Der Schauplatz liegt auf der anderen Seite der Weltkugel, in Australien, aber Anlass und Problem sind die gleichen wie bei uns: Ein Gesetz und eine Verordnung zur Nutzung von Sonnenbänken werden erlassen, Kontrollen werden durchgeführt. Das Verhalten ändert sich – aber nicht immer und überall.

Eine “Solarienverordnung” war im Jahr 2008 im australischen Bundesstaat Victoria erlassen worden: Verbot der Nutzung durch Jugendliche unter 18 Jahren, Verbot für Menschen mit Hauttyp 1, schriftliche Einverständniserklärung, Hauttypenbestimmung, Warnhinweise etc. Die Einhaltung wurde von den Behörden überwacht.

Jetzt berichtet das Cancer Council Victoria, eine der Vorreiter-Institutionen im Medien-Kampf gegen Solarien in Australien, über eine Art “Undercover-Aktion” (“Mystery Shopping“), die Ende 2009 abgeschlossen worden war und mit der die Einhaltung der Bestimmungen kontrolliert werden sollte. Testpersonen, die jeweils unterschiedliche Nutzer-Gruppen repräsentieren sollten, wurden in 30 Studios in Melbourne geschickt:

  • Junge Erwachsene über 18 Jahren mit Hauttyp 2 und darüber – also “legale” Nutzer,
  • junge Erwachsene mit Hauttyp 1,
  • Jugendliche unter 18 Jahren, die ihr Alter zugaben aber dennoch unbedingt auf der Sonnenbank sonnen wollten,
  • Jugendliche unter 18 Jahren, die ihr Alter verschwiegen oder falsche Angaben machten.

Die Ergebnisse wurden verglichen mit einer ähnlichen Untersuchung, die 2003, also lange vor dem Erlass der Verfügung, durchgeführt worden war.

Die Ergebnisse können sich, trotz der eindeutigen Absicht der Studie, die Sonnenstudios so negativ wie möglich darzustellen, durchaus sehen lassen.

  • Die Zahl der Studios, in denen durch Beratung und Warnhinweise auf die möglichen Risiken der UV-Strahlen hingewiesen wurde, erhöhte sich von 70 auf 97 Prozent.
  • Der Anteil der Studios, bei denen ein Hauttyp 1 zugelassen wurde, ging 2009 gegenüber 2003 von 9o auf 47 Prozent zurück.
  • Nur in einem einzigen Fall wurde ein Jugendlicher auf die Sonnenbank gelassen, der sein jugendliches Alter zugab, aber unbedingt sonnen wollte. In der Studie von 2003 waren immerhin 53 Prozent dieser Jugendlichen, allerdings mit Zustimmung der Eltern, zugelassen worden.
  • Wenn allerdings ein Jugendlicher auf Befragen falsche Angabe über sein Alter machte oder falsche Dokumente vorwies, konnte er in 80 Prozent der Fälle die Sonnenbank im Studio benutzen.

Für das Cancer Council  sind, wie zu erwarten war, diese Ergebnisse Anlass, nach einer Verschärfung der gesetzlichen Bestimmungen oder gar nach einem Verbot von Solarien zu rufen.

Quelle: PubMed/Victorian Government Health Information

Studie: J.K. Makin et al.,  Compliance with age and skin type restrictions following the introduction of indoor tanning legislation in Melbourne, Australia, Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine, Dezember 2011; 27(6):286-93 – online vorab publiziert

2 Kommentare zu “Wie ein Solariengesetz wirkt und wie es befolgt wird”

  1. Stephan Riehlam 04.12.2011 um 13:45

    Zu Punkt 2 dieser australischen Studie “Zulassung Hauttyp 1 in Sonnenstudios” ist zu bemerken, dass für diese Hauttypen (1 und2) in Deutschland kein Verbot zur Solariennutzung nach der neuen UVSV besteht. Sollte der (volljährige) Kunde trotz Beratung und Hinweis auf die Ausschlusskriterien darauf bestehen, sonnen zu wollen so ist dies dessen Entscheidung! Man sollte sich dies jedoch schriftlich bestätigen lassen.

  2. Leopold Bergmannam 04.12.2011 um 20:08

    Richitg! Das gilt auch für andere Punkte der “Solarienverordnung” (UVSV). So kann ein Kunde die obligatorische Beratung ablehnen oder den Besonnungsplan ignorieren, ohne dass der Betreiber ihn vom Gebrauch der Geräte ausschließen muss.

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