Archiv für das Tag 'Mortalität'

Finnland-Sonne

Die Sonne macht sich rar in Finnland Foto: iStockphoto

In Finnland leben Menschen mit einer ausreichenden Vitamin D-Versorgung deutlich länger als Menschen mit einem Vitamin D-Defizit.  Besonders ausgeprägt der Unterschied bei Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber auch bei allen anderen Todesursachen ergab sich in der Studie der Universität von Ost-Finnland eine Verdoppelung des Sterberisikos im Untersuchungszeitraum (mehr als neun Jahre) zwischen dem Drittel der Probanden mit den höchsten Vitamin D-Werten und der Gruppe mit dem niedrigsten Serum-Spiegel. Den ganzen Beitrag lesen »

Ein Vitamin D-Mangel erhöht die Gefahr für Dialyse-Patienten, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben um fast das Dreifache.

In einer deutsch-niederländischen Untersuchung mit den Daten von fast 800 Dialyse-Patienten der holländischen NECOSAD-Studie im Alter zwischen 45 und 75 Jahren konnte der Nachweis geführt werden, dass ein Vitamin D-Spiegel unterhalb von 10 ng/ml das Sterberisiko insgesamt verdoppelte. Das Risiko für eine tödliche Herzkrankheit aber lag noch wesentlich höher.

Die Autoren fordern dringend klinische Studien, die diese Ergebnisse bestätigen könnten.

Gleichzeitig belegt eine spanische Studie den Einfluss von Vitamin D auf die Verkalkung der Blutgefäße und damit eine der wichtigsten Todesursachen bei fortgeschrittener Diabetes. Von 210 untersuchten Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz wiesen lediglich 18 Prozent einen normalen Vitamin D-Spiegel (>30 ng/ml) im Blut auf. Nur 14 Prozent waren ohne Verkalkung der Herzkranzgefäße. Je stärker der Vitamin D-Mangel, desto deutlicher die Verkalkung der Gefäße.

Forscher an der Universität Bratislava, Slowakei, fanden bei einer Untersuchung von 120 Patienten mit chronischem Nierenleiden im frühen Stadium einen deutlichen Zusammenhang von Vitamin D-Mangel und Insulin-Resistenz.

Quelle: PubMed

Studien:
Christiane Drechsler et al.,  Vitamin D status and clinical outcomes in incident dialysis patients: results from the NECOSAD study, Nephrology Dialysis Transplantion, online vorab veröffentlicht 13. Oktober 2010

C. Garcia–Canton et al., Vascular calcification and 25-hydroxyvitamin D levels in non-dialysis patients with chronic kidney disease stages 4 and 5, Nephrology Dialalysis Transplantation (2010) vorab online publiziert, 18. Oktober 2010

K Stefikova et al., Insulin resistance and vitamin D deficiency in patients with chronic kidney disease stage 2-3, Physiological Research, vorab online publiziert 15. Oktober 2010

Ein Mangel an Sonnenschein-Vitamin D erhöht das allgemeine Risiko, an einer Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben um etwa 50 Prozent.  Bei Herzerkrankungen allein verdoppelt sich das Risiko beinahe (89 Prozent).

Forscher der Universität von Upsala, Schweden, nutzten für ihre Analyse die Daten von knapp 1.200 älteren Männer aus der Uppsala Longitudinal Study of Adult Men und verglichen die Krankheitsverläufe, Krankheitsdauer und die Todesursachen der Männer mit einem optimalen Vitamin D-Spiegel mit denen der 10 Prozent Männer mit den niedrigsten Werten über einen Zeitraum von fast 13 Jahren.

Bei den Teilnehmern, die in diesem Zeitraum an einem Herz-Kreislauf-Leiden starben, war das Risiko kontinuierlich mit sinkenden Vitamin D- Werten gestiegen. Anders bei den Krebskranken: Hier hatten nicht nur die Männer mit dem niedrigsten Vitamin D-Werten ein erheblich höheres Sterberisiko sondern erstaunlicherweise auch die Männer mit den höchsten Werten. Allerdings war hier das Risiko nicht annähernd so hoch wie bei der Gruppe mit akutem Vitamin D-Defizit.

Über diese U-förmige Kurve bei den Krebserkrankungen konnten die Autoren nur spekulieren. Dieses Phänomen war auch früher schon in einigen Studien aufgetaucht und hatte zu hitzigen Kontroversen geführt.

