Archiv für die Kategorie 'Melanom'

Die UV-Strahlen der Sonne und der Sonnenbank haben positive wie negative Auswirkungen. Das ist eine Plattitüde, weil sie im Prinzip für jedes gesundheitswirksame Phänomen gilt. Dermatologen und Krebsorganisationen erinnern uns täglich an die “bösen” Seiten der Sonne. Und damit wir`s auch kapieren, wird gelegentlich der Wahrheit ein wenig auf die Sprünge geholfen mit statistischen Manipulationen und dem schlichten Auslassen von Fakten und Daten.

Jetzt versucht eine norwegischen Forschergruppe unter Leitung des bekannten Biophysikers und Photobiologen, Prof. Johan Moan, eine ehrliche Bilanz der “guten” und der “bösen” Seiten der Sonnen-, insbesondere der UV-Strahlen, für die menschliche Gesundheit zu ziehen.  In einer Auswertung bisheriger Forschungsergebnisse kommen die Wissenschaftler zu einem eindeutigen Ergebnis: Die positiven Wirkungen der UV-Strahlen übersteigen die negativen Wirkungen um ein Vielfaches. Den ganzen Beitrag lesen »

Sonnenbank nicht Ursache für MelanomDie oft lautstark ausgetragene Kontroverse darüber, ob die Nutzung der Sonnenbank das Hautkrebs-Risiko erhöht – oder nicht, ist um ein schwergewichtiges Argument reicher:
Eine umfassende Studie ausgerechnet aus England, dem Land mit besonders vielen Hauttyp-1-Bewohnern, belegt überzeugend: Es gibt keine Verbindung von Sonnenbank und “schwarzem” Hautkrebs, dem Melanom. Den ganzen Beitrag lesen »

Eine Kombination aus Kalzium und Vitamin D kann das Risiko halbieren, an einem Melanom zu erkranken – jedenfalls bei Frauen mit einem erhöhten Melanom-Risiko und bei Frauen, die schon einmal an einem vergleichsweise harmlosen “weissen” Hautkrebs erkrankt waren. Den ganzen Beitrag lesen »

Sonne am Wochenende schützt vor Melanom

Wochenende an der Sonne genießen schützt vor Hautkrebs (Foto: fotolia)

Wer seine Wochenenden in der freien Natur und damit an der Sonne verbringt, startet seine Arbeitswoche am Montag entspannter und leistungsfähiger  und er/sie hat gleichzeitig etwas für seine Haut und seine Gesundheit getan.  Die wöchentlichen Sonnenstunden geben nämlich nicht nur der Haut den sanften, attraktiven Braunton, sondern sie schützen auch vor dem “schwarzen” Hautkrebs, dem Melanom. Den ganzen Beitrag lesen »

Nicht nur der gefährliche “schwarze” Hautkrebs, das Melanom, sondern auch der mit Abstand häufigste, aber relativ harmlose “weisse” Hautkrebs, das Basaliom, entsteht nicht durch regelmäßigen Aufenthalt an der Sonne.

Kann der ständige, berufliche Aufenthalt an der Sonne die beiden Formen des “weissen” Hautkrebs, den Basalzellenkrebs (Basaliom) und den Plattenepithelkarzinom (Spinaliom), hervorrufen? Sind diese beiden Hautkrebsarten daher als Berufskrankheiten anzusehen?” So die Frage,  der ein Forscher-Team von den beiden Universitäten Dresden und Heidelberg nachging.

Sie analysierten 25 Studien zu diesem Thema und kamen dabei zu dem Ergebnis, dass es zwar einen Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und dem selteneren Spinaliom geben könnte, nicht aber zwischen dem beruflichen Aufenthalt an der Sonne und dem verbreiteten Basaliom.

Quelle: PubCrawler

Studie:  Jochen Schmitt, Thomas Diepgen, Andrea Bauer, Berufliche Exposition gegenüber natürlicher UV-Strahlung und nicht-melanozytärer Hautkrebs – ein systematischer Review zur Frage einer neuen Berufskrankheit, Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Volume 8 Issue 4, Pages 250 – 264

Darauf haben manche lange gewartet! Nach Dutzenden von Versuchen mit äusserst schütteren Ergebnissen kommt jetzt eine großangelegte Studie mit der Botschaft:  Solarien verursachen “schwarzen” Hautkrebs, und zwar je öfter und je länger desto mehr.

