Archiv für das Tag 'Vitamin D-Winter'

Vitamin d-spiegel und Gene

Den Unterschied macht allein die Sonne - Foto: iStockphoto

Eine Zwillingsstudie bringt es an den Tag: Nicht nur der Spaziergang in der Sonne oder der Besuch im Sonnenstudio bestimmen über die Höhe des Vitamin D-Spiegels und damit über die Vorbeugung vor chronischen Krankheiten, sondern auch die Gene: Ist der Vitamin D-Spiegel also “erblich”?

Die Antwort: Teilweise!  Das zeigt eine Studie mit 300 eineiigen und 200 zweieiigen Zwillingen aus einer Zwilliingsstudie der US-Armee im Alter von durchschnittlich 55 Jahren, deren Vitamin-Serum im Blut sowohl am Ende des Sommers als auch am Ende des Winters gemessen wurde. Der Unterschied zwischen Winter- und Sommer-Werten war erheblich.

Im Winter konnte der Unterschied zwischen den Vitamin D-Werten der Teilnehmer tatsächlich zu 70  Prozent durch die genetischen Unterschiede erklärt werden – genetisch identische Zwillinge hatten zu 70 Prozent die gleichen Vitamin D-Spiegl im Blut, unabhängig von anderen Einflussfaktoren wie Ernährung, Sonneneinstrahlung etc.

Anders im Sommer: Hier spielten die UV-Strahlen der Sonne und andere Umweltfaktoren eine ausschlaggebende, die Gene eine untergeordnete oder gar keine Rolle.  Der wichtigste Grund ist vermutlich der “Vitamin D-Winter”, der auch in großen Teilen der USA in den Monaten rund um die Jahreswende keine Vitamin D-Synthese durch die UVB-Strahlen der Sonne in der Haut zulässt. Wenn der wichtigste “Produzent” des “Sonnenschein-Vitamins” ausfällt, übernehmen andere Faktoren die “Regie” – wie eben die genetische Ausstattung.

Quelle: Science Daily

Studie:  C. Karohl et al.,  Heritability and seasonal variability of vitamin D concentrations in male twins, American Journal of Clinical Nutrition, online vorab veröffentlich, 13. Oktober 2010

Wo die Sonne weniger scheint haben die Menschen häufiger Kopfschmerzen und Migräne. Auch wenn die Sonne tiefer steht – im Herbst und Winter – schmerzt der Kopf öfter.

Dass  Sonne und Vitamin D vor allem Knochen- und Muskelschmerzen, aber auch unspezifische Schmerzen (Fibromyalgie) lindern können, ist in den vergangenen Jahren vielfach wissenschaftlich belegt worden.

Ein Neurologen-Team an der indischen Medizinischen Universität von Gujarat widmete sich jetzt der Frage, ob sich diese Erkenntnisse auch auf die verbreiteten Formen von Kopfschmerz
und vor allem auf die Migräne übertragen ließe.  Sie verglichen die Häufigkeit und Intensität von Kopfschmerzen und Migräne zwischen nördlichen, sonnenarmen, und südlichen, sonnigen Ländern.

Mit eindeutigem Ergebnis: Nordländer leiden sehr viel häufiger an Kopfschmerzen als die Bewohner der Gegenden näher am Äquator. Je mehr Sonne, desto schmerzfreier der Kopf.
Das Gleiche galt in derselben Region für den Unterschied zwischen den sonnenarmen und den sonnigen Jahreszeiten.

Die  Wissenschaftler vermuten, dass die Verbindung zwischen Sonnenmangel und Kopfschmerzen auf das Sonnenschein-Vitamin D3 zurückgeht. 90 Prozent des Vitamin D3 wird durch die UVB-Strahlen der Sonne oder im Solarium in der Haut gebildet. Als ein Indiz für ihre Vermutung verweisen die Forscher auf die große Zahl von Vitamin D-Rezeptoren, den „Türöffnern“ zum Inneren der Zellen, an dem Teil des Gehirns (Hypothalamus),  der für Kopfschmerz und Migräne „verantwortlich“ ist.