Sonnenschein-Vitamin schützt Diabetiker vor tödlichen Erkrankungen

Vitamin D schützt Diabetes-Kranke vor tödlichen Gefahren: Plötzlichem Herztod und Herzversagen, Herzinfarkt, Schlaganfall und Infektionen.

Eine Gruppe deutsch-österreichischer Forscher analysierte Daten von 1.108 Dialyse-Patienten aus der Deutschen Dialyse und Diabetes Studie über einen Zeitraum von vier Jahren auf den Zusammenhang von Vitamin D-Versorgung und tödliche Folgeerkrankungen.

Es stellte sich heraus, dass die Teilnehmer mit einem akuten Vitamin D-Defizit (≤ 25 nmol/L) ein um das Dreifache erhöhtes Risiko eines plötzlichen Herztodes aufwiesen im Vergleich zu den Patienten mit normalem Vitamin D-Werten (>75 nmol/L ), und eine fast Verdopplung des Sterbe-Risikos aufgrund anderer Ursachen.

Quelle: PubMed

Studien:
Karl Michaëlsson et al., Plasma vitamin D and mortality in older men: a community-based prospective cohort study, American Journal of Clinical Nutrition 2010 (vorab online veröffentlicht am 18. August 2010)

C. Drechsler,  S. Pilz, B. Obermayer-Pietsch et al., Vitamin D deficiency is associated with sudden cardiac death, combined cardiovascular events, and mortality in haemodialysis patients, European Heart Journal 2010, vorab publiziert 5. August 2010

Bermuda-Dreieck für Sonnenschein-Vitamin

Bermuda-Dreieck für Sonnenschein-Vitamin

Just hatte eine deutsche Studie den Übergewichtigen, eine Mehrheit in diesem Land,  Hoffnung gemacht und ihnen sogar – bei mäßigem Übergewicht -  ein längeres Leben als die Normalgewichtigen in Aussicht gestellt, da kommt es aus den USA schon wieder knüppeldick:

Wissenschaftler an der renommierten Harvard Medical School, Boston,  vermaßen die diversen Fettgewebe von fast 4.000 Probanden, um herauszufinden, wieso und in welchem Umfang das Übergewicht verantwortlich ist für Vitamin D-Mangel. Ein Mangel, der von der neueren Forschung als eine der Ursachen für viele chronische Krankheiten bezeichnet wird, darunter neben Osteoporose und Osteomalazie viele Autoimmun- und Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Fehlsteuerung bei der Zellteilung und dem Zelltod mit der Gefahr der Krebsentstehung.

Das Ergebnis ist für die 60 Prozent der übergewichtigen Deutschen (ab BMI 25 kg/m2) eingermaßen deprimierend:  Drei mal so häufig wurde bei den stark Übergwichtigen (Adipositas) ein Vitamin D-Mangel unter 20 ng/L festgestellt wie bei den Schlanken.

Diese gefährliche Lücke wurde noch erweitert im sogenannten “Vitamin D-Winter”.  Empfohlen wird eine Vitamin D-Supplementierung und/oder UVB-Bestrahlung im Solarium (80-90 Prozent des “Sonnenschein-Vitamins wird durch UVB-Strahlen der Sonne oder im Solarium in der Haut gebildet).

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine australische Studie. Versuche, ein Vitamin D-Defizit durch kurzfristige Supplementierung auszugleichen. Fast 40 Prozent des normalen Effekts “verpuffte” bei stark Übergewichtigen.

Dass der Vitamin D-Mangel nicht nur Folge sondern auch Ursache von Übergewicht sein kann, haben Forscher schon in früheren Untersuchungen vermutet. Der Zusammenhang:  Vitamin D Mangel bremst offensichtlich die Ausschüttung des Hormons Leptin. Dieses Hormon signalisiert dem Körper, wenn er genügend Fett aufgenommen hat. Fehlt das Leptin ist die “Fett-Fress-Bremse” gelockert, Übergewicht droht.

Aber zurück zu den guten Nachrichten: Die im Deutschen Ärzteblatt in diesen Tagen vorab publizierte Übersichts-Studie über 42 wissenschaftliche Arbeiten von der Universität Hamburg räumt mit der verbreiteten Meinung auf, dass Übergewicht per se das Leben verkürzt.  Im Gegenteil, ein gewisses, maßvolles Übergewicht scheint danach das Leben eher etwas zu verlängern.

