Archiv für das Tag 'Nahrungsergänzung'

Pillen schlucken

Vorsicht vor Überdosierung beim Pillen-Schlucken

Fälle von Vitamin D-Vergiftung haben in USA die Diskussion um die optimale Quelle für die Vitamin D-Versorgung verstärkt. Aufgrund von Fehlern beim Druck von Etiketten und – bedenklicher – bei der Produktion der Pillen selbst, war es in mehreren Fällen zu einer Vitamin D-Vergiftung gekommen. Den ganzen Beitrag lesen »

Die stimmungsaufhellende Wirkung des “Sonnenschein-Vitamins” durch die Stimulierung der “Glückshormone” ist in vielen Studien beschrieben worden. Die Wirkung des Vitamin D bei einer “ausgewachsenen” Depression ist nach wir vor umstritten.

Forscher an der University of Massachussetts, USA, haben diesen Zusammenhang von depressiven Symptomen und Vitamin D-Mangel zumindest bei Frauen einmal mehr bestätigt. Den ganzen Beitrag lesen »

(c)iStockphoto

Schwangere gehören zu den “Risikogruppen” für die ausreichende Versorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D. Zudem kann der Vitamin D-Mangel bei Schwangeren gravierende gesundheitliche Folgen für Mutter und Kind, Für Geburt und Neugeborenes haben.

In der Vergangenheit  haben viele Ärzte aus Sorge über mögliche Nebenwirkungen vor allem bei hochdosierten Vitamin D-Gaben in der Überprüfung und Therapie des Vitamin D-Mangels sehr zurückhaltend agiert.

Jetzt scheinen diese Bedenken zerstreut zu werden. Den ganzen Beitrag lesen »

Sonnenschein hilft gegen Brustkrebs

Frauen zur Sonne!

Das Brustkrebsrisiko für Frauen könnte schon mit einer relativ geringen Verbesserung der Vitamin D-Versorgung durch mehr Sonne, Nahrungsergänzung oder Solarium um 27 Prozent gesenkt werden.

Das Sonnenschein-Vitamin reguliert, wie die Forschung der vergangenen Jahre gezeigt hat, die Zellteilung und verhindert das Wachstum entarteter Zellen.  Dass diese Wirkung auch im Zellgewebe der Brust wirkt, zeigt das Vorhandensein sogenannter Vitamin D-Rezeptoren, den “Empfangschefs” oder “Schleusern” für das wirksame Vitamin D in das Innere der Zellen, an den Zellen der weiblichen Brust.

Eine französische Studie mit 636 an Brustkrebs erkrankten und 1.272 gesunden Teilnehmerinnen kommt zu dem Ergebnis, dass die Frauen im oberen Drittel der Vitamin D-Werte im Blut ihr Brustkrebsrisiko gegenüber den Frauen im unteren Drittel um gut ein Viertel senken.

Diese Wirkung trat vor allem ein bei Frauen vor der Menopause und nimmt danach deutlich ab. In anderen Worten: Gerade bei den Jüngeren ist die schützende Wirkung des Sonnenschein-Vitamins besonders groß.

Ob der Vitamin D-Spiegel im Blut  am wirkungsvollsten durch den Aufenthalt an der Sonne (normalerweise in unseren Breiten für 80-90 Prozent der Versorgung “zuständig”)  oder, etwa im “Vitamin D-Winter”, im Solarium oder durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erreicht wird, dazu äussern sich die Autoren nicht.

Diese Ergebnisse bestätigen früher, vor allem epidemologische Studien, über die wir berichtet haben (hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier).

Quelle:  ReutersHealth

Studie: F Clavel-Chapelon et al., Serum 25(OH) Vitamin D and Risk of Breast Cancer: A Nested Case-Control Study from the French E3N Cohort, Cancer Epidemiological, Biomarkers & Prevention, September 1, 2010; 19(9): 2341-50

Zeitaufwand für Mediennutzung in Deutschland

Medien statt Sonne - ARD/ZDF-Studie zur Medienkommunikation 2010 (zum Vergrößern bitte klicken)

Die Deutschen sind gut versorgt mit Vitaminen. Bis auf eine Ausnahme: Vitamin D – und dieses Vitamin ist eigentlich kein Vitamin sondern ein Hormon. Inzwischen gilt Deutschland als Vitamin D-Mangelland, wie kürzlich eine ARD-Sendung formulierte. Etwa 60 Prozent aller Deutschen sind mit dem Sonnenschein-Vitamin “unterversorgt” (RKI).