Quelle: PubMed

Studie:  S. Prakash et al., The prevalence of headache may be related with the latitude: a possible role of Vitamin D insufficiency? Journal of Headache and Pain, Mai 2010, online vorab publiziert

Mit dem Sonnenschein-Vitamin keine Angst vor der Grippe - Foto:Fotolia

Mit dem Sonnenschein-Vitamin keine Angst vor der Grippe - Foto:Fotolia

Regelmäßige Leser dieses Weblogs haben vermutlich die Grippe-Saison wesentlich besser überstanden als Nichtleser. Das ist nicht das Ergebnis einer abgesicherten Studie sondern der  Vermutung, dass die Meldungen über das Sonnenschein-Vitamin und Influenza/Grippe hier, und hier ihre Wirkung entfaltet haben.

Die japanischen Schulkinder, die in Tokio an einer repräsentativen, randomisierten Studie zur Wirkung von Vitamin D auf die Entstehung der Influenza A teilgenommen haben,  gehören sicher nicht zu unseren Lesern. Die Ergebnisse der Studie aber sind dafür umso eindeutiger:

Zwischen Dezember 2008 und März 2009 nahmen 334 japanische Schulkinder an der placebokontrollierten Doppelblindstudie teil. Täglich nahmen sie entweder 1200 IU Vitamin D3 oder Placebo ein.  Untersucht wurden Spuren der Influenza A in Antigen-Tests und in den Nasenschleimhäuten.

In der Vitamin D Gruppe erkrankten 10.8% der Kinder,  in der Placebogruppe dagegen 18.6%, also fast doppelt so viele.

Noch ausgeprägter die Wirkung bei Kindern mit Asthma. Nur 2 der Kinder in der Vitamin D-Gruppe hatten Asthma-Anfälle – gegenüber 12 Kindern in der Placebo-Gruppe.

Quelle:  Newswise

Studie:  M. Urashima et al, Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal influenza A in schoolchildren, Am J Clin Nutr, Vol. 91, No. 5, 1255-1260, Mai 2010.

Sonnenscheinn überall!

Sonnenscheinn überall!

Am Ende des “Vitamin D-Winters”, bei uns also Ende  März bis in den April hinein, steht es schlecht um die männliche Sexualität.  Der Grund:  Ein Mangel an “Sonnenschein-Vitamin D”! Noch steht zu dieser Zeit die Sonne am Himmel nicht hoch genug, um mit ihren UV-Strahlen das Vitamin D über die Haut in nennenswerten Mengen zu erzeugen, gleichzeitig aber sind die im Fettbewebe des Körpers eingelagert Vorräte verbraucht.

Was das mit der männlichen Zeugungskraft zu tun hat?

In den männlichen Geschlechtorganen befinden sich überall sogenannte Vitamin D-Rezeptoren, die das  Sonnenschein-Vitamin in die Zellen befördern, die für die Bildung und Weiterleitung des Spermas verantwortlich sind. Dieser Zusammenhang ist jetzt wieder einmal von zwei Forschergruppen in Graz, Österreich, und in Koopenhagen, Dänemark, untersucht worden – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Die Grazer Forscher um Prof.  W. März hatten eigentlich den Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel  und einer Erkrankung der Herzkranzgefäße untersucht. Bei der Analyse der Serumproben von 2.299 älteren Männern stiessen sie auf regelmäßig starke Schwankungen der Testosteron-Werte parallel zu den saisonalen Schwankungen des Vitamin D-Spiegels im Blut. Vor allem am Ende der Winterzeit ging der Vitamin D-Mangel einher mit einem um die Hälfte gesunkenen Testosteron-Spiegel.

Insgesamt zeigte sich, dass Männer mit optimalen Vitamin D-Werten einen signifikant höheren Testosteron-Spiegel aufwiesen als Männer mit einem Vitamin D-Defizit.

