Jugendliche in der Sonne am Strand

In der Sonne am Strand - Problem oder/und Lösung?

Die Warnungen vor der Sonne und ihrem “kleinen Bruder”, der Sonnenbank, werden umso schriller, je jünger die Zielgruppen der Kampagnen sind. Dabei schrecken diese Kampagnen nicht vor der Manipulation von Hautkrebsstatistiken bei Jugendlichen zurück, um dem Ganzen den rechten Horror-Drive zu verpassen.

Gleichzeitg aber entwickelt sich in der wissenschaftlichen Forschung ein Konsens darüber, dass

  • gerade für Kinder und Jugendliche ein ausreichendes (nicht übertriebenes) Maß an Sonne und damit an “Sonnenschein-Vitamin D” immer wichtiger wird für das Zellwachstum, die Knochenfestigkeit und den Muskelaufbau, und auch für die Vorbeugung chronischer Erkrankungen, vor allem der Osteoporose, Diabetes, virale und bakterielle Infektionen und Autoimmunerkrankungen, unbedingt notwendig ist, -
  • aber gerade Jugendliche sich immer seltener an der Sonne aufhalten und der Vitamin D-Mangel vor allem in der Altergruppe zwischen 12 und 18 Jahren ständig zunimmt.

Zwei aktuelle Studien belegen jetzt diesen Sonnen- und Vitamin D-Mangel bei Jugendlichen in Europa und den USA.

Eine spanischen Forschergruppe an an der sportwissenschaftlichen Fakultät der Poytechnsichen Universität von Madrid wertete die Daten der gesamteuropaischen Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence (HELENA) Studie, bei der unter anderem auch der Vitamin D-Spiegel von Jugendlichen im Alter zwischen 12.5 und 17,5 Jahren in 10 Städten aus 9 europäischen Ländern erhoben worden war.

Nicht weniger als 80 Prozent der Jugendlichen wiesen einen unzureichenden Vitamin D-Spiegel (weniger als 75 nmol/l) auf, 15 Prozent eine schwere Insuffizienz (weniger als 27,5 nmol/l). Mit zunehmendem Alter wurde der Mangel geringer. Übergewicht dagegen verstärkte den Mangel.

Fazit der Autoren: “Unsere Studienergebnisse zeigen, dass der Vitamin D-Mangel bei Jugendlichen in Europa epidemische Ausmaße angenommen hat und daher ein zentrales Thema sein sollte für die verantwortlichen Gesundheitsorganisationen in den europäischen Ländern.”

Eine zweite Studie räumt mit einer gängigen Behautpung auf – Bestandteil fast aller Anti-Sonnen und -Sonnenbank-Kampagnen: Das Maß an Sonne, das die Jugendlichen im normalen Tagesablauf sozusagen “zufällig” abbekomme, sei allemal ausreichend für die Versorgung mit Vitamin D.

Die Daten beweisen das Gegenteil: Die Studie im Auftrag der US Food and Drug Administration untersuchte, wieviel Vitamin D durch die tägliche Sonnenexposition von Jugendlichen mit oder ohne Urlaubssonne gebildet werden könnte. 2.000 Jugendliche entweder im Norden (41. Breitengrad, in Europa etwa die Höhe von Rom) oder im Süden der USA (35. Breitengrad) wurden nach ihrem Verhalten an der Sonne im Alltag und im Urlaub befragt und der Vitamin D-Spiegel im Blut gemessen.

Das Resultat: US-Jugendliche, von wenigen Ausnahmen im Süden und im Urlaub, wenn nicht durchgehend Sonnenschutzmittel mit hohem SPF angewendt wurde, abgesehen, erhielten  in der Regel nicht einmal die minimale Zufuhr an Vitamin D (600 IE), geschweige denn die optimale Dosis von 1.200 IE.

Diese Ergebnisse gründlicher Studien stehen im diametralen Gegensatz zu Verlautbarungen der US-Dermatologenverbände: “Unter normalen Umständen bilden alle Menschen (in USA, d.Red.) ausreichend Vitamin D allein durch den alltäglichen, “zufälligen” Aufenthalt an der Sonne.” Ähnliche Behauptung werden auch von deutschen Verbänden und in den Medien ständig wiederholt.

Auf dem Hintergrund dieser Studien machen sich die Warnungen an die Jugendlichen vor Sonne und Sonnenbank aus wie die Aufforderung zum ungesunden Lebenswandel mit fatalen Folgen im späteren Leben. Das tatsächliche Problem, dass Jugendliche heute das Jahr über in ihren TV- und Computer-besetzten “Höhlen” leben und dann ein-zweimal pro Jahr sich plötzlich der “Urlaubssonne” aussetzen und sich dabei regelmäßig den Pelz (mehrfach) verbrennen, wird durch diese Kampagnen nicht einmal thematisiert, geschweige denn  wird  hier zu einer Lösung beigetragen. Da den Initiatoren dieser Kampagnen der Mut fehlt, diese unpopulären Probleme offensiv angzugehen weichen sie lieber in einen “Stellvertreterkrieg” gegen die Sonnnenbänke aus. Nicht das Problem, sondern die (Teil-)Lösung wird bekämpft. Verkehrte Welt!

Quelle: Science Daily/NewsWise

Studien: M. González-Gross et al., Vitamin D status among adolescents in Europe: the Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence study, British Journal of Nutrition, 17. August 2011, online vorab publiziert.

D.E. Godar, S.J. Pope, W.B. Grant, M.F. Holick, Solar UV Doses of Young Americans and Vitamin D3 Production, Environmental Health Perspective, 18.August 2011, online vorab veröffentlicht.

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