Archiv für die Kategorie 'Sonnenbank'

Mann und Frau in der Sonne - Kornfeld

Mittagssonne geniessen! Foto:Fotolia

Die Mittagssonne war mega-out! Jetzt ist sie wieder voll im Trend!

Mehr als 30 Jahre lang gehörte die Warnung vor der Mittagssonne, vor allem im Sommer, zum Mantra der Ratgeber-Redaktionen in sämtlichen Medien und natürlich bei den “Souffleuren” aus der “Anti-Sonne-und-Solarien”-Kamarilla mit ihren Sonnen-Angst-Kampagnen. 30 Jahre lang hat der falsche Rat:
“Meide die Mittagssonne um jeden Preis!
einen vernünftigen und gesundheitsfördenden Umgang mit der Sonne, mit ihren UV-Strahlen und mit der Vitamin D-Versorgung verhindert.

Jetzt wendet sich der Trend! Gesundheitsorganisationen und offizielle Stellen revidieren ihre Aussagen und Empfehlungen – und die Medien werden, wie immer, in einigem Abstand folgen. Der neue Rat:
“Nutze die Mittagssonne, mit Verstand!” Den ganzen Beitrag lesen »

Höherer Vitamin D-Spiegel durch Solarien-Nutzung

Sonnenbank-Nutzer haben es besser!

Wer regelmäßig auf einer Sonnenbank Vitamin D “tankt” hat einen deutlich höheren Vitamin D-Spiegel als alle anderen Mitbürger – auch wenn diese zu Vitamin D-Pillen greifen, Lebertran schlucken, fetten Fisch essen oder reichlich Milch trinken.

Zu diesem Ergebnis kommt eine kanadische Studie unter Leitung von Prof.  Dr. Gerry Schwalfenberg von der Universität von Alberta,  Kanada. Den ganzen Beitrag lesen »

spray on tan

Aufgesprüht: Die "bessere" Bräune? Foto Flickr/riz94107

Dass wissenschaftliche Studien nicht selten mit einem “Erkenntnisziel” und nicht “ergebnisoffen” durchgeführt werden, ist bekannt. Nicht immer aber wird das so deutlich wie in der jüngsten Pressekampagne in den USA, mit der wissenschaftliche Studien zum Einsatz von Selbstbräunern “vermarktet” werden. Selbstbräuner als Alternative zu, und Entwöhnungsvehikel für, Sonne und Solarium.

Ein Schwerpunktheft der renommierten Fachzeitschrift “Archives of Dermatology” lässt schon im Editorial keinen Zweifel am “Erkenntnisinteresse” aufkommen. Überschrift (Übers. d. Red.):
“Absichtliches Bräunen – Da ist mehr als ein Hammer notwendig, um das Verhalten zu ändern” (gemeint ist das Bräunen am Strand und im Solarium).

Die erste der beiden Studien zu diesem Thema im Heft gibt sich denn auch alle Mühe, den Effekt von “Aufklärung” (sprich: aufwändige Multi-Media-Kampagne für Selbstbräuner) über Selbstbräuner vs. Sonne und Solarien nachzuweisen:

Die Studie unter Leitung von Dr. Sherry L. Pagoto an der University of Massachusetts Medical School, Worcester, USA, begleitete einen Werbefeldzug für Selbstbräuner und meldet wissenschaftlich gestützen Vollzug:
Für die Studie wurden 250 Frauen beim Sonnen am Strand rekrutiert. Die Hälfte von ihnen wurden dann in einem Zelt am Strand von “Trainern” mit multimedialem “Informationsmaterial” und heftigem Zuspruch traktiert. Inhalt: Selbstbräuner sind gut, Sonne und vor allem Solarien sind lebensgefährlich.

Ihnen wurden zur Abschreckung UV-Tiefenphotographien von besonnter Haut mit deutlich markierten Sonnenschäden gezeigt, kostenlose Selbstbräuner und Sonnencremes wurden großzügig verteilt und die Probandinnen in den Gebrauch eingewiesen.

Die Gruppe der 125 nicht traktierten Frauen erhielten nur allgemein kosmetische Produkte ohne direkte Verbindung zu Sonnenschutz oder Selbstbräuner.

Über den Erfolg dieser Prozedur (“Gehirnwäsche” wäre sicher ein zu drastischer Ausdruck) berichten die Forscher mit spürbarem Stolz:
Bei der Befragung nach zwei Monaten hatten die bearbeiteten Teilnehmerinnen gegenüber den Frauen in der Kontrollgruppe den Verbrauch von Selbstbräunern deutlich gesteigert, ihren Aufenthalt an der Sonne spürbarer eingeschränkt, seltener einen Sonnenbrand erlitten und trugen häufiger schützende Kleidung.