Die folgen eines Testosteronmangels geht weit über den Einfluss auf die “Männlichkeit” hinaus und ist nicht nur ein Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen sondern ist  nachweislich auch für eine erhöhten Sterblichkeit bei Männern verantwortlich. Die Vermutung, dass der Vitamin D-Mangel der Grund für die Testosteron-Schwankungen sein könnte und nicht eine zufällige Begleiterscheinung war bereits früher in Tierversuchen und bei Untersuchungen auf molekularer Ebene erhärtet worden.

Erste Ergebnisse der gleichen Forschergruppe scheinen darauf hinzudeuten, dass  die Sonne und das Vitamin D bei Frauen genau die gegenteilige Wirkung erzeugt. Das Sonnenschein-Vitamin senkt offensichtlich den Testosteron-Spiegel bei Frauen.

Das Interesse der Forscher an der Universität Kopenhagen galt vor allem den Mechnismen, durch die das Vitamin D in den männlichen Geschlechtsorganen und im Sperma wirksam wird: den Vitamin D-Rezeptoren und den transportierenden Enzymen. Aus der überraschend großen Zahl an Rezeptoren und Vitamin D-verarbeitenden Enzymen schliessen die Wissenschaftler auf die erhebliche Bedeutung des Sonnenschein-Vitamins für die männliche Fruchtbarkeit und damit für die menschliche Fortpflanzung.

Erst kürzlich hatten wir über drei Studien zu ähnlichen Themen hier und hier berichtet .

Eine heute online erschienene Studie liest sich wie ein Kommentar zu dieser Meldung:  Wissenschaftler an der University of Western Australia hatten in den Jahren 2001-2004 mehr als 3.600 ältere Männer zwischen 70–88 Jahren auf ihre körperliche Fitness untersucht und hatten diese untersuchungen in den Jahren 2008 – 2009 wiederholt. Gleichzeitig wurden die Testosteron-Werte erhoben.

Es zeigte sich, dass die Männer mit vergleichsweise niedrigen Testosteronwerte sowohl in der Ausgangs-  als auch in der Folgeuntersuchung deutlich mehr und stärkere Symptome von Gebrechlichkeit aufwiesen und entwickelten als die Männer mit höheren Werten.

Es zeigt sich, dass die Sonne und “ihr” Sonnenschein-Vitamin über die Wirkung auf die Testosteron-Werte nicht nur die Fruchtbarkeit von Männern in jüngeren Jahren sondern auch die Fitness und Beweglichkeit im späteren Alter positiv beeinflusst. (Ähnliche Ergebnisse einer Studie hier).

Quelle: Pressemitteilung der Universität Graz

Studien:

Wehr E., Obermayer-Pietsch B. et al., Association of vitamin D status with serum androgen levels in men, Clinical Endocrinology 2010 Aug;73(2):243-8

Pilz S, Frisch S, Koertke H, Kuhn J, Dreier J, Obermayer-Pietsch B, Wehr E, Zittermann A. Effect of vitamin D supplementation on testosterone levels in men. Horm Metab Res. 2011 Mar;43(3):223-5.

Martin Blomberg Jensen et al.,  Vitamin D receptor and vitamin D metabolizing enzymes are expressed in the human male reproductive tract,  Human Reproduction 2010 25(5):1303-1311

Zoë Hyde et al., Low Free Testosterone Predicts Frailty in Older Men: The Health in Men Study, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism , published online on  April 21, 2010

Mother hugging her baby boy sonHäufige Ursache, schreckliche Wirkung:
Viele Schwangere leiden unter Vitamin D-Mangel und geben diesen Mangel an ihre Babies weiter. Obwohl Frauen in der Schwangerschaft zusätzlichen Bedarf an Vitamin D haben, vor allem in den Monaten von Oktober bis Ende März („Vitamin D-Winter“), scheuen sie oft vor Sonnenbädern oder Solarium-Besuchen zurück, aus der unbegründeten Angst, Ihr Baby durch die UV-Strahlen zu schädigen.