Schon die medienwirksame Einordnung der Solarien als “definitiv krebserregend” durch die IARC vor knapp einem Jahr stand auf äusserst schwachen wissenschaftlichen Füssen: Nur vier von 19 Studien hatten in einer Meta-Studie überhaupt statistisch relevante Ergebnisse in dieser Richtung erbracht – und hatten dabei zum Teil wichtige andere Faktoren außer Acht gelassen.

Dennoch erschreckten IARC, WHO und Medien die Menschen mit der Aussage, das Melanom-Risiko steige bei Solarium-Gebrauch vor dem 35. Lebensjahr um 75 Prozent. Dass damit das tatsächliche , absolute Risiko immer noch deutlich unter 0,1 Prozent lag, die Steigerung also winzig ausfiel, blieb wohlweislich unerwähnt.

Zudem geriet die einseitige Auswahl der Studien und andere methodische Probleme sehr schnell unter Beschuss von internationalen Experten.  Die Absicht hinter den Ergebnisformulierungen der Studien-Autoren war nur allzu deutlich.

Das gilt nun auch verstärkt für die jetzt vorgelegte Studie, die einst von einem der Geldgeber mit dem Auftrag auf die Reise geschickt wurde “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können” (Übers. durch die Red.).

Das Forschungsprojekt aus dem mittleren Westen der USA, dem Bundesstaat Minnesota, mit 2,268 Teilnehmern versucht seit 2004 einen Zusammenhang von künstlicher Besonnung und “schwarzem” Hautkrebs, dem Melanom, herzustellen. Basis ist eine umfangreiche schriftliche und telefonische Befragung über das Verhalten an der Sonne, über die Nutzung von künstlicher Besonnung und über die Art der Besonnungsgeräte  rückwirkend bis in die 80ger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Das Ergebnis: Bei Menschen, die irgendwann einmal eine Sonnenbank genutzt hatten, erhöhte sich, laut Studie, das Risiko, an einem Melanom zu erkranken, um 74 Prozent. Bei häufiger und längerer Nutzung sogar um das Dreifache.

Allerdings war es dabei gleichgültig, wann die Person mit der Solarium-Nutzung begonnen hatte. Damit widersprechen die Ergebnisse den bisherigen Annahmen, dass besonders die Solarium-Nutzung durch Jugendliche das Krebsrisiko erhöht.

Erst bei der genauen Analyse der veröffentlichten Daten findet man in dieser Studie Ergebnisse, die in der Zusammenfassung und Diskussion durch die Autoren tunlichst in einen Nebensatz verdrängt werden.

So stellt sich heraus (wie ähnlich auch in früheren Studien), dass Menschen mit regelmäßigem oder berufsbedingtem Aufenthalt an der Sonne weniger häufig an einem Melanom erkranken, als Menschen, die sich selten an der Sonne aufhalten. Mehr Sonne – weniger “schwarzer” Hautkrebs!

Interessant und ebenfalls in der Auswertung unerwähnt:  Regelmäßige und intensive Nutzung von Sonnenschutzmitteln führt nicht zu weniger sondern zu erheblich mehr Melanom-Fällen (auch darüber haben wir kürzlich berichtet).

Hier bestätigen sich denn auch die Zweifel an der “Neutralität” dieser Studie, ebenso wie bei der medienwirksamen Formulierung der Zusammenfassung. Dort wird mit “relativen” statt mit “absoluten” Risiken gearbeitet. Was das heisst und wie sich das auswirkt, lässt sich am besten am Beispiel erläutern.

Der Glaube an die Statistik, die man ….

Nehmen wir an, das Risiko, bei einem Spaziergang auf einem städtischen Bürgersteig von einem fallenden Dachziegel getroffen zu werden, sei 0,002 Prozent. Heisst: bei 100.000 Spaziergängen kommt es zu zwei Ziegeltreffern.