Da das Vitamin D nicht, wie die übrigen Vitamine, vor allem über die Nahrung aufgenommen wird, sondern zu 90 Prozent auf die UVB-Strahlen der Sonne auf der Haut angewiesen ist, daher der Name Sonnenschein-Vitamin, ist der Vitamin D-Mangel im wesentlichen ein “Sonnen-Mangel”: Zu wenig Sonne auf der Haut!

Neben Gründen wie “Verstädterung” der Bevölkerung und der “Sonnenangst” durch die ständigen Warnungen von Dermatologen- und Krebsorganissationen, ist der Mangel an Sonnenstrahlen auch auf den drastisch gestiegenen Medienkonsum der “modernen Höhlenbewohner” (Spitz) zurückzuführen (s. die Graphik aus der ARD/ZDF Medienstudie “Massenkommunikation 2010″).

Zwischen 1964 und 2005 haben sich die für den Medienkonsum aufgewendeten täglichen Zeiten mehr als verdreifacht, von 3,14 Stunden auf 10 Stunden, und sind seither in etwa stabil geblieben.

Mediennutzung Jugendlicher in USA pro Tag (repräsentative Studie mit 2.000 Teilnehmern)

Nicht anders bei den Jugendlichen in USA, wie die nebenstehende Graphik belegt (Quelle: businessinsider.com)

Da bleibt für den täglichen Spaziergang an der Sonne nicht viel übrig. Die Dermatologenverbände und in ihrem Gefolge sogar die Bundesregierung in ihrer Begründung für die neue “Solarienverordnung” bestreiten mit Hinweis auf diesen Spaziergang und gegen die Warnung sämtlicher Experten, dass es hier überhaupt ein echtes Problem gäbe.

Beide, Dermatologen und Bundesumweltministerium, wähnen nicht nur den Bundesbürger im (Medien-)Zeitalter um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Sie wissen auch nicht, dass ihr empfohlener aber wenig realistischer Spaziergang gleich doppelt unzureichend ist für die Versorgung der Menschen mit dem Sonnenschein-Vitamin: Im Sommer reicht die “Vorratsspeicherung” bei regelmäßigem Spaziergang mit unbedeckten Armen und Beinen nicht aus, den optimalen Vitamin D-Spiegel im Blut zu erreichen und langfristig zu halten.

Im Herbst und Winter ist der Aufenthalt im Freien für die Vitamin D-Synthese in der Haut (fast) völlig nutzlos. Die Sonne ist dann nicht “stark” genug für die Produktion des Sonnenschein-Vitamins. Am Ende des “Vitamin D-Winters”, im Februar und März, steigt der Anteil der “Unterversorgten” in unseren Breiten auf 80 Prozent und wenn man die von Experten empfohlenen optimalen Werte als Maßstab ansetzt, sind es über 90 Prozent. Eine “Pandemie”, die eine Bundesregierung mit eine paar Spaziergängen zu bekämpfen hofft.

Da die Menschen aber eine unausrottbare Sehnsucht nach der Sonne haben, versuchen die Deutschen, den Sonnenmangel im Alltag durch eine geballte Ladung Sonnenstrahlen im Urlaub zu kompensieren (“Ballermann-Syndrom”) und laufen dabei tatsächlich in die von den Dermatologen so lebhaft beschworene “Hautkrebs-Falle”. Fast die Hälfte aller Deutschen und mehr als die Hälfte aller Jungendlicher “leistet” sich jedes Jahr in den Ferien mindestens einen Sonnenbrand. Selbst ein Viertel der Menschen, die schon einmal wegen Hautkrebs behandelt wurden, lassen sich in dieser gedrängten Hatz nach der geliebten Sonne den Pelz verbrennen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Eine der beiden Chancen, dieser Falle zu entgehen, Nahrungsergänzung und/oder Solarium, hat der Bundestag im vergangenen Jahr mit dem “Solariengesetz” ausgerechnet für eine der “Problemgruppen” ausgeschlossen: die Jugendlichen.

