Archiv für die Kategorie 'Rachitis'

Rachitische Kinderbeine im Röntgenbild

Rachitis kehrt zurück. Foto: Science Photo

Seit 80 Jahren war die Rachitis in Westeuropa praktisch ausgestorben.  Jetzt scheint die “Knochenweiche” zurück zu kommen. Der Grund: Sinnlos übertriebene Warnungen vor den UV-Strahlen der Sonne und der Sonnenbank, finanzstarke Werbung für immer höher dosierten Sonnenschutz und veränderte Freizeitgewohnheiten der Kinder.

In langjährigen Beobachtungsstudien an der University of Southampton, England, stellte der Orthopäde Prof. Nicholas Clarke, und sein Kollege, der Pädiater und Endokrinologe Dr. Justin Davies, eine Knochenschwäche fest bei erschreckenden 20 Prozent der untersuchten Kinder. Prof. Clarke bezeichnete die Entwicklung als “erstaunlich”, da die Rachitis jetzt nicht mehr nur in den nördlichen Landesteilen auftrete. Den ganzen Beitrag lesen »

Kinder an der Sonne

Kinder und Jugendliche brauchen Sonne

Kinder sollten auch im Herbst täglich an die frische Luft, damit ihr Körper den Vitamin-D-Speicher etwas auffüllen kann.” Das rät der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte in einer Pressemitteilung im Vorfeld des Welt-Osteoporosetags.

Tatsächlich gelten Kinder (ab dem zweiten Lebenjahr) und Jugendliche als “Problemgruppe” für die Vitamin D-Versorgung (RKI).

Zwar zitiert die Meldung des BVKJ den Verbandspressesprrecher, Dr. Ulrich Fegeler: „Eine regelmäßige maßvolle Sonnenbestrahlung – ohne einen Sonnenbrand zu riskieren – ist für die Vitamin-D-Versorgung des Körpers wichtig… Kinder und Jugendliche, die selten ins Freie gehen, sind gefährdet, insbesondere im Winter an Vitamin-D-Mangel zu leiden“, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass im Spätherbst und Winter dieser Rat wirklungslos bleiben muss, da die UVB-Strahlen der tief stehenden Sonne von der Ozonschicht in der Atmosphäre ausgefiltert wird.

Die Alternative für Jugendliche nach der Pubertät, das Solarium, ist erst jüngst per “Solariengesetz” (NiSG) verboten worden.

Die Kinder– und Jugendärzte in den USA hatten bereits vor zwei Jahren die Verdopplung der Vitamin D-Richtwerte für Kinder und Jugendliche gefordert (wir haben darüber berichtet).

Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V.(auch als Audio-Datei)

Während die Vorbeugung vor Rachitis, sozusagen die klassische Gesundheitswirkung des Sonnenschein-Vitamins, in den entwickelten Ländern seine Bedeutung (fast) verloren hat, bleibt die Verformung der Knochen bei Kindern und Jugendlichen (med. Genu varum/valgum) ein oftmals nicht ausreichend beachtetes Phänomen.

Eine aktuelle französisch-moldawische Studie untersuchte 226 offensichtlich gesunde, europäische Heimkinder mit einer Fleisch- und Milch-armen Ernährung.  21 Prozent der Kinder mit einem ausgesprochenen Vitamin D-Mangel (<25 nmol/L)  litten unter einer Verformung der Beine und Füsse im Vergleich zu Heimkindern mit ausreichender Vitamin D-Versorgung. Vor allem im Winter und Frühjahr trat der Vitamin D-Mangel und im Zusammenhang damit bei 74 Prozent der Kinder mit unzureichenden Vitamin D-Werten (<50 nmol/L) ein akuter Kalzium-Mangel auf.