Nun findet eine wissenschaftliche Studie heraus, dass schon bei Windstärke 5 sich das Dachziegel-Unfallrisiko um erschreckende 75 Prozent erhöht.

Am nächsten Tag liest man in BILD:  “Tod vom Dach! Bei leichtem Wind 75 Prozent mehr Füßgänger tödlich getroffen.”

Politiker fordern schärfere Dachkontrollen und Meisterbriefe für jeden Dachdecker. Die Leute trauen sich jenseit von Windstärke 4 nicht mehr aus dem Haus – mit unabsehbaren Folgen für Wirtschaft und Volksgesundheit.

Und in Wirklichkeit?

Selbst wenn die Ergebnisse der Studie korrekt sind, wird bei höheren Windstärken aus einem minimalsten Risiko von 0,002 Prozent ein fast ebenso minimales Risiko von 0,0035 Prozent.

In anderen Worten: Viel Wind um (fast) nichts!

So auch hier

Ähnliche Zweifel und eine ganze Reihe zusätzlicher Einwände können auch für die Minnesota-Studie geltend gemacht werden. Nur einige davon sollen hier kurz erwähnt werden:

  1. Die Studie ist entstanden aus einem größeren Studienprojekt mit dem klaren Auftrag, “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können.” So einer der Geldgeber, das National Cancer Institute. Das Endurteil war damit bereits in den Studienansatz “eingebaut”.
  2. Mit diesem Auftrag wurden nach den schriftlichen Interviews Telefongespräche geführt, zur Hälfte mit Menschen, die inzwischen an einem Melanom erkrankt waren.  Bei “richtiger” Befragung neigen derart Betroffene dazu ihre Erinnerung an frühere Sonnenbank-Nutzung und Zeiten den Bedingungen anzupassen,  zumal wenn ihnen die Sonnenbank als “Schuldiger” für ihren Zustand vorab suggeriert worden war.
  3. Die Studie beschränkt sich auf den Staat Minnesota. Ausgerechnet dieser Staat zeichnet sich aus durch einen weit überproportionalen Anteil an Menschen nordeuropäischer Herkunft. Der besonders gefährdete Hauttyp 1 ist daher hier sehr viel häufiger vertreten als im Rest der Bevölkerung.
  4. Erinnerungen an so unwichtige Ereignisse wie das Sonnenbaden im Freien oder im Sonnenstudio, oder gar deren Länge und Häufigkeit, sind nach 20 Jahren und mehr eher zufällig. Dass darüber hinaus auch noch der Gerätetyp aus z.B. dem Jahr 1990 korrekt erinnert wird, ist unwahrscheinlich. Auf solchen Erinnerungen aber basiert diese Studie.
  5. Statistiken der Verbände zur Solarium-Nutzung im Staat Minnesota weisen einen Anteil von 10 Prozent an der Bevölkerung insgesamt aus. Die Studie aber entdeckte einen Anteil von 62 Prozent Solariennutzer bei der vom Melanom betroffenen Gruppe und 51 Prozent in der zufällig ausgewählten Vergleichsgruppe. Eine derartige Differenz, selbst bei ungenauen Daten, ist bei einer repräsentativen Auswahl ausgeschlossen. Hier wurde also vermutlich “vorselektiert”.
  6. Wenn es richtig ist (wie die Studie ausweist), dass regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne das Melanom-Risiko eher senkt als steigert, die UV-Strahlen der Sonne sich aber nicht bzw. nur in der Zusammensetzung, von den UV-Strahlen des Solariums unterscheiden, ist die Risiko-Steigerung gerade bei regelmäßiger Sonnenbank-Nutzung nicht schlüssig erklärbar. Zwei Ergebnisse der gleichen Studie widersprechen sich also unmittelbar an dieser Stelle.
  7. In der Studie selbst, vor allem aber in dem jetzt anlaufenden Medien-Echo wird durchgängig mit “relativen” statt “absoluten” Risiken argumentiert. Unser Beispiel oben zeigt, wieviel dramatischer sich die Ergebnisse auf diese Weise darstellen lassen. Tatsächlich liegt das absolute Risiko, an einem Melanom zu erkranken in den USA bei weniger als  o,3 Prozent – und unterscheidet sich nach anderen Studie kaum zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern von Solarien. Da die Studie nur Menschen bis zum Alter von 59 Jahren einbezieht, das Melanom aber eine typische Alterskrankheit ist, liegt folglich das absolute Risiko einer Melanom-Erkrankung in den untersuchten Altersgruppen noch sehr viel niedriger als im Durchschnitt der gesamten Bevölkerung.
  8. In der Melanom-Gruppe befinden sich mehr als dreimal so viele Menschen mit vielen oder sehr vielen Muttermalen wie in der Vergleichsgruppe und immerhin ein Viertel mehr Menschen mit mehr als 5 schweren Sonnenbränden im Freien. Beides, Anzahl der Muttermale und Sonnenbrände, sind typische Risikofaktoren für ein Melanom. Mit Solarium haben sie nichts zu tun!
  9. Obwohl in der Studie viele andere Melanom-Risiken genannt und ausgeschlossen werden, bleiben die erstaunlichen Daten zu einem Zusammenhang von Sonnenschutzmitteln und Melanom unberücksichtigt. Dabei erhöht sich, laut Daten der Studie selbst, das Melanom-Risiko durch Sonnenschutz-Gebrauch um ganze 35 Prozent.

