Fast beschwörend klingt es in den neuen Empfehlungen der Kinderärzte (Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin):
Die Kinder- und Jugendärzte sollten die Eltern darauf hinweisen, wie bedeutsam die tägliche intensive Bewegung (mindestens 1 h) ihrer Kinder im Freien ist. Über die Sonnenlichtexposition wird die Vitamin-D-Versorgung verbessert und über die Bewegung der Aufbau der Knochenmasse zusätzlich gesteigert. Diese Effekte führen zum Aufbau einer maximalen Knochenmasse („peak-bone-mass“) und damit zu einer Prävention der Osteoporose im späteren Alter. Da Lebensumfeld und Freizeitgestaltung im Kinderalltag kaum noch diesen optimalen, täglichen und ausgiebigen Aufenthalt im Freien zulassen, erscheint angesichts der allgemein unzureichenden Vitamin-D-Versorgungung eine Supplementierung ratsam.”

Während in den Medien und in der PR der Dermatologenverbände immer noch gebetsmühlenartig vor den Gefahren der Mittagssonne gewarnt wird, empfehlen die Kinder- und Jugendärzte jetzt “als effektivste Form der der Verbesserung des Vitamin-D-Status“: “Eine Sonnenexpositionsdauer in den Monaten April bis September von 5–30 min 2-mal pro Woche zwischen 10 und 15 Uhr mit unbedecktem Kopf, freien Armen und Beinen ist zur adäquaten Vitamin-D-Produktion im Kindes- und Jugendalter (Hauttyp 2 und 3) ausreichend …” Wenn schon nicht genug Sonne, dass wenigstens Ergänzungspillen.

Damit folgen die Pädiater allerdings nur einem Trend, der sich durch alle Empfehlungen von medizinischen Fachgesellschaften in den vergangenen Monaten und Jahren hindurchzieht: Die Wiederentdeckung der “guten” Sonne.

Gerade die Jugendlichen sind längst in vielen Studien zum Vitamin D-Mangel als eine der wichtigsten “Problemgruppen” identifiziert worden – mit steigender Tendenz mit dem ständig zunehmende Aufenthalt in geschlossenen Räumen. Auch in den neuen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin werden die einschlägigen Daten zitiert und der Trend beklagt.

Weder in der Begründung für das “Solariengesetz” von 2009 noch in der soeben durch das Bundeskabinett gewinkten “Solarienverordnung” (UVSV) findet sich von diesen Einsichten auch nur eine Spur. Hier feiert die längst überholte, einseitige Verurteilung der “bösen” Sonne – und ihres “kleinen Bruders”, der Sonnenbank – noch fröhliche Urstände. Statt kontrollierter, moderater Nutzung der heilenden UV-Strahlen wird mit Verboten und Verweisen die “Sonnenflucht” der Kinder und Jugendlichen gefordert und befördert ohne Rücksicht auf die jetzt von den Kinderärzten akribisch aufgezählten Gesundheitsschäden.

Dass Angst und Bangemachen ein schlechter Gesundheitsratgeber ist, zeigen Studien aus aller Welt zu den Wirkungen dieser Kampagnen: Die Sonnenbrände gerade bei Jugendlichen werden nicht weniger (in Sonnenstudios waren sie ohnhin nur in schlecht geführten Betrieben ein Thema), sie werden jetzt lediglich von Trotz und schlechtem Gewissen begleitet. Ein Effekt, den jeder Pädagoge kennt.

Mit der wachsenden Zahl sachlich begründeter und erfahrungswissenschaftlich belegter Leitlinien und Empfehlung der ärztlichen Fachgesellschaften kommt endlich so etwas wie vernunftgeleitete Ausgewogenheit in die seit Jahren überhitzte Diskussion.

Die Leitlinien (Konsensuspapier) der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin kann in der Zusammenfassung hier kostenlos heruntergeladen werden. Die Langfassung hier.

Ein Kommentar zu “Auch die Kinderärzte mögen die Mittagssonne”

  1. [...] einer Stellungnahme hinter die Forderung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (s. Bericht zu den Empfehlungen der DGKJ) nach mehr Sonne und mehr “Sonnenschein-Vitamin D” für Kinder und Jugendliche gestellt [...]

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