Monatsarchiv für September 2010

Zeitaufwand für Mediennutzung in Deutschland

Medien statt Sonne - ARD/ZDF-Studie zur Medienkommunikation 2010 (zum Vergrößern bitte klicken)

Die Deutschen sind gut versorgt mit Vitaminen. Bis auf eine Ausnahme: Vitamin D – und dieses Vitamin ist eigentlich kein Vitamin sondern ein Hormon. Inzwischen gilt Deutschland als Vitamin D-Mangelland, wie kürzlich eine ARD-Sendung formulierte. Etwa 60 Prozent aller Deutschen sind mit dem Sonnenschein-Vitamin “unterversorgt” (RKI).

Da das Vitamin D nicht, wie die übrigen Vitamine, vor allem über die Nahrung aufgenommen wird, sondern zu 90 Prozent auf die UVB-Strahlen der Sonne auf der Haut angewiesen ist, daher der Name Sonnenschein-Vitamin, ist der Vitamin D-Mangel im wesentlichen ein “Sonnen-Mangel”: Zu wenig Sonne auf der Haut!

Neben Gründen wie “Verstädterung” der Bevölkerung und der “Sonnenangst” durch die ständigen Warnungen von Dermatologen- und Krebsorganissationen, ist der Mangel an Sonnenstrahlen auch auf den drastisch gestiegenen Medienkonsum der “modernen Höhlenbewohner” (Spitz) zurückzuführen (s. die Graphik aus der ARD/ZDF Medienstudie “Massenkommunikation 2010″).

Zwischen 1964 und 2005 haben sich die für den Medienkonsum aufgewendeten täglichen Zeiten mehr als verdreifacht, von 3,14 Stunden auf 10 Stunden, und sind seither in etwa stabil geblieben.

Mediennutzung Jugendlicher in USA pro Tag (repräsentative Studie mit 2.000 Teilnehmern)

Nicht anders bei den Jugendlichen in USA, wie die nebenstehende Graphik belegt (Quelle: businessinsider.com)

Da bleibt für den täglichen Spaziergang an der Sonne nicht viel übrig. Die Dermatologenverbände und in ihrem Gefolge sogar die Bundesregierung in ihrer Begründung für die neue “Solarienverordnung” bestreiten mit Hinweis auf diesen Spaziergang und gegen die Warnung sämtlicher Experten, dass es hier überhaupt ein echtes Problem gäbe.

Beide, Dermatologen und Bundesumweltministerium, wähnen nicht nur den Bundesbürger im (Medien-)Zeitalter um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Sie wissen auch nicht, dass ihr empfohlener aber wenig realistischer Spaziergang gleich doppelt unzureichend ist für die Versorgung der Menschen mit dem Sonnenschein-Vitamin: Im Sommer reicht die “Vorratsspeicherung” bei regelmäßigem Spaziergang mit unbedeckten Armen und Beinen nicht aus, den optimalen Vitamin D-Spiegel im Blut zu erreichen und langfristig zu halten.

Im Herbst und Winter ist der Aufenthalt im Freien für die Vitamin D-Synthese in der Haut (fast) völlig nutzlos. Die Sonne ist dann nicht “stark” genug für die Produktion des Sonnenschein-Vitamins. Am Ende des “Vitamin D-Winters”, im Februar und März, steigt der Anteil der “Unterversorgten” in unseren Breiten auf 80 Prozent und wenn man die von Experten empfohlenen optimalen Werte als Maßstab ansetzt, sind es über 90 Prozent. Eine “Pandemie”, die eine Bundesregierung mit eine paar Spaziergängen zu bekämpfen hofft.

Da die Menschen aber eine unausrottbare Sehnsucht nach der Sonne haben, versuchen die Deutschen, den Sonnenmangel im Alltag durch eine geballte Ladung Sonnenstrahlen im Urlaub zu kompensieren (“Ballermann-Syndrom”) und laufen dabei tatsächlich in die von den Dermatologen so lebhaft beschworene “Hautkrebs-Falle”. Fast die Hälfte aller Deutschen und mehr als die Hälfte aller Jungendlicher “leistet” sich jedes Jahr in den Ferien mindestens einen Sonnenbrand. Selbst ein Viertel der Menschen, die schon einmal wegen Hautkrebs behandelt wurden, lassen sich in dieser gedrängten Hatz nach der geliebten Sonne den Pelz verbrennen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Eine der beiden Chancen, dieser Falle zu entgehen, Nahrungsergänzung und/oder Solarium, hat der Bundestag im vergangenen Jahr mit dem “Solariengesetz” ausgerechnet für eine der “Problemgruppen” ausgeschlossen: die Jugendlichen.