Nach einem Jahr allerdings fielen die Kontrollen schon weit weniger erfreulich aus für die Selbstbräuner-Advokaten. Zwar bestand immer noch ein leichter Unterschied zwischen beiden Gruppen beim Sonnen im Freien oder im Solarium und auch beim Gebrauch von Selbstbräunern. Aber ausgerechnet bei den Sonnenbränden war ein Unterscheid nicht mehr auszumachen.  Die Autoren der Studie verhehlen ihre Enttäuschung darüber nicht.

Die zweite Studie, von Beginn an weniger “parteilich” angelegt und von bekannten WissenschaftlerInnen wie Prof. Vilma E. Cokkinides von der American Cancer Society, Atlanta, oder Prof. Martin A. Weinstock von der Brown University, Rhode Island, USA, geleitet ist noch weit weniger hilfreich für die Sache der Selbstbräuner-Promotoren.

Die Forscher befragten per Telefon 1.600 Jugendliche im Alter von 11 bis18 Jahren und deren Eltern nach ihre Gewohnheiten beim Aufenthalt an der Sonne, ihrem Selbstbräuner-Gebrauch, nach der Zahl der Sonnenbrände im vergangenen Jahr und nach ihrer Solariennutzung. Das erstaunliche und für die Dermatologen deprimierende Ergebnis:

Die Studie ergab zwar, dass fast 11 Prozent der Younsters Selbstbräuner nutzten. Aber gegen alle Erwartung waren das dieselben Leute, die auch am häufigsten ein Solarium nutzten (2,5 mal häufiger als Nicht-Nutzer von Selbstbräunern) und sich vor allem sehr viel häufiger am Strand einen Sonnenbrand zuzogen (5 oder mehr Sonnenbrände pro Sommer). Auf den Einsatz von Sonnenschutzmitteln hatte der Gebrauch von Selbstbräunern keinen Einfluss.

Bescheiden dann auch die Schlussfolgerung. Prof. Cokkinides: “Wenn jemand rasch  gut aussehen will für die Abschlussfeier, dann könnten Selbstbräuner hilfreich sein und den Einsatz von Solarium oder von längerem Aufenthalt am Strand verhindern.”

Quelle: PubMed, Eurekalert, Science Daily

Studien:
Sherry L. Pagoto et. al., A Beach Randomized Trial of a Skin Cancer Prevention Intervention Promoting Sunless Tanning, Archives of  Dermatology, 2010;146(9):979-984.

Vilma E. Cokkinides et al., Use of Sunless Tanning Products Among US Adolescents Aged 11 to 18 Years, Archives of Dermatology, 2010;146(9):987-992

Editorial:  June K. Robinson, Joel Hillhouse, Rob Turrisi, Intentional Tanning – More Than One Hammer Needed to Change Behavior, Arch Dermatol. 2010;146(9):1029-1030

Sonne im Winter

Mehr Sonne und Solarium im Norden

Es gibt eine Art “Vitamin D-Notstand” weltweit,  das ist inzwischen nicht mehr umstritten und selbst die Dermatologenverbände nähern sich dem Problem, wenn auch mit spitzen Fingern. Für Deutschland hat das “regierungsoffizielle” Robert-Koch-Institut (RKI) die Unterversorgung von rund 60 Prozent der Bevölkerung festgestellt (im “Vitamin D-Winter” noch deutlich mehr). Die Folgen sind gravierend für viele, vor allem chronische, Erkrankungen.

Die Frage, was wäre wenn …? Wenn alle Menschen einen optimalen Vitamin D-Spiegel im Blut hätten.

Dieser Frage sind jetzt zwei der bekanntesten Vitamin D Forscher, Prof. William B. Grant, SUNARC, und Prof. Johan E. Moan, vom Physikalischen Institut der Universität Oslo, für die Skandinavischen Länder nachgegangen. Auf Basis der umfangreichen Literatur entwickelten sie ein Modell für die Wirkung unterschiedlicher Blutwerte/Dosierungen des Sonnenschein-Vitamins bei den unterschiedlichsten Erkrankungen, bei denen diese Wirkung bisher verlässlich nachgewiesen wurde.

Um wieviel geringer würde, so die Frage, die allgemeine Sterberate ausfallen bei  einem als optimal angenommenen Wert von 105 nmol/L für das Vitamin D-Serum (25 (OH)D) im Bevölkerungsdurchschnitt? Wieviel länger also würden die Skandinavier bei optimaler Vitamin D-Versorgung leben können?

