Vor dem Fernseher

Des Deutschen liebste Freizeit-Beschäftigung - Immer mehr Sofa, immer weniger Sonne

Die Deutschen halten sich immer seltener im Freien an der Sonne auf.  Radfahren und Gartenarbeit sind zunehmend “out”. “Sofasport” -  Fernsehen, Computerspiele oder einfach Faulenzen -  liegt voll im Trend. So der “Freizeit Monitor 2011“, eine repräsentative Untersuchung der Freizeitbeschäftigungen in Deutschland, die alle vier Jahre von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit persönlicher Befragung von 6.000 Teilnehmern durchgeführt wird.

Damit sind nun auch Behauptungen einiger Dermatologen-Organisationen und vieler Medien ad absurdum geführt, die in der zunehmenden Freizeit der Menschen mit immer häufigeren und längeren Aufenthalten an der Sonne den Hauptgrund für die steigenden Hautkrebsfälle zu erkennen glauben. Nicht immer mehr, sondern immer weniger Sonne und Bewegung ist das Problem!

Eigentlich kann man mehr von Freizeitpassivitäten als Freizeitaktivitäten reden“, so Studienleiter Ulrich Reinhardt. Beliebteste Freizeitbeschäftigung der Deutschen: Fernsehen.

Die “freie Zeit” hat in der Tat über die Jahre immer mehr zugenommen, aber sie spielt sich immer häufiger in den eigenen vier Wänden ab. Die Gartenarbeit zum Beispiel ist allein in den vergangenen fünf Jahren seit der letzten Erhebung um 12 Prozent zurückgegangen. Im gleichen Maße haben TV- und Computernutzung, “Ausruhen”, Telefonieren und ähnliche Tätigkeiten an Bedeutung gewonnen.

Weniger statt mehr Sonne führt aber auch zu gesundheitlichen Problemen im Gefolge etwa des ansteigenden Vitamin D-Mangels. Nicht nur die “klassischen” Folgen wie Rachitis, Osteoporose oder Osteomalzie sondern auch viele andere, vor allem chronische Krankheiten nehmen als Folge des Sonnenmangels ständig zu.

Zwei aktuelle wissenschaftliche Studien unterstreichen diese Entwicklung auf spektakuläre Weise:
Jede Stunde, die ein Erwachsener von mehr als 25 Jahren vor dem Fernseher verbringt, verkürzt seine Lebenszeit um 21,8 Minuten! Das haben Wissenschaftler an der University of Queensland, Australia, errechnet. Wer täglich sechs Stunden vor der “Glotze” zubringt, so etwas soll ja vorkommen, stirbt fast fünf Jahre früher als ein absoluter Fernseh-Muffel.

Die Wissenschaftler hatten Bevölkerungsstatistiken  und Daten einer umfangreichen, seit mehr als zehn Jahren laufenden Gesundheits- und Lifestyle-Studie (Australian Diabetes, Obesity and Lifestyle Study) zu einem “Lebens-Tableau” kombiniert.

In der zweiten Studie, diesmal von der Universität in Odense, Dänemark, hatten Sportwissenschaftler acht frühere Langzeitstudien zum Zusammenhang von Fernsehen und Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterberate in einer Meta-Studie zusammengefasst. Das Ergebnis ähnelt der australischen Studie:
Je zwei Stunden Fernsehen pro Tag erhöhte das Risiko, an Diabetes 2 zu erkranken um 20 Prozent, bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren es 15 Prozent und beim Sterberisiko aus beliebigen anderen Gründen immerhin noch 13 Prozent. Das Sterberisiko stieg besonders bei einem Fernsehkonsum von mehr als drei Stunden pro Tag steil an.

Zugespitztes Fazit: Wer nicht sonnt muss früher sterben!

Quelle: Science Daily/Mercola.com/dapd

Studien:
J.L. Veerman et al., Television viewing time and reduced life expectancy: a life table analysisBritish Journal of Sports Medicine, 15. August 2011, online vorab publiziert

A. Grøntved, F.B. Hu, Television viewing and risk of type 2 diabetes, cardiovascular disease, and all-cause mortality: a meta-analysis, JAMA, 305(23):2448-55

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