Die Alternative: flächendeckende Anreicherung bestimmter Lebensmittel mit Vitamin D (Cholecalciferol), wird weder von den Experten durchgängig empfohlen oder auch nur für ausreichend gehalten noch vom Gesetzgeber tatsächlich überhaupt erwogen. Das Problem wird, wie so vieles im Gesundheitswesen und vor allem in der Gesundheits-Prävention, verdrängt oder mit symbolischen Aktivitäten am falschen Ende “bearbeitet” -  und dabei wird schlicht in Kauf genommen, dass das Gesundheitssystem mit Milliarden-Kosten unnötig belastet wird.

Herzschwäche ist eine der häufigsten Alterskarnkheiten und Todesursachen in den Industrieländern – trotz der besseren und schnelleren Versorgung der Patienten. Häufige Ursache für die Herinsuffizienz, bei der das Herz nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut in den Kreislauf zu pumpen. ist ein Vitamin D-Mangel. Gerade die besonders von Herzschwäche und Herzversagen bedrohten Bevölkerungsgruppen halten sich aber selten oder nur sporadisch an der Sonne auf oder sind, z.B. durch ihr Alter weniger in der Lage, durch Aufenthalt an der Sonne das nötige Vitamin D über die Haut zu bilden oder in Leber und Niere weiter zu verarbeiten.

Der Ausgleich über das Solarium wird immer mehr eingeschränkt durch Vorbehalte aufgrund von Angstkampagnen dermatologischer Verbände und durch staatliche Eingriffe.

Eine neue, groß angelegte Studie, die jetzt beim Kongress der European Society of Cardiology vorgestellt wurde, belegt diesen Zusammenhang.

Daten von 548 Patienten mit akuter Herzschwäche aus der Coordinating study evaluating Outcomes of Advising and Counselling in Heart failure (COACH) wurden von einem Forscherteam um Prof. Licette Liu vom Medizinischen Zentrum der Universität Groningen ausgewertet. Es zeigt sich, dass der Grad der Versorgung mit Vitamin D eine gute Prognose für das Überleben bei einer Herzschwäche erlaubte. Je höher der Vitmain D-Spiegel im Blut der Patienten, dest höher die Überlegens-Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum.

Da die Bildung des Vitamin D zu 80 bis 90 Prozent durch die UVB-Strahlen der Sonne oder des Solariums über die Haut gebildet wird, heißt dies auch für herzinsuffiziente Patienten: Jeden Tag mindestens einmal raus in die Sonne. Ebenfalls empfohlen wird eine Vitamin-D-reiche Ernährung mit öligem Fisch oder Eiern. Gegebenenfalls müssen die niedrigen Vitaminspiegel mit Tabletten ausgeglichen werden.

Quelle: Science Daily

Osteoporotische Knochen

Kalzium gegen Osteoporose nur mit Vitamin D

Knochen brauchen Kalzium. ein Kalzium-Mangel schwächt die Knochen und führt zu Osteoporose. Die Einnahme von Kalzium-Tabletten allerdings kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen: der “Verkalkung” der Blutgefäße mit dem Risiko von Schlaganfall und Herzinfarkt. Es sei denn, im Körper steht ausreichend Vitamin D zur Verfügung!

Das Sonnenschein-Vitamin (zu 90 Prozent durch die UVB-Strahlen der Sonne oder im Solarium im Körper selbst gebildet) ist nicht nur notwendig für die Einlagerung des Kalziums in die Knochen sondern verhindert auch die  Ablagerung von atherosklerotischen Plaques in den Wänden der Butgefäße und damit die Verengung der Adern bis hin zum Verschluss.

Eine Metastudie aus insgesamt 15 wissenschaftlichen Studien kam zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Kalzium ohne die Erhöhung der Vitamin D-Werte das Herzinfarkt-Risiko um bis zu 30 Prozent erhöht . Auch die Häufigkeit von Schlaganfällen und die Sterberate waren in dieser Meta-Analyse aus Neuseeland und den USA leicht erhöht. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin warnt daher vor einem unkontrollierten Gebrauch von Kalzium-Tabletten, die ja überall ohne Verschreibung zu kaufen sind.
Die Empfehlung für den “Normalfall” lautet also:
Eine kalziumreiche Vollwert-Ernährung und viel Sonnenschein!