Der Vitamin D-Mangel aber erhöht das Risiko für die Neugeborenen erheblich, an Rachitis oder anderen Stoffwechselstörungen zu leiden.
Bei diesen Babies aber kommt es bei der Geburt oder einfach beim ganz normalem Umgang im Alltag zu Knochenbrüchen.

Kinderärzte vermuten dann unter Umständen eine Kindesmisshandlung und zeigen die entsetzten Eltern an. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

In seinem Newsletter greift der bekannte Vitamin D-Forscher Dr. John B. Cannell, Direktor des Vitamin D Council,  dieses leidvolle Thema auf in einer Antwort auf den Brief einer verzweifelten Mutter:

Newsletter der Vitamin D-Foundation in deutsche Übersetzung (gekürzte Fassung)

Newsletter der Vitamin D-Foundation in deutscher Übersetzung mit sämtlichen Links zu wissenschaftlichen Studien (ungekürzt)

Newsletter des Vitamin D-Council im Original (Englisch)

Mangel weit verbreitet

Heute veröffentlicht:
Eine Studie der Boston University School of Medicine untersuchte 459 Mütter mit ihren Neugeborenen und fanden: “Ein hoher Anteil der Kinder und Ihrer Mütter wiesen ein Vitamin D-Defizit auf.”  Die Vitamin D-Werte der Mütter in der Schwangerschaft seien offensichtlich nicht ausreichend, die angemessene Versorgung der Babies mit dem Sonnenschein-Vitamin sicherzustellen.

In diesem Weblog haben wir über Schwangerschaft und Sonnenschein-Vitamin hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Studie:  A. Merewood, M.F. Holick,  S. D. Mehta et al.,  Widespread Vitamin D Deficiency in Urban Massachusetts Newborns and Their Mothers, PEDIATRICS, vorab online 22. März 2010

Die Vitamin D-Lücke bei Jugenldichen - Quelle: Nationale Verzehrsstudie

Die Vitamin D-Lücke bei Jugenldichen - Quelle: Nationale Verzehrsstudie

Obwohl Nahrungsergänzung bei Lebensmitteln, so etwa Vitamin D-angereicherte Milch, in den USA wesentlich verbreiteter ist als in Europa oder Deutschland, klafft bei der Vitamin D-Versorgung über die Ernährung auch dort eine beträchtliche Lücke, deutlich größer als bei anderen Vitaminen und Mikronährstoffen.

Diese Lücke  ist am größten bei Jugendlichen und jungen Frauen und bei den Alten – und das obwohl 37 Prozent der Bevölkerung Vitamin D als Nahrungsergänzung zu sich nimmt.

Auch hier die Parallele zu den deutschen Verhältnissen:
96,6 Prozent der Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren erreicht nicht die notwendigen Werte für die Vitamin D-Aufnahme,  so die Nationalen Verzehrsstudie von 2008. Ähnlich die Studie des Robert-Koch-Instituts, die ebenfalls Jugendliche als “Risikogruppe” für die Unterversorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin” ausgemacht hatte.

Diese alarmierenden Daten erhalten aus einer ganzen Reihe von Gründen eine zusätzliche Bedeutung:

  1. Vitamin D ist neben Kalzium (auch hier wird der Grenzwert von den Jugendlichen nicht erreicht) entscheidend für den Knochenstoffwechsel. Der Knochen- und Muskelaufbau findet aber vor allem in diesem Alter statt.  Später, etwa nach dem 30. Lebensjahr zehrt der Mensch davon und sein Osteoporose-Risiko wächst, je größer der Vitamin D- und Kalzium-Mangel in der Jugend war.
  2. Vitamin D  entwickelt sich, wie eine Nachrichtenagentur dieser Tage in einem Kongressbericht schrieb, zu einem “Allzweckmittel gegen Krankheiten”: Infektionskrankheiten, Autoimmun-Erkrankungen, Herz-Kreislauf- und Gefäß-Krankheiten, Krebs und Depressionen. Ein gravierender Mangel gerade in den formativen Jahren und hier vor allem bei den jungen Frauen sollte als Warnzeichen für eine gefährliche Entwicklung der “Volksgesundheit”  dienen.
  3. Der Unterversorgung bei Vitamin D steht eine krasse “Überversorgung” beim Vitamin A,  dem Retinol, gegenüber – bei einigen Alterngruppen um das Doppelte des “Referenzwerts”, der notwendigen und empfohlenen Menge. Vitamin A aber be- oder verhindert die Wirkung von Vitamin D, wie Forscher kürzlich entdeckt haben (s. u. Studie).