Verblüffende Antworten: Die Dänen um 17 Prozent (zwischen 11%–24%), die Finnen um 24 Prozent (17%–32%), die Isländer um ebenfalls 24 Prozent (17%–32%); die Norweger um 18 Prozent (11%–26%) und die Schweden um ebenfalls 18 Prozent (8%–25%).

Allerdings, so betonen die Autoren der Studie, wäre die Voraussetzung dafür ein radikales Umdenken von Regierungen und Verbänden und eine Neubewertung im Umgang mit Sonne und Solarium, bei der Anreicherung von Nahrungsmitteln (wie In USA etwa bei der Milch) und bei den Nahrungsergänzungsmitteln.

Im Vergleich zu den derart umfassenden gesundheitlichen Vorteilen sei die Gefahr bei vernünftiger Nutzung von Sonne und Solarium verschwindend gering und die Gefahr der Überdosierung bei den Nahrungsergänzungen zu vernachlässigen.

Quelle: HighWire

Studie:  William B. Grant, Asta Juzeniene, Johan E. Moan,  Health benefit of increased serum 25(OH)D levels from oral intake and ultraviolet-B irradiance in the Nordic countries, Scandinavian Journal of Public Health, 3. September 2010 (vorab online veröffentlicht)

Österreich verbietet Sonnen im Solarium für Jügendliche

Geht nicht mehr für Jugendliche

Seit heute gilt auch in Österreich, was schon seit einem Jahr für Deutschland Gesetz ist: Kein Sonnenbad im Solarium für Minderjährige. In Österreich reichte dafür eine Verordnung. Zuständig: das Familienministerium.

Niedriger hängen auch die Strafandrohungen: Bis zu 2.180 Euro zahlt, wer von den Gewerbebehörden dabei ertappt wird, dass er Jugendlichen unter 18 die Benutzung der Sonnenbänke erlaubt.

Für selbstbediente Solarien auch in Schwimmbädern und Hotels wird eine Eingangskontrolle per Chipkarte verpflichtend. Anders als im Entwurf der deutschen “Solarienverordnung” ist die Anwesenheit von Fachpersonal nicht gefordert.

Mit dieser Verordnung hat auch in Österreich die “Angstkarte” gestochen: Die wissenschaftlich zweifelhafte und in den Medien darüber hinaus noch falsch interpretierte IARC-Aktion mit der Einordnung der Solarien als “krebserregend” – zusammen mit der Natursonne, dem Rotwein, gesalzenem Fisch aber auch Arsen und Giftgas – war offensichtlich politisch kurzfristig überzeugender, als die Argumente der anderen Seite für eine Begrenzung etwa bei 16 Jahren, die z.B. darauf verweisen konnte, dass

  • die Jugendlichen eine der Problemgruppen in der Versorgung mit dem lebenswichtigen Vitamin D darstellen und
  • gerade in diesem Alter die Grundlagen für spätere chronische Erkrankungen, wie typischerweise die Osteoporose, gelegt werden, deren Ursache ganz wesentlich mit einem Mangel an Sonnenschein-Vitamin zusammenhängt.

Wenn diese chronischen Krankheiten zuschlagen, sind die Politiker längst nicht mehr im Amt, die mit ihrer “Solarienverordnung” ihren Beitrag dazu und zu den exponentiell wachsenden Belastungen der Gesundheitssysteme geleistet haben. Die Angst aber vor dem Hautkrebs ist heute allgegenwärtig – und könnte heute Wahlen beeinflussen.

(Fakten in Stichworten zu “Sonne, UV-Strahlungen, Jugendliche“)

Quelle: APA

Darauf haben manche lange gewartet! Nach Dutzenden von Versuchen mit äusserst schütteren Ergebnissen kommt jetzt eine großangelegte Studie mit der Botschaft:  Solarien verursachen “schwarzen” Hautkrebs, und zwar je öfter und je länger desto mehr.

Schon die medienwirksame Einordnung der Solarien als “definitiv krebserregend” durch die IARC vor knapp einem Jahr stand auf äusserst schwachen wissenschaftlichen Füssen: Nur vier von 19 Studien hatten in einer Meta-Studie überhaupt statistisch relevante Ergebnisse in dieser Richtung erbracht – und hatten dabei zum Teil wichtige andere Faktoren außer Acht gelassen.

Dennoch erschreckten IARC, WHO und Medien die Menschen mit der Aussage, das Melanom-Risiko steige bei Solarium-Gebrauch vor dem 35. Lebensjahr um 75 Prozent. Dass damit das tatsächliche , absolute Risiko immer noch deutlich unter 0,1 Prozent lag, die Steigerung also winzig ausfiel, blieb wohlweislich unerwähnt.

