Archiv für das Tag 'Selbstbräuner'

Sonne oder Selbstbräuner

Bräunen aber wie? Sonne vs. Selbstbräuner

So erfolgreich Dermatologen- Verbände auch sind in ihren Kampagnen gegen Sonne und Sonnenbank, die gebräunte Haut als Schönheitsideal haben sie damit kaum beeinflussen können. Nach wie vor geniessen die Menschen ein Sonnenbad im Freien oder auf der Sonnenbank, um ihrer Haut die sanfte, als attraktiv empfundene Bräune, zu geben – allerdings zunehmend mit schlechtem Gewissen.

In die Lücke zwischen Schönheitsideal und Sonnenangst platziert die Kosmetikindustrie erfolgreich die chemischen “Selbstbräuner”.

Aber bringt die Nutzung der Bräunungscremes  die Menschen tatsächlich dazu, die natürlichen Sonnenstrahlen zu meiden und sich mit der aufgetragenen oder aufgesprühten Farbe zu begnügen? Den ganzen Beitrag lesen »

Die Reichen und die Klugen nutzen dei Sonnenbank

Besser aussehend, besser verdienend, besser gebildet: Die Sonnenbank-NutzerInnen

Wer nutzt die Sonnenbank, um Entspannung, Vitalität, sanfte Bräune und Vitamin D zu tanken?

Für die USA lautet die Antwort: Die Frauen, die Jungen, die besser Gestellten, die besser Ausgebildeten und die mit der besseren Figur! Der Sonnenbank fern bleiben vor allem die älteren und die dicken Männer und alle, die sich beim ersten Sonnenstrahl mit Sonnenschutzcremes eindecken. Der Gebrauch von Selbstbräunern reduziert – zumindest in den USA – die Sonnenbank-Nutzung nicht, im Gegenteil. Den ganzen Beitrag lesen »

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Aufgesprüht: Die "bessere" Bräune? Foto Flickr/riz94107

Dass wissenschaftliche Studien nicht selten mit einem “Erkenntnisziel” und nicht “ergebnisoffen” durchgeführt werden, ist bekannt. Nicht immer aber wird das so deutlich wie in der jüngsten Pressekampagne in den USA, mit der wissenschaftliche Studien zum Einsatz von Selbstbräunern “vermarktet” werden. Selbstbräuner als Alternative zu, und Entwöhnungsvehikel für, Sonne und Solarium.

Ein Schwerpunktheft der renommierten Fachzeitschrift “Archives of Dermatology” lässt schon im Editorial keinen Zweifel am “Erkenntnisinteresse” aufkommen. Überschrift (Übers. d. Red.):
“Absichtliches Bräunen – Da ist mehr als ein Hammer notwendig, um das Verhalten zu ändern” (gemeint ist das Bräunen am Strand und im Solarium).

Die erste der beiden Studien zu diesem Thema im Heft gibt sich denn auch alle Mühe, den Effekt von “Aufklärung” (sprich: aufwändige Multi-Media-Kampagne für Selbstbräuner) über Selbstbräuner vs. Sonne und Solarien nachzuweisen:

Die Studie unter Leitung von Dr. Sherry L. Pagoto an der University of Massachusetts Medical School, Worcester, USA, begleitete einen Werbefeldzug für Selbstbräuner und meldet wissenschaftlich gestützen Vollzug:
Für die Studie wurden 250 Frauen beim Sonnen am Strand rekrutiert. Die Hälfte von ihnen wurden dann in einem Zelt am Strand von “Trainern” mit multimedialem “Informationsmaterial” und heftigem Zuspruch traktiert. Inhalt: Selbstbräuner sind gut, Sonne und vor allem Solarien sind lebensgefährlich.

Ihnen wurden zur Abschreckung UV-Tiefenphotographien von besonnter Haut mit deutlich markierten Sonnenschäden gezeigt, kostenlose Selbstbräuner und Sonnencremes wurden großzügig verteilt und die Probandinnen in den Gebrauch eingewiesen.

Die Gruppe der 125 nicht traktierten Frauen erhielten nur allgemein kosmetische Produkte ohne direkte Verbindung zu Sonnenschutz oder Selbstbräuner.

Über den Erfolg dieser Prozedur (“Gehirnwäsche” wäre sicher ein zu drastischer Ausdruck) berichten die Forscher mit spürbarem Stolz:
Bei der Befragung nach zwei Monaten hatten die bearbeiteten Teilnehmerinnen gegenüber den Frauen in der Kontrollgruppe den Verbrauch von Selbstbräunern deutlich gesteigert, ihren Aufenthalt an der Sonne spürbarer eingeschränkt, seltener einen Sonnenbrand erlitten und trugen häufiger schützende Kleidung.