Im März, am Ende des “Vitamin D-Winters”,  ist der Mangel an Sonnenschein-Vitamin besonders krass, mit den üblichen Folgen, wie vor allem einer Zunahme von Infektionskrankheiten aller Art. Die UVB-Strahlen der Sonne, die normalerweise für 80-90 Prozent der Vitamin D-Produktion verantwortlich sind, haben dazu noch nicht die nötige Kraft. Die Ernährung liefert, wie gezeigt, nicht annähernd genug Vitamin D, um die Lücke zu schließen – und den 14-17jährigen verwehrt das neue “Solariengesetz” den gezielten und dosierten Ausgleich auf der Sonnenbank.  Ein Eigentor beim Gesundheits- und Verbraucherschutz?

Frühere Berichte zu Sonne, Solarien, Vitamin D und Jugendliche hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, und hier

Studien:
R.L. Bailey et al.,  Estimation of Total Usual Calcium and Vitamin D Intake in the United StatesThe Journal of Nutrition, 24. Februar 2010 (onlien vorab veröffentlicht)

Mazda Jenab et al.,  Association between pre-diagnostic circulating vitamin D concentration and risk of colorectal cancer in European populations:a nested case-control studyBritish Medical Journal,  2010;340:b5500 (vorab publiziert 21. Januar 2010)

Noch ist die Sonne nicht starkt genug!

Noch ist die Sonne nicht starkt genug!

Noch leistet der Winter Widerstand und die Sonne steht noch nicht hoch genug, um warm vermummten Spaziergängern die notwendigen UVB-Strahlen für die Vitamin D-Produktion auf die Haut zu schicken. Der Stand des Vitamin-Serums im Blut ist jetzt, am Ende des “Vitamin D-Winters”, auf dem niedrigsten Stand. Das freut Viren und Bakterien: Das “Sonnenschein-Vitamin” spielt eine entscheidende Rolle bei der Immun-Antwort des Körpers auf die unterschiedlichsten Erreger. (Erst vor Kurzem hatten wir über die Entdeckung des Wirkmechanismus hinter dieser Immunreaktion berichtet).

Zwei soeben erschienene Studien befassen sich mit diesem Thema.

In einer klinischen Studie mit 334 japanischen Schulkindern fanden Wissenschaftler an der Jikei University School of Medicine in Tokio eine deutlich niedrigere Rate an Grippe-Erkrankungen (Influenza)  bei der Gruppe mit ausreichender Vitamin D Versorgung gegenüber der Plazebo-Gruppe (10,8 gegenüber 18,6 Prozent erkrankte Kinder).

Noch deutlicher der Unterschied bei Kindern mit einer Asthma-Vorerkrankung: Bei der Gruppe mit Vitamin D-Ergänzung gab es im Untersuchungszeitraum (Dezember 2008 bis März 2009) nur zwei, in der Plazebo-Gruppe aber 12 Asthma-Attacken.

Bei Erwachsenen kommt eine norwegische Studie zu ähnlichen Ergebnissen:

Die Forschergruppe um Prof. Johan Moan, Oslo, untersuchte die Todesfälle bei Influenza und Lungenentzündung zwischen 1980 und 2000 in Norwegen und verglichen den Stand der Vitamin D-Versorgung, der in einer Reihe früherer Studien erhoben worden war:

Die mit Abstand größte Zahl an Todesfällen durch beide Krankheiten fiel in die Zeit des “Vitamin D-Winters” mit besonders niedrigem Vitamin D-Spiegel im Blut der Bewohner. Die Forscher schliessen daraus, dass ein Vitamin D-Spiegel in etwa in der durchschnittlichen Höhe des Hochsommers einen großen Teil der Todesfälle durch Grippe und Lungenentzündung verhindern könnte.