Zudem geriet die einseitige Auswahl der Studien und andere methodische Probleme sehr schnell unter Beschuss von internationalen Experten.  Die Absicht hinter den Ergebnisformulierungen der Studien-Autoren war nur allzu deutlich.

Das gilt nun auch verstärkt für die jetzt vorgelegte Studie, die einst von einem der Geldgeber mit dem Auftrag auf die Reise geschickt wurde “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können” (Übers. durch die Red.).

Das Forschungsprojekt aus dem mittleren Westen der USA, dem Bundesstaat Minnesota, mit 2,268 Teilnehmern versucht seit 2004 einen Zusammenhang von künstlicher Besonnung und “schwarzem” Hautkrebs, dem Melanom, herzustellen. Basis ist eine umfangreiche schriftliche und telefonische Befragung über das Verhalten an der Sonne, über die Nutzung von künstlicher Besonnung und über die Art der Besonnungsgeräte  rückwirkend bis in die 80ger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Das Ergebnis: Bei Menschen, die irgendwann einmal eine Sonnenbank genutzt hatten, erhöhte sich, laut Studie, das Risiko, an einem Melanom zu erkranken, um 74 Prozent. Bei häufiger und längerer Nutzung sogar um das Dreifache.

Allerdings war es dabei gleichgültig, wann die Person mit der Solarium-Nutzung begonnen hatte. Damit widersprechen die Ergebnisse den bisherigen Annahmen, dass besonders die Solarium-Nutzung durch Jugendliche das Krebsrisiko erhöht.

Erst bei der genauen Analyse der veröffentlichten Daten findet man in dieser Studie Ergebnisse, die in der Zusammenfassung und Diskussion durch die Autoren tunlichst in einen Nebensatz verdrängt werden.

So stellt sich heraus (wie ähnlich auch in früheren Studien), dass Menschen mit regelmäßigem oder berufsbedingtem Aufenthalt an der Sonne weniger häufig an einem Melanom erkranken, als Menschen, die sich selten an der Sonne aufhalten. Mehr Sonne – weniger “schwarzer” Hautkrebs!

Interessant und ebenfalls in der Auswertung unerwähnt:  Regelmäßige und intensive Nutzung von Sonnenschutzmitteln führt nicht zu weniger sondern zu erheblich mehr Melanom-Fällen (auch darüber haben wir kürzlich berichtet).

Hier bestätigen sich denn auch die Zweifel an der “Neutralität” dieser Studie, ebenso wie bei der medienwirksamen Formulierung der Zusammenfassung. Dort wird mit “relativen” statt mit “absoluten” Risiken gearbeitet. Was das heisst und wie sich das auswirkt, lässt sich am besten am Beispiel erläutern.

Der Glaube an die Statistik, die man ….

Nehmen wir an, das Risiko, bei einem Spaziergang auf einem städtischen Bürgersteig von einem fallenden Dachziegel getroffen zu werden, sei 0,002 Prozent. Heisst: bei 100.000 Spaziergängen kommt es zu zwei Ziegeltreffern.

Nun findet eine wissenschaftliche Studie heraus, dass schon bei Windstärke 5 sich das Dachziegel-Unfallrisiko um erschreckende 75 Prozent erhöht.

Am nächsten Tag liest man in BILD:  “Tod vom Dach! Bei leichtem Wind 75 Prozent mehr Füßgänger tödlich getroffen.”

Politiker fordern schärfere Dachkontrollen und Meisterbriefe für jeden Dachdecker. Die Leute trauen sich jenseit von Windstärke 4 nicht mehr aus dem Haus – mit unabsehbaren Folgen für Wirtschaft und Volksgesundheit.

Und in Wirklichkeit?

Selbst wenn die Ergebnisse der Studie korrekt sind, wird bei höheren Windstärken aus einem minimalsten Risiko von 0,002 Prozent ein fast ebenso minimales Risiko von 0,0035 Prozent.

In anderen Worten: Viel Wind um (fast) nichts!

