Ab ins Solarium! Mensch oder Fisch? Foto: flickr/malias

Die Bundesregierung macht sich Gedanken um den epidemischen Vitamin D-Mangel der deutschen Bevölkerung – und fördert daher ein Forschungsprojekt, das den notwendigen Sonnenschein zwar nicht auf die Haut der Deutschen aber immerhin in die deutschen Küchen und auf die Teller bringen soll.

Aufgeschreckt von den Ergebnissen der “Nationalen Verzehrsstudie” von 2008 nach denen 82 Prozent der Männer und 91 Prozent der Frauen die empfohlene Dosis an Vitamin D aus der täglichen Ernährung nicht erreichen, wurde ein Forschungsprojekt an der Universität Halle gestartet. Ziel des Projekt: Die Anreicherung von Fischen mit Vitamin D durch UV-Bestrahlung, also eine Art Solarium für Fische. Das Essen besonnter Fische soll den Gang ins Sonnenstudio ersetzen.

Im Rahmen des Projektes wollen die Forscher aus Halle um Prof. Gabriele Stangl zusammen mit Kollegen vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg den Einfluss des Sonnenschein-Vitamins auf bestimmte Krankheiten wie Osteoporose, Artheriosklerose und Herzinfarkt, Darmkrebs, Prostatakrebs und Brustkrebs untersuchen.

Dazu soll der  Vitamin D-Gehalt in bestimmten Lebensmittel, vor allem in Fisch, erhöht werden.

Die Forscher installierten UV-B-Licht-Strahler in Fischzuchtbecken. Dadurch wird – genau wie beim Menschen – die natürliche Produktion von Vitamin D in den Fischen angeregt. Erste Ergebnisse zeigtn, dass eine dreiwöchige Bestrahlung mit UV-B-Licht für täglich zwei Stunden den Vitamin D-Gehalt um das Fünffache erhöhen kann. Ebenfalls wie beim Menschen hat diese Methode den Vorteil, dass es zu keiner Überdosierung kommen kann. “Eine Überdosierung kann so nicht eintreten. Der Organismus der Fische reguliert die Vitamin D-Produktion, so dass das Vitamin ihm selbst nie schadet“, so die Projektleiterin Stangl. Die Devise auch bei Experimenten mit Aquakulturen am Institut für Binnenfischerei in Potsdam: Mehr Sonne für Fische!

Besonntes Ei bringt Extra-Vitamin D

Eigentlich könnte der Vitamin D-Bedarf der Menschen in Deutschland mühelos gedeckt werden durch den Aufenthalt an der Sonne (oder im Solarium). Dafür wären allerdings mindestens 30 Stunden pro Monat im Freien an der Sonne notwendig, meinen Forscher wie Prof. Gabriele Stangl vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Universität Halle-Wittenberg. Da moderne Lebensweisen, Beruf und Freizeit in geschlossenen Räumen, die Zeit an der Sonne mehr und mehr einschränkten, müsse durch die Anreicherung von Nahrungsmitteln die lebenswichtige Versorgung mit Vitamin D sichergestellt werden.

Projektleiterin Stangl: “Der Fisch ist nur der Anfang. Möglicherweise lässt sich das Prinzip mit dem UV-B-Licht auch auf Legehennen in Käfighaltung anwenden.“ Ihre Vorstellung: ein Frühstücksei mit einer Extraportion Vitamin D.

Über ähnliche Experimente mit der UV-Bestrahlung von Pilzen hatten wir bereits vor einiger Zeit berichtet.

UVB-Strahlen auf Pilze

Besonnte Pilze erhöhen Vitamin D-Spiegel

Die Probe aufs Exempel machten jetzt Forscher an der Universität Freiburg. Sie bestrahlten Champinions mit UVB-Strahlen und erhöhten dadurch den Vitamin D 2-Gehalt von knapp 1 auf 491 μg/100 g. In einem klinischen Versuch aßen 26 gesunde Testpersonen mit einem Vitamin D-Mangel fünf Wochen lang eine Suppe aus diesen Vitamin D-verstärkten Pilzen. Ergebnis: Der Vitamin D-Spiegel der Probanden erhöhte sich wöchentlich um fast 5 nmol/l.