Quelle: PubMed

Studien:
Mitsuyoshi Urashima et al., Randomized trial of vitamin D supplementation to prevent seasonal influenza A in schoolchildren, American Journal of Clinical Nutrition, 10. März 2010, vorab online veröffentlicht.

Johan E. Moan et.al., Influenza, solar radiation and vitamin D, Dermato-Endocrinology, Volume 1, Issue 6 November/December 2009

Winter-Sonne reicht nicht

Winter-Sonne reicht nicht Foto: iStockphoto

Vitamin D-Mangel ist weit verbreitet in der deutschen Bevölkerung. Vor allem im Vitamin D-Winter (bei uns zwischen Oktober und März) trifft es viele der „Problemgruppen“, vor allem die Alten und die Jugendlichen. Eine Unterversorgung mit dem Sonnenschein-Vitamin D bei 80 Prozent dieser Gruppen hat dramatische Auswirkungen vor allem auf chronische Erkrankungen und „Volkskrankheiten“ wie Osteoporose, Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs und Infektionskrankheiten, Demenz und Depression.

Die Kosten für das Gesundheitssystem gehen in die Milliarden. Kosten, die vermeidbar wären. Die im Winter fehlenden UVB-Strahlen der Sonne lassen sich nämlich durch künstliche Besonnung problemlos ersetzen. Schon mit einer kleinen Serie von UVB-Bestrahlungen oder Bestrahlungen mit Sonnen-ähnlichen Geräten kann eine erhebliche Verbesserung des Vitamin D-Spiegels erreicht werden.

Bei dem besonders langen Winter im hohen Norden ist es nicht verwunderlich, dass sich vor allem auch finnische Wissenschaftler mit dieser Möglichkeit beschäftigen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Ein Forschergruppe aus Lahti im finnischen Norden testeten mit 56 gesunden Frauen aller Altersgruppen die Wirkungen einer Bestrahlung mit ausschließlich UVB und alternativ mit simulierten Sonnenstrahlen auf die Vitamin D-Bildung über die Haut.

77 Prozent der Frauen wiesen zu Beginn der Versuche einen Vitamin D-Mangel (weniger als 50 nmol/L) und 11 Prozent sogar einen schweren Mangel (weniger als 25 nmol/L) aus.

Schon nach sieben Bestrahlungen mit insgesamt 13 SED (Standard Erythema Units) auf den gesamten Körper war der Vitamin-d-Spiegel um 11,4 nmol/L gestiegen, bei der Bestrahlung nur von Gesicht und Armen immerhin um 1,0 nmol/L. Bei den Bestrahlungen mit sonnenähnlichem Licht erhöhte sich der Spiegel im Durchschnitt um 3,8 nmol/L.

Selbst bei Messungen nach zwei Monaten lag der Vitamin D-Spiegel der UVB-bestrahlten Gruppe noch deutlich über der der nicht bestrahlten Kontrollgruppe.

Es hat sich gezeigt, dass schon eine kurze, niedrig dosierte UVB-Bestrahlung die Vitamin D-Versorgung im Winter deutliche verbessern kann,“ so fassen die finnischen Wissenschaftler das Ergebnis Ihrer Tests zusammen.

Über ähnliche Ergebnisse hatten wir hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet.

Quelle: Highwire

Studie: K. Vähävihu et al., Narrow-band UVB course improves vitamin D balance in women in winter, British Journal of Dermatology 2010, Jan 22. (online vorab veröffentlicht)

Herbst- und Wintersonne reichen nicht aus

Herbst- und Wintersonne reichen nicht aus

Der positive Einfluss des Vitamin D auf die Gesundheit und vor allem auf die Prävention vieler “Volkskrankheiten” kann sich nur unzureichend entfalten, wenn der Vitamin D-Spiegel im Blut zwischen Sommer und Winter sehr stark schwankt. Dabei spielt dann die relative Höhe des Vitamin D-Spiegels keine entscheidende Rolle:
Nur ein gleichmäßig hoher Serum-Spiegel im Blut über alle Jahreszeiten garantiert die schützenden und heilenden Wirkungen des “Sonnenschein-Vitamins”.