So auch hier

Ähnliche Zweifel und eine ganze Reihe zusätzlicher Einwände können auch für die Minnesota-Studie geltend gemacht werden. Nur einige davon sollen hier kurz erwähnt werden:

  1. Die Studie ist entstanden aus einem größeren Studienprojekt mit dem klaren Auftrag, “Instrumente zu entwickeln, mit denen die Nutzung von Solarien entmutigt werden können.” So einer der Geldgeber, das National Cancer Institute. Das Endurteil war damit bereits in den Studienansatz “eingebaut”.
  2. Mit diesem Auftrag wurden nach den schriftlichen Interviews Telefongespräche geführt, zur Hälfte mit Menschen, die inzwischen an einem Melanom erkrankt waren.  Bei “richtiger” Befragung neigen derart Betroffene dazu ihre Erinnerung an frühere Sonnenbank-Nutzung und Zeiten den Bedingungen anzupassen,  zumal wenn ihnen die Sonnenbank als “Schuldiger” für ihren Zustand vorab suggeriert worden war.
  3. Die Studie beschränkt sich auf den Staat Minnesota. Ausgerechnet dieser Staat zeichnet sich aus durch einen weit überproportionalen Anteil an Menschen nordeuropäischer Herkunft. Der besonders gefährdete Hauttyp 1 ist daher hier sehr viel häufiger vertreten als im Rest der Bevölkerung.
  4. Erinnerungen an so unwichtige Ereignisse wie das Sonnenbaden im Freien oder im Sonnenstudio, oder gar deren Länge und Häufigkeit, sind nach 20 Jahren und mehr eher zufällig. Dass darüber hinaus auch noch der Gerätetyp aus z.B. dem Jahr 1990 korrekt erinnert wird, ist unwahrscheinlich. Auf solchen Erinnerungen aber basiert diese Studie.
  5. Statistiken der Verbände zur Solarium-Nutzung im Staat Minnesota weisen einen Anteil von 10 Prozent an der Bevölkerung insgesamt aus. Die Studie aber entdeckte einen Anteil von 62 Prozent Solariennutzer bei der vom Melanom betroffenen Gruppe und 51 Prozent in der zufällig ausgewählten Vergleichsgruppe. Eine derartige Differenz, selbst bei ungenauen Daten, ist bei einer repräsentativen Auswahl ausgeschlossen. Hier wurde also vermutlich “vorselektiert”.
  6. Wenn es richtig ist (wie die Studie ausweist), dass regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne das Melanom-Risiko eher senkt als steigert, die UV-Strahlen der Sonne sich aber nicht bzw. nur in der Zusammensetzung, von den UV-Strahlen des Solariums unterscheiden, ist die Risiko-Steigerung gerade bei regelmäßiger Sonnenbank-Nutzung nicht schlüssig erklärbar. Zwei Ergebnisse der gleichen Studie widersprechen sich also unmittelbar an dieser Stelle.
  7. In der Studie selbst, vor allem aber in dem jetzt anlaufenden Medien-Echo wird durchgängig mit “relativen” statt “absoluten” Risiken argumentiert. Unser Beispiel oben zeigt, wieviel dramatischer sich die Ergebnisse auf diese Weise darstellen lassen. Tatsächlich liegt das absolute Risiko, an einem Melanom zu erkranken in den USA bei weniger als  o,3 Prozent – und unterscheidet sich nach anderen Studie kaum zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern von Solarien. Da die Studie nur Menschen bis zum Alter von 59 Jahren einbezieht, das Melanom aber eine typische Alterskrankheit ist, liegt folglich das absolute Risiko einer Melanom-Erkrankung in den untersuchten Altersgruppen noch sehr viel niedriger als im Durchschnitt der gesamten Bevölkerung.
  8. In der Melanom-Gruppe befinden sich mehr als dreimal so viele Menschen mit vielen oder sehr vielen Muttermalen wie in der Vergleichsgruppe und immerhin ein Viertel mehr Menschen mit mehr als 5 schweren Sonnenbränden im Freien. Beides, Anzahl der Muttermale und Sonnenbrände, sind typische Risikofaktoren für ein Melanom. Mit Solarium haben sie nichts zu tun!
  9. Obwohl in der Studie viele andere Melanom-Risiken genannt und ausgeschlossen werden, bleiben die erstaunlichen Daten zu einem Zusammenhang von Sonnenschutzmitteln und Melanom unberücksichtigt. Dabei erhöht sich, laut Daten der Studie selbst, das Melanom-Risiko durch Sonnenschutz-Gebrauch um ganze 35 Prozent.

Trotz solcher und anderer Einwände bleiben die Ergebnisse der Studie bedenklich, im wahrsten Sinne des Wortes.  Andererseits sagt eine Studie mit Erinnerungsdaten aus der Vergangenheit – über die gesamte Entwicklungsgeschichte der künstlichen Besonnung hinweg – sehr wenig über die aktuelle tatsächliche oder vermeintliche Gefährdung durch moderne Solarien oder über künftige Entwicklungen.

Mit den Rahmenbedingungen durch Normen, Gesetz und Verordnungen, wenn sie realistisch ausgestaltet und angemessen kontrolliert werden, ist für die Zukunft eine Gefährdung so gut wie auszuschließen – falls es denn in der Vergangenheit eine gegeben haben sollte.