Die bekannte schweizerische Vitamin D-Forscherin Prof. Dr. Heike Bischoff-Ferrari erläutert im Interview mit dem Schweizer Fernsehen die “Lehren” aus dieser Studie:

Quelle: idw

Studie: Bolland et.al.: Effect of calcium supplements on Risk of myocardial infarction and cardiovascular events: meta-analysis; BMJ 2010; 341: c3691

Sonnenschein und Vitamin D hilft schlank zu werden

Mit Sonnenschein-Vitamin zur Traumfigur

Wer sich vorgenommen hat,  schlanker zu werden, tut gut daran, seine Vitamin D und Kalzium-Versorgung (aus Milch und Milchprodukten) zu optimieren. Beides hilft beim Abnehmen!

Israelische und deutsche Forscher (von der Universität Leipzig), unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), beobachteten 126 zufällig ausgewählte Probanden über einen Zeitraum von sechs Monaten bei ihren Bemühungen um eine schlankere Linie. Beim Start der Studie hatten die stärker Übergewichtigen einen deutlich niedrigeren Vitamin D-Spiegel als die Teilnehmer mit einem etwas moderateren Body Mass Index (BMI).

Nach einem halben Jahr hatte das Drittel der Teilnehmer mit dem höchsten Vitamin D-Spiel im Blut deutlich mehr Pfunde verloren (- 5,6 kg) als die Teilnehmer im mittleren (-3, 8 kg) und die im unteren Drittel (-3,1 kg).  Ähnlich die Ergebnisse beim Kalzium.

Kein Zweifel also:  Milch und Sonnenschein (Milchprodukte und Vitamin D) helfen auf dem Weg zur Wunschfigur!

Weniger Gewicht – mehr Vitamin D

Und umgekehrt wird auch ein Schuh draus! Wer abnimmt, verbessert damit auch seine Vitamin D-Versorgung und – sozusagen als Bonus obendrauf -  reduziert die Blutfette und schützt vor Diabetes  durch Erhöhung der Insulin-Ausschüttung.  Dieser Zusammenhang zwischen Vitamin D und Insulin war auch in früheren Studien schon beobachtet worden.

Die griechische Studie hatte 44 übergewichtige Frauen mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren und einem BMI von durchschnittlich 36,7  bei einer kalorienarmen Diät über 20 Wochen begleitet. Zu Beginn, nach vier Wochen und am Ende der Diät wurden in zahlreichen Tests die Werte für Körpergewicht, -umfang, -fett und körperliche Fitness erhoben ebenso wie der Vitamin D-Spiegel und die PTH-Werte.

Zu Beginn der Messungen lagen die Vitamin D-Werte der übergewichtigen Frauen um fast 30 Prozent niedriger als bei der Kontrollgruppe “Normalgewichtiger”. Nach zwanzig Wochen, in denen die Frauen im Durchschnitt 10 Prozent ihres Gewichts und ihres BMI (Body Mass Index) verloren, stieg der Vitamin D-Spiegel im Blut um knapp 20 Prozent auf einen Wert von 18.3  ng/ml.

Quelle: PubMed

Studien:
Danit R Shahar et al., Dairy calcium intake, serum vitamin D, and successful weight loss, American Journal of Clinical Nutrition, 1. September 2010 (vorab online veröffentlicht)

Themistoklis Tzotzas et al.,  Rising Serum 25-Hydroxy-Vitamin D Levels after Weight Loss in Obese Women Correlate with Improvement in Insulin Resistance, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, September 2010;95(9):4251-7

Sonne im Winter

Mehr Sonne und Solarium im Norden

Es gibt eine Art “Vitamin D-Notstand” weltweit,  das ist inzwischen nicht mehr umstritten und selbst die Dermatologenverbände nähern sich dem Problem, wenn auch mit spitzen Fingern. Für Deutschland hat das “regierungsoffizielle” Robert-Koch-Institut (RKI) die Unterversorgung von rund 60 Prozent der Bevölkerung festgestellt (im “Vitamin D-Winter” noch deutlich mehr). Die Folgen sind gravierend für viele, vor allem chronische, Erkrankungen.

Die Frage, was wäre wenn …? Wenn alle Menschen einen optimalen Vitamin D-Spiegel im Blut hätten.