Nach einem Jahr allerdings fielen die Kontrollen schon weit weniger erfreulich aus für die Selbstbräuner-Advokaten. Zwar bestand immer noch ein leichter Unterschied zwischen beiden Gruppen beim Sonnen im Freien oder im Solarium und auch beim Gebrauch von Selbstbräunern. Aber ausgerechnet bei den Sonnenbränden war ein Unterscheid nicht mehr auszumachen.  Die Autoren der Studie verhehlen ihre Enttäuschung darüber nicht.

Die zweite Studie, von Beginn an weniger “parteilich” angelegt und von bekannten WissenschaftlerInnen wie Prof. Vilma E. Cokkinides von der American Cancer Society, Atlanta, oder Prof. Martin A. Weinstock von der Brown University, Rhode Island, USA, geleitet ist noch weit weniger hilfreich für die Sache der Selbstbräuner-Promotoren.

Die Forscher befragten per Telefon 1.600 Jugendliche im Alter von 11 bis18 Jahren und deren Eltern nach ihre Gewohnheiten beim Aufenthalt an der Sonne, ihrem Selbstbräuner-Gebrauch, nach der Zahl der Sonnenbrände im vergangenen Jahr und nach ihrer Solariennutzung. Das erstaunliche und für die Dermatologen deprimierende Ergebnis:

Die Studie ergab zwar, dass fast 11 Prozent der Younsters Selbstbräuner nutzten. Aber gegen alle Erwartung waren das dieselben Leute, die auch am häufigsten ein Solarium nutzten (2,5 mal häufiger als Nicht-Nutzer von Selbstbräunern) und sich vor allem sehr viel häufiger am Strand einen Sonnenbrand zuzogen (5 oder mehr Sonnenbrände pro Sommer). Auf den Einsatz von Sonnenschutzmitteln hatte der Gebrauch von Selbstbräunern keinen Einfluss.

Bescheiden dann auch die Schlussfolgerung. Prof. Cokkinides: “Wenn jemand rasch  gut aussehen will für die Abschlussfeier, dann könnten Selbstbräuner hilfreich sein und den Einsatz von Solarium oder von längerem Aufenthalt am Strand verhindern.”

Quelle: PubMed, Eurekalert, Science Daily

Studien:
Sherry L. Pagoto et. al., A Beach Randomized Trial of a Skin Cancer Prevention Intervention Promoting Sunless Tanning, Archives of  Dermatology, 2010;146(9):979-984.

Vilma E. Cokkinides et al., Use of Sunless Tanning Products Among US Adolescents Aged 11 to 18 Years, Archives of Dermatology, 2010;146(9):987-992

Editorial:  June K. Robinson, Joel Hillhouse, Rob Turrisi, Intentional Tanning – More Than One Hammer Needed to Change Behavior, Arch Dermatol. 2010;146(9):1029-1030

Sonnen-Lust und Sonnenschutz - Konflikt oder gesunde Allianz?

Sonnen-Lust und Sonnenschutz - Konflikt oder gesunde Allianz?

Macht Deine Sonnen-Creme Dich dick, alt und depressiv?” titelt der Daily Mirror, führende britische Boulevard-Zeitung, zum Sommeranfang und zählt die Gesundheitsschäden auf, die durch die Angst vor den Sonnenstrahlen entstehen.

Jahrzehnte lange Panik-Kampagnen der Kosmetik-Industrie mit Hilfe von Dermatologen-Verbänden und Krebs-Organsationen haben den Menschen die Sonne in einem Umfang ausgetrieben, der inzwischen so etwas wie einen gesundheitlichen Notstand produziert. Dieser Notstand hat viele Facetten, am bedeutendsten aber ist sicher der epidemische Mangel an Vitamin D, dem Sonnenschein-Vitamin.

Immer mehr wissenschaftliche Studien aus vielen Ländern warnen, dass der Vitamin D-Mangel in den vergangenen Jahren in dem Maße zugenommen hat, wie die Menschen im täglichen Leben gelernt haben, die Sonne zu meiden oder sich durch immer höhere Schutzfaktoren abzuschirmen. Moderne Lebensstile tun ein übriges.

Da die Medien oft unkritisch die Anti-Sonnen-Kampagnen einschliesslich noch der zweifelhaftesten Behautpungen ungeprüft übernehmen, kommt es zu einer eher paradoxen Erscheinung am Rande: Von den negativen Gesundheitsfolgen dieser Kampagnen sind die gebildeteren Schichten, als Zeitungsleser und an Gesundheitsinformationen interessiert, stärker betroffen als die übrige Bevölkerung. Auch die Politik reagiert ähnlich paradox mit bürokratischer Hektik, wie derzeit bei der sogenannten “Solarienverordnung”.