Quellen:  Science Daily/HighWire/SmartTan

Studie:  DeAnn Lazovich et al., Indoor Tanning and Risk of Melanoma: A Case-Control Study in an Highly Exposed Population, Cancer Epidemology, Biomarkers & Prevention,  online vorab publiziert, 26. Mai 2010

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Sonne macht glücklich - und süchtig?

Sonnenbank macht süchtig!

Ähnlich wie das Monster von Loch Ness taucht dieses Thema jedes Jahr um diese Zeit wieder auf.  Die erste Studie dazu datiert von 2004.  Seither kommt jedes Jahr eine neue dazu.  Das Kind hat sogar damals einen Namen bekommen: Tanerexia, vom Englischen “to tan”, bräunen.
Die Autoren machen garkein Hehl daraus, worum es ihnen geht: Die Sonnenbank-Nutzung als geistige Verwirrung zu qualifizieren und ein Verbot zu rechtfertigen.

Was aber steckt wirklich hinter den tatsächlich ganz interessanten Ergebnissen:
Die Sonnenstrahlen haben – das ist ja nicht überraschend – eine vitalisierende, stimmungsaufhellende Wirkung. Diese Wirkung kommt auf zwei Wegen zustande. Verkürzt gesagt

  1. durch das sichtbare Licht, das die Produktion des “Glückshormons” Serotonin und von Endorphinen  im Hirn stimuliert und die Menschen heiterer werden lässt – hallo  Frühling!
  2. durch das UV-Licht (UVB), das über die Haut das lebenswichtige Vitamin D im Körper aus Cholesterol herstellt. Dieses Vitamin D in seiner aktiven Form hat seinerseits erhebliche Auswirkungen auf die Hirnfunktionen und auf die Serotonin-Stimulierung.

Also: Sonne macht glücklich. Und da der Mensch nun mal süchtig ist nach Glücksgefühlen, liebt er die Sonne – gelegentlich auch zu sehr, Folge: Sonnenbrand.

Auf der Sonnenbank funktioniert nur die zweite Wirkungsweise der Sonnenstrahlen, nämlich die UVB-Produktion von Vitamin D.  Insofern macht die Sonnenbank zwar auch süchtig nach Sonnen-Glück, die Sonne aber sogar doppelt, mit ihrem sichtbaren und dem UV-Licht.

Sollten wir also die Sonne abschaffen? Oder die Sonnenbank? und überhaupt alles, was uns Glücksgefühle verschafft und daher süchtig macht? Sex zum Beispiel, oder Schokoklade (wann kommt die erste Studie zu Schokolexia?)?

Wohl kaum, denn das wäre tödlich! Die Natur nämlich steuert uns listig über die Glücksgefühle zu Tätigkeiten, die wir für`s Überleben brauchen. Und dazu gehört der Aufenthalt an der Sonne und das Vitamin D.  Zugegeben, nicht unbedingt das Sonnen auf der Sonnenbank, aber als Sonnenersatz kann sie sehr wohl einspringen, beim Glücksgefühl wie beim Vitamin D.

Und da das Vitamin D eine unglaubliche Fülle von Funktionen im Körper steuert und so zum Beispiel Schmerzen (Muskelschmerz, unspezifische Schmerzen: Fibromylagie) lindert und verhindert, kann es ja nicht verwundern, dass der Mensch auch “süchtig” wird nach Schmerzfreiheit, oder Osteoporose-Freiheit, oder Diabetes-Freiheit etc. etc. , alles Wirkungen ausreichender Vitamin D-Versorgung.

Was sagt uns das? Brüder (und natürlich Schwerstern) zur Sonne….!

Quelle: pte

Studie:  Catherine E. Mosher et al., Addiction to Indoor Tanning – Relation to Anxiety, Depression, and Substance Use, Archives of Dermatology, vol. 146 No. 4, April 2010

dalli

John Dalli, Eu-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz

Für die Presse war es wieder einmal ein gefundenes Fressen und einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht so genau ins Maul.

Jede siebte Sonnenbank macht krank“,  “Sonnenstudios gefährden die Gesundheit”, “Burn Baby Burn: Strahlende Sonnenbänke“, “Neueste Horrormeldung…” – es rauschte mal wieder im deutschen Blätterwald, und wie so oft bei diesem Thema spielten die Fakten eine eher untergeordnete Rolle. Was war passiert?

