Eincremen schützt nicht vor Sonnenbrand

Eincremen schützt nicht unbedingt vor Sonnenbrand - im Gegenteil.

Wer sich regelmäßig mit Sonnencreme vor einem Sonnenbrand schützt, sitzt möglicherweise einer Illusion auf. Eine repräsentative US-Studie zeigt, dass der “Normal-Nutzer” von Sonnenschutzmitteln nicht weniger sondern eher mehr Sonnenbrände pro Jahr erleidet als der typische “Sonnencreme-Muffel”. Als “Entschädigung” die Erkenntnis, dass bei dieser Art der Sonnencreme-Anwendung auch nicht viel an Vitamin D-Bildung über die Sonnenbestrahlung der Haut verloren geht.

Die wahrscheinlichste Erklärung für dieses bemerkenswerte Phänomen: Der (amerikanische) Durchschnitts-Verbraucher wendet die Sonnencreme so sparsam und unzuverlässig an, verlässt sich aber gleichzeitig auf die versprochene Sonnenschutzwirkung, dass er sich die Mühe des Eincremens auch gleich ganz sparen könnte.

Dagegen schützen sich diejenigen, die nach kurzem Sonnenaufenthalt den Schatten aufsuchen oder schützende Kleidung tragen, sehr viel erfolgreicher vor einem Sonnenbrand. Der Nachteil hier: Sie halbieren gleichzeitig auch die Vitamin D-Produktion.

Diese Einsichten vermittelt eine Studie der Standford University, Kalifornien, mit über 6.000 weissen Teilnehmern aus dem repräsentativen National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES).

Innerhalb eine Jahres erlitten mehr als die Hälfte der Befragten einen Sonnenbrand und ein Viertel sogar mehrere Sonnenbände.  Das Erstaunliche dabei: Teilnehmer, die an der Sonne regelmäßig ein Sonnenschutzmittel benutzten, berichteten häufiger (+23 Prozent Wahrscheinlichkeit) von mehreren Sonnebränden pro Jahr als diejenigen, die überhaupt keine Vorkehrung zum Schutz vor der Sonne trafen.

Im Gegensatz dazu reduzierten die Teilnehmer, die als Schutz vor der Sonne den Schatten aufsuchten oder Kleidung mit langen Ärmeln trugen, ihr Sonnenbrand-Risiko um 30 Prozent. Allerdings litten diese Probanden dann doppelt so häufig unter einem Vitamin D-Mangel. Die Sonnencreme-Nutzer dagegen könnten sich mit dem Studienergebnis über ihre verschlimmerten Sonnenbrand-Leiden hinwegtrösten: Durch ihre Art des Eincremens ging ihnen nur wenig der lebenswichtigen Vitamin D-Bildung durch die UVB-Strahlen der Sonne verloren.

Die Autoren der Studie empfehlen angesichts dieser Ergebnisse ein Umdenken bei den Sonnenschutz-Empfehlungen an ein breites Publikum. Der schlichte Rat, sich zum Schutz vor Hautschäden an der Sonne einzucremen, sei offensichtlich konterproduktiv. “Die Balance zwischen dem notwendigen Sonnenschutz und der ebenso notwendigen Vitamin D-Versorgung ist ganz offensichtlich ein sehr komplexes Thema“, so das Fazit der Co-Autorin Prof. Dr. Eleni Linos.

Über ähnliche Ergebnisse hatten wir in der Vergangenheit schon berichtet: Hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Quelle:  Pressemeldung der Standford University

Studie: Eleni Linos et al., Sun protective behaviors and vitamin D levels in the US population: NHANES 2003–2006, Cancer Causes and Control, 05. November 2011, online vorab veröffentlicht

Kurzbericht zur Studie:
Eleni Linos et al.,  Hat, shade, long sleeves, or sunscreen? Rethinking US sun protection messages based on their relative effectiveness, Cancer Causes Control (2011) 22:1067–1071

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