Mit diesem Ergebnis einer Untersuchung  über den Einfluss von Vitamin D auf Vorbeugung und Entwicklung von Prostata- und Bauchspeicheldrüsen-Krebs in nördlichen Ländern weist der bekannte kanadische Vitamin D-Forscher Reinhold Vieth nach, dass die optimale Versorgung mit Vitamin D allein nicht wirkungsvoll ist, wenn die Versorgung im Laufe des Jahres stark schwankt.

Das ist vor allem beim Übergang vom Sommer zum “Vitamin D-Winter”  (bei uns von etwa Mitte Oktober bis Ende März) der Fall, wenn die Vitamin D “bremsenden” und verstärkenden Enzyme in den Zellen noch im “Sommer-Modus” arbeiten, also eher die Vitamin D-Synthese bremsen, die Sonne aber bereits ihre Kraft verloren hat, das “Sonnenschein-Vitamin” in hohen Dosen über die Haut zu produzieren.

Prof. Vieth sieht die Möglichkeit, die Übergänge vom Sommer zum “Vitamin D-Winter” mit der Einnahme relativ hoher Dosen an Vitamin D3 zu überbrücken. Ebenso problemlos aber lässt sich auch eine gleichbleibende Vitamin D-Versorgung über die Jahreszeiten hinweg auf natürlichere Weise durch mäßige aber regelmäßige UVB-Bestrahlung im Solarium sicherstellen. (Über die Vitamin D-Produktion per Sonnenbank s. hier, hier, hier, hier und hier)

Quelle: Vitamin D Coucil (John Cannell)

Studie: R. Vieth,  How to optimize vitamin D supplementation to prevent cancer, based on cellular adaptation and hydroxylase enzymology, Anticancer Research, 2009 Sep;29(9):3675-84

Winterschmerz

Winterschmerz

Winterschmerz

Im “Vitamin D-Winter” wird die Sonne oft schmerzhaft vermisst – im wahrsten Sinne des Wortes!

Wenn die Tage kürzer werden und die Sonne tiefer steht, steigt die Gefahr eines Vitamin D-Defizits sprunghaft an. Dieser Mangel an “Sonnenschein Vitamin” aber verursacht vor allem bei Frauen oft Muskel-, Knochen- und Gelenk- und rheumatische Schmerzen, Osteoarthritis und andere schmerzhafte Leiden.

In “Pain Treatment Topics” (http://Pain-Topics.org) veröffentlichten in diesen Tagen einige der führenden internationalen Forscher unter Federführung von Prof. Stewart B. Leavitt eine zusammenfassende Übersicht über den Stand der Forschung und entwickeln daraus eine Reihe von Empfehlungen gegen den “Winterschmerz”.

Prof. Leavitt dazu: “In unserer Review-Studie über 22 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema fanden wir, dass Menschen mit verschiedenartigen Schmerz- und Erschöpfungs-Syndromen praktisch immer an einem Vitamin D-Mangel litten, besonders in den Winter-Monaten. Sobald ausreichende Vitamin D-Versorgung gewährleistet war, verschwanden die Schmerzen und Schwächegefühle entweder vollständig oder wurden zumindest deutlich gelindert.”

Allerdings, so Prof. Leavitt, seien damit nicht andere Schmerztherapien überflüssig und weitere Forschung über den Zusammenhang von Vitamin D und schmerzhaften Erkrankungen notwenig.

Der 50seitige Report (“Vitamin D – A Neglected ‘Analgesic’ for Chronic Musculoskeletal Pain“) und ein 7seitiger Praxis-Brief können ebenso wie ein Patientenbroschüre heruntergeladen werden.
http://pain-topics.org/vitamind

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