Der neue EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, John Dalli, hatte in Brüssel eine Erhebung aus den letzten beiden Jahren vorgestellt, bei der sich zeigte, dass knapp 15 Prozent der europaweit untersuchten Sonnenstudios nicht den neuen EU-Bestimmungen (Euronorm) zum Beispiel über Bestrahlungsstärken von 0,3 W/m² entsprachen.

Hätten nun die deutschen Medien und Presseagenturen genauer hingeschaut, wäre ihnen aufgefallen, dass

  1. diese neuen EU-Regulierungen, vor allem die o,3 W/m² für alle Geräte,  in Deutschland überhaupt noch nicht gelten. Das passiert erst mit der Verabschiedung der noch in Arbeit befindlichen Verordnung zum sog. “Solariengesetz” vom Juli vergangenen Jahres, und u.a. aus diesem Grund,
  2. in Deutschland nur ganze zwei (2) Studios, davon ein Selbstbedienungsstudio, in die Untersuchung einbezogen worden waren, und dass sich folglich
  3. das Entsetzen über die Verfehlung eines nicht gültigen Standards durch 0,04 Prozent der deutschen Sonnenstudios sich eigentlich in Grenzen halten sollte.

Soviel journalistische Sorgfalt, dass auch noch der Unterschied zwischen Bestrahlungsstärke und der für die Wirkung ausschlaggebenden Bestrahlungsdosis berücksichtigt würde, mag man den überlasteten Redakteuren erst garnicht zumuten. Dass

  • zwei Stunden in der Mittagssonne am Ballermann mehr Schaden in der Haut anrichten und weniger positive Wirkungen wie etwa Vitamin D-Synthese bewirken kann als
  • 10 Minuten auf einer Sonnenbank mit 0,6 W/m²

ist allerdings auch ohne umfassende Recherche nachvollziehbar.

Erst garnicht erwähnt wird die auch vom EU-Kommissar ausdrücklich gewürdigte Tatsache, dass sich die Solarienverbände, vertreten durch die European Sunlight Association (ESA), seit Jahren aktiv und in enger Kooperation mit der europäischen Kontroll-Initiative PROSAFE im Rahmen der “Joint Action on Sunbeds (JAS)” an der Entwicklung und Durchsetzung einheitlicher Regularien in Europa beteiligt hat.  Ein einheitlicher Standard und durchsichtige Kontrollmechanismen sind – leicht nachvollziehbar – durchaus auch im Interesse der europäischen Solarienbranche! (Hier die Stellungnahme der ESA dazu).

Nun mangelt es sicher am deutschen Besonnungmarkt – wie in allen anderen Branchen auch – nicht an “schwarzen Schafen”, die sich auch nach der offiziellen Einführung von allgemein akzeptierten Standards als anpassungsresistent erweisen werden.  Aber das kann dann erst nach Einführung der Standards durch Kontrollen festgestellt und dann – sicher wieder mit dramatisch-semantischem Aufwand – von den einschlägigen Medien beklagt werden.

Quelle: Pressemeldungen EU-Kommission und ESA/diverse Veröffentlichungen in der Tagespresse

Winter-Sonne reicht nicht

Winter-Sonne reicht nicht Foto: iStockphoto

Vitamin D-Mangel ist weit verbreitet in der deutschen Bevölkerung. Vor allem im Vitamin D-Winter (bei uns zwischen Oktober und März) trifft es viele der „Problemgruppen“, vor allem die Alten und die Jugendlichen. Eine Unterversorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D bei 80 Prozent dieser Gruppen hat dramatische Auswirkungen vor allem auf chronische Erkrankungen und „Volkskrankheiten“ wie Osteoporose, Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs und Infektionskrankheiten, Demenz und Depression.

Die Kosten für das Gesundheitssystem gehen in die Milliarden. Kosten, die vermeidbar wären. Die im Winter fehlenden UVB-Strahlen der Sonne lassen sich nämlich durch künstliche Besonnung problemlos ersetzen. Schon mit einer kleinen Serie von UVB-Bestrahlungen oder Bestrahlungen mit Sonnen-ähnlichen Geräten kann eine erhebliche Verbesserung des Vitamin D-Spiegels erreicht werden.

Bei dem besonders langen Winter im hohen Norden ist es nicht verwunderlich, dass sich vor allem auch finnische Wissenschaftler mit dieser Möglichkeit beschäftigen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Ein Forschergruppe aus Lahti im finnischen Norden testeten mit 56 gesunden Frauen aller Altersgruppen die Wirkungen einer Bestrahlung mit ausschließlich UVB und alternativ mit simulierten Sonnenstrahlen auf die Vitamin D-Bildung über die Haut.

77 Prozent der Frauen wiesen zu Beginn der Versuche einen Vitamin D-Mangel (weniger als 50 nmol/L) und 11 Prozent sogar einen schweren Mangel (weniger als 25 nmol/L) aus.

