Ärzte müssen umdenken!

Wenn das Sonnenschein-Vitamin D seine vorbeugende und heilende Wirkung auch bei chronischen Erkrankungen über den Knochenstoffwechsel hinaus entfalten soll, muss der Vitamin D-Spiegel im Blut deutlich höher liegen, als die derzeit von den meisten Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften empfohlen wird.

Wissenschaftler an der University of California San Diego sind jetzt in einer breit angelegten Studie dieser Frage nachgegangen.

Die ausserordentliche Bedeutung der Sonne für Leben und Gesundheit vermittelt oft über das “Sonnenschein-Vitamin D” ist inzwischen bei Wissenschaftlern und Medizinern kaum noch umstritten. Gestritten wird – und das heftig – über die “klinische” Bedeutung der zig-Tausenden von Studien (“Was ist Ursache und was Wirkung?”), über den optimalen Vitamin D-Spiegel im Blut und darüber, wie der zu erreichen sei. Sonne, Solarium, Ernährung und Nahrungsergänzung sind da im Rennen.

Serum-Spiegel und Dosis haben eine zentrale Bedeutung gerade auch dann, wenn in klinischen Studien die Wirksamkeit von Vitamin D-Gaben für Vorbeugung und Heilung bestimmter Krankheiten, etwa bei Brust-, Darm- und Prostatakrebs geprüft werden soll. Oft genug wurden in Studien mit niedriger Dosis eine Wirkung nicht festgestellt, während mit der gleichen Methode bei höherer Dosis sehr wohl eine verbeudgende oder heilende Wirkung nachgewiesen wurde.

Die kalifornischen Forscher um die Professoren Cedric F. Garland und Robert P. Heaney hatten einige tausend Freiwillige angeworben, die Vitamin D-Gaben zwischen 1.000 und 10.000 IE (Internationale Einheiten) pro Tag zu sich nahmen. In regelmäßigen Blutuntersuchungen wurden die Auswirkungen auf den Vitamin-Spiegel gemessen.

Zur Überraschung der Wissenschaftler lag die täglich notwendige Dosis wesentlich höher als gedacht, wenn eine Vitmain D-Versorgung erreicht werden sollte, die bei chronischen “Volkskrankheiten” eine vorsorgende Wirkung erzielen könnnte.

Prof. Cedric F. Garland: “Wir fanden heraus, dass die Einnahme von 4 -  8.000 IE notwendig war, um das Risiko zum Beispiel für Brustkrebs, Darmkrebs, Multiple Sklerose oder Diabetes1 zu halbieren.” Nur so war der optimale Serum-Wert im Blut von 40-60 ng/ml zu erreichen. Selbst den deutlich geringeren, derzeit von den meisten Forscher für ausreichend eracheten Richtwert von 30 ng/ml erreicht etwa in Deutschland nur eine kleine Minderheit.

Im Gegensatz dazu die Werte, die von medizinischem Fachgesellschaften und jüngst vom US Institute of Medicine (IOM) für den Knochenstoffwechsel empfohlen wurden: 600 bis maximal 4.000 IE. In Deutschland liegt die empfohlene Tagesdosis bei 5 bis 10 Mikrogramm, also maximal 400 IE – und selbst diese Mengen werden kaum von jemandem erreicht.

Zwar “produziert” ein Sonnenbad von 15 Minuten  im deutschen Hochsommer je nach Hauttyp etwa 20.000 IE und damit genug, um die Vitamin D-Speicher im Fettgewebe zu füllen. Aber bereits im Spätherbst sind die Strahlen der Sonne zu schwach, um auch nur den Tagesbedarf zu decken. Im Winter ist dann gänzlich Schluss mit der Vitamin D-Synthese über die Haut.

Durch bewusste Ernährung sind die Defizite dann nicht mehr auszugleichen. Es bleibt nur der Gang in ein Qualitäts-Sonnenstudio mit “Vitamin D-Beratung” oder das Schlucken von Vitamin D-Pillen (Achtung! nur nach einer Messung des Vitamin D-Spiegels, um eine Überdosierung zu vermeiden, die es dagegen bei der natürlichen Vitamin D-Bildung durch UVB-Strahlen auf die Haut nicht geben kann.

Die Schlussfolgerung des Co-Autors Prof. Robert P. Heaney: “Es ist an der Zeit, dass praktisch jedermann seine Vitamin D-Versorgung erhöht, um einige der verbreitetsten Krebserkrankungen, etliche andere schwere Krankheiten und Knochenbrüche zu verhindern.”

Quelle: Grassroots Health

Studie:  Cedric F. Garland et al., Vitamin D Supplement Doses and Serum 25-Hydroxyvitamin D in the Range Associated with Cancer Prevention,  Anticancer Research 2011; 31: 607-612

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