Trotz solcher und anderer Einwände bleiben die Ergebnisse der Studie bedenklich, im wahrsten Sinne des Wortes.  Andererseits sagt eine Studie mit Erinnerungsdaten aus der Vergangenheit – über die gesamte Entwicklungsgeschichte der künstlichen Besonnung hinweg – sehr wenig über die aktuelle tatsächliche oder vermeintliche Gefährdung durch moderne Solarien oder über künftige Entwicklungen.

Mit den Rahmenbedingungen durch Normen, Gesetz und Verordnungen, wenn sie realistisch ausgestaltet und angemessen kontrolliert werden, ist für die Zukunft eine Gefährdung so gut wie auszuschließen – falls es denn in der Vergangenheit eine gegeben haben sollte.

Quellen:  Science Daily/HighWire/SmartTan

Studie:  DeAnn Lazovich et al., Indoor Tanning and Risk of Melanoma: A Case-Control Study in an Highly Exposed Population, Cancer Epidemology, Biomarkers & Prevention,  online vorab publiziert, 26. Mai 2010

Sonnenschutz mit Köpfchen

Sonnenschutz besser mit Köpfchen!

Wie in jedem Jahr schwappt auch in diesem Frühjahr mit den ersten wirklich sonnig-warmen Tagen die Welle der Sonnen-Warnungen durch die Medien. Dabei hat sich eine Art hysterischer Folklore eingebürgert, die gelegentlich kuriose, manchmal auch gefährlich falsche Blüten treibt.

Zu den Standards dieser Folklore zählt – nachdem zunächst die schrecklichen Folgen sommerlichen Sonnens in grellen Farben geschildert werden – die Mahnung, sich immer und überall durch Eincremen mit Sonnenschutzmitteln mit Lichtschutzfaktor (LSF) 20-50 zu schützen – mit dem Versprechen, dadurch die Eigenschutzzeit um das 20-50fache zu erhöhen und das Gespenst des “schwarzen” Hautkrebs zu vertreiben.

Diese, auch von einigen Dermatologen gern genommenen, Warnungen und Versprechungen sind durch den wissenschaftlichen Nachweis  des Gegenteils offensichtlich nicht im mindesten zu erschüttern.

Schützen Sonnenschutzmitel wirklich vor Hautkrebs?…

Seit vielen Jahren gibt es immer wieder gut dokumentierte Studien, die belegen, dass der Anteil der Melanom-Erkrankungen bei Menschen mit regelmäßigem Sonnenschutz-Gebrauch gleich hoch oder gar höher liegt als bei Sonnenschutz-Muffeln – eine soeben erschienene Studie, die eigentlich die Gefährlichkeit von Solarien belegen will, beweist eher “versehentlich” auch die Melanom-fördernde Wirkung rigorosen Sonnencremens. Falsches Eincremen und falsches Sicherheitsgefühl werden dafür in der Regel verantwortlich gemacht. Konsequenzen in der Medien-Berichterstattung hat das bisher nicht.