Allerdings: Bei starkem  Übergewicht – Adipositas – sieht das schon wieder anders aus.  Hier sind die Schlanken mit 20 Prozent im Vorteil. Die extrem Fettleibigen haben sogar ein um immerhin 200 Prozent erhöhtes Mortalitätsrisiko.

Das Risiko, sich bestimmte Krankheiten zuzuziehen, schwankt zwischen Normalgewichtigen und leicht Übergewichtigen. Bei den Schwergewichten allerdings ist der Trend eindeutig negativ. Adipositas führt tendentiell zu mehr Krankheiten und einem früheren Tod.

Wie und in welchem Unfang hier durch das “Sonnenschein-Vitamin” gegengesteuert werden könnte, war nicht Gegenstand dieser Untersuchung.

Dass Dicke mehr Sonne(nschein-Vitamin) brauchen als schlanke Zeitgesnossen hatten wir schon früher berichtet, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier).

Quelle:  ScienceDaily/Deutsches Ärzteblatt

Studien:

Susan Cheng et al.,  Adiposity, Cardiometabolic Risk, and Vitamin D Status: the Framingham Heart Study, Diabetes, 05. Oktober 2009, vorab online

P Lee, JR Greenfield, MJ Seibel, JA Eisman, and JR Center, Adequacy of vitamin D replacement in severe deficiency is dependent on body mass index, American Journal of  Medicine, November 1, 2009; 122(11): 1056-60.

Matthias Lenz, Tanja Richter, Ingrid Mühlhauser,  The Morbidity and Mortality Associated With Overweight and Obesity in Adulthood: A Systematic ReviewDeutsches Ärzteblatt International, 2009; 106(40): 641

Die schützende Wirkung des Vitamin D vor dem Brustkrebs und der Einfluss einer optimalen Versorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin” auf die Chancen, diesen Krebs zu überleben, sind in der wissenschaftlichen Diskussion kaum noch umstritten  – vor allem mit der Entdeckung der Vitamin D-Rezeptoren in den  Brustkrebs-Zellen.

In einer Langzeitstudie über 12 Jahre mit 513 an Brustkrebs erkrankten Frauen berichtete jetzt ein kanadisches Forscher-Team über seine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen einem Vitamin D-Defizit, dem Auftauchen von Metastasen im Körper und der Chance, den Brustkrebs zu überleben.

Nur ein Viertel der Frauen hatte zu Beginn der Studie einen ausreichenden Vitamin D-Spiegel.  Jeweils deutlich mehr als ein Drittel litten unter einem leichten oder erheblichen Vitamin D-Mangel.

In der Gruppe der Frauen mit Vitamin D-Defizit traten im Laufe der Jahre neue Tumore dopplet so häufig auf wie bei den Frauen mit ausreichender Vitamin D-Versorgung. Die Überlebensrate der Frauen mit einem normalen Vitamin D-Spiegel im Blut  lag um 73 Prozent höher als die der Frauen mit einem Vitamin D-Defizit.

Quelle: PubCrawler

Studie:  Pamela J. Goodwin et al.,  Prognostic Effects of 25-Hydroxyvitamin D Levels in Early Breast Cancer, Journal of Clinical Oncology, Vol 27, No 23 (10. August ), 2009: pp. 3757-3763

Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes und Nierenversagen haben eine fast um die Hälfte größere Überlebenschance, wenn ihr Vitamin D-Spiegel im Blut optimal ist im Vergleich zu Patienten mit Vitamin D-Mangel.

Wissenschaftler am NRW Herz-Zentrum der Universität Bochum in Bad Oeynhausen unter Leitung von Dr. Armin Zittermann begleiteten 510 Herzpatienten über ein Jahr lang und untersuchten den Serum-Spiegel der biologisch aktiven Form des Vitamins,  1,25(OH)2D3, der Teilnehmer.  Nach der Höhe des Spiegels wurden die Patienten in fünf Gruppen eingeteilt. Während die Überlebensrate in der Gruppe mit dem niedrigsten Vitain D-Spiegel im Blut bei nur 66,7 Prozent lag, erhöhte sich diese Quote kontinuierlich mit dem Grad der Vitamin D-Versorgung und erreicht im obersten Fünftel eine Überlebensrate von 96,1 Prozent.

