Pilze als Sonnenersatz?

Pilze statt Sonne? Preisträger Paul Urbain

Für Forschungen über eine besonderene Strategie, den epidemischen Vitamin D-Mangel vor allem in den nördlichen Industrieländern zu bekämpfen, erhielt jetzt der junge Ernährungswissenschaftler an der Universität Hohenheim, Paul Urbain, den renommierten Max Rubner-Preis 2011 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Urbain hatte die Wirkung von UV-bestrahlten Pilzen auf den Vitamin D-Spiegel des Menschen untersucht.  Durch einfache Bestrahlung der Pilze wurde ihr Vitamin D-Gehalt um das fast 500fache erhöht.  Teilnehmer in einem Experiment nahmen mit einer Suppe aus diesen Pilzen innerhalb von zwei Wochen  28.000 IE Vitamin D (25 OHD) zu sich.

Es zeigte sich, dass am Ende dieses Versuchs die “Pilz-Esser” ihren Vitamin D-Spiegel im Blut wesentlich verbessert hatten (etwa 4 nmol/l pro Woche) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die ein Plazebo bekommen hatte.

Die Grundidee der Studie Urbains, mit UV-behandelten Pilzen eine pflanzliche Vitamin D-Quelle für den Menschen als Alternative zu Fettfischen als Hauptquelle und zur Einnahme von Supplementen zu finden, hat sich bestätigt, ” so Prof. Dr. Helmut Heseker, Präsident der DGE, bei der Überreichung des Preises.

Pilzsuppe auch als Sonnen- oder Sonnenbank-Ersatz?

Wir hatten in der Vergangenheit über ähnliche Versuche mit der UV-Bestrahlung von Pilzen und anderen Lebensmitteln hier, hier und hier berichtet.

Immer weniger Sonnenschein-Vitamin durch Ernährung

Zwar spielt die Erhährung bei der Versorgung der Menschen mit dem lebenswichtigen Vitamin D nur eine untergeordnete, aber vor allem im “Vitamin D-Winter” von Oktober bis März eine dennoch wichtige Rolle. Diese Rolle aber scheint in den letzten Jahren ständig geringer zu werden.

Jetzt hat eine Studie an der Universität von Minnesota, USA, diesen Trend bestätigt: Zwischen den Jahren 1980 und 2007 ist die Aufnahme  des “Sonnenschein-Vitamins” über die Ernährung um 15 Prozent zurückgegangen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Daten aus den USA auch auf Europa übertragbar sind.

Kommentar der Forscher: “Dies ist ein Trend, der erhebliche Sorgen macht, da etwa ein Drittel der Bevölkerung bereits heute einen Vitamin D-Mangel oder ein Vitamin D-Defizit aufweist.”

Ein Mangel an Sonnenschein-Vitamin D trägt bei zu verschiedenen chronischen Volkskrankheiten wie Osteoporose, Autoimmunerkrankungen wie Diabetes 1 und MS, Infektionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Studien:

Paul Urbain et al., Bioavailability of vitamin D2 from UV-B-irradiated button mushrooms in healthy adults deficient in serum 25-hydroxyvitamin D: a randomized controlled trial, European Journal of Clinical Nutrition 65, 965-971

L. J. Harnack et al., Trends in Vitamin D Intake from Food Sources among Adults in the Minneapolis-St.Paul Metropolitan Area, 1980-1982 through 2007-2009, Journal of the American Dietetic Association, 11/9, 1329-1334, online vorab September 2011

 

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