So titelt der Spiegel in einem Kommentar über den merkwürdigen Umgang der IARC (International Agency for Research on Cancer) mit Daten aus einer Erhebung zum Thema Handy-Strahlung und Hirntumor. Gleich mit mehreren statistischen Tricks hatte die IARC die Ergebnisse der Studie quasi in ihr Gegenteil uminterpretiert (hier der Kommentar online).

Was hat dieses merkwürdige Vorgehen einer Organisation der Weltgesundheitsbehörde (WHO) mit dem Thema dieses Blogs zu tun? Nicht wenig, wie es scheint!

Die IARC nämlich hatte die gleichen statistischen und Interpretations-Tricks in eigenen Review-Studien angewendet, die dann als Grundlage für die Einstufung von Sonnenbänken als “krebserregend” dienten. So wurde die Tatsache etwa, dass von 19 in die Auswertung eingegangenen Studien nur vier statistisch relevante Ergebnisse zu einem durch Sonnenbank-Nutzung gestiegenen Riskio -  dazu noch mit einem minimalen Faktor von 1,15 – in der Begründung vorsichtshalber erst garnicht erwähnt. Oder die Tatsache, dass in den analysierten Studien Faktoren wie Dauer und Intensität des Aufenthalts an der Sonne im Freien oder der Hauttyp oder gar andere krebserzeugende Lebensgewohnheiten unberücksichtigt blieben. Oder die einseitige Auswahl von Studien mit einem besonders hohen Anteil hellhäutiger Probanden vom Hauttyp 1 oder 2.

Medienwirksam aber präsentiert und aktiv auf allen PR-Kanälen gestreut das “Ergebnis” einer Risikosteigerung von 75 Prozent bei Sonnenbank-Nutzern unter 35 Jahren.  Seither wird dieses Argument routinemäßig in allen Medienberichten über Solarien und Besonnung zitiert.

Tatsächlich aber handelt es sich hier um ein “Scheinargument”, das ganz bewusst einen falschen Eindruck beim Leser erzeugen soll. Nämlich den, dass durch die Nutzung von Sonnenbänken sich die Zahl der Melanom-Fälle (“schwarzer” Hautkrebs) fast verdoppelt. Das aber sagt die Zahl garnicht aus. Es geht hier nämlich nicht, genau wie vom Spiegel argumentiert (“… die relative Risikoerhöhung zu nennen ist ein statistischer Taschenspielertrick“), um die absoluten Zahlen, die tatsächlichen Fälle also, sondern um ein “Verhältnis”, als um eine relative Zahl.

Wenn dann die absoluten Zahlen winzig sind, wie etwa beim Melanom (30 Fälle auf 100.000 Bewohner in Deutschland, 2006, = ca. 0,03 Prozent der Bevölkerung), jagt eine Steigerung von 75 Prozent auf 0,052 Prozent – selbst wenn sie denn korrekt erhoben worden wäre – dem Publikum kaum eine Schrecken ein.

 

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