Die Alternative: flächendeckende Anreicherung bestimmter Lebensmittel mit Vitamin D (Cholecalciferol), wird weder von den Experten durchgängig empfohlen oder auch nur für ausreichend gehalten noch vom Gesetzgeber tatsächlich überhaupt erwogen. Das Problem wird, wie so vieles im Gesundheitswesen und vor allem in der Gesundheits-Prävention, verdrängt oder mit symbolischen Aktivitäten am falschen Ende “bearbeitet” -  und dabei wird schlicht in Kauf genommen, dass das Gesundheitssystem mit Milliarden-Kosten unnötig belastet wird.

In einer Übersichtsstudie zum aktuellen Stadt der Forschung um Vitamin D, Sonne und UV-Strahlen kommt einer der bekanntesten deutschen Vitamin D-Forscher (wir haben über Studien seiner Forschergruppe hier, hier, hierhier, hier, hier und hier berichtet), Dr. Armin Zittermann vom Herzzentrum Bad Oeynhausen, zu dem Ergebnis, dass durch eine deutliche Verbesserung der Unterversorgung mit Vitamin D (40-45 Prozent der deutschen Bevölkerung) und vor allem des akuten Vitamin D Mangels (weitere 15-30 Prozent) im deutschen Gesundheitssystem jährlich ein Betrag von fast 40 Milliarden Euro eingespart werden könnte.

Zittermann berücksichtigt bei seinen Kalkulationen lediglich die “tragfähigsten” Ergebnisse der jüngeren Forschung, vor allem Studien zu Osteoporose und einigen chronischem Erkrankungen wie Diabetes, MS und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Es müsse, so der Forscher, möglich sein, in Deutschland den Vitamin D-Mangel innerhalb von 5 – 10 Jahren zu beseitigen – durch kontrollierte UV-Bestrahlung (Sonne und Solarium) und/oder Nahrungsergänzung in einer Größenordnung von 25 g täglich.

Dr. Zittermann:
Die derzeitigen offiziellen Sonnenschutz- und Ernährungs-Empfehlungen verursachen zweifellos den gegenwärtigen Vitamin-Mangel. Daher ist es dringend notwendig, die Sonnenschutz-Politik und die Vitamin D-Empfehlungen für Ernährung und Nahrungsergänzung drastisch zu ändern.”

Gleichzeitig erscheint eine Studie zu den gesundheitsökonomischen Effekten des Vitamin D-Mangels in Kanada. Die Autoren vom Sunlight, Nutrition, and Health Research Center (SUNARC) in San Francisco, USA, kommen in ihren Berechnungen  zu dem Ergebnis, dass bei ausreichender Vitamin D-Versorgung der Bevölkerung durch UVB-Strahlen der Sonnen oder im Solarium bzw. durch Nahrungsergänzung in Kanada allein 37.000, also etwa 16 Prozent, der jährlichen Todesfälle vermieden werden könnten. Die eingeparten Gesundheitskosten lägen bei 14,4 Milliarden Dollar, knapp 7 Prozent der Gesamtkosten.

Quelle: PubCrawler

Studien:
A. Zittermann, The estimated benefits of vitamin D for Germany, Molecular Nutrition & Food Research, online vorab publiziert 01.04.2010

W.B. Grant et al., An estimate of the economic burden and premature deaths due to vitamin D deficiency in Canada, Mol Nutr Food Res., 29. März 2010, vorab online publiziert

Die Vitamin D-Lücke bei Jugenldichen - Quelle: Nationale Verzehrsstudie

Die Vitamin D-Lücke bei Jugenldichen - Quelle: Nationale Verzehrsstudie

Obwohl Nahrungsergänzung bei Lebensmitteln, so etwa Vitamin D-angereicherte Milch, in den USA wesentlich verbreiteter ist als in Europa oder Deutschland, klafft bei der Vitamin D-Versorgung über die Ernährung auch dort eine beträchtliche Lücke, deutlich größer als bei anderen Vitaminen und Mikronährstoffen.

