Kinder an die Sonne

Mehr Sonne für unsere Kinder Foto: iStockphoto

Die “Stiftung Kindergesundheit” hat sich jetzt in einer Stellungnahme hinter die Forderung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (s. Bericht zu den Empfehlungen der DGKJ) nach mehr Sonne und mehr “Sonnenschein-Vitamin D” für Kinder und Jugendliche gestellt und diese Forderung ausführlich begründet. Die Stiftung widerspricht darin ausdrücklich einigen der ständig wiederholten Ratschläge von Dermatologenverbänden und der Krebshilfe.

Schon die Daten des Robert-Koch-Instituts von 2007/8 und eine Reihe weiterer Studien international hatten Kinder und Jugendliche als “Vitamin D-Risikogruppe” ausgemacht. Davon unbeeindruckt hatte die Bundesregierung im Jahre 2009 das “Solariengesetz” erlassen, das den Jugendlichen den Zugang zu Sonnenbänken verbietet -  die einzige Alternative, vor allem im Winter zur Bildung von Vitamin D durch die UVB-Strahlen auf der Haut.

Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit: “Besonders niedrige Vitamin-D-Spiegel werden bei 11- bis 13-jährigen Mädchen und bei 14- bis 17-jährigen Jungen gemessen, also ausgerechnet in einer für das Wachstum und den Aufbau der Knochen besonders wichtigen Entwicklungsphase“.

Die Stiftung schreibt in ihrer Stellungnahme:
Dieses Vitamin (Vitamin D3, d. Red.) besitzt eine wichtige Schlüsselfunktion für unsere Gesundheit: Ein Mangel erhöht das Risiko, an vielen Leiden wie Rachitis, Osteoporose, Diabetes, Multiple Sklerose, Bluthochdruck, Muskelschwäche und sogar an diversen Krebsformen zu erkranken. Die ultravioletten Strahlen der Sonne können die in der menschlichen Haut lagernde Vorstufe von Vitamin D aktivieren und in Vitamin D umsetzen. Dieses Vitamin braucht der Körper nicht nur zum Aufbau der Knochen, sondern auch zur Versorgung der Herzmuskel und des Nervensystems mit Kalzium.

Das beste Rezept gegen Vitamin-D-Mangel wäre ein tägliches Sonnenbad (Hervorhebung durch d. Red.). Doch in unseren Breiten ist in den Wintermonaten November bis Februar die UV-B-Strahlung in Nord- und Mitteleuropa im Allgemeinen zu schwach, um eine ausreichende Produktion von Vitamin D im Körper anzustoßen.

Im Gegensatz zu einigen Dermatologen, die zunehmende Sonnenbestrahlung durch immer mehr Freizeit im Freien beklagen, rückt die Stiftung die Fakten wieder zurecht: Kinder und Jugendliche werden zunehmen zu “Höhlenbewohnern” mit akutem Lichtmangel, “Kinder leben im Schatten…“. Die Stiftung zählt auf:

  • “Grundschüler verbringen etwa neun Stunden am Tag im Sitzen und lediglich eine Stunde in Bewegung.
  • Die von der WHO empfohlene Bewegungsaktivität, mindestens eine Stunde pro Tag und das an fünf Tagen in der Woche, wird in Deutschland gegenwärtig nur noch von einem Drittel der elf- bis 15-jährigen Jungen und einem Viertel der gleichaltrigen Mädchen erreicht.
  • Der Anteil von Kindern, die täglich vier und mehr Stunden fernsehen oder andere Bildschirmmedien nutzen, hat sich gegenüber früher mindestens verdoppelt.
  • Viertklässler schauen heute an einem Wochentag durchschnittlich 71 Minuten fern bzw. Videos und spielen 30 Minuten mit dem Computer.

Die Stiftung rät unter anderem:

  • “Die Kinder- und Jugendärzte sollten die Eltern darauf hinweisen, wie sinnvoll der Aufenthalt ihrer Kinder unter freien Himmel ist, und zwar in Bewegung mindestens eine halbe Stunde am Tag, am besten mit unbedeckten Kopf und mit freien Armen und Beinen.
  • Vom zweiten Jahr an sollten alle Kinder, die nicht genug in die Sonne kommen, eine Vitamin-D-Ergänzung von 400 Einheiten täglich bekommen.

Quelle: idw (Pressemitteilung “Vitamin D – unsere Kinder brauchen mehr Sonne” der Stiftung Kindergesundheit)

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