Quelle: PubMed

Studie: Laure Esterle et al., High prevalence of Genu varum/valgum in European children with low vitamin D status and insufficient dairy products/calcium intakes, European Journal of Endocrinology 2010, 25. August 2010 (vorab online veröffentlicht)

Sonnenschein Vitamin D für Mutter und Kind - Foto: Fotolia

Sonnenschein-Vitamin für Mutter und Kind - Foto: Fotolia

Damit es ein gesundes Baby wird: Ausreichend Sonnenschein-Vitamin tut not, während der Schwangerschaft – und auch schon davor!

Während der Schwangerschaft brauchen Frauen mehr Vitamin D. Das ist besonders wichtig sowohl zur Vorbeugung gegen Komplikationen bei der Geburt als auch für die Gesundheit des Neugeborenen.

Gerade in der Schwangerschaft aber leiden die Mehrheit der Frauen an einem akuten Vitamin D-Mangel, der dann oftmals nicht mehr ausreichend durch Vitamin D-reiche Ernährung oder Vitamin D Pillen ausgeglichen werden kann. Grund ist nach Meinung von US-Wissenschaftlern: zu wenig Sonne!

In einer umfangreichen aktuellen Studie hatten Forscher von der Medizinischen Universität von Colorado und von der Kinderklinik vopn Massachussetts, Boston, einen Vitamin D- Mangel bei 70 % der Schwangeren festgestellt.

Prof. Adit Ginde, Leiter der Studiengruppe: “Wir wissen längst, dass Vitamin D wichtig ist für die Knochengesundheit von Mutter und Kind. Aber wir haben eben erst angefangen, an der Oberfläche der vielen möglichen Gesundheitsvorteile von Vitamin D während der Schwangerschschaft  zu kratzen.”

Vor allem im “Vitamin D-Winter” (Oktober bis März) und bei Frauen in nördlichen Ländern, Frauen mit dunklerer Haut und religiös oder kulturell bedingter Kleidung, die den gesamten Körper bedeckt, ist das Problem besonders gravierend.

Die Empfehlung der Wissenschaftler: Frauen sollten möglichst Monate vor Beginn Ihrer Schwangerschaft auf ihren Vitamin D-Spiegel im Blut achten! Aufenthalt an der – natürlichen oder künstlichen – Sonne das ganze Jahr über, notfalls auch zusätzliche Einnahme von Vitamin D-Präparaten, immer allerdings nach Kontrolle des Vitamin D-Spiegels im Blut, könnten den Risiken durch einen Vitamin D-Mangel vor allem bei den Babies vorbeugen.

In den vergangenen Jahren hatten medizinische Studien nicht nur Rachitis, sondern auch Krankheiten wie Wachstumsstörungen, Atemwegserkrankungen, Multiple Sklerose oder Autismus mit einer mangelnden Vitamin D-Versorgung beginnend im Mutterleib in Verbindung gebracht.

Probleme bei der Geburt vermeiden

Über ähnliche Ergebnisse einer Studie an der Medizinischen Universität von South Carolina, USA, mit knapp 500 schwangeren Frauen, berichtete die Leiterin der Studie,  Prof. Carol L. Wagner, und Prof. Bruce W. Hollis, seit 30 Jahren in der Vitamin D-Forschung aktiv, beim Jahreskongress der Pediatric Academic Societies (PAS) in Vancouver, British Columbia, Canada.

Die Studie versucht, die optimale Vitamin D-Dosis in der Schwangerschaft zu bestimmen.

Dr. Wagner: “Ernährung allein reicht nicht aus für die optimale Versorgung, und wir gehen heutzutage nicht mehr annähernd so oft an die Sonne, wie es eigentlich nötig wäre!”

Die Teilnehmerinnen an der Studie waren in drei Gruppen eingeteilt worden. Die erste Gruppe erhielt eine zusätzliche Vitamin D-Gabe von 400 IE (Internationalen Einheiten), die zweite 2.000 IE und die dritte Gruppe 4.000 IE.  Regelmäßige Kontrollen sicherten die Teilnehmerinnen gegen mögliche Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen ab. Keine der Frauen zeigte negative Auswirkungen der Vitamin D-Supplementierung.