Vielleicht ändert sich das, wenn es nicht mehr um das “ferne” Melanom sondern um den unmittelbar schmerzlich erlebten Sonnenbrand geht.  In anderen Worten wenn sich herausstellt, dass das Eincremen mit Sonnenschutzmitteln nicht zu weniger, sondern  sogar zu mehr Sonnenbränden führen kann.

Diesen Nachweis tritt jetzt eine Studie der dänischen Krebsgesellschaft an, die 3.499 Teilnehmer im Alter von 15–59 Jahren nach ihrem Verhalten an der Sonne, nach dem Gebrauch von Sonnenschutzmitteln und nach der Zahl der  Sonnenbrände befragte.

Im Durchschnitt der Befragten hatten 35 Prozent  in den vergangenen 12 Monaten mindestens einen Sonnenbrand erlitten. Bei den Jüngeren lag die Quote mehr als vier Mal so hoch wie bei  den Älteren.

Überraschender aber:  Die Quote der Sonnenbrände lag in der Gruppe der Sonnencreme-Nutzer höher als in der Gruppe der Nicht-Nutzer.

Bei denen, die bewusst ein Sonnenbad nahmen, kam es mit oder ohne Sonnenschutzmittel gleich häufig zu einem Sonnenbrand.  Bei denen, die sich eher zufällig an der Sonne aufhielten, kam es öfter zu einem Sonnenbrand in der Gruppe der Sonnencreme-Nutzer als in der Gruppe der Nicht-Nutzer.

Zwei Drittel der Befragten, die einen Sonnenbrand meldeten, hatten sich mit Sonnenscreme eingerieben, um die Eigenschutzzeit für den Aufenthalt an der Sonne entsprechend zu verlängern – eine Fehleinschätzung, wie sich herausstellte.

Die Autoren schliessen aus ihren Ergebnissen, dass sich künftige Kampagnen zur Vermeidung von Sonnenbränden

  • vor allem an junge Leute wenden,
  • vom Gebrauch der Sonnencremes zur Verlängerung von Sonnenbädern abraten und
  • generell eher Bekleidung und Schatten als Sonnenschutz empfehlen sollten.

Die Studie unterstreicht damit drastisch, wie häufig und vor allem unberechenbar das Sonnen im Freien zu Sonnenbrand und damit verbunden zu Hautschädigungen führen kann – im Gegensatz zum kontrollierten Sonnen und Vorbräunen im (Qualitäts-) Sonnenstudio.

Hinzu kommt, dass das propagierte Eincremen jederzeit und überall

  • nicht nur zu falschen Erwartungen, falschem Verhalten und dadurch zu fatalen Konsequenzen wie Verbrennungen und Hautschäden führt,
  • sondern gleichzeitig auch die Bildung des lebenswichtigen Vitamin D in der Haut verhindert.

… und wer schützt unsere Haut vor den Sonnenschutzmitteln?

Dass  Sonnenschutzmittel selbst als “chemische Coctails” gefährliche Stoffe enthalten, die ihrerseits (Haut-)Krebs fördern, ist immer mal wieder in Testberichten dokumentiert worden (zuletzt in der Zeitschrift ÖkoTest vom Mai 2010, die allerdings sehr viel freundlicher urteilt). Aber dass selbst offiziell (z.B. von der US-Food and Drug Adminsitration) verbotene Substanzen Jahrzehnte lang in weit verbreiteten Cremes überdauerten, ist kaum ins öffentliche Bewusstsein gedrungen.