Schon nach sieben Bestrahlungen mit insgesamt 13 SED (Standard Erythema Units) auf den gesamten Körper war der Vitamin-d-Spiegel um 11,4 nmol/L gestiegen, bei der Bestrahlung nur von Gesicht und Armen immerhin um 1,0 nmol/L. Bei den Bestrahlungen mit sonnenähnlichem Licht erhöhte sich der Spiegel im Durchschnitt um 3,8 nmol/L.

Selbst bei Messungen nach zwei Monaten lag der Vitamin D-Spiegel der UVB-bestrahlten Gruppe noch deutlich über der der nicht bestrahlten Kontrollgruppe.

Es hat sich gezeigt, dass schon eine kurze, niedrig dosierte UVB-Bestrahlung die Vitamin D-Versorgung im Winter deutliche verbessern kann,“ so fassen die finnischen Wissenschaftler das Ergebnis Ihrer Tests zusammen.

Über ähnliche Ergebnisse hatten wir hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Quelle: Highwire

Studie: K. Vähävihu et al., Narrow-band UVB course improves vitamin D balance in women in winter, British Journal of Dermatology 2010, Jan 22. (online vorab veröffentlicht)

In ungewöhnlich deutlichen Worten distanzierte sich in diesen Tagen der niederländische „Gesundheitsrat“ (Dutch Health Council), das wissenschaftliche Beratungsgremium des Gesundheitsministeriums, von negativen Aussagen über Sonne und Solarien der Weltgesundheitsorganisation, WHO, und ihres wissenschaftlichen Beirats, IARC.

Die Einstufung der Solarien als “krebserregend” durch die Wissenschaftsagentur  im Juli dieses Jahres hatte eine beispiellose Medienlawine ausgelöst bis hin zu  Vergleichen von Sonnenbänken mit tödlichen Gasen und Giften.

Schon damals wiesen international renommierte Wissenschaftler auf Fehler und Schwächen in der Begründung und auf die einseitige Auswahl der Studien hin.

In einer Stellungnahme an die holländische Regierung wendet sich das Dutch Health Council sowohl gegen die Falschinformationen durch die Medien als auch gegen die wissenschaftlich fragwürdigen Behauptungen der IARC (International Agency for Research on Cancer):

  1. Die Aufnahme in die Top-Liste der “krebserregenden” Substanzen sage nichts über das Ausmass der Gefährdung und noch weniger über die Bedingungen und Voraussetzungen  unter denen überhaupt ein Krebsrisiko durch (künstliche) Besonnung entstehen könnte.
  2. Tatsächlich gäbe es keinen wissenschaftlich überzeugenden Grund, mäßiges und kontrolliertes  Sonnen im Freien oder im Solarium mit der Entstehung vor allem des gefährlichen “schwarzen” Hautkrebs, Melanom, in Verbindung zu bringen.
    Wörtlich:
    Der Gesundheitsrat ist der Ansicht, dass eine sichere Aussage über die Folgen der Solarien-Nutzung für die Ausbreitung des Melanoms nicht möglich ist.”  Zumindest müssten dann die genauen Umstände benannt werden, wie etwa die Nutzungshäufigkeit und -intensität, die Strahlendosis, Alter und Hauttyp sowie natürlich die Art der Strahlenquelle, etwa der Besonnungslampen.
  3. Das Wissenschaftsgremium der WHO habe außerdem einseitig auf die möglichen negativen Folgen der UV-Strahlen verwiesen, ohne die bedeutenden positiven Gesundheitswirkungen auch nur im Ansatz zu berücksichtigen.

Die Wissenschaftler verweisen auf die “10 Goldenen Regeln” für vernünftiges Sonnen, die der Rat schon vor Jahren formuliert hatte. Darín sehen sie  den kürzesten Weg zur
optimalen Balance zwischen dem positiven Gesundheitsnutzen der UV-Strahlen von Sonne und Sonnenbank einerseits und den Gefahren einer übermäßigen Besonnung andererseits.

Der Dutch Health Council ist das bedeutendste wissenschaftliche Beratungsgremium der Niederlande im Gesundheitbereich. Seine Studien, Stellungnahmen und Empfehlungen bilden häufig die inhaltliche Grundlage für Gesetzgebungsverfahren. Ihm gehören eine Reihe  renommierter Wissenschaftler von verschiedenen niederländischen Universitäten an.

Quelle:  Sunlight Research Forum (SRF)

Die Stellungnahme der Dutch Health Council: Advisory letter UV radiation and sunbeds, Download (PDF)

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