Sonne mach glücklich- und süchtig?

Nicht nur die glücklichen Kühe süchteln nach Sonne

Ähnlich wie das Monster von Loch Ness taucht ein Thema jedes Jahr um diese Zeit wieder auf: Die Sonnen- oder Solariensucht. Ein Kuriosum mit offensichtlich feuilltonistischem Nachhaltigskeitswert, denn nicht nur die Pressagentur pte und das DeutschlandRadio, sondern auch mit angemessen seriöser Verspätung die ÄrzteZeitung widmet sich mit angestregter Ernsthaftigkeit dem Thema unter der Überschrift “Solarien machen süchtig”. Ein kleiner Kommentar zwischen Schmunzeln und Kopfschütteln:

Die erste Studie zum Thema datiert von 2004.  Seither kommt jedes Jahr eine neue dazu.  Das Kind hat sogar damals einen Namen bekommen: Tanerexia, vom Englischen “to tan”, bräunen.

Die Diskussion hat ja ihre entschieden komische Seiten. Natürlich lieben die Menschen in unseren nördlichen Ländern die Sonne und die biologische Seite dieser Sonnenliebe sind die Ausschüttung von “Glückshormonen”.

Was aber steckt wirklich hinter den Ergebnissen dieser immer wiederkehrenden Mini-Studien:
Die Sonnenstrahlen haben – das ist ja nicht überraschend – eine vitalisierende, stimmungsaufhellende Wirkung. Diese Wirkung kommt auf zwei Wegen zustande. Verkürzt gesagt

  1. durch das sichtbare Licht, das die Produktion des “Glückshormons” Serotonin und von Endorphinen  im Hirn stimuliert und die Menschen heiterer werden lässt,
  2. durch das UV-Licht (UVB), das über die Haut das lebenswichtige Vitamin D im Körper aus Cholesterol herstellt. Dieses Vitamin D in seiner aktiven Form hat seinerseits erhebliche Auswirkungen auf die Hirnfunktionen und auf die Serotonin-Stimulierung.

Also: Sonne macht glücklich. Und da der Mensch nun mal süchtig ist nach Glücksgefühlen, liebt er die Sonne – gelegentlich auch zu sehr.

Auf der Sonnenbank funktioniert nur die zweite Wirkungsweise der Sonnenstrahlen, nämlich die UVB-Produktion von Vitamin D.  Insofern macht die Sonnenbank zwar auch süchtig nach Sonnen-Glück, die Sonne aber sogar doppelt, mit ihrem sichtbaren und dem UV-Licht. An dieser Stelle also sind die Sonnenbänke der Natursonne tatsächlich unterlegen – auch suchtmäßig.

Sollten wir also die Sonne abschaffen? Oder die Sonnenbank? und überhaupt alles, was uns Glücksgefühle verschafft und daher süchtig macht? Sex zum Beispiel, oder Schokoklade (wann kommt die erste Studie zu Schokolexia?)? Für das Glücksgefühl beim Joggen gibt es den Begriff “runners high“. Aber als Schimpfwort wird das nicht gebraucht.

Abschaffen also? Wohl kaum, denn das wäre tödlich! Die Natur nämlich steuert uns listig über die Glücksgefühle zu Tätigkeiten, die wir für`s Überleben brauchen. Und dazu gehört der Aufenthalt an der Sonne und das Vitamin D.  Wir brauchen die Sonne für unsere Gesundheit, ja für`s Überleben. Daher macht die Sonne “Spaß”.

Und da das Vitamin D eine unglaubliche Fülle von Funktionen im Körper steuert und so zum Beispiel Schmerzen (Muskelschmerz, unspezifische Schmerzen: Fibromylagie) lindert und verhindert, kann es ja nicht verwundern, dass der Mensch auch “süchtig” wird nach Schmerzfreiheit, oder Osteoporose-Freiheit, oder Diabetes-Freiheit etc. etc. -  alles Wirkungen ausreichender Vitamin D-Versorgung.

Wie bei Schokolade oder Sex kann diese Lust am Sonnen zu positiven oder negativen gesundheitlichen Folgen führen. In all diesen Fällen gilt: Genießen ist gut! Übertreiben ist von Übel! Wie immer: Die Dosis macht das Gift. Wirklich simpel!!

Warum gerade die Solarien (nicht die Sonne, da würde die Lächerlichkeit allzu deutlich) mit solchen Verquastheiten beschossen werden, liegt nun allerdings wieder nahe.

Kein Zweifel, in einem Jahr taucht das Tanerexie-Monster wieder aus dem Loch Ness auf, mit einer Studie und den Kommentaren sommerloch-geschädigter Redaktionen. Eine Studie allerdings wird in diesen Betrachtungen fehlen: die Studie, in der die “Erfinder” der Tanorexie selbst eine interessante Erklärung und gleichzeitig Relativierung ihrer Wortschöpfung liefern. Kurze Besprechung und Kommentar hier.

 

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