autoren nicht.

Diese Ergebnisse bestätigen früher, vor allem epidemologische Studien, über die wir berichtet haben (hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier).

Quelle:  ReutersHealth

Studie: F Clavel-Chapelon et al., Serum 25(OH) Vitamin D and Risk of Breast Cancer: A Nested Case-Control Study from the French E3N Cohort, Cancer Epidemiological, Biomarkers & Prevention, September 1, 2010; 19(9): 2341-50

Vitamin D-Mangel bei Schwangeren erhöht die Gefahr von Schizoprenie bei Neugeborenen

Ausreichende Vitamin D-Versorgung in der Schwangerschaft schützt das Neugeborene vor Schizophrenie. Foto: Fotolia

Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einem Vitamin D-Mangel und dem Auftreten von Schizophrenie bei Neugeborenen. “Es ist wahrscheinlich, dass dieses Phänomen für einen Großteil der Fälle in Dänemark verantwortlich ist.” So die Autoren einer Studie von australischen und dänischen Forschern, die in diesen Tagen erschienen ist.

Die Blutproben für die Untersuchung kommen von  424 Patienten mit Schizophrenie in Dänemark und eine ebenso großen Kontrollgruppe Gesunder, nach Geschlecht und Geburtsdatum verglichen.

Je nach der Höhe des Vitamin D-Spiegels im Blut wurden die Probanden in fünf Gruppen eingeteilt, von den niedrigsten bis zu den höchsten Werten. Es stellte sich heraus, dass die Neugborenen in den niedrigsten drei Gruppen ein doppelt so hohes Risiko hatten, an Schizophrenie zu erkranken, wie die Teilnehmer in der vierten Gruppe mit einem Vitamin D-Spiegel von 40,5 – 50,9 nmol/L. 44 Prozent der Schizophrenie-Fälle könnten durch diesen Zusammenhang erklärt werden.

Zur Verblüffung der Autoren hatten aber auch die Neugeborenen in der Gruppe mit den höchsten Werten ein leicht erhöhtes Risiko gegenüber der darunter liegenden Gruppe. Eine Erklärung für diesen “Ausreisser” fanden die Forscher nicht.

In einem Interview mit der “Psychiatric News” schränkt Prof. John J. McGrath, Leiter der Forschungsgruppe, ein: “Natürlich ist Schizophrenie eine heterogende Krankheit. Kein Wissenschaftler glaubt, dass ein einziger Faktor die Schizophrenie erklären kann.”
Aber: “Vitamin D-Mangel  herrscht in vielen Gesellschaften und macht vor allem bei Schwangeren und jungen Müttern Sorge.  Aus Sicht des Gesundheitswesens ist die Aussicht, eine so schwere Störung wie Schizophrenie zu verhindern mit einem so einfachen, sicheren und billigen Mittel ist eine Vorstellung, die bisher undenkbar schien.”

Eine Übersicht über die Literatur zum Thema und über den Stand der Forschung bisher geben die gleichen Autoren in einem Beitrag zum Schizophrenia Bulleting

Quelle: Highwire

Studie:  John J. McGrath et al., Neonatal Vitamin D Status and Risk of Schizophrenia, A Population-Based Case-Control StudyArch Gen Psychiatry. 2010;67(9):889-894

Ein gesundes Gebiss ohne Parodontitis verhilft zu strahlendem Lachen

Mit dem Sonnenschein-Vitamin hat man gut lachen! Foto: fotolia

Gesunde Zähne und festes Zahnfleisch sind wichtiger Bestandteil einer wünschenswerten Lebensqualität. Vitamin D, das Sonnenschein-Vitamin, hilft bei der Bekämpfung der Perodontitis, eine entzündlichen Erkrankung des Zahnfleischs und des Zahnansatzes mit einer Überreaktion des Immunsystems, die zum Verlust der Zähne führen kann – besonders in der Schwangerschaft, wenn die Gefahr einer Parodontitis ungewöhnlich groß ist.

In einem Versuch mit 51 Teilnehmern in einer Universitäts-Zahnklink in St. Louis, USA, verbesserte sich der Zustand der Parodontitis-Patienten durch die tägliche Zufuhr von gut 1.000 IE Vitamin D und Kalzium über ein Jahr erheblich. Vitamin D ist für seine immunregulierende Wirkung bekannt.

Da diese Erkrankung des Zahnfleischs und der Zähne besonders häufig in der Schwangerschaft vorkommt (bis zu 40 Prozent) und für den Verlauf der Schwangerschaft negative Konsequenzen hat,  untersuchte eine andere Studie an der Universität von North Carolina, USA, die Wirkung des Sonnenschein-Vitamins auf die Parodontitis während dieser kritischen Monate.

118 schwangere Frauen mit Parodontitis wurden verglichen mit einer ebenso großen gesunden Gruppe Schwangerer. In der Tat stellte sich heraus, dass die erkrankten Frauen einen um fast 50 Prozent  niedrigeren Vitamin D-Spiegel aufwiesen als die gesunden Teilnehmerinnen.  Der Vitamin D-Mangel erhöht nach dieser Studie das Risiko an Parodontitis zu erkranken um mehr als das Doppelte.

Quelle: Science Daily

Studien:
N.M. Garcia, et al., One-year Effects of Vitamin D and Calcium Supplementation on Chronic Periodontitis, Journal of Periodontology, vorab online veröffentlicht  September 2010
Kim A. Boggess et al., Vitamin D Status and Periodontal Disease Among Pregnant Women, Journal of Periodontology, vorab online veröffentlicht  September 2010

Nächste Einträge »