Quelle: Bundesminsiterium für Bildung und Forschung (BMFM)

Studie: P. Urbain, F.Singler, G. Ihorst, H.K. Biesalski , H. Bertz , Bioavailability of vitamin D(2) from UV-B-irradiated button mushrooms in healthy adults deficient in serum 25-hydroxyvitamin D: a randomized controlled trial, European Journal of Clinical Nutrition, vorab veröffentlicht 04. Mai 2011]

 

2 Kommentare zu “Statt Sonnenbad: Fische aus dem Solarium und besonnte Legehennen”

  1. G.S. Wedel - Internistam 29.05.2011 um 03:59

    Die Bundesregierung macht sich Gedanken zum epidemischen Vitamin D-Mangel in Deutschland ?! Sie wurde von der nationalen Verzehrstudie aufgeschreckt ?!

    Ich gönne den Forschern Ihre Förderung von Herzen, denn mich interessiert auch, welchen Vitamin D-Spiegel man bei welchem Fisch mit welcher UVB-Dosis gesundheitsverträglich verfünffachen kann. Für die Beseitigung des in Deutschland grassierenden Vitamin D-Mangels wird diese Forschung jedoch nicht benötigt, braucht es keine letztlich doch unzureichende Vitamin D-Anreicherung in Fisch und Ei.
    Den wahrlich skandalösen Vitamin D-Mangel könnten wir mit einiger Anstrengung sofort beheben. Doch noch zementieren Unwissenheit, Desinteresse, Ignoranz und handfeste wirtschaftliche Interessen den Status quo. Das individuelle Umfeld entscheidet, ob der Vitamin D-Mangel der davon Betroffenen vermutet und diagnostiziert, insuffizient oder adäquat behandelt wird. Noch bleibt die überwältigende Mehrheit der Betroffenen unerkannt, wird fehlinformiert und vertröstet.
    Das unter unseren Eßgewohnheiten Vitamin D-reichste Nahrungsmittel, fetter Fisch, liefert in Gestalt des Hering pro 100g etwa 1.000 IE Vitamin D. Farmlachs enthält abhängig vom Futter deutlich weniger, Wildlachs mehr, ist aber längst überfischt. Der Vitamin D-Gehalt eines Hühnereies wird mit 140 IE angegeben.
    Ein kurzes, Rötung oder gar Verbrennung vermeidendes, großflächig einwirkendes Sonnenbad in der Sommermittagssonne generiert 10.000 bis 20.000 IE Vitamin D!

    Eine adäquate Vitamin D-Prophylaxe für ‘Gesunde’ erfordert in unseren Breitengraden eine Tagesdosis von
    500 IE für Säuglinge und Kleinkinder
    1.000 IE für Schulkinder,
    2.000 IE für Pubertierende und Erwachsene
    Schwangere und Senioren brauchen mehr, Kranke oft deutlich mehr.
    Diese Grundfakten erlauben die Schlussfolgerung, dass eine adäquate Vitamin D-Versorgung über die Ernährung weder praktikabel noch finanzierbar wäre. Infolge unserer geographischen Lage können wir nur sommertags zwischen Sonnenlicht oder Substitution wählen oder beides kombinieren. Im Winterhalbjahr bewahrt uns nur die Substitution vor erneutem Mangel. Diese Primärprophylaxe ist wahrlich billig: ärztlich verordnet müssen für 1.000 IE eines rezeptpflichtigen Vitamin D-Präparates in pharmazeutischer Qualität nicht mehr 0.02 Euro (2 Cent), also etwa 7 Euro / Jahr ausgegeben werden.
    G. Siefried Wedel
    Facharzt für Innere Medizin und Nierenheilkunde
    gswedel@diayse-uelzen.de

  2. [...] Vergangenheit über ähnliche Versuche mit der UV-Bestrahlung von Pilzen und anderen Lebensmitteln hier, hier und hier [...]

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