Diese Lücke  ist am größten bei Jugendlichen und jungen Frauen und bei den Alten – und das obwohl 37 Prozent der Bevölkerung Vitamin D als Nahrungsergänzung zu sich nimmt.

Auch hier die Parallele zu den deutschen Verhältnissen:
96,6 Prozent der Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren erreicht nicht die notwendigen Werte für die Vitamin D-Aufnahme,  so die Nationalen Verzehrsstudie von 2008. Ähnlich die Studie des Robert-Koch-Instituts, die ebenfalls Jugendliche als “Risikogruppe” für die Unterversorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin” ausgemacht hatte.

Diese alarmierenden Daten erhalten aus einer ganzen Reihe von Gründen eine zusätzliche Bedeutung:

  1. Vitamin D ist neben Kalzium (auch hier wird der Grenzwert von den Jugendlichen nicht erreicht) entscheidend für den Knochenstoffwechsel. Der Knochen- und Muskelaufbau findet aber vor allem in diesem Alter statt.  Später, etwa nach dem 30. Lebensjahr zehrt der Mensch davon und sein Osteoporose-Risiko wächst, je größer der Vitamin D- und Kalzium-Mangel in der Jugend war.
  2. Vitamin D  entwickelt sich, wie eine Nachrichtenagentur dieser Tage in einem Kongressbericht schrieb, zu einem “Allzweckmittel gegen Krankheiten”: Infektionskrankheiten, Autoimmun-Erkrankungen, Herz-Kreislauf- und Gefäß-Krankheiten, Krebs und Depressionen. Ein gravierender Mangel gerade in den formativen Jahren und hier vor allem bei den jungen Frauen sollte als Warnzeichen für eine gefährliche Entwicklung der “Volksgesundheit”  dienen.
  3. Der Unterversorgung bei Vitamin D steht eine krasse “Überversorgung” beim Vitamin A,  dem Retinol, gegenüber – bei einigen Alterngruppen um das Doppelte des “Referenzwerts”, der notwendigen und empfohlenen Menge. Vitamin A aber be- oder verhindert die Wirkung von Vitamin D, wie Forscher kürzlich entdeckt haben (s. u. Studie).

Im März, am Ende des “Vitamin D-Winters”,  ist der Mangel an Sonnenschein-Vitamin besonders krass, mit den üblichen Folgen, wie vor allem einer Zunahme von Infektionskrankheiten aller Art. Die UVB-Strahlen der Sonne, die normalerweise für 80-90 Prozent der Vitamin D-Produktion verantwortlich sind, haben dazu noch nicht die nötige Kraft. Die Ernährung liefert, wie gezeigt, nicht annähernd genug Vitamin D, um die Lücke zu schließen – und den 14-17jährigen verwehrt das neue “Solariengesetz” den gezielten und dosierten Ausgleich auf der Sonnenbank.  Ein Eigentor beim Gesundheits- und Verbraucherschutz?

Frühere Berichte zu Sonne, Solarien, Vitamin D und Jugendliche hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, und hier

Studien:
R.L. Bailey et al.,  Estimation of Total Usual Calcium and Vitamin D Intake in the United StatesThe Journal of Nutrition, 24. Februar 2010 (onlien vorab veröffentlicht)

Mazda Jenab et al.,  Association between pre-diagnostic circulating vitamin D concentration and risk of colorectal cancer in European populations:a nested case-control studyBritish Medical Journal,  2010;340:b5500 (vorab publiziert 21. Januar 2010)

Vitamin D nutritional policy in Europe” ist der Titel eines Memorandums, den der Ständige Ausschuss der Europäischen Ärzte (Comité Permanent des Medecins Européen, CPME) Ende Oktober verabschiedet hatte.