Wichtiger noch:
Je höher die Vitamin D-Einnahme war, desto geringer das Risiko von Geburts-Komplikationen, vor allem von Frühgeburten und Infektionen.

Quelle: Eurekalert, Science Daily, Science Direct

Studie: A. A. Ginde et al.,  Vitamin D insufficiency in pregnant and nonpregnant women of childbearing age in the United States, American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2010, 202 (5): 436.e1-436.e8 (PDF kostenlos)

Mother hugging her baby boy sonHäufige Ursache, schreckliche Wirkung:
Viele Schwangere leiden unter Vitamin D-Mangel und geben diesen Mangel an ihre Babies weiter. Obwohl Frauen in der Schwangerschaft zusätzlichen Bedarf an Vitamin D haben, vor allem in den Monaten von Oktober bis Ende März („Vitamin D-Winter“), scheuen sie oft vor Sonnenbädern oder Solarium-Besuchen zurück, aus der unbegründeten Angst, Ihr Baby durch die UV-Strahlen zu schädigen.

Der Vitamin D-Mangel aber erhöht das Risiko für die Neugeborenen erheblich, an Rachitis oder anderen Stoffwechselstörungen zu leiden.
Bei diesen Babies aber kommt es bei der Geburt oder einfach beim ganz normalem Umgang im Alltag zu Knochenbrüchen.

Kinderärzte vermuten dann unter Umständen eine Kindesmisshandlung und zeigen die entsetzten Eltern an. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

In seinem Newsletter greift der bekannte Vitamin D-Forscher Dr. John B. Cannell, Direktor des Vitamin D Council,  dieses leidvolle Thema auf in einer Antwort auf den Brief einer verzweifelten Mutter:

Newsletter der Vitamin D-Foundation in deutsche Übersetzung (gekürzte Fassung)

Newsletter der Vitamin D-Foundation in deutscher Übersetzung mit sämtlichen Links zu wissenschaftlichen Studien (ungekürzt)

Newsletter des Vitamin D-Council im Original (Englisch)

Mangel weit verbreitet

Heute veröffentlicht:
Eine Studie der Boston University School of Medicine untersuchte 459 Mütter mit ihren Neugeborenen und fanden: “Ein hoher Anteil der Kinder und Ihrer Mütter wiesen ein Vitamin D-Defizit auf.”  Die Vitamin D-Werte der Mütter in der Schwangerschaft seien offensichtlich nicht ausreichend, die angemessene Versorgung der Babies mit dem Sonnenschein-Vitamin sicherzustellen.

In diesem Weblog haben wir über Schwangerschaft und Sonnenschein-Vitamin hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Studie:  A. Merewood, M.F. Holick,  S. D. Mehta et al.,  Widespread Vitamin D Deficiency in Urban Massachusetts Newborns and Their Mothers, PEDIATRICS, vorab online 22. März 2010

Die soeben verabschiedete Änderung der  “Leitlinie Osteoporose” des Dachverbands Osteologie (DVO) stellt die präventive und therapeutische Bedeutung des Vitamin D in den Vordergrund. Damit wird den seit Jahren ständig zunehmenden wissenschaftlichen Einsichten in die entscheidend wichtige Funktion des “Sonnenschein-Vitamins” Rechnung getragen. Die Empfehlung für die wirksame Dosis bei einer Osteoporose-Behandlung mit Vitamin D wird in der neuen Leitlinie mehr als verdoppelt (von 800 auf 2.000 IE als Obergrenze).