Jetzt hat die US-Verbraucherorganisation Environmental Working Group (EWG) 500 Sonnenschutz-Produkte daraufhin untersucht und nur 39, also ganz 8 Prozent, als unbedenklich klassifiziert. Der Report kann hier heruntergeladen werden
http://www.ewg.org/2010sunscreen

Auch die enragiertesten Solariengegner sollten bei kommenden Kampagnen mit ihren Hinweisen auf die rettenden Sonnencremes vorsichtiger sein. Dem Verbraucherschutz ist das Verwirrspiel zwischen Böcken und Gärtnern sicher nicht zuträglich.

Dabei ist die Botschaft doch so einfach und absolut konsensfähig:  Sonne genießen, solange es dem Körper und der Psyche nützt, die Sonne meiden, bevor zuviel des Guten ins Böse umschlägt. Das Chamäleon hat es uns doch vorgemacht …

Quelle:  Newswise/Environmental Working Group

Studie:  Brian Køster et al.,  Prevalence of sunburn and sun-related behaviour in the Danish population: A cross-sectional studyScandinavian Journal of Public Health, online vorab 19. Mai 2010

Mit Hautkrebs-Statistiken wird Politik gemacht, jedenfalls dermatologische Standespolitik.

Bei öffentlichen Veranstaltungen und Berichten, wie etwa jüngst bei den Erfolgsmeldungen zum Hautkrebs-Screening, machen die Hautkrebs-Daten plötzliche Sprünge um 60 oder gar 100 Prozent, einfach durch die Einbeziehung von Diagnosen, die bisher nicht als Hautkrebs definiert und statistische erfasst wurden.

Ziel dieser Manipulationen ist natürlich das Erschrecken des ahnungslosen Bürgers, der nun angstgeplagt seine Haut zu Markte, bzw. in die dermatologische Praxis trägt.

(Auf einem anderen dermatologischen Schlachtfeld, dem Feldzug gegen die Sonnenbank, geht es sogar noch heftiger zur Sache: Selbst Professoren der renommierten Charité in Berlin klagen vor der staunenden Presse über die Ungeheuerlichkeit,  dass die Hälfte aller 14jährigen Mädchen sich regelmäßig auf die Sonnenbank legen. Empirische Studien sprechen dagegen von Daten unter einem Prozent. Aber was sind 49 Prozentpunkte Irrtum angesichts einer gerechten Sache!).

Dass es viele Gründe jenseits von Sonne und Besonnung gibt, zeigt zum Beispiel die Aussage eines bekannte Mediziners: Wenn wir alle noch sehr viel älter würden, hätten wir am Ende alle einen Hautkrebs.

Diagnose: “Überdiagnose”

Einer anderen Quelle von statistischen Fehlinformationen nimmt sich dieser Tage eine umfassende Studie unter dem Begriff “Über-Diagnose” an.

Zwei Professoren der bekannten Dartmouth Medical School, in Hanover, USA, untersuchten die Auswirkungen verfeinerter und intensivierter diagnostischer Methoden bis hin zum flächendeckenden Screening einerseits und der dadurch drastisch ansteigenden Menge der Fehldiagnosen auf die Krebsstatistiken andererseits, unter anderem auch auf die Statistiken zum Hautkrebs.

Die auf diese Weise vor allem im Zeitverlauf aufgeblähten Statistiken betreffen am häufigsten die Diagnose “Prostata-Krebs” mit 60 Prozent “Überdiagnose”. Aber auch beim Melanom mit seit vielen Jahren steigenden Fallzahlen aber völlig unveränderten bzw. tendentiell rückgängigen Sterberaten legen die gemeldeten Ergebnisse große Vorsicht bei der Interpretation der nackten Daten nahe.

“Früherkennung hilft sicher manchen Patienten, andere dagegen werden durch voreilige Diagnosen geschädigt”, so die Autoren.

In einem Kommentar zur Studie heisst es im gleichen Heft: “Krebs ist eine ernste Krankheit, aber wir müssen neu definieren, was tatsächlich Krebs ist und was nicht.”

Die eindeutig erwünschten Vorteile einer Hautkrebs-Früherkennung durch flächendeckendes Screening und die auf diese Weise aufgeblähten Statistiken sollten aber in keinem Fall zu politischen Kampfparolen gegen das moderate und gesunde, für die Bekämpfung vieler “Volkskrankheiten” so unverzichtbare,  Sonnen im Freien oder im Solarium missbraucht werden.

