Fetter Fisch statt Sonne

Dermatologen-Empfehlung: Sonnenschein-Vitamin D ohne Sonne. Viel fetter Fisch!

Nach hinhaltendem Widerstand in den vergangenen Jahren und gelegentlich haarsträubenden Rückzugsgefechten mit merkwürdigen Argumenten haben jetzt auch die Dermatologen die Bedeutung des “Sonnenschein-Vitamins”, Vitamin D, offiziell zur Kenntnis genommen. Nachdem andere medizinische Fachverbände längst neue Leitlinien, Grenzwerte und Empfehlungen zu Vitamin D verabschiedet hatten, ziehen jetzt auch die Dermatologen nach – wie in diesen Tagen die American Academy of Dermatology (AAD).

Dabei stehen die Organisationen der Dermatologen vor einem unlösbaren Dilemma: Nach jahrzehntelangen kostspieligen Feldzügen Seite an Seite mit der Kosmetik- und Pharmaindustrie gegen die Sonne und vor allem gegen das Solarium, würde eine radikale Kehrtwende die Glaubwürdigkeit beider irreparabel beschädigen.

Nun können auch die Dermatologen nicht bestreiten, dass das lebenswichtige Vitamin D zu fast 90 Prozent durch die UV-Strahlen der Sonne im Körper gebildet wird. Die Anti-Sonnen- und Anti-Solarium-Propaganda der Vergangenheit hat wesentlich dazu beigetragen, dass vor allem in den Industrieländern der epidemische Vitamin D-Mangel dramatisch zugenommen hat. Gegen den Hautkrebs, vor allem das seltene aber gefährliche Melanom, hat der Feldzug gegen die Sonne und für immer intensivere Sonnenschutz-Kosmetika nachweislich nicht geholfen, im Gegenteil (s. hier, hier, und hier).

Nun versucht die AAD wie vorher schon das “Institute of Medicine, IOM” (s. hier und hier), sich mit einer interessanten Doppelstrategie aus dieser Zwickmühle zu befreien – mit zweifelhaften Auswirkungen für die Volksgesundheit:
1. Das Sonnenschein-Vitamin wird als “wichtig” anerkannt und die Erhöhung des Vitamin D-Status in vielen Fällen wird empfohlen.
2. Gleichzeitig aber wird die Bedeutung des Vitamin D für die Volksgesundheit, vor allem für zahlreiche und explosionsartig zunehmende chronische Erkrankungen, heruntergspielt mit dem Hinweis auf mangelnde wissenschaftliche “Belastbarkeit” von tausenden internationaler Studien renommierter Institute. Nur die Bedeutung für den Knochenstoffwechsel wird als “bewiesen” anerkannt, alle anderen Wirkungen des Sonnenschein-Vitamins seien zwar oftmals “plausibel” aber nicht in klinischen Studien belegt.

Da für die Vorbeugung von Rachitis und Osteoporose bereits ein relativ niedriger Vitamin D-Spiegel im Blut ausreicht, verniedlicht sich das Probl

em des epidemischen Vitamin D-Mangels zu einer minimalen “Unterversorgung”, der mit ein paar Ratschlägen für gesunde Ernährung und notfalls ein paar Pillen zu meistern ist.

Damit ist die Quadratur des Zirkels geschafft: Das Sonnenschein-Vitamin ohne Sonnenschein.

Die Sonne bleibt “böse”, das Solarium sowieso. Die Milliarden-Investitionen der Kosmetik-Industrie in immer phantasievollere Sonnenschutz-Cremes und immer astronomischere Lichtschutzfaktoren sind gerettet zusammen mit den Brosamen, die von diesen Milliarden unter den Industrie-Tischen von den Dermatologen-Verbänden aufgepickt werden können.

In drastischen Worten kommentiert das kalifornische “Vitamin D-Council“, ein Zusammenschluss führender UV- und Vitamin D-Forscher:
Diese Verlautbarung der AAD dient vor allem dem Schutz der AAD selbst und seiner pharmazeutischen Partner vor möglichen Klagen wegen Falschinformation und Verführung einer ganzen Generation zu sinnlos übertriebenem Gebrauch von Sonnencremes – mit dem Ergebnis sinkender Vitamin D-Spiegel der Menschen.”

Die American Academy of Dermatology wird direkt und indirekt finanziert durch viele Million Dollar von Pharmafirmen, die mit erfolgreichem Marketing aus sinnvollem Sonnenschutz gegen Sonnenbrand ein Alltagsprodukt mit täglicher Anwendung gemacht haben.” (Übers. de. Red.)

Mit solchen Kunstgriffen wird das tatsächliche Problem von Sonne und Vitamin D eher verschleiert als gelöst: Die optimale Balance zwischen ausreichender Vitamin D-Versorgung durch Sonnen- und UV-Bestrahlung für die Vorbeugung und Heilung vieler chronischer Volkskrankheiten einerseits und andererseits dem notwendigen Schutz vor möglichen Haut-Schäden durch unkontrolliertes Sonnen.

Die natürliche Sehnsucht der Menschen aber nach Sonne wird nicht durch millionenschwere Angstkampagnen in vernünftige, gesunde Bahnen gelenkt. Wer die “böse” Sonne erfolreich in Schach halten will,  muss die “gute” Sonne als natürlich Quelle von Gesundheit und Wohlbefinden akzeptieren und befördern.

Quelle: AAD/Vitamin D Council

Ein Kommentar zu “Dermatologen: Sonnenschein-Vitamin ja! aber bitte ohne Sonne!”

  1. Ulrich Trappam 28.01.2011 um 21:27

    Die Dioxin-Grenzwerte für Fisch, insbesondere der Ostsee , sind um ein Vielfaches höher als für fetthaltige Lebensmittel üblich, damit der überhaupt noch vermarktet werden kann.
    Im Fett der (Meeres-)Fische reichert sich also nicht nur das Vitamin D an, sondern auch das neue vorwiegend vom Menschen geschaffene “Letalmin D”. Den Dermatologen sei die Fischsuppe gegönnt, die sie jetzt auslöffeln dürfen.

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