Die “Deutsche Ärztezeitung” fasst in ihrer heutigen Ausgabe diese Richtlinien in einer “Empfehlung” für die Vorbeugung von Osteoporose zusammen:
Mindestens 30 Minuten täglich Sonnenlicht-Exposition von Armen und Gesicht zur Bildung von Vitamin D 3; wenn geringer: Supplementierung mit 800 bis 2000 IE Vitamin D 3 oral täglich oder einer äquivalenten Dosis mehrwöchentlich.

Nicht erwähnt wird hier die Tatsache, dass eine ausreichende “Sonnenlicht-Exposition” derzeit und bis weit in den März hinein garnicht möglich ist. Im “Vitamin D-Winter” von Mitte Oktober bis März sind durch den niedrigen Stand der Sonne und durch die Kleidung an den kühlen Tagen eine Vitamin D-Bildung in der Haut ausgeschlossen (s. unten: Vitamin D-Zähler).

Neben der Verabreichung von Vitamin D-Pillen – mit den bekannten Problemen – bleibt da nur der Gang ins qualitätsgeprüfte Sonnenstudio mit kompetenter Beratung und entsprechendem Besonnungsplan.

Der Text zu Vitamin D in der DVO-Leitlinie (Punkt 1) lautet:
Im Vergleich zu Kalzium (siehe unten) ist die Bedeutung von Vitamin D für die Basistherapie der Osteoporose noch zu wenig in der Bevölkerung bekannt. Vitamin D reguliert aber nicht nur die Aufnahme von Kalzium, sondern verbessert auch die neuromuskuläre Koordination und vermindert damit sehr wirksam Stürze beim älteren Menschen. Vitamin D3 wird überwiegend in der Haut unter Einwirkung des UV-Sonnenlichts gebildet. Um einen schweren Vitamin D3-Mangel zu vermeiden, genügt ein täglicher 20-minütiger Aufenthalt im Freien. Ein mäßiger Mangel lässt sich damit aber häufig nicht vermeiden. Bei allen Patienten mit einer Osteoporose wird deshalb eine generelle Supplementierung mit 800-2000 Einheiten Vitamin D3 täglich oder einer gleichwertigen Dosis in mehrwöchentlichen Zeitabständen empfohlen. Alternativ kann man auch die Blutkonzentration von 25-Hydroxy-Vitamin D3 messen und gezielt supplementieren. Diese sollte größer als 20 ng/ml sein.
Mit der bisher üblichen Dosen von 400-800 Einheiten Vitamin D3 täglich wird diese
Blutkonzentration oft nicht ausreichend erreicht
.”

Quelle: ÄrzteZeitung/DVO

Die DVO-Leitlinie (PDF)

Wer wissen will, ob die Sonne an diesem Tag und an diesem Ort Vitamin D in der Haut bilden kann – und wie lange Sie dazu brauchen würde, kann das hier mit einem interaktiven “Vitamin D-Zähler” überprüfen:
http://nadir.nilu.no/~olaeng/fastrt/VitD_quartMED.html

Rachitis durch SonnenmangelKinder in den nördlichen Provizen Kanadas, Kinder in Städten und Kinder mit dunkler Hautfarbe leiden überproportional häufig – auch heute noch! – an Rachitis.

Ein weiterer Grund: Die Mütter hatten während der Schwangerschaft nicht genügend Sonne und/oder Vitamin D in der Nahrung oder als Nahrungsergänzung bekommen. In diesen Fällen war auch ein nachträgliches Standardprogramm mit der Verabreichung von 400 IU (Internationalen Einheiten) Vitamin D an die Babies nicht ausreichend, um die Rachitis in Schach zu halten.

Das ist das Ergebnis einer Befragung von 2325 kanadischen Kinderärzten von 2002 bis 2004 im Rahmen des Canadian Paediatric Surveillance Programs, die Rachitis bei Kindern diagnostiziert hatten.

Quelle: PubMed

Studie: Leanne M. Ward et al., Vitamin D–deficiency rickets among children in Canada, CMAJ , 17. Juli 2007; 177 (2).

Foto: CMAJ/Autorenphoto