Wie wirksam solche luftigen Kampfparolen sein können, zeigt die derzeitige Diskussion um die “Solarienverordnung”, die Ausführungsverordnung zum “Solariengesetz” vom August letzten Jahres, die mit solchen Begründungen aus einer notwendigen Rahmenverordnung für die Besonnungsbranche zu einem Strangulierungsinstrument für die künstliche Besonnung zu verkommen droht.

Quelle: ScienceDaily

Studie:  H. Gilbert Welch, William C. Black,  Overdiagnosis in CancerJournal of the National Cancer Institute, online vorab publiziert 22. April 2010

Vorschläge zur Lösung des “Überdiagnose-Problems”:

L. Esserman, I. Thompson,  Solving the Overdiagnosis Dilemma,  im gleichen Heft.

Professor Johan Moan

Professor Johan Moan

Where the sun does not shine – schwarzer Hautkrebs an Körperstellen, an die die Sonne nicht (hin)scheint gilt als Phänomen. Wissenschaftler aus Oslo und San Francisco haben das Auttreten des Scheidenmelanoms im Zusammenhang mit dem Auftreten des malignen Melanom untersucht und habe Überrachendes herausgefunden.

Forscher um den norwegischen Professor für Strahlenbiologie Johan Moan und den amerikanischen Vitamin D-Forscher William B. Grant entdecken die Möglichkeit einer protektiven Wirkung von Sonnenstrahlen gegen das maligne Melanom. An dieser Untersuchung waren die Abteilung Strahlenbiologie des Krebsforschungsinstituts im Universitätskrankenhaus Oslo, der Fachbereich Physik der Universität Oslo und das Sunlight, Nutrition and Health Research Center (SUNARC) in San Francisco, USA, beteiligt.

Intermittierende, also zeitweilige Sonnenexposition im Urlaub am Strand und Sonnenbrand sind Boten des bösartige schwarzen Hautkrebses (malignes Melanom). Maligne Melanome können aber auch an Körperstelen entstehen, die so gut wie nie Sonnenstrahlen ausgesetzt werden, z.B. den weiblichen Geschlechtsorganen. Bislang waren die Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und Melanomen an der Vulva nicht sehr umfangreich. Die Forscher aus Oslo und San Francisco haben zeitliche und breitengradbedingte Zusammenhänge zur Häufigkeit des Schwarzen Hautkrebses bei hellhäutigen Frauen kaukasischen Typs untersucht -  in Schweden, den neuen Bundesländern Deutschlands, in den USA und im Bundesstaat Vitoria in Australien.

Ergebnis dieser Untersuchungen war, das der Anteil der Scheidenmelanome an der Häufigkeitsrate des malignen Melanoms insgesamt sinkt. Die Anzahl der Fälle schwarzen Hautkrebses insgesamt hat zugenommen, während die Häufigkeit des Scheidenmelanoms im Betrachtungszeitraum konstant blieb, oder sogar rückläufig war. In den USA steigt die Zahl der Scheidenmelanome von Süden nach Norden, während die Häufigkeit des malignen Melanoms an Hautstellen, die der Sonne ausgesetzt sind, von Süden nach Norden abnimmt. Im Vergleich ihres Auftretens nach unterschiedlichen Breitengraden zeigen das maligne Melanom und das Scheidenmelanom also gegenläufige Entwicklungen. Immer, wenn die Häufigkeit des schwarzen Hautkrebses steigt – sowohl mit der Zeit als auch mit kleiner werdenden, südlichen Breitengraden, ein Zeichen also für eine stärkere Sonnenstrahlung – nimmt die Anteil der Scheidenmelanome an der Zahl des malignen Melanoms insgesamt ab.