Dieser Frage sind jetzt zwei der bekanntesten Vitamin D Forscher, Prof. William B. Grant, SUNARC, und Prof. Johan E. Moan, vom Physikalischen Institut der Universität Oslo, für die Skandinavischen Länder nachgegangen. Auf Basis der umfangreichen Literatur entwickelten sie ein Modell für die Wirkung unterschiedlicher Blutwerte/Dosierungen des Sonnenschein-Vitamins bei den unterschiedlichsten Erkrankungen, bei denen diese Wirkung bisher verlässlich nachgewiesen wurde.

Um wieviel geringer würde, so die Frage, die allgemeine Sterberate ausfallen bei  einem als optimal angenommenen Wert von 105 nmol/L für das Vitamin D-Serum (25 (OH)D) im Bevölkerungsdurchschnitt? Wieviel länger also würden die Skandinavier bei optimaler Vitamin D-Versorgung leben können?

Verblüffende Antworten: Die Dänen um 17 Prozent (zwischen 11%–24%), die Finnen um 24 Prozent (17%–32%), die Isländer um ebenfalls 24 Prozent (17%–32%); die Norweger um 18 Prozent (11%–26%) und die Schweden um ebenfalls 18 Prozent (8%–25%).

Allerdings, so betonen die Autoren der Studie, wäre die Voraussetzung dafür ein radikales Umdenken von Regierungen und Verbänden und eine Neubewertung im Umgang mit Sonne und Solarium, bei der Anreicherung von Nahrungsmitteln (wie In USA etwa bei der Milch) und bei den Nahrungsergänzungsmitteln.

Im Vergleich zu den derart umfassenden gesundheitlichen Vorteilen sei die Gefahr bei vernünftiger Nutzung von Sonne und Solarium verschwindend gering und die Gefahr der Überdosierung bei den Nahrungsergänzungen zu vernachlässigen.

Quelle: HighWire

Studie:  William B. Grant, Asta Juzeniene, Johan E. Moan,  Health benefit of increased serum 25(OH)D levels from oral intake and ultraviolet-B irradiance in the Nordic countries, Scandinavian Journal of Public Health, 3. September 2010 (vorab online veröffentlicht)

Österreich verbietet Sonnen im Solarium für Jügendliche

Geht nicht mehr für Jugendliche

Seit heute gilt auch in Österreich, was schon seit einem Jahr für Deutschland Gesetz ist: Kein Sonnenbad im Solarium für Minderjährige. In Österreich reichte dafür eine Verordnung. Zuständig: das Familienministerium.

Niedriger hängen auch die Strafandrohungen: Bis zu 2.180 Euro zahlt, wer von den Gewerbebehörden dabei ertappt wird, dass er Jugendlichen unter 18 die Benutzung der Sonnenbänke erlaubt.

Für selbstbediente Solarien auch in Schwimmbädern und Hotels wird eine Eingangskontrolle per Chipkarte verpflichtend. Anders als im Entwurf der deutschen “Solarienverordnung” ist die Anwesenheit von Fachpersonal nicht gefordert.

Mit dieser Verordnung hat auch in Österreich die “Angstkarte” gestochen: Die wissenschaftlich zweifelhafte und in den Medien darüber hinaus noch falsch interpretierte IARC-Aktion mit der Einordnung der Solarien als “krebserregend” – zusammen mit der Natursonne, dem Rotwein, gesalzenem Fisch aber auch Arsen und Giftgas – war offensichtlich politisch kurzfristig überzeugender, als die Argumente der anderen Seite für eine Begrenzung etwa bei 16 Jahren, die z.B. darauf verweisen konnte, dass

  • die Jugendlichen eine der Problemgruppen in der Versorgung mit dem lebenswichtigen Vitamin D darstellen und
  • gerade in diesem Alter die Grundlagen für spätere chronische Erkrankungen, wie typischerweise die Osteoporose, gelegt werden, deren Ursache ganz wesentlich mit einem Mangel an Sonnenschein-Vitamin zusammenhängt.

Wenn diese chronischen Krankheiten zuschlagen, sind die Politiker längst nicht mehr im Amt, die mit ihrer “Solarienverordnung” ihren Beitrag dazu und zu den exponentiell wachsenden Belastungen der Gesundheitssysteme geleistet haben. Die Angst aber vor dem Hautkrebs ist heute allgegenwärtig – und könnte heute Wahlen beeinflussen.

(Fakten in Stichworten zu “Sonne, UV-Strahlungen, Jugendliche“)

Quelle: APA

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