Die Europäischen Ärzte unterstreichen darin die in der jüngeren Forschung zunehmend deutlich gewordene Bedeutung des Vitamin D nicht mehr nur für Knochen und Muskeln sondern mehr noch für das Immunsystem, das Herz-Kreislauf-System, die Zellteilung und Krebs sowie für den gesamten Soffwechsel des Menschen. Die Unterversorgung von mehr als der Hälfte der euroäischen Bevölkerung müsse überwunden werden. Das gelte besonders für die “Problemgruppe” der älteren Menschen.

Die natürliche Lösung dieses Problems durch das  Sonnenlicht (im Freien oder im Solarium) wird in diesem Dokument zwar als  ein einfach gangbarer Weg gesehen, der aber durch die Gefahr der Hautschädigungen bei Mißbrauch nicht empfohlen werden könne.

Bleibe nur der Weg über Nahrungsergänzung. Schon eine Gabe von 600-800 IE (Internationle Einheiten) proTag könne den Vitamin D-Spiegel im Blut um entscheidende 20 nmol/L (8 ng/mL) anheben. Die möglichen Nachteile dieser Strategie bleiben allerdings unberücksichtigt. Die Abhängigkeit einer solchen Strategie von sozialen, kulturellen und finanziellen Umständen wird immerhin erwähnt.

Dem Ständigen Ausschuss der Europäischen Ärzte gehören die wichtigsten nationalen Ärzteorganisationen der Mitgliedstaaten in der Europäischen Union an.

Quelle:  CPME

Über die Diagnose gab es keine Meinungsverschiedenheiten beim 1. Hohenheimer Ernährungsgespräch, bei der richtigen Reaktion auf den epidemischen Vitamin D-Mangel allerdings schwankten die Diskutanten zwischen Appell und Skepsis.

Prof. Dr. Hans K. Biesalski

Prof. Dr. Hans K. Biesalski

Geladen hatte das Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaften der Universität Hohenheim. Als Gastgeber setzte ihr Direktor, Prof. Hans K. Biesalski, den Ton mit einer Tour d`Horizon der neuesten Forschungen über Vitamin D und seine weitreichenden Gesundheitswirkungen. Vor allem die Älteren, aber auch die Jugendlichen, und da vor allem die Kinder aus “Hartz IV-Elternhäusern” seien besonders gefährdet. Der moderne Lebensstil mit überwiegenden Tätigkeiten in geschlossenen Räumen, Fehlernährung und Übergewicht verschärften das Problem. Die Deutschen nähmen, laut der jüngsten Verzehrstudie, nur etwa ein Drittel der notwendigen Vitamin D-Menge mit der Nahrung auf.

Die Werte (beim Vitamn D-Spiegel) in der deutschen Bevölkerung sind generell zu gering, vor allem im Winter,” so Dr. Birte Hintzpeter vom Robert-Koch-Institut in Berlin (Berichte über die RKI-Studie zu Vitamin D in Deutschland hier und hier).

57 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen wiesen einenVitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/l auf, als Grenze zur Unterversorgung inzwischen allgemein akzeptiert.  Bei den über 65-jährigen Frauen waren es 75 Prozent. Von den 3- bis 17-jährigen Teilnehmern des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys hatten 62 Prozent der Jungen und 64 Prozent der Mädchen einen Vitamin-D-Spiegel unter 50 nmol/l.

Generelle Empfehlungen aber wollte sie, im Gegensatz zu den Kollegen auf dem Podium (noch) nicht geben, dazu sei es noch zu früh, der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang noch zu unklar. Eine extremer Vitamin D-Mangel (< 12,5nmol/L) sei in Deutschland drüber hinaus eher selten und Mangel bzw. Unterversorgung führe halt nicht zwangsläufig zu Krankheiten.

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Prof. Dr. Jörg Spitz

Ganz anders Prof. Dr. Jörg Spitz von der Gesellschaft für Medizinische Information und Prävention, der mit aktuellen Forschungsergebnissen seine Position untermauerte: Bei den immer wahrscheinlicher werdenden  präventiven und therapeutischen Wirkungen des Vitamin D könne eine verantwortungsvolle Präventionspolitik nicht auf noch die letzte Sicherheit warten.