Doch ganz allmählich, durch hunderte wissenschaftlicher Studien und ihre langsame Verbreitung in einem größeren Publikum, setzt sich die Erkenntnis durch, dass das besinnungslose Trommeln gegen Sonne und Solarium und für immer wirksamere Sonnenschutz-Mittel und chemische Bräunung nicht der Gesundheit hilft sondern schadet – und das gleich mehrfach:

  1. Studien haben nachgewiesen, dass die Nutzung von Sonnenschutzmitteln nicht, wie angeblich beabsichtigt, vor Hautkrebs schützt, sondern in vielen Fällen genau das Gegenteil bewirkt: Das Melanom-Risiko steigt! (Jüngste Beispiele von vielen hier)
  2. Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor verhindern praktisch vollständig die Bildung von Vitamin D über die Haut und befördern so den Vitamin D-Mangel. Ein steter Anstieg chronischer Erkrankungen wie Osteoporose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen etc. sind die Folge.
  3. Die so hoch gepeitschte Sonnen-Angst und die panische Fixierung auf die Abwehr von UV-Strahlen macht einen vernünftigen,  für die Gesundheit notwendigen, positiven Umgang mit der natürlichen und künstlichen Sonne unmöglich. Statt gesunden Genuss der “guten” Sonne und dem ganz natürliches Ausweichen vor der “bösen” Sonne, fördern die vereinigten Industrie- und Dermatologen-Kampagnen den einseitigen Verzicht auf die lebensnotwendige aber kostenlose Sonnen-Gesundheit zugunsten der teuren und profitablen Sonnen-Killer.

Der Erfolg dieser Kampagnen aber trägt bereits den Keim ihres Mißerfolgs in sich.

Den Dermatologen hat ihre millionen-schwere Öffentlichkeitsarbeit, die vor eingenartigen statistischen Manipulationen nicht zurückschreckte,  die Honorar-Milliarden eines flächendeckenden Hautkrebs-Screenings beschert. Deren medizinischer Sinn aber wird inzwischen von Ärzten und Wissenschaftlern selbst in Zweifel gezogen. (“Gesetzliches Hautkrebsscreening vor dem Aus?“)

Die Kosmetik-Industrie hat zunehmend mit den Zweifeln an der Glaubwürdigkeit ihrer donnernden Sonnenschutz- und Selbstbräuner-Kampagnen zu kämpfen, je weiter sich die Informationen über die lebenswichtige Bedeutung von Vitamin D und die mangelnde Schutzwirkung gegen den Hautkrebs ausbreiten.  Um kreative Lösungen nie verlegen werden jetzt Selbstbräunungs-Cremes und Sprays mit Vitamin D-Zusatz auf den Markt geworfen – doppelter Gewinn mit angeblich modischer Bräune plus gesundem Vitamin D. Das aber liefert die Sonne kostenlos in sehr viel effizienterer Kombination bei vernünftigem Gebrauch.

Panik-Reaktion der Panik-Macher?

Schwer zu verstehen, warum es so schwierig sein soll,  Sonnengenuss und Sonnenschutz in sinnvoller Balance darzustellen und durchzusetzen. Dem Wohlbefinden und der Gesundheit dient beides – im Teamwork statt beim Catch-As-Catch-Can.

Bodylotion mit Selbstbräuner im TestSo allmählich wird es Frühling und die textilfreien Zonen wachsen. Da sind die sanft gebräunten Sonnenstudio-Gänger im Vorteil. Wer aber auf die künstliche Sonne verzichten muss oder will, der kann zu einer der zahlreichen Bodylotions mit Selbstbräunern greifen. Die spenden zwar nur wenig Farbe für die Haut, sind dafür aber weniger kompliziert zu handhaben und mit weniger Nebenwirkungen versehen als die üblichen Selbstbräunungs-Präparate.

Die Zeitschrift der Stiftung Warentest, test, hat 12 Lotionen untersucht und konnte nur vier davon mit dem Prädikat “gut” auszeichnen. Die restlichen acht kamen insgesamt nur auf “befriedigend”. Oft stimmte die Balance zwischen Pflege und Feuchtigkeitsspender einerseits und leichter Bräunung andererseits nicht so recht. Das günstigste Produkt bekam die meisten Punkte. Ein fast zehnmal so teures Produkt brachte es nur auf ein mageres “befriedigend”.

Wie beim Selbstbräuner ist auch hier der Wirkstoff DHA, eine chemisch nachgebaute Zuckerart, die mit Eiweißen in der obersten Hautschicht reagiert und sie bräunlich einfärbt. Und auch hier mit den gleichen “Nebenwirkungen” wie etwa ein eigenartiger Geruch, der mit reichlich Parfum übertönt werden muss, und ungewollte Hautreaktionen – oder garkeine, denn nicht jede Haut reagiert mit Bräune auf die Zuckerbehandlung.

Quelle: test