Vitamin D-Mangel führt zu Stürzen und Brüchen Foto: iStockphoto

Wenn der Mensch nicht genug Sonne und damit nicht genug “Sonnenschein Vitamin D” bekommt, werden die Muskeln schwach und die Knochen brechen. Diese Erkenntnis ist längst nicht mehr umstritten.

In der allgemeinen Öffentlichkeit aber wird – gerade auch unter dem Einfluss der pausenlosen Sonnenschutz-Kampagnen – das Problem weitgehend ausgeblendet. Stürze, Knochenbrüche, “Witwenbuckel” und Osteoporose werden als “Altersprobleme” in die ferne Zukunft verschoben.

Tatsächlich aber beginnt das Problem schon vor der Geburt mit dem weit verbreiteten Vitamin D-Mangel der Schwangeren, über die Geburt und die ersten Wochen des Neugeborenen – gelegentlich gar in Form sozialer Dramen (wir haben darüber berichtet) – und die gesamte Wachstumsphase bis ins Erwachsenenalter. In dieser Zeit entscheidet sich, wieviel Knochen-”Material” für den Rest des Lebens zur Verfügung steht. Zehn Prozent Zuwachs an Knochenmasse in der Kindheit vermindert das Risiko von Osteoporose und Knochenbrüchen im Alter um 50 Prozent. Ab Anfang 30 wird die Knochenmasse nicht mehr sondern immer weniger.

Zwei neue Studie unterstreichen jetzt noch einmal das ganze Ausmaß des “Knochenproblems”, gleichgültig in welchem Alter:

Wenn schon bei jungen Frauen unter körperlichem Stress die Knochen brechen, ist das ganz wesentlich auf den Mangel an Vitamin D zurückzuführen. Diesen Zusammenhang belegt eine Studie am Naval Health Research Center in San Diego, USA, bei der junge Soldatinnen der US-Navy mit Stressbrüchen der Hüftknochen auf ihren Vitamin D-Spiegel im Blut getestet wurden im Vergleich zu “knochengesunden” jungen Frauen.

Es zeigte sich, dass die Frauen in der Gruppe mit den niedrigsten Vitamin D-Spiegeln im Blut (<20 ng/ml) mehr als doppelt so oft Knochenbrüche nach Belastung erlitten, wie die Soldatinnen in der Gruppe mit den höchsten Werten (>40 ng/ml) an Sonnenschein-Vitamin D.

In einer gleichzeitig erschienenen Meta-Studie der Mayo-Klinik und anderer US-Forschungszentren wurde vor allem der Zusammenhang zwischen der Sturzgefahr vor allem bei älteren Frauen und der Vitamin D-Versorgung belegt.

Bei der Analyse von Daten aus 26 Studien mit insgesamt mehr als 45.000 Teilnehmerinnen zeigte sich bei der Behandlung mit Kalzium und Vitamin D eine deutlich reduzierte Sturzrate um mehr als 14 Prozent. Noch weit höher lag Rate bei den Teilnehmerinnen, die am Anfang der Studie, also vor der Einnahme von Vitamin D und Kalzium, einen besonders niedrigen Vitamin D-Spiegel aufwiesen.

Vitamin D ist notwendig für die Einlagerung des Kalziums in Muskel und Knochen.

Quelle: PubMed

Studien:
A.A. Burgi et al., High serum 25-hydroxyvitamin D is associated with a low incidence of stress fractures, Journal of Bone ad Miner Research, Oct 2011;26(10):2371-7

M. H. Murad et al., The Effect of Vitamin D on Falls: A Systematic Review and Meta-Analysis, The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 1. Oktober 2011,  96/10,  2997-3006

2 Kommentare zu “Sonnen-Mangel geht auf die Knochen”

  1. Sabineam 15.10.2011 um 21:38

    Interessante Studie. Frage: wie viel Minuten “Sonnenschein” benötigt den ein Mensch pro Monat, um den “Sonnenschein Vitamin D” Mangel auszugleichen bzw. den Vitamin D-Spiegel im Blut richtig einzustellen?
    Würde mich über eine Rückmeldung freuen.

  2. Leopold Bergmannam 16.10.2011 um 19:20

    Kommt drauf an! Worauf? Hier nur die wichtigsten Faktoren:
    -Jahreszeit
    -Tageszeit
    - geographische Breite
    - Bewölkung
    - Hauttyp
    - Hautpigmentierung (Hautbräune)
    - Höhenlage
    - Untergrund
    - Verwendung von Sonnenschutzmittel
    etc. etc.

    Im Hochsommer zur Mittagszeit zwischen 10 (Hauttyp 1) und 30 (Hauttyp 3) Minuten mit 25 – 30 Prozent unbedeckter Hautoberfläche können 10.000 bis 20.000 IE Vitamin D – 25 (OH)D – gebildet werden. Im Winter dagegen kann die Sonne praktisch überhaupt keine Vitamin D-”Produktion” über die Haut anstoßen.
    Die Empfehlungen für die Tagesdosis Vitamin D gehen weit auseinander: 400 – 5.000 IE täglich werden von Experten genannt. Vermutlich liegt ide Wahrheit irgendwo dazwischen.

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