In anderen Worten: Das erste Jahr nach der Erkrankung überlebten fast alle Patienten mit einer guten Vitamin D-Versorgung, während ein Drittel der mit einem niedrigen Serum-Spiegel im Blut in dieser Zeit starben.

Quelle:  PubCrawler

Studie: A. Zittermann et al.,  Circulating Calcitriol Concentrations and Total Mortality,  Clinical Chemistry 55: 1163-1170, 2009

PASIEKA / SCIENCE PHOTO LIBRARY

PASIEKA / SCIENCE PHOTO LIBRARY

Menschen, die an Herzkrankheiten leiden,  haben mit ausreichend Vitamin D eine wesentlich größere Überlebenschance, als Herzkranke mit einem Vitamin D-Defizit.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschergruppe unter Leitung von Dr. Armin Zittermann am NRW Herzzentrum der Universität Bochum in Bad Oeynhausen.

510 Patienten mit unterschiedlichen Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Nierenversagen wurden ein Jahr lang nach der ersten Blutuntersuchung beobachtet.  Die n Patienten mit einer Vitamin D-Versorgung (Calcitriol – das aktive Vitamin D-Hormon) im unteren Fünftel der Gruppe hatten lediglich eine 66,7prozentige Chance, ihre Krankheit ein Jahr zu überleben, während die gut versorgten Patienten im oberen Fünftel eine sehr viel höhere Lebenserwartung – eine 96.1prozentige Überlebenschance – hatten.

Der Vitamin D-Grenzwert zwischen niedrigerer und höherer Überlebenschance lag bei einem Serum-Spiegel von 25 ng/L (Nanogramm pro Liter, ca. 75 nmol/L).

In der Vergangenheit hatten wir immer wieder über den Zusammenhang von Vitamin D, Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen berichtet: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

Quelle: PubCrawler

Studie:  Armin Zittermann et al.,  Circulating Calcitriol Concentrations and Total MortalityClinical Chemistry, April 2009, vorab online veröffentlicht

Die  Chance (im Durchschnitt knapp 90 Prozent), eine Melanom-Erkrankung zu überleben, ist deutlich höher bei Patienten, die in ihrem Leben häufig und regelmäßig an der Sonne waren als bei Patienten mit geringerer Sonnen-Exposition.  Die Erklärung wird in dem höheren Vitamin D-Spiegel im Blut gesehen bei Menschen mit längerem und intensiverem Aufenthalt an der Sonne (oder im Solarium). Vitamin D steuert die Abwehrreaktion des Körpers gegen die Krebszellen.

Diese bereits früher (Berwick et al., 2005) in Studien für die USA nachgewiesene Verbindung wird jetzt von einer italienischen Langzeit-Studie bestätigt:
Die Forscher an Krebsforschungszentren in Turin und Florenz verfolgten über viele Jahre die Entwicklung von 260 Melanom-Patienten und untersuchten deren Verhalten an der Sonne, vor allem auch die Zahl der Tage am Strand, in den Jahren vor der Krebsdiagnose.

Ergebnis: Je mehr Zeit ein Patient in seinem “früheren Leben” sich an der Sonne und am Strand aufgehalten hatte, desto größer seine Chance ein Melanom zu überleben.

Quelle: PubMed

Studie: Stefano Rosso et al.,  Sun exposure prior to diagnosis is associated with improved survival in melanoma patients: Results from a long-term
follow-up study of Italian patients
, European Journal of Cancer, 44 (2008), S. 1275-1281

Die US-Studie von Berwick et al. kostenlos als PDF

Ähnlich drei weitere kürzlich erchienene bzw. online vorab publizierte Studien:
A.C. Porojnicu , A. Dahlback, J. Moan, Sun exposure and cancer survival in Norway: changes in the risk of death with season of diagnosis and latitude. Adv Exp Med Biol 2008;624:43–54.