Diese Erkenntnisse bekräftigen die Annahme, dass Scheidenmelanome nicht durch UV-Strahlen erzeugt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, das UV-Strahlung eine schützende Wirkung gegen das Scheidenmelanom hat – wahrscheinlich über ihre Rolle bei der Vitamin D-Photosythese in sonnenexponierter Haut. Diese Annahmen zu bestätigen bedarf aber weiterer Untersuchungen, so die Forscher.

Über die positive, oft sogar protektive Wirkung von UV-Licht auf, bzw. gegen verschiedene Krebsarten haben wir schon mehrfach berichtet – u.a. hier, hier, hier und unter diesem Link.

Quelle: Science Direct

Studie: Johan Moan, Alina C. Porojnicu, Arne Dahlback, William B. Grant, Asta Juzeniene, Where the sun does not shine: Is sunshine protective against melanoma of the vulva? Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology, In Press, Corrected Proof, online erhältlich

In ungewöhnlich deutlichen Worten distanzierte sich in diesen Tagen der niederländische „Gesundheitsrat“ (Dutch Health Council), das wissenschaftliche Beratungsgremium des Gesundheitsministeriums, von negativen Aussagen über Sonne und Solarien der Weltgesundheitsorganisation, WHO, und ihres wissenschaftlichen Beirats, IARC.

Die Einstufung der Solarien als “krebserregend” durch die Wissenschaftsagentur  im Juli dieses Jahres hatte eine beispiellose Medienlawine ausgelöst bis hin zu  Vergleichen von Sonnenbänken mit tödlichen Gasen und Giften.

Schon damals wiesen international renommierte Wissenschaftler auf Fehler und Schwächen in der Begründung und auf die einseitige Auswahl der Studien hin.

In einer Stellungnahme an die holländische Regierung wendet sich das Dutch Health Council sowohl gegen die Falschinformationen durch die Medien als auch gegen die wissenschaftlich fragwürdigen Behauptungen der IARC (International Agency for Research on Cancer):

  1. Die Aufnahme in die Top-Liste der “krebserregenden” Substanzen sage nichts über das Ausmass der Gefährdung und noch weniger über die Bedingungen und Voraussetzungen  unter denen überhaupt ein Krebsrisiko durch (künstliche) Besonnung entstehen könnte.
  2. Tatsächlich gäbe es keinen wissenschaftlich überzeugenden Grund, mäßiges und kontrolliertes  Sonnen im Freien oder im Solarium mit der Entstehung vor allem des gefährlichen “schwarzen” Hautkrebs, Melanom, in Verbindung zu bringen.
    Wörtlich:
    Der Gesundheitsrat ist der Ansicht, dass eine sichere Aussage über die Folgen der Solarien-Nutzung für die Ausbreitung des Melanoms nicht möglich ist.”  Zumindest müssten dann die genauen Umstände benannt werden, wie etwa die Nutzungshäufigkeit und -intensität, die Strahlendosis, Alter und Hauttyp sowie natürlich die Art der Strahlenquelle, etwa der Besonnungslampen.
  3. Das Wissenschaftsgremium der WHO habe außerdem einseitig auf die möglichen negativen Folgen der UV-Strahlen verwiesen, ohne die bedeutenden positiven Gesundheitswirkungen auch nur im Ansatz zu berücksichtigen.

Die Wissenschaftler verweisen auf die “10 Goldenen Regeln” für vernünftiges Sonnen, die der Rat schon vor Jahren formuliert hatte. Darín sehen sie  den kürzesten Weg zur
optimalen Balance zwischen dem positiven Gesundheitsnutzen der UV-Strahlen von Sonne und Sonnenbank einerseits und den Gefahren einer übermäßigen Besonnung andererseits.

Der Dutch Health Council ist das bedeutendste wissenschaftliche Beratungsgremium der Niederlande im Gesundheitbereich. Seine Studien, Stellungnahmen und Empfehlungen bilden häufig die inhaltliche Grundlage für Gesetzgebungsverfahren. Ihm gehören eine Reihe  renommierter Wissenschaftler von verschiedenen niederländischen Universitäten an.

Quelle:  Sunlight Research Forum (SRF)

Die Stellungnahme der Dutch Health Council: Advisory letter UV radiation and sunbeds, Download (PDF)

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