Vitamin D bewirke eine Unterdrückung des Tumorwachstums und eine Stärkung des Immunsystems, das  schon im Mutterleib geprägt werde. Ein Vitamin D Mangel zu dieser Zeit führe in späteren Jahren zu überschießenden Abwehrreaktionen und vermehrten Allergien.Andererseits rege Vitamin D die Produktion von körpereigenen Antibiotika an zur Abwehr von Tuberkulosebakterien wie auch gegen Grippeviren.
Schliesslich schütze Vitamin D die Nervenzellen vor Erkrankungen.  Ein Mangel werde mit der Entstehung der Multiplen Sklerose (MS), der Schizophrenie, dem Morbus Parkinson und der Depression in Verbindung gebracht.
Vernünftiges Sonnen und Nahrungsergänzung, beides sei daher das Gebot der Stunde.

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Dr. Armin Zittermann

Dem schloss sich Prof. Dr. Armin Zittermann an und forderte Politik, Fachgesellschaften und Ärzte gleichermaßen auf, Handlungskonsequenzen aus den vorliegenden Forschungen zu ziehen und – vor allem gewendet an die Dermatologen – die Einseitigkeit bei der Bekämpfung der UV-Bestrahlung durch Sonne und Solarium aufzugeben und die weit größere Bedeutung der “guten” Sonne für viele “Volkskrankheiten” zu berücksichtigen. Negative Folgen der Supplementierung mit Vitamin D sei darüber hinaus nur bei massiven Überdosierungen zu befürchten.

ameise-grille-fabelIn Lafontaines Fabel von der fleißigen Ameise und der leichtfertigen Grille geht es der Grille im Winter an den Kragen, weil sie versäumt hat, rechtzeitig Vorräte zu sammeln.

Ähnlich ergeht es denen, die im Sommer die Sonne um jeden Preis meiden – sozusagen fabelhaft im Schatten singen und tanzen – statt Sonnenstrahlen einzusammeln und als Vitamin D-Polster im Fettgewebe abzulagern.

So das etwas poetisch formulierte Ergebnis einer Studie über den Zusatzbedarf an Vitamin D im “Vitamin D-Winter” (bei uns Oktober bis März), wenn die Sonnenstrahlen nicht mehr die Kraft haben, die Vitamin D-Synthese in der Haut ingang zu bringen.

Die irische Studie mit 240 gesunden Teilnehmern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren zeigte anschaulich, dass die “Sonnenflüchter” im Winter erheblich mehr an Vitamin D über die Nahrung, über Nahrungsergänzungsmittel oder im Solarium (in der Studie nicht untersucht) pro Tag aufnehmen müssen um ein gesundes Maß an Vitamin D-Serum im Blut aufrecht zu erhalten.

Bei Beginn des Experiments am Wintereranfang lag der Serum-Spiegel der häufig Sonnenden um mehr als 60 % über dem der “Sonnenflüchter”. Um auch nur ein akutes Vitamin D-Defizit (<25 nmol/ml) zu vermeiden, müssten sie fast das Doppelte an Vitamin D zu sich nehmen.  Ein Defizit, das über die Nahrung allein nicht mehr aufzuholen ist.

Da die meisten Menschen ihren Vitamin D-Spiegel nicht kennen und keine entsprechenden Maßnahmen treffen,  sind diejenigen, die freiwillig oder aufgrund ihrer Lebensumstände die Sonne meiden und/oder nicht ein Solarium nutzen, von den Folgen des Vitamin D-Mangels vor allem gegen Ende des “Vitamin D-Winters”, im Februar-März, stark betroffen. Die Grippe ist dafür nur ein Beispiel unter vielen Erkrankungen im Gefolge eines Vitamin D-Defizits.

Eine  Zusammenfassung mit Interviews führender Vitamin D-Experten zu diesem Thema (in englischer Sprache):

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=K9d_HK3XN4c]

Quelle:  Newswise

Studie:  Kevin D Cashman et al., Estimation of the dietary requirement for vitamin D in healthy adults, American Journal of Clinical Nutrition 2008; 2008;88/6:1535– 42

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