Simone Mocellin et al., Vitamin D receptor polymorphisms and the risk of cutaneous melanomaA systematic review and meta-analysis, Cancer, 1. November 2008, Volume 113 Issue 9, Pages 2398 – 2407

B.  Nürnberg et al., Progression of malignant melanoma is associated with reduced 25-hydroxyvitamin D serum levels, Experimental Dermatology, 3 Jun 2008, Volume 17 Issue 7, Pages 627 – 627

Ähnliches Ergebnis einer soeben erschienen Studie vom renommierte Dana-Farber Cancer Institute, Boston, zu Überlebensraten bei Darmkrebs: Patienten in der Gruppe mit den höchsten Vitamin D-Werten (25(OH)D) im Blut hatten eine doppelt so große Chance, geheilt zu werden, wie die Patienten in der Gruppe mit den niedrigsten Vitamin D-Werten.

Studie: K. Ng , J.A. Meyerhardt , K. Wu, D. Feskanich , B.W. Hollis , E.L. Giovannucci , C.S. Fuchs, Circulating 25-hydroxyvitamin d levels and survival in patients with colorectal cancerJournal of Clinical Oncology,  2008, 26(18):2937-9

Trends in der Überlebensrate des schwarzen Hautkrebs - Melanom(Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die abgebildeten Charts)

Horrormeldungen über exponentiell steigende Hautkrebs-Zahlen haben in Deutschland immer Konjunktur. Die Einführung des flächendeckenden, von den Kassen bezahlten Hautkrebs-Screenings war in den letzten Tagen wieder einmal eine Gelegenheit mit der Angst vor dem Hautkrebs die Angst vor der Sonne zu schüren.

Die Tatsachen sehen anders aus! Von dramatischen Anstiegen kann nicht die Rede sein – im Gegenteil.

Eine eben erschienen Studie der Europäischen Krebsorganisation ECCO (European Cancer Organisation) zeigt, dass in Deutschland – ähnlich wie in anderen europäischen Ländern -  inzwischen zumindest bei den Männern die Rate der Erkrankungen am “schwarzen” Hautkrebs (Melanom) stagniert und die Sterberate zu sinken beginnt (nachdem sie bereits Jahrzehnte lang etwa gleich geblieben war). Der Studie lagen Statistiken von 1994 bis 2005 zugrunde.  Ohnehin gehört das Melanom nicht zu den 10 häufigsten Krebsarten.

Krebsarten im Verglcih weltweit - Inzidenz, MortalitätDass dabei die sonnenreichen Länder Südeuropas eine deutlich niedriger Rate aufweisen als die Nordländer, bestätigt weltweite Untersuchungen  und die Vermutung, dass Menschen, die regelmäßig der Sonne ausgesetzt sind, weniger anfällig sind für Hautkrebs und eine höhere Überlebenschance haben im Falle der Erkrankung.

Nicht verwunderlich auch, dass in Ländern mit flächendeckender Einführung eines Hautkrebs-Screenings die Zahl der erkannten Erkrankungen steil ansteigt, während die Todesfälle ebenso steil absinken. Die intensiven Untersuchungen breiter Bevölkerungsteile führen zu sehr viel häufigerer Entdeckung auch geringfügiger Melanome (und auch zu mehr Fehldiagnosen) und treiben so die Statistiken nach oben. Die  Behandlung des fast immer heilbaren Melanoms im Frühstadium verhindert Todesfälle.

Auch in Deutschland ist mit der Einführung des flächendeckenden Hautkrebs-Screenings zum 01. Juli 2008 zunächst ein sprunghafter, Anstieg der Melanom-Erkrankungen in den kommenden Jahren zu erwarten, während die Sterberaten weiter zurückgehen und die Überlebenschancen die derzeitigen 90 Prozent überschreiten werden. Auf diesen “statistischen” Zusammenhang, der nichts mit der tatsächlichen Entwicklung der Hautkrebserkrankungen zu tun hat, weisen die Autoren der Studie ausdrücklich hin.

Quelle: ScienceDirect

Studie:
H.E. Karim-Kos et al., Recent trends of cancer in Europe: A combined approach of incidence, survival and mortality for 17 cancer sites since the 1990s, European Journal of Cancer, Volume 44, Issue 10, Juli 2008, 1345-1389

Die frühere Studie, aus der das zweite Chart oben stammt,  mit ähnlichen Trendergebnissen:
A. Verdecchia et al.,  Recent cancer survival in Europe: a 2000-02 period analysis of EUROCARE-4 data. Lancet Oncol. 